Judas: Kämpft für den Glauben!

1. Einführung

Judas, der Verfasser des gleichnamigen Briefes, war ein Bruder des Jakobus und damit auch ein Halbbruder von Jesus. Über sein Leben ist nichts Näheres bekannt. Laut 1.Korinther 9,5 war er verheiratet und zog ähnlich wie Petrus als Wortverkündiger umher. Der Brief lässt darauf schließen, dass er eine führende Stellung in den ersten Gemeinden bekleidete.

Die Ähnlichkeit in manchen Stücken seines Briefes mit dem zweiten Petrusbrief wird vermutlich daher rühren, dass Judas und Petrus sich gut kannten und miteinander in denselben Gemeinden dienten. Es ist durchaus denkbar, dass sie sich aufgrund des immer stärker werdenden Einflusses von Irrlehrern in den Gemeinden miteinander austauschten und schriftliche Hilfestellungen für die Gemeinden verabredeten. Da der zweite Petrusbrief vorwiegend im Futur verfasst wurde, liegt die weitere Schlussfolgerung nahe, dass Petrus seinen Brief zuerst schrieb. Er prophezeite das Aufkommen von Irrlehrern und den damit verbundenen Abfall innerhalb der Gemeinden. Später hatte Judas zu erkennen, dass sich inzwischen diese warnenden Prophezeiungen erfüllt hatten. Daraufhin schrieb er seinen Brief, in dem er verständlicherweise auf den zweiten Petrusbrief zurückgriff und daran erinnerte: Ihr aber, Geliebte, erinnert euch an die Worte, die im Voraus von den Aposteln unseres Herrn Jesus Christus gesprochen worden sind, als sie euch sagten: In der letzten Zeit werden Spötter auftreten, die nach ihren eigenen gottlosen Lüsten wandeln. Das sind die, die Trennungen verursachen, natürliche [Menschen], die den Geist nicht haben (Jud. 17-19).

Judas hätte an die Gemeinden lieber zu einem anderen Thema geschrieben. Er hätte sie gern mit der Botschaft des Heils, dem Evangelium erbaut, oder mit tiefergehender Lehre ermutigend unterwiesen. Doch die Heilsbotschaft war insgesamt in Gefahr geraten. Deshalb musste er die Gemeinden zum Kampf für den empfangenen Glauben aufrufen: Geliebte, da es mir ein großes Anliegen ist, euch von dem gemeinsamen Heil zu schreiben, hielt ich es für notwendig, euch mit der Ermahnung zu schreiben, dass ihr für den Glauben kämpft, der den Heiligen ein für alle Mal überliefert worden ist (Jud. 3).

Die Botschaft dieses kurzen Briefes an die Gemeinde Jesu heute lautet noch immer: Kämpft für den Glauben,und zwar für den Glauben, der ein für alle Mal der Gemeinde anvertraut ist! Es geht um nicht weniger als um die allein heilbringende Wahrheit des Evangeliums.

Diese Wahrheit wurde und wird attackiert und das nicht (so sehr) von außen, sondern (in erster Linie) von innen. Die Angriffe kommen aus der Gemeinde selbst, also aus einer Richtung, aus der man einen Angriff auf unser aller Heil nicht erwarten würde: Es haben sich nämlich etliche Menschen unbemerkt eingeschlichen, die schon längst zu diesem Gericht aufgeschrieben worden sind, Gottlose, welche die Gnade unseres Gottes in Zügellosigkeit verkehren und Gott, den einzigen Herrscher und unseren Herrn Jesus Christus verleugnen (Jud. 4).

Das Verb eingeschlichen enthält im Griechischen als Nebenbedeutung den Sinn von Heimlichkeit und fragwürdige Absichten. Das heißt: Diese Leute haben ihre wahren Absichten verschwiegen. Sie haben sich anfangs angepasst, und sind darum umso gefährlicher für die Gemeinde geworden.

Judas verwendet den größten Teil seines Briefes darauf, uns diese Irrlehrer und Scheinchristen, man kann sie auch Namenschristen nennen, plastisch vor Augen zu führen und sie schonungslos zu entlarven. Er geht derart ans Eingemachte, dass man sich beim Lesen fragt, ob dieser Brief auf heutige Verhältnisse und Gemeinden überhaupt noch angewendet werden darf. So schlimm, so könnte man meinen, kann es doch gar nicht sein!

