GRUßWORT

GRUßWORT

Denn obgleich wir im Fleisch wandeln, so kämpfen wir doch nicht nach Art des Fleisches; denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig durch Gott zur Zerstörung von Festungen, sodass wir Vernunftschlüsse zerstören und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und jeden Gedanken gefangen nehmen zum Gehorsam gegen Christus.

2. Korinther 10,3–5

Bekennende Christen sind dafür bekannt, dass sie sich bei ethischen Themen politisch einsetzen. Sei es beim Marsch für das Leben oder durch Petitionen und Onlineaktivitäten. Dieses gesellschaftliche Engagement ist aus christlicher Sicht auch unbedingt notwendig. Nicht nur, weil unsere westliche Welt sich in den letzten Jahrzehnten immer weiter vom Christentum entfernt hat, sondern auch, weil die Bibel uns dazu aufruft jeden Gedanken gefangen zu nehmen, um Christus zu gehorchen.

Einer dieser Gedanken, den wir gefangen nehmen müssen, ist weniger bekannt als die großen ethischen Themen unserer Zeit – sei es die Diskussion um die weitere Legalisierung von Abtreibungen oder die Genderideologie –, wenngleich ähnlich wichtig. Nur wenige werden mitbekommen haben, dass der Bundestag im März dieses Jahres über das Thema nicht-invasiver Pränataltests debattiert hat. Bemerkenswert ist, dass von den Medien kaum darüber berichtet wurde. Dabei ist es – besonders für uns Christen – von immenser Bedeutung.

Was sind nicht-invasive Pränataltests?

Der nicht-invasive Pränataltest, kurz NIPT, ist ein Bluttest, der bereits in einem frühen Stadium der Schwangerschaft (10. Schwangerschaftswoche) mögliche genetische Veränderungen beim Ungeborenen erkennen kann. Durch Blutentnahme kann beispielsweise festgestellt werden, ob das ungeborene Kind Trisomie 13, 18 oder 21 hat. Weil das Blut der Mutter ab der 10. Schwangerschaftswoche genug DNA des Kindes enthält, genügt die Untersuchung des Blutes der Mutter, um Auffälligkeiten in der DNA des Kindes festzustellen. Dadurch ermöglicht es diese Technologie, den Test durchzuführen, ohne in die Gebärmutter einzugreifen. Er ist deshalb – anders als invasive Tests – mit nur geringem medizinischem Risiko verbunden. Auf Wunsch der werdenden Mutter kann das Ergebnis des NIPTs durch weitere (invasive) Tests überprüft werden.

Seit 2022 ist es möglich, den NIPT von der Krankenkasse erstattet zu bekommen, wenn die Mutter und der behandelnde Arzt zu der Überzeugung kommen, dass der Test „notwendig ist“. Einer Erhebung des BARMER Instituts für Gesundheitssystemforschung zufolge ließen im ersten Halbjahr des Jahres 2024 beinahe 50 % der Schwangeren einen NIPT durchführen.

Die ethische Relevanz

Die ethische Problematik hinter diesen Tests mag auf den ersten Blick nicht erkennbar sein: Was ist falsch daran zu prüfen, ob mein Kind gesund ist oder nicht? Christliche Eltern mögen sich die Frage stellen – was nicht verwerflich ist –, müssen bei der Beantwortung aber unter jedem Umstand an den ethischen Maßstäben der Bibel festhalten. Jedes Kind ist das Ebenbild Gottes, ob es gesund ist oder nicht. Diese Wahrheit dürfen wir durch unser Handeln niemals verleugnen. Wie 2. Korinther 10 deutlich sagt, ist es unsere Aufgabe als Christen, jeden Gedanken gefangen zu nehmen, um Christus zu gehorchen. Das ist nicht immer einfach: Es gibt Vernunftschlüsse und Festungen, die es im geistlichen Kampf der ethischen

Entscheidung zu zerstören gilt. Gerade bei auf den ersten Blick unproblematischen Dingen, muss doppelt hingeschaut werden, damit die Täuschungen der Gesellschaft erkannt werden.

Die Frage „Was ist der Mensch?“ kann von vielen heute kaum oder nur unzureichend beantwortet werden. Ist er ein weiterentwickeltes Tier im Sinne Darwins? Ein ethisch verantwortliches Wesen, das nach rationaler Logik handeln soll, wie bei Kant? Oder vielleicht doch das Ebenbild Gottes, wie es Gottes Wort lehrt? 

Die ethische Relevanz der NIPTs wird anhand dieser Kernfrage der Anthropologie sichtbar: Unser Umgang mit diesem Verfahren ergibt sich maßgeblich durch unser Verständnis des Menschen. Wenn der Mensch ein rein vernunftbegabtes Wesen ist und seine ethischen Handlungen durch Logik erschließen soll, dann ist der NIPT unproblematisch, wenn nicht sogar geboten. Wenn der Mensch jedoch vom christlichen Glauben aus verstanden wird, dann ist die Durchführung des Tests unvorstellbar, da der Test eine Wertung des Lebens suggeriert, die dem Menschen seine Würde abspricht und seine Ebenbildlichkeit verleugnet.

Die ethische Problematik

Der NIPT offenbart die offensichtliche Suche nach „problematischen Genen“. Ein Test, der darauf ausgelegt ist, bestimmte Behinderungen zu identifizieren, macht automatisch – ob bewusst oder unbewusst – eine Unterscheidung zwischen „lebenswertem“ und „lebensunwertem“ Leben. Diese Haltung widerspricht nicht nur dem ersten Artikel unseres Grundgesetzes (die Würde des Menschen ist unantastbar), sondern auch dem christlichen Verständnis des Lebens. Jeder Mensch, ob mit oder ohne genetischen „Defekten“, ist im Ebenbild Gottes geschaffen, egal ob das ungeborene Leben gesund ist oder nicht. Es muss ausnahmslos gelten: Jedes Leben ist von Gott geschaffen und trägt seinen Fingerabdruck auf sich. Als Christen müssen wir an dieser Wahrheit festhalten und für sie kämpfen. Wenn wir das nicht tun, dann sind die Folgen kaum abzusehen.

Schon jetzt ist die enge Verbindung zu Abtreibungen, die im Fall der NIPTs vorliegt, bemerkenswert. Der NIPT kann ab der 10. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden, während Abtreibungen in Deutschland bis zur 12. Woche straffrei sind. Auch wenn (noch) keine belastbaren Zahlen zu dieser Verbindung existieren, ist es Fakt, dass den Eltern bei auffällig ausfallenden Testergebnissen die Abtreibung als mögliche Option offenbleibt. Wer den Test durchführt und die Frage des Lebenswerts stellt, der begibt sich mit dieser Weichenstellung schon auf den Weg, eine Abtreibung wenigstens in Betracht zu ziehen.

Wie 2. Korinther 10 klarmacht, kämpfen wir diesen Kampf in erster Linie nicht gegen fleischliche Mächte. Gott hat uns dazu ausgerüstet, die Festungen und Höhen zu zerstören, indem wir jeden Gedanken gefangen nehmen zum Gehorsam gegen Christus. Wir sollten deshalb auch bei „kleineren“ ethischen Entscheidungen, die unwichtig scheinen, genau hinsehen. Es ist unser Gebet, dass auch diese Ausgabe der Bekennenden Kirche dazu dient, jeden Aspekt des Lebens durch die christliche Weltanschauung zu betrachten.

Mit herzlichen Grüßen

Lukas Strauß