In den letzten Jahren wurde das Thema „Krieg“ medial präsenter. Aber nicht nur unsere Gesellschaft, sondern auch Gottes Wort befasst sich mit diesem Thema. In Jesaja 2,1–5 finden wir die bekannte Verheißung, dass Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet werden. Ludwig Rühle legt diese Verse aus und zeigt uns, dass Frieden in dieser Welt nur durch den Frieden entstehen, den Christus geschenkt hat.
Das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, über Juda und Jerusalem schaute: Ja, es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses des HERRN fest gegründet stehen an der Spitze der Berge, und er wird erhaben sein über alle Höhen, und alle Heiden werden zu ihm strömen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: „Kommt, lasst uns hinaufziehen zum Berg des HERRN, zum Haus des Gottes Jakobs, damit er uns belehre über seine Wege und wir auf seinen Pfaden wandeln!“ Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen und das Wort des HERRN von Jerusalem. Und er wird Recht sprechen zwischen den Heiden und viele Völker zurechtweisen, sodass sie ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden werden und ihre Speere zu Rebmessern; kein Volk wird gegen das andere das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr erlernen. — Komm, o Haus Jakobs, und lasst uns wandeln im Licht des HERRN! —
Schwerter zu Pflugscharen – Ein unerreichbarer Traum?
Friedensverhandlungen ziehen sich oft quälend lange hin. Wer sich mit der Geschichte beschäftigt, merkt schnell: Das ist kein neues Phänomen. Die Verhandlungen zum Dreißigjährigen Krieg dauerten sieben Jahre – eine Zahl, die zunächst schockiert, aber heute fast „normal“ erscheint. Kriege beginnen schnell. Frieden zu schaffen ist dagegen ein mühsamer, langwieriger Prozess.
Wir wollen Frieden! Obwohl vermutlich jeder Politiker und Machthaber dies unterschreiben würde, erleben wir eine Zeit, in der massiv aufgerüstet wird. Staaten bereiten sich auf Krieg vor, während sie von Frieden sprechen. Auch in Deutschland ist zunehmend von Aufrüstung, militärischer Produktion und sogar von „Kriegswirtschaft“ die Rede.
Die Logik dahinter scheint zu sein: Aufrüsten für den Frieden.
Die sogenannte Trümmerliteratur ist in Vergessenheit geraten. Ich habe vor einiger Zeit den Text gelesen, den Wolfgang Borchert (1921–1947) als seine letzte Arbeit kurz vor seinem Tod geschrieben hat: „Dann gibt es nur eins!“ Angesichts seiner eigenen Kriegserlebnisse und auch der beiden Atombombenabwürfe in Japan spricht er in diesem Manifest verschiedenste Gewerbe und auch Menschen der Gesellschaft mit dem dringenden Aufruf an, „Nein“ zur Aufrüstung und Kriegstreiberei zu sagen:
Du. Mädchen hinterm Ladentisch und Mädchen im Büro. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst Granaten füllen und Zielfernrohre für Scharfschützengewehre montieren, dann gibt es nur eins: Sag NEIN!“
Albert Einstein hat gesagt: „Wir müssen erkennen, dass wir nicht gleichzeitig für den Krieg und für den Frieden planen können.“
Ich weiß, wie wichtig es ist, dass ein Land sich verteidigen kann. Auch die Bibel fordert an keiner Stelle die Abschaffung jeglicher Armeen. Sie sagt: Gott hat der Obrigkeit das Schwert gegeben, damit sie für Recht, Ordnung und Sicherheit sorgt (Röm 13). Das ist nötig in einer sündigen Welt. Doch die immer krassere Aufrüstung führt am Ende nicht immer zu mehr Sicherheit – das Gegenteil ist der Fall.
Seit 1959 steht vor dem UN-Hauptquartier in New York City eine Skulptur. Sie zeigt einen starken Mann, der ein riesiges Schwert mit einem großen Hammer zu einer Pflugschar umschmiedet – aus einem Werkzeug des Todes wird ein Werkzeug des Lebens.
Doch die Ressourcen, die in Kriege fließen, sind enorm. Während weltweit Unsummen in Waffen investiert werden, sterben gleichzeitig Menschen an Hunger und Mangel.
- Ein Schuss aus einem Gewehr kostet ca. 1 Euro.