2. Verschließt eure Augen nicht vor Irrlehrern und Namenschristen!

Es ist Gott, der in und mit diesem Brief zu uns spricht und der uns warnt. Die Gefahren sind groß, die Zustände oftmals sehr schlimm. Wie viele behaupten, sie seien Christen und würden Gott und Jesus nachfolgen? Doch welche Botschaft vermitteln sie durch ihr Leben? Laut Vers 4 verdrehen sie die Gnade Gottes in Zügellosigkeit, und sie verleugnen Gott und Christus. Judas spricht deswegen so krass und so deutlich über diese Scheinchristen, die oftmals auch noch Lehrer und Leiter der Gemeinden waren oder nach Leitungspositionen strebten, um uns die selbstverschuldeten Scheuklappen zu nehmen und uns zu ermahnen, nicht die Augen vor ihnen zu verschließen.

An welchen Kennzeichen erkennen wir sie?

3. Woran wir Irrlehrer, Namenschristen, auch erkennen

Ich schreibe „auch“, weil es zweifellos noch weitere Kennzeichen gibt, über die Judas interessanterweise jedoch nicht spricht. Damit meine ich vor allem diejenigen, die falsche Lehre verkündigen: Irrlehre. Aber Judas weist darauf hin, dass es daneben auch Irrlehrer und Scheinchristen gibt, die erst einmal in ihren Worten, in ihrer Lehre und in ihrem Bekenntnis außerordentlich christlich klingen. Aber dazu weist Judas uns auf ihr Leben hin. Seine Ausführungen lassen sich in drei Merkmalen zusammenfassen: Unmoral, Hochmut und Habgier.

Unmoral

In Vers 7 lesen wir von Menschen, die Unzucht bis zum Äußersten trieben und anderem Fleisch nachgingen. Gemeint sind sexuelle Unzucht und Homosexualität. Es sind Begierden, von denen sich diese Leute offensichtlich bestimmen ließen, wie Vers 16 deutlich macht: …und dabei nach ihren Lüsten wandeln, und noch einmal in Vers 18: …die nach ihren eigenen gottlosen Lüsten wandeln. Unmoral und Unzucht waren demnach keine „Ausrutscher“, sondern Lebensstil. Dass diese Leute das Evangelium kannten, ja sogar den Eindruck erweckten, es zu glauben, machte ihre Sünde umso schlimmer.

Judas vergleicht sie mit dem Volk Israel, das die Errettung aus Ägypten erfahren durfte, und doch gab es viele Leute innerhalb des Volkes, die nicht glaubten, sondern schon während der Wüstenwanderung sowohl geistlich als auch körperlich Unzucht trieben. Sie beteten die Götzen der heidnischen Völker an und trieben Unzucht mit deren Frauen (Jud. 5; vergleiche 4Mos. 25). Der Herrenbruder vergleicht sie mit den Engeln, die in Gottes Herrlichkeit lebten und mit ihm herrschten, und die sich dann doch von ihm abwandten und zu Dämonen wurden. Er spricht davon, dass sie mit ewigen Fesseln der Finsternis verwahrt wurden (Jud. 6). Er vergleicht sie mit Sodom und Gomorra. Auch diese Städte konnten durch den gerechten Lot etwas von der Gnade Gottes wahrnehmen (2Petr. 2,7). Doch anstatt auf Lots Zeugnis zu achten, griffen sie ihn an und wollten sogar seine Gäste vergewaltigen und misshandeln (1Mos. 19,1-13), ein Anzeichen dafür, dass schrecklichste Unzucht und Gewaltausübung in diesen Städten alltäglich waren.

Trotz des Evangeliums und der überaus deutlichen alttestamentlichen Warnungen verkehrten die Leute die Gnade Gottes in Ausschweifung. Doch die Gnade Gottes erteilt niemals Freiheit zur Sünde, etwa nach dem Motto: Uns ist alles erlaubt; lasst uns sündigen, damit die Gnade umso größer werde (Röm. 6,1; vergleiche Röm. 3,8). Die Gnade schenkt Freiheit, um von der Sünde zu lassen, und sie nimmt uns in die Zucht: Denn die Gnade Gottes ist erschienen, die heilbringend ist für alle Menschen; sie nimmt uns in Zucht, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in der jetzigen Weltzeit, indem wir die glückselige Hoffnung erwarten und die Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Retters Jesus Christus, der sich selbst für uns hingegeben hat, um uns von aller Gesetzlosigkeit zu erlösen und für sich selbst ein Volk zum besonderen Eigentum zu reinigen, das eifrig ist, gute Werke zu tun (Tit. 2,11-14).

