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C.H. Spurgeon, Eine Verteidigung des Glaubens

Es ist ein Faktum, das gerne verschwiegen wird: Der „Fürst der Prediger“, Charles Haddon Spurgeon, war ein bekennender Calvinist. Seine Bedeutung für das Reich Gottes ist offensichtlich, weshalb ihn viele für sich vereinnahmen möchten. Doch nicht jeder nimmt ihn aus Furcht vor dieser Tatsache als Ganzes. Oft werden seine calvinistischen „Schwachstellen“ ignoriert, hin und wieder werden diese sogar verfälschend zensiert. Sola Gratia Medien korrigiert nun diese verstümmelte Sicht auf Spurgeon, indem sie das Kapitel Eine Verteidigung des Calvinismus aus dessen Autobiografie in ungekürzter Länge als preiswertes Taschenbuch herausgeben. Diese kleine Perle aus den Schatzkammern Spurgeons dient nicht nur der Korrektur eines Zerrbildes, sondern vermag vielmehr auch richtungsweisende Schritte für den Umgang im Streit um den Calvinismus aufzuzeigen.

Der Titel des Buches, Eine Verteidigung des Calvinismus, weckt vermutlich große Hoffnungen auf tiefgehende Argumente und Antworten auf all die persönlichen Fragen, die einen bewegen, wenn man sich als Außenstehender möglicherweise erstmals mit diesen Lehren beschäftigt, oder wenn man gar in die Position des Verteidigers derselben tritt. Diese Hoffnungen werden bei dieser Lektüre wohl bestätigt werden. Wer diesen Titel jedoch allzu offensiv wahrnimmt und kampflustig sein Schwert zückt, um sich auf eine Schlacht der biblischen Exegese einzustellen, wird hier enttäuscht werden. Man muss sich eingestehen, dass eine Verteidigung innerhalb einer Autobiografie nicht den Rahmen für ausführliche exegetische Argumentationen bieten kann.

Spurgeon steht in diesem kleinen Buch nicht in voller Rüstung und mit donnernder Stimme auf der Kanzel. Sein Ton ist vielmehr ruhig und erzählend. Beim Lesen dieses Büchleins überkommt einen der Eindruck, man würde sich in seinem gemütlichen Wohnzimmer befinden, während im Hintergrund das Feuer im Kamin knistert und ein warmes flackerndes Licht die riesigen mit geistlichen Schätzen gefüllten Bücherregale beleuchtet. Es ist wohl selbstverständlich, dass nach einiger Zeit ein Zuhörer die Frage stellt: „Bruder Charles, wie kommt es, dass Ihnen der Calvinismus so viel bedeutet?“ An seinem Lächeln würde man nun sehen, dass er gerne darüber reden wird. An dem Glänzen seiner Augen, dass ihn diese Frage tiefgreifend bewegt. Und so beginnt er zu erzählen. Er erzählt aus seinem Leben. Wie er den Lehren der Gnade begegnet ist. Wie sie ihn bewegt und verändert haben. Wie sie ihn in seinem Dienst der Verkündigung gefestigt haben. Und, wie sie sein ganzes Leben durchdringen, weil das Wort „Calvinismus“ für ihn nichts anderes ist als ein Synonym für das vollkommene Evangelium.

„Nach meiner persönlichen Überzeugung gehe ich davon aus, dass wir Christus als den Gekreuzigten nur dann richtig verkündigen können, wenn wir ihn in der Weise predigen, die heutigen Tags als „calvinistisch“ bezeichnet wird.“ (S. 26f)

Diese durch und durch konsequente Position fordert jeden Gläubigen unweigerlich zu einer Stellungnahme auf. Es fordert jeden Leser heraus, sein eigenes Verständnis des Evangeliums zu überprüfen. Und sie erzeugt Fragen, die bis an die Grundfesten jedes Glaubens reichen.

Sorgfältig geht Spurgeon auf diese Fragen ein und erwidert auf die Einwände seiner Gegner. Einmal bietet eine Anekdote aus seinem Leben eine Antwort, ein andermal plädiert er mit erregter Emotionalität oder auch mit originellem Humor für sein geliebtes Evangelium.

Der Christ, der die Autobiographie Spurgeons nicht gelesen hat, sollte zumindest diesen Auszug gelesen haben sollte. Erst wenn man dieses aussagekräftige Plädoyer liest, bekommt man ansatzweise eine Idee davon, was diesen Prediger ausgemacht hat. Durch das Vorbild seines anstachelnden Eifers für das Evangelium wird ausnahmslos jeder Leser gesegnet werden.

Spurgeon, Charles Haddon, Eine Verteidigung des Glaubens. Siegen [Sola Gratia Medien] 2020 56 Seiten [ISBN: 978-3-948475-10-9] € 3,90.

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