- Ein Schuss von einem Panzer zwischen 1.000 und 10.000 Euro.
- Eine Rakete von einem Jet oder einer Abwehrstation kostet zwischen 100.000 bis weit über 1 Million Euro.
- Die weltweiten Rüstungsausgaben betragen ca. 5 Millionen Dollar pro Minute!
- Laut den Vereinten Nationen und anderen Hilfsorganisationen sterben ca. 17 Menschen an Hunger und den Folgen von Unterernährung pro Minute!
Angesichts des Mangels, den viele Menschen auf dieser Welt erleiden, sind die Zahlen erschütternd. Aber dennoch ist nicht zu wenig Geld das Problem, sondern zu viel Gier. Nicht die Waffen sind das Problem, sondern unser sündiges Herz. Nicht das Schwert, sondern die Schuld.
John N. Oswalt schreibt in seinem Jesaja-Kommentar:
„Was erklärt Kriege und all die kleineren Feindseligkeiten, die zum Krieg führen? Es ist ungezügelte Selbstverherrlichung. Wenn eine Person oder eine Nation entscheidet, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen muss und dass sie der endgültige Richter darüber ist, was ihre legitimen Bedürfnisse sind und wie diese Bedürfnisse erfüllt werden können, werden die Schwächeren mit Füßen getreten und es entsteht Gewalt.“[1]
Darum ist es so wichtig zu hören, was Gott über das Thema Abrüstung und Weltfrieden zu sagen hat. Eine der wichtigsten Aussagen dazu finden wir in Jesaja 2,1–5. Von dort stammt der berühmte Slogan der Friedensbewegung, der auch durch die Skulptur vor dem UN-Hauptgebäude zum Ausdruck gebracht wird: Schwerter zu Pflugscharen.
Die Lösung, die Jesaja prophezeit, ist allerdings kein Auftrag (wie es die Skulptur suggeriert). Es ist kein: Nehmt die Werkzeuge des Todes und baut daraus Werkzeuge der Lebenserhaltung! Die Lösung geht tiefer. Sie lautet: Wenn alle Völker den einen wahren Gott anbeten, wird wahrer Friede herrschen in Ewigkeit. Wenn das geschieht, dann (und nur dann) werden Schwerter zu Pflugscharen – nicht als Gebot, sondern als Folge.
Kurz: Abrüstung durch Anbetung.
Gott legt uns in drei Versen einen Dreistufenplan für den Weltfrieden dar:
- Alle beten allein Gott an – auf dem Berg, der alle Berge überragt (2,2)
- Die Nationen lassen sich von Gott unterweisen, um auf seinem Weg zu gehen (2,3)
- Dadurch wird es zur Abrüstung und zum Frieden kommen (2,4)
Auch zu Jesajas Zeit herrschte Kriegsstimmung, denn Jerusalem wurde belagert. Die Armee kämpfte verzweifelt, die Bevölkerung litt an Hunger und die Regierung erließ ständig neue Gesetze zur Erhöhung der Verteidigungsbereitschaft.
Jesajas Worte klangen in den Ohren seiner Zeitgenossen wie Träumerei oder Spinnerei. Ihre Erfüllung musste unmöglich erscheinen. Schwerter zu Pflugscharen war kein realistischer Traum, sondern viel eher ein Fiebertraum.
Im ersten Kapitel hatte Jesaja gerade noch die katastrophale Situation geschildert: Rebellion, Korruption, Heuchelei, Blutvergießen. Aber wie sieht Gottes Plan mit der Stadt aus?
- Anstatt Rebellion: Gott wird gegenwärtig sein
- Anstatt Korruption: Das Gesetz und Recht werden von der Stadt ausgehen
- Anstatt Heuchelei: Sie werden wandeln auf Gottes Pfaden
- Anstatt Blutvergießen: Wahrer Friede wird herrschen
Kapitel 1 und der Anfang von Kapitel 2 sind vergleichbar mit diesen total unrealistischen Vorher-Nachher-Bildern im Internet, auf denen ältere, faltige Frauen dank der neuen Gesichtscreme plötzlich 30 Jahre jünger aussehen – oder auf denen übergewichtige Männer dank ihres disziplinierten Trainings in drei Monaten 69 kg abnehmen. So etwas glaubt doch keiner!