Durch seine Gnade zeigt Gott uns unsere Sündhaftigkeit, führt uns zur Umkehr und verbindet uns durch den Glauben mit Christus und seinem Werk am Kreuz. So bekommen wir zugerechnet, was er am Kreuz getan hat (Röm. 6,3-14). Christus hat die Strafe für Sünder getragen und uns dadurch losgekauft vom Fluch des Gesetzes. Wir gehören nun ihm. Das ist unser größter Trost im Leben und im Sterben (vergleiche Phil. 1,20.21; siehe auch Heidelberger Katechismus F/A 1). Darum verleugnen diejenigen, die Gottes Gnade missbrauchen, unseren Herrn Jesus Christus. Es ist ein Verleugnen der Herrschaft Jesu in der Praxis des gelebten Lebens, in dem sie nicht ihrem Herrn und Heiland folgen, sondern sich weiterhin ihren Gefühlen, Instinkten und Begierden hingeben.

Hochmut

Diese Irrlehrer, die sich geistlich präsentierten, waren in Wahrheit hochmütig. Sie begehrten Macht. Darum vergleicht Judas sie in Vers 11 mit der Rotte Korah. Die Korahiten, die sich für das Priesteramt für geeignet erachteten, brachten damit ihren Hochmut und ihre Respektlosigkeit gegenüber Gottes Erwählung zum Ausdruck. Sie tarnten ihre Rebellion mit „Geistlichkeit“: Sie versammelten sich gegen Mose und Aaron und sprachen zu ihnen: Ihr beansprucht zu viel, denn die ganze Gemeinde, sie alle sind heilig und der Herr ist in ihrer Mitte. Warum erhebt ihr euch über die Gemeinde des Herrn? (4Mos. 16,3).

Judas bemerkt dazu: Sie beflecken in gleicher Weise mit ihren Träumereien das Fleisch, verachten die Herrschaft und lästern Mächte. Der Erzengel Michael dagegen, als er mit dem Teufel Streit hatte und über den Leib Moses verhandelte, wagte kein lästerndes Urteil zu fällen, sondern sprach: Der Herr strafe dich! Diese aber lästern alles, was sie nicht verstehen; was sie aber von Natur wie die unvernünftigen Tiere wissen, darin verderben sie sich (Jud. 8-10).Der Anfang dieser Verse ist nicht unverständlich: Judas spricht erneut die sexuelle Unmoral an. Doch dann wird es insofern schwierig, als Judas hier (wie auch später noch einmal in Vers 14, wo er aus dem Buch Henoch zu zitieren scheint) auf eine damals geläufige Auslegung des Alten Testamentes eingeht. (Das heißt nicht, dass die von ihm zitierten apokryphen Bücher im Ganzen inspiriert waren. Dennoch konnten sie Wahrheiten enthalten. In ähnlicher Weise zitierte Paulus in einigen seiner Briefe griechische Philosophen.)

Was aber veranlasst Judas, an die Auseinandersetzung eines Erzengels mit dem Teufel zu erinnern? Anstatt die geistliche Waffenrüstung zur Abwehr teuflischer Mächte anzulegen (vergleiche Eph. 6,10-20), maßten sich diese betrügerischen Lehrer Macht und Autorität an, sodass sie einen sehr hochnäsigen, leichtfertigen Umgang und auch ein unverfrorenes Reden über Engel, vor allem gefallene Engel, an den Tag legten. Judas betont, dass zu einem solchen ungehörigen Auftreten sich noch nicht einmal der Erzengel Michael verleiten ließ. Während diese Leute also offenkundig von ihren Kenntnissen und von ihren Einflussmöglichkeiten über die unsichtbare Welt überzeugt zu sein schienen, zeigt ihr Verhalten in Wahrheit ihre Ahnungslosigkeit darüber, welch große Gefahr von Dämonen ausgeht, und wie sehr sie in Wahrheit selbst bereits in deren Fänge geraten waren. Ihr Lebenswandel brachte dies unübersehbar zum Ausdruck: Diese aber lästern alles, was sie nicht verstehen; was sie aber von Natur wie die unvernünftigen Tiere wissen, darin verderben sie sich (Jud. 10; vergleiche Kol. 2,18).

