Kapitel 3 aus: Im Lichtglanz der Heiligkeit Gottes: Die Schönheit des reformierten Gottesdienstes neu entdecken
Jon D. Payne
Der Gottesdienst am Sonntag ist der Höhepunkt des Gemeindelebens: Wir beten Gott an, singen ihm Lieder, bekennen unseren Glauben und hören auf sein Wort. Aber wie genau soll dies geschehen? Bei der Beantwortung dieser Frage entsteht die grundsätzliche Spannung zwischen den eigenen Wünschen und Präferenzen und den Anordnungen Gottes, die wir in seinem Wort finden. Nicht zuletzt deshalb wurde die Frage nach der Gottesdienstgestaltung in der Geschichte der Kirche häufig diskutiert. In der Reformation wurde die Gottesdienstgestaltung zur Schlüsselfrage und stellte einen wichtigen Unterschied zwischen protestantischer Bewegung und der römisch-katholischen Kirche dar. Auch heutzutage ist die Gottesdienstgestaltung eine Frage, an der die Unterschiede zwischen Gemeinden besonders sichtbar werden. In den letzten Jahrzehnten richteten viele Gemeinden ihren Gottesdienst darauf aus, möglichst viele Ungläubige zu erreichen, manche Elemente wie z.B. das Sündenbekenntnis verschwanden aus dem Gottesdienst vieler evangelikaler Gemeinden und liturgische Gottesdienste wurden zur Seltenheit.
Jon Payne setzt sich in seinem Buch Im Lichtglanz der Heiligkeit Gottes mit der Gestaltung des Gottesdienstes auseinander. Er erklärt die auf die Reformation zurückgehende Liturgie reformierter Gemeinden und zeigt deren Wichtigkeit auf. Denn: In erster Linie findet der Gottesdienst vor dem Angesicht Gottes statt und nicht, um menschlichen Ansprüchen des Zeitgeistes zu entsprechen. Im vorliegenden Kapitel widmet Payne sich dem Ruf zur Anbetung, erklärt das Wesen des Gottesdienstes und erinnert uns daran, dass Gott uns aus Gnade zum Gottesdienst zusammenruft.
Jeder christliche Gottesdienst sollte einen eindeutigen Beginn haben, das heißt, es sollte einen Zeitpunkt geben, zu dem die versammelte Gemeinde von Gott in die heilige und festgesetzte Zeit der Anbetung am Tag des Herrn gerufen wird. Traditionell wird dieser Aufruf entweder allein vom Pfarrer oder gemeinsam von Pfarrer und Gemeinde vorgetragen. Während dieses heiligen Auftakts zum gemeinsamen Gottesdienst ruft Gott selbst sein erlöstes Volk dazu auf, seinen heiligen Namen zu verherrlichen.
Es gibt viele geeignete Bibelstellen, die verwendet werden können, um Gottes Bundesvolk zum Gottesdienst zu rufen. In Psalm 95 heißt es beispielsweise:
Kommt, lasst uns dem HERRN zujubeln und jauchzen dem Fels unsres Heils! Lasst uns ihm begegnen mit Lobgesang und mit Psalmen ihm zujauchzen! Denn der HERR ist ein großer Gott und ein großer König über alle Götter. In seiner Hand sind die Tiefen der Erde, und die Gipfel der Berge gehören ihm. Sein ist das Meer, denn er hat es gemacht, und seine Hände haben das Festland bereitet. Kommt, lasst uns anbeten und uns beugen, lasst uns niederfallen vor dem HERRN, unserem Schöpfer! Denn er ist unser Gott, und wir sind das Volk seiner Weide und die Schafe seiner Hand. (Psalm 95,1–7)
In diesem Aufruf zur Anbetung werden Gottes unendliche Größe und königliche Majestät betont. Gott wird als der souveräne Schöpfer gepriesen, der die Meere geschaffen und das trockene Land geformt hat. Weil er unser Gott ist und wir die Schafe seiner Weide sind, muss unsere Antwort an ihn Gesang und Jubel sein, während wir mit überfließendem Herzen voller Dankbarkeit und Lobpreis in seine Gegenwart kommen, nämlich seine besondere Gegenwart im Kontext des gemeinschaftlichen Gottesdienstes.
In den Psalmen finden wir zahlreiche Texte, die sich für einen Anruf zur Anbetung eignen (zum Beispiel Psalm 84; 89; 92; 96–100; 108; 111; 113; 115; 117–119; 145–150 und so weiter). Gott ruft uns auch an anderen Stellen der Heiligen Schrift zum Gottesdienst auf. So heißt es beispielsweise im Hebräerbrief:
Darum, weil wir ein unerschütterliches Reich empfangen, lasst uns die Gnade festhalten, durch die wir Gott auf wohlgefällige Weise dienen können mit Scheu und Ehrfurcht! Denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer. (Hebräer 12,28–29)
Wir sind dazu aufgerufen, Gott mit einem Gottesdienst zu ehren, der ihm angenehm ist und ihm gefällt, insbesondere mit einem Gottesdienst, der von Dankbarkeit, Ehrfurcht und Ehrerbietung geprägt ist. Ein Gottesdienst ohne diese Eigenschaften ist für unseren himmlischen Vater unannehmbar.
Ein förmlicher Ruf zum Gottesdienst, der unmittelbar aus der Heiligen Schrift entnommen ist, ermöglicht der Gemeinde nicht nur einen ordentlichen Beginn des Gottesdienstes (siehe 1. Korinther 14,40), sondern, was noch wichtiger ist, er macht auch deutlich, dass Gott sein Volk aufruft, ihn im Geist und in seiner Wahrheit anzubeten.
Das gesamte Buch kann bei Sola Gratia bestellt werden.
Jon D. Payne, Im Lichtglanz der Heiligkeit: Die Schönheit des reformierten Gottesdienstes neu entdecken [Sola Gratia Medien], 2026, ISBN: 9783912524017. 14,90 €
Jon D. Payne ist Pastor der Christ Church Presbyterian in Charleston im US-Bundesstaat South Carolina. Gemeinsam mit seiner Frau Marla hat er zwei erwachsene Kinder.