Und dennoch: Für Gott ist Jesaja 2,1–5 keine These, sondern eine Tatsache, kein Fake, sondern Fakt. Es wird so geschehen!
Aber wie kommt Gott zu diesem Ziel?
Berg über allen Bergen – Anbetung Gottes durch alle Völker (Vers 2a)
Ja, es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses des HERRN fest gegründet stehen an der Spitze der Berge, und alle Heiden werden zu ihm strömen (Jes 2,2).
Berge spielten bei den Israel umgebenden Heidenvölkern eine wichtige religiöse Rolle. Sie waren die Orte, wo Himmel und Erde sich am nächsten kommen. Darum wurden auf den Höhen Gottheiten angebetet. Auch Israel ließ sich zum Götzendienst auf den Höhen verführen. Der Berg Zion, auf dem der Tempel stand, steht für die Anbetung Gottes. Die Berge stehen für die Anbetung der Götzen.
Heute ist es noch immer so. Jede Religion hat ihre heiligen Berge, ihre heiligen Orte. Orte, von denen man sich erhofft, Gott, dem Übernatürlichen oder der Erlösung am nächsten zu sein. Moslems strömen nach Mekka. Juden gehen zur Klagemauer. Hindus nach Varanasi oder Amarnath. Buddhisten nach Lumbini, der Geburtsstätte von Siddhartha Gautama, dem Buddha. Die Grüne Bewegung will einfach zurück zur Natur. Aussteiger auf irgendeine Insel. Andere wollen zum Mars, wieder andere dahin, wo das große Geld gemacht wird. Politiker und Konzernbosse treffen sich auch auf einem Berg in den Alpen in Davos. Und auch wir haben unsere heilige Berge – die Orte oder Dinge, von denen wir uns Freude und Hilfe erhoffen und zu denen wir deshalb immer wieder gehen, anstatt zu Gott.
Einmal wird es jedoch jedem klar und deutlich werden: Es gibt nur einen Berg, nur einen Ort, woher wir wahrhaft Hilfe bekommen. Es ist der Berg Zion, auf dem der Tempel stand, auf dem Gott angebetet wurde.
Diese Botschaft ist exklusiv: nur ein Berg, ein Gott
Aber auch inklusiv: denn viele Völker werden kommen (vgl. 2,2b).
Christus hat es vollbracht
Ein junger atheistischer Mann sagte mir einmal in einem Gespräch über den Glauben: „Das Christentum ist eine Religion, die es geschafft hat.“ Nein! Das Christentum ist keine menschengemachte Religion, die es geschafft hat, sondern die Folge von etwas, was Gottes Sohn vollbracht hat. Und zwar auf eben diesem Berg Zion.
Das bringt uns nun zu der Frage, wann das alles geschehen soll? Wann wird der Berg Zion erhaben sein über alle Berge? Wann wird Gott der ganzen Welt zeigen, dass er allein Gott ist? Wann werden alle Heiden zu ihm strömen?
Einige Christen gehen davon aus, dass dies alles bereits in einem irdischen 1000-jährigen Reich geschehen wird. Andere sehen die vollständige Erfüllung dieser Verse erst im neuen Himmel und auf der neuen Erde – wahrer Frieden wird erst im Himmel sein.[2]
Welche Endzeitsicht man hier auch vertritt – Christen sind sich einig: Wenn Christus sichtbar auf der Erde regieren wird, dann wird vollkommener Friede sein.
Bleibt das zweite Kapitel von Jesaja für uns also reine Zukunftsmusik? Nein, denn die Erfüllung von Vers 2–3 hat schon lange begonnen. Genau genommen seit dem ersten Kommen Christi mit Tod, Auferstehung, Himmelfahrt und der Aussendung des Heiligen Geistes an Pfingsten!
Die endgültige Erfüllung
Die „letzten Tage“, die „letzte Zeit“ oder die „Endzeit“ (vgl. am Ende der Tage in Jes 2,2) bezeichnen die gesamte Zeitspanne zwischen dem ersten und dem zweiten Kommen Jesu Christi. So schreibt der Autor des Hebräerbriefes: In diesen letzten Tagen hat er zu uns geredet durch den Sohn (Hebr 1,2). Auch Petrus greift diesen Gedanken auf, wenn er über den Sühnetod Jesu sagt: Er war zuvor ersehen vor Grundlegung der Welt, aber wurde offenbar gemacht in den letzten Zeiten um euretwillen (1. Petr 1,20).