Habgier

Obwohl der Brief nur 25 Verse lang ist, werden hier gefühlt alle schlechten Beispiele des Alten Testaments als Vergleich angeführt: Wehe ihnen! Denn sie sind den Weg Kains gegangen und haben sich um Gewinnes willen völlig dem Betrug Bileams hingegeben (Jud. 11). Ihnen geht es letztlich um ihr Ansehen, ihr Vorwärtskommen und ihren Gewinn: Das sind Unzufriedene, die mit ihrem Geschick hadern und dabei nach ihren Lüsten wandeln; und ihr Mund redet übertriebene Worte, wenn sie aus Eigennutz ins Angesicht schmeicheln (Jud. 16). Judas fordert zur Nüchternheit auf: Lasst euch keinen Honig ums Maul schmieren! Unmoral, Hochmut und Habgier sind deutliche Kennzeichen von Irrlehrern und Namenschristen.

4. Ein aktuelles Beispiel

Normalerweise halte ich mich zurück, über die evangelischen Landeskirchen zu sprechen. Vor allem deswegen, weil ich sie nicht mehr als Kirche betrachte, sondern eher als Religionsverein. Aber selbst mit Religion haben sie ja nicht mehr viel am Hut. Trotzdem möchten sich die Landeskirchen selbst natürlich als Kirchen verstanden wissen, die allerdings ihre Daseinsberechtigung, mit Ausnahme einiger weniger Pfarrer, schon lange nicht mehr in der Verkündigung des heiligen Wortes Gottes sehen.

Worin besteht aus ihrer Sicht dann ihre Aufgabe? Die Kirche steht für Moral, für das Gute und das Richtige, sie möchte das Gewissen in unserem Land sein. Wie sieht das konkret aus? Die Landeskirchen setzen sich für Migranten ein, für die Energiewende, für den Kampf gegen den Klimawandel, für eine engere Verschmelzung zwischen ihnen und der Liberalisierung anderer Religionen. Auf der Internetseite „evangelisch.de“ waren im Dezember 2018 folgende Blogeinträge zu finden:

● Zusammenleben und Integration: Antisemitismus in den USA

● Islamische Trauerfeiern

● Eine weitere Landeskirche beschließt die „Ehe für alle“

● EU-Urheberrecht und Lobbyarbeit

● Der Sinn der alten Sprachen im Theologiestudium. Laut Pfarrer Klaus Neumeier spielen sie im Gemeindealltag keine Rolle. Bibelstellen übersetzen? Stattdessen unterhält er sich mit Geflüchteten auf Englisch und diskutiert mit Besuchern über Theologie im Alltag.

● Das Bemühen der Landeskirche, umwelt- und klimaverträglich zu wirtschaften: weniger Papier verwenden und zu 80 % vegetarisches Mittagessen.

Wenigstens ein einziges Thema muss an dieser Stelle besonders erwähnt werden: Homosexualität und Ehe für alle: Der Deutsche Bundestag verabschiedete am 30. Juni 2017 das Gesetz für die „Ehe für alle“. Viele der evangelischen Landeskirchen ermöglichten jedoch schon lange vorher die Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren. Vorreiter war hier die Landeskirche in Baden im April 2016.

Nochmals einige Auszüge aus „evangelisch.de“ vom Dezember 2018:

● „Die Bibel kennt die Zuneigung zwischen Menschen gleichen Geschlechts.“ Als Beispiele werden Ruth und Naemi sowie David und Jonathan genannt.

● „Ist Homosexualität ein Gräuel? Letztlich sagt die Bibel ja. Aber es gibt andere Stellen, die gegen Diskriminierung und für Liebe sprechen.“ Demzufolge wird nun erstens geschlussfolgert, dass sich die Bibel bei diesem Thema widerspricht. Zweitens gebe es neben (oder über?) der Bibel noch einen anerkannten festen (sicher auch autoritativen) Maßstab, nämlich die Menschenrechte. Jürgen Ebach, Professor für Exegese, schreibt dazu: „Ich hoffe für die anstehenden Entscheidungen in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sehr, dass sie in der Frage der Homosexualität die unteilbaren Menschenrechte auch da behaupten, wo sie kirchlichen Traditionen entgegenlaufen.“

● „Ohne Homosexuelle wäre die Kirche aufgeschmissen. Ohne ihr Engagement könnten einzelne kirchliche Unternehmen gar nicht existieren.“

● „Segnung Homosexueller: Bunt wie ein Regenbogen“

● „Der Reformationstag ist kein Gedächtnistag für den Reformator. Viel mehr fragen wir, was seine revolutionäre Theologie für uns im Hier und Jetzt bedeutet. Gerade auch für homosexuell Begabte birgt diese Glaubenslehre einen enormen Segen.“

Mittendrin, gleichsam als „i“-Tüpfelchen findet man die Losung: Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der Herr, und wie ein Hammer der Felsen zerschmeißt (Jer. 23,29). Welche Ironie!