Darüber hinaus macht Hebräer 12 deutlich, dass die Gläubigen nicht zu einem sichtbaren, irdischen Berg gekommen sind, den man anrühren kann (vgl. Hebr 12,18), sondern zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem(Hebr 12,22). Und noch konkreter: Sie sind gekommen zu Jesus, dem Mittler des neuen Bundes, und zu dem Blut der Besprengung(Hebr 12,24).
Zion hat hier also eine symbolische Bedeutung. Es geht um den Ort, an dem alle Erlösten des Herrn ihre eigentliche Heimat haben werden – das himmlische Jerusalem, der neue Himmel und die neue Erde. Gleichzeitig gilt: Dieser Ort ist nicht nur Zukunft. Wir begegnen ihm schon jetzt – in der Gemeinde, dort, wo Jesus Christus angebetet wird.
Der Berg Zion hat seine herausragende Stellung in dem Moment eingenommen, als Jesus dort am Kreuz für unsere Sünde und Schuld gestorben ist.
Jesus hat Frieden mit Gott gebracht, indem er das auf sich genommen hat, was allen Hass und allen Krieg in dieser Welt hervorbringt: unsere Sünde. Er hat das getragen, wofür wir eigentlich das ewige Gericht Gottes verdient hätten. Er hat die Strafe auf sich genommen – stellvertretend für uns. Darum kann er Schuld vergeben, von Sünde reinigen und unser Herz grundlegend verändern.
Am Kreuz von Golgatha hat Gott seine Herrlichkeit auf unüberbietbare Weise offenbart. Dort wird sichtbar, wie heilig und gerecht Gott ist – und zugleich, wie unermesslich gnädig und barmherzig.
Und seitdem geschieht, was Jesaja angekündigt hat: Menschen aus allen Nationen strömen zu diesem Berg (vgl. Jes 2,2b).
Das Wort „strömen“ ist dabei sehr anschaulich: Es beschreibt einen Strom, einen Fluss – eine scheinbar unaufhörliche Bewegung. Wie viele kleine Bäche aus unterschiedlichen Regionen zusammenfließen und schließlich ein großes Ganzes bilden, so kommen Menschen aus allen Teilen der Welt zu Gott. Und das Erstaunliche ist: Während Wasser immer bergab fließt, strömen diese Menschen bergauf – hinauf zum Berg Gottes.
Dieser Strom hin zum Kreuz ist die einzige wirksame Gegenströmung gegen Hass und Krieg in dieser Welt: Abrüstung durch Anbetung!
Menschen sind nicht in der Lage, Frieden zu schaffen und zu wahren. Wenn hier ein Krieg beendet wird, dann erst, nachdem das Leid unermesslich groß geworden ist, erst, wenn mindestens bei einem Kontrahenten die Kriegskassen leer sind.
Lasst uns beten und flehen für Frieden in der Ukraine und für anhaltenden Frieden in Israel und im Iran!
Aber selbst, wenn diese Kriege endlich beendet werden, wissen wir, dass es nicht lange dauern wird, bis an einer anderen Stelle der Welt ein neuer Konflikt entfacht wird. Ein Überblick nur über die letzten 20 Jahre bestätigt das:
- Afghanistan: 2001–2021
- Irak: 2003–2011
- Syrien: seit 2011 und bis heute unruhig
- Kämpfe gegen den IS: seit 2013
- Jemen: 2015 – heute
- Palästina/Israel
- Bürgerkrieg in Kolumbien
- Venezuela: bewaffnete Proteste gegen die Regierung: seit 2013
- Myanmar: seit 2017
- Sudan: fortwährend
- Nigeria: 2010 – heute
- Libyen: seit 2011 (bis heute unruhig)
- Äthiopien: 2020–2022
- Ukraine: 2022 – heute
- Iran: seit 2026
Krieg ist und bleibt unsere Lebensrealität.
Wenn Menschen nicht den Frieden Gottes erfahren, der höher ist als alle Vernunft, wird es keinen Frieden geben. Aber wer durch Glauben an Jesus diesen Frieden gefunden hat (Röm 5,1), der kann selbst zum Friedensstifter werden.