In welcher Landes- oder auch freien Kirche auch immer so etwas wahrzunehmen ist, gibt es dafür keine bessere Zusammenfassung als die Aussage des Herrenbruders: Gottlose, welche die Gnade unseres Gottes in Zügellosigkeit verkehren und Gott, den einzigen Herrscher, und unseren Herrn Jesus Christus verleugnen (Jud. 4). Was sind die Folgen für Gemeinden und Christen?

5. Wenn Irrlehrer und Namenschristen ungestört in den Gemeinden wirken können

Die innige Gemeinschaft der Gemeinden wurde besonders in der Tischgemeinschaft beim gemeinsamen Essen nach dem Abendmahl deutlich, ein fröhliches, reines, geisterfülltes Beisammensein, bei dem man die Verbindung in Christus auf besondere Weise feierte. Durch die Teilnahme gottloser Menschen wurde diese herzliche Gemeinschaft konterkariert und zerstört: Diese sind Schandflecken bei euren Liebesmahlen und schmausen mit [euch], indem sie ohne Scheu sich selbst weiden…“ (Jud. 12a). Eine Gemeinschaft, in der man sich füreinander aufopfert, hingibt und liebt, wird durch egoistische Menschen beschädigt, die alles aufsaugen ohne selbst zu geben. Das Wort Schandflecken lässt sich auch mit Klippen übersetzen. Durch ihre Freizügigkeit, ihren Hochmut und ihren Egoismus sind sie gleichsam zu Klippen geworden, an denen Gläubige Schaden nahmen.

Wolken ohne Wasser, von Winden umhergetrieben, unfruchtbare Bäume im Spätherbst, zweimal erstorben und entwurzelt(Jud. 12b). Mit ihrem Gebaren und Lehren versprachen sie viel Segen und Frucht zu bringen, doch letztlich umwehte sie der Hauch des Todes und des Tötens, denn sie sind den Weg Kains gegangen (Jud. 11). Kain war ein Brudermörder. Wer Menschen von Christus fortzieht und in die Irre leitet, begeht geistlichen Mord.

Wilde Wellen des Meeres, die ihre eigene Schande ausschäumen, Irrsterne, denen das Dunkel der Finsternis in Ewigkeit aufbewahrt ist (Jud. 13). Wenn Irrlehrer und Namenschristen ungestört in den Gemeinden wirken können, dann reißen sie gleich wilden Wellen andere Gemeindeglieder, wenn nicht sogar die ganze Gemeinde mit in den Untergang. Hier sind jegliche Toleranz, Akzeptanz und Vielfaltphantasien zurückzuweisen, denn es geht um Leben oder Tod!

Diese klaren und heftigen Worte, diese schroffe Ermahnung benötigen wir heute dringendst, weil wir nur allzu gern ein oder auch gleich zwei Augen zudrücken, wenn sich solche Wölfe verkleidet bei uns tummeln. Doch warum?

6. Warum wir unsere Augen vor Irrlehren und Namenschristen verschließen

Frommer Schein: Es gibt Dinge an diesen Personen, die fragwürdig sind. Es gibt aber auch Aspekte, die einen durchaus sehr frommen Eindruck machen. Jesus sagt nicht umsonst: Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind! An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen (Mt. 7,15.16).

Angst: Hier nehmen wir das eigene Ansehen und unsere Beliebtheit in den Blick. Wir weisen nicht offen auf Probleme hin, weil wir befürchten, als Nörgler und Unruhestifter betrachtet zu werden.

Harmoniesucht: Alles wird hingenommen, damit bloß keine Unruhe, Unfrieden und Streit in der Gemeinde entsteht. Natürlich ist damit verbunden, dass es oft wichtiger ist, dass die Gemeinde schön groß wird und finanziell abgesichert bleibt.