Wenn du deine Sünden Jesus bekennst und Vergebung erlangst, erst dann bist du bereit, anderen zu vergeben und so Versöhnung und Frieden zu bewirken.
Ohne Jesus gibt es keinen Frieden, weder in deinem Leben noch im Leben der Völker.
Wahrer Friede
Das Potenzial zu Hass und Gewalt steckt in jedem menschlichen Herzen. Man kann es mit einer einfachen Beobachtung vergleichen: Wenn man Druck auf eine Orange ausübt, kommt heraus, was in ihr steckt – Orangensaft. Wenn aber Druck auf dein Leben ausgeübt wird – was kommt dann aus dir heraus?
Schon in kleinen Konflikten zeigt sich oft, was wirklich in uns ist: Harte Worte kommen aus unserem Mund, und in unserem Herzen entstehen Gedanken, die noch viel weiter gehen. So sehr wir uns auch Frieden wünschen – aus eigener Kraft können wir ihn nicht hervorbringen. Wir brauchen mehr als gute Vorsätze oder kernige Slogans: Jesus muss unser Herz verändern.
Darum gilt, so schreibt Theo Lehmann: „Wer A sagt, muss auch B sagen; wer Abrüstung sagt, muss auch Buße sagen.“[3]
Doch jedem Menschen, dessen Herz Jesus von Sünde gereinigt und dem er die Schuld vergeben hat, gibt er auch einen Auftrag: Sei ein Friedensstifter! Jesus selbst sagt: „Selig sind die Friedfertigen“ bzw. die Friedensstifter (vgl. Mt 5,9). Und Petrus schreibt: „Er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach“ (1. Petr 3,11).
Es bleibt dabei: Wahrer Frieden entsteht nicht von selbst. Er kommt nicht von den Mächtigen dieser Welt – er kommt von Gott. Oder wie Theo Lehmann es treffend formuliert hat: „Es gibt nur eine Kraft, die Frieden schafft ohne Waffen, und das ist die Liebe – die Liebe Gottes.“[4] Doch diese Wahrheit soll uns nicht passiv machen. Im Gegenteil: Wir sind berufen, diese Liebe weiterzugeben. Wir sind dazu berufen, Frieden zu stiften ohne Waffen. Darauf läuft auch der Aufruf aus Jesaja hinaus: „Kommt, Haus Jakobs, lasst uns wandeln im Licht des HERRN!“ (Jes 2,5)
Der Blick auf diese herrliche Zukunft – eine Zukunft, die durch Jesu erstes Kommen schon begonnen hat – soll unser Leben heute prägen und verändern. Jesus sagt auf unser Jetzt bezogen: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern er wird das Licht des Lebens haben (Joh 8,12).
Doch wir lehnen die Verantwortung ab, indem wir sagen: „Über Krieg und Frieden entscheiden doch sowieso die da oben, was können wir da schon tun?“
Oder wir vertrösten uns auf die Zukunft mit dem Gedanken, dass es echten Frieden sowieso erst geben wird, wenn Christus wiederkommt.
Beides klingt nachvollziehbar, führt aber dazu, dass wir untätig bleiben.
Darum möchte ich zum Schluss zwei Wege aufzeigen, auf denen jeder von uns konkret dazu aufgerufen ist, ein Friedensstifter zu sein:
- Strebe nach Frieden in deinen Beziehungen
Wenn es Streit gibt, reden wir uns meist so heraus: „Der andere soll auf mich zukommen …“; „Ich wäre ja bereit zur Versöhnung, aber…“; „Ich will doch Frieden! Aber der andere müsste zuerst bestimmte Bedingungen erfüllen und Einsicht zeigen …“
Warte nicht darauf! Ja, es stimmt, einer muss anfangen! Am besten Du! Du kannst die Waffen dieser Welt nicht abschaffen, aber mit echter Abrüstung in Deinem eigenen Leben beginnen! Geh Du den ersten Schritt…
- auf Deine Eltern zu, die Dich ungerecht behandelt haben!
- auf Deinen Ehepartner zu, mit dem Du Dich zerstritten hast!
- auf Deine Geschwister zu, die Dir gehässig begegnet sind!
Reiche dem die Hand, der gegen Dich arbeitet. Bitte Du zuerst um Vergebung.
Vielleicht denkst Du, dass Du das nicht kannst oder Dir die Kraft dazu fehlt – und Du hast Recht! Aus eigener Kraft wirst Du es nicht schaffen. Doch Gott will sie Dir schenken, indem Du auf das schaust, was Jesus für Dich getan, wie er Dich geliebt und Dir vergeben hat
Seine Liebe wird es Dir möglich machen, den ersten Schritt zu gehen.
- Unterstütze die Mission
Und viele Völker werden hingehen und sagen: „Kommt, lasst uns hinaufziehen zum Berg des HERRN, zum Haus des Gottes Jakobs, damit er uns belehre über seine Wege und wir auf seinen Pfaden wandeln!“ Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen und das Wort des HERRN von Jerusalem (2,3).
Hier wird deutlich, wie es dazu kommt, dass „alle Nationen“ zum Berg des Herrn strömen: Sie rufen sich gegenseitig. Diejenigen, die sich bereits auf den Weg gemacht haben, die sich von Gott unterweisen lassen und auf seinen Wegen gehen wollen, laden andere ein mitzukommen.
So geschieht Mission.
Am Anfang ging sie von den Aposteln aus, von gläubigen Juden – und ganz konkret von Jerusalem. Dort lag ihr historischer Ausgangspunkt. Doch auch geistlich gilt: Mission geht von Zion aus. Denn ihr eigentlicher Ursprung sind Tod und Auferstehung Jesu sowie die Ausgießung des Geistes – alles historische Ereignisse, die in Jerusalem stattgefunden haben.
Und genau so muss es auch heute sein: Unsere Missionsbemühungen gehen von „Zion“ aus, indem wir die Botschaft vom Kreuz weitergeben. Denn wenn Jesaja sagt: Damit er uns belehre über seine Wege und wir auf seinen Pfaden wandeln (Jes 2,3b), was bedeutet das anderes, als dass wir verkünden: Jesus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben? Wo Menschen erkennen, dass Jesus der einzige Weg ist, dass er der Herr aller Herren ist und dass er den Namen trägt, der über allen Namen steht – dort geschieht genau das, was Jesaja beschreibt: Sie machen sich auf den Weg und strömen zum Berg, der alle anderen Berge überragt.
In unserem Land protestieren junge Menschen und Schüler gegen die Wehrpflicht. Doch wisst ihr, was unsere jungen Gemeindeglieder am wirksamsten dagegen tun können – sodass es eines Tages nicht mehr nötig ist, „den Krieg zu erlernen“, weil kein Volk mehr gegen das andere das Schwert erheben wird (vgl. Jes 2,4)? Geht in die Mission oder unterstützt Missionare!
Denn nur wenn die Völker mit Gottes Wort vertraut gemacht werden, wenn sie unterwiesen werden über seine Wege und lernen, auf seinen Pfaden zu wandeln (Jes 2,3), dann geschieht echte Veränderung. Dann (und nur dann) werden Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet.
Die Menschen müssen das Wort Jesu hören – ein Wort, das ihre Herzen im Innersten trifft, sie zurechtweist und zugleich gerecht macht. So erfüllt sich, was geschrieben steht: Er wird Recht sprechen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen, sodass sie ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden und ihre Speere zu Rebmessern (Jes 2,4).
Wenn die Völker Gott anbeten auf dem Berg Zion – das heißt: Wenn sie zu Jesus kommen –, dann werden die Waffen nicht nur gesenkt, sondern verwandelt.
Abrüstung durch Anbetung!
Lasst uns im Licht des HERRN wandeln, indem wir von dem Licht der Welt, Jesus, Zeugnis geben. Amen!
Ludwig Rühle ist Pastor der Bekennenden Evangelisch-Reformierten Gemeinde in Osnabrück und unterrichtet als Lehrbeauftragter Praktische Theologie an der Akademie für Reformatorische Theologie. Er ist verheiratet mit Katharina und Vater von vier Kindern.
[1] John N. Oswalt, The Book of Isaiah Chapters 1-39, NICOT. Grand Rapids [Erdmans] 1986, S. 118. Übersetzung vom Autor.
[2] Die erste Sichtweise bezeichnet man als Prämillenialismus, zweitere als Amillenialismus.
[3] Theo Lehmann, Gott will dich ganz! Lage [Lichtzeichen Verlag] 2025, S. 64f.
[4] Ebd. S. 65.