Wir wollen nicht gesetzlich erscheinen: Wer auf äußerliche Dinge zu viel Wert legt, wer den Lebensstil anderer Gemeindeglieder kritisiert, wer für einen gewissen moralischen Standard eintritt und verschiedene Regeln zur rechten Lebensweise aufstellt, der bekommt selber schnell vorgeworfen gesetzlich zu sein. Gesetzlich zu sein bedeutet natürlich auch, die Gnade zu verwerfen. Aber Gemeindeglieder zu ermahnen und Sünde anzusprechen, soll aus Liebe zu Christus und zum Nächsten geschehen. Es geht eben nicht darum, irgendwelche Regeln hochzuhalten, sondern das Evangelium.

Falsche Demut: „Ich bin doch auch ein Sünder. Ich habe nicht das Recht, die Sünden und Probleme anderer anzuprangern. Ich habe doch auch mit Unmoral, Hochmut und Habgier zu kämpfen.“

Jesu Warnung vor dem Richten: Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet. Steht nicht genau dahinter Hochmut, von oben herab zu urteilen und zu verurteilen? Jesus weist mit seinem Wort Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! (Mt. 7,1) nicht die angemessene moralische Bewertung und Ermahnung zurück, sondern die verdammende und zensierende Haltung gegen andere, eine Haltung, die andere in ihrer Schuld niederdrückt, anstatt sie aufzurufen, zu Gott umzukehren. Dieses Wort des Herrn richtet sich gegen unsere Arroganz, gegen unseren religiösen Dünkel, gegen die Idee, etwas Besseres zu sein und auf die moralisch verfallene Welt und die vielen Menschen, die Gott verwerfen, herabzuschauen. Wie schnell ist man mit seiner Verurteilung dabei: „Diese Leute werden es sowieso nie einsehen, das ist hoffnungslos!“ Wir maßen uns letztlich an zu urteilen, dass diese Menschen außerhalb von Gottes Wirkungsbereich sind, so wie es zum Beispiel die Pharisäer im Blick auf die Zöllner und Prostituierten taten.

Wir sollen uns keinesfalls als Richter aufspielen. Doch nur um des lieben Friedens willen dürfen wir die Gefahren durch Verführung und Abfall niemals in Kauf nehmen und uns sowie die Gemeinde nicht den verderblichen Einflüssen aussetzen. Sicher, wir alle sind Sünder und haben mit Hochmut, Habgier und Unmoral zu kämpfen. Doch unsere Sünden sollten uns voller Reue und Trauer auf die Knie fallen lassen und in uns eine umso größere Dankbarkeit gegenüber dem stellvertretenden Opfer Jesu bewirken. Kann ich zu einem Homosexuellen sagen: „Ich bin gerechter, besser als du“? Ist Homosexualität die einzige unmoralische Lebensweise? Bin ich erhaben über sexuelle Unreinheit und Sünde? Nein! Jesus sagt: Wer mit den Augen begehrlich auf eine andere Frau schaut, hat schon die Ehe in seinem Herzen gebrochen. Doch ich kann sagen: „Ich bin ein Sünder wie du, und wir beide benötigen die Vergebung unserer Schuld, die wir allein aufgrund des stellvertretenden Opfers Jesu bekommen können.“ Dem, der seine Sünde rechtfertigt und gar in Einklang mit dem Evangelium bringt, müssen wir entgegentreten, denn, das sind die, die Trennungen verursachen, natürliche [Menschen], die den Geist nicht haben (Jud. 19).

Eines wird im Judasbrief offensichtlich: Diese Irrlehrer und Scheinchristen stehen unter dem Gericht Gottes: Von diesen hat aber auch Henoch, der siebte nach Adam, geweissagt, indem er sprach: „Siehe, der Herr ist gekommen mit seinen heiligen Zehntausenden, um Gericht zu halten über alle und alle Gottlosen unter ihnen zu strafen wegen all ihrer gottlosen Taten, womit sie sich vergangen haben, und wegen all der harten [Worte], die gottlose Sünder gegen ihn geredet haben“ (Jud. 14.15).

Wenn Gott sie richtet, dann sollten wir nicht versuchen, zu rechtfertigen, warum sie dennoch in der Gemeinde wirken und an ihr teilhaben können. Wir sollten Gott bitten, uns Weisheit, Erkenntnis und Mut zu geben, die nötigen Schritte zu gehen, um gegen ihren schädlichen Einfluss vorzugehen. Darauf geht Judas nun ein.

7. Wie wir selbst treu beim Herrn bleiben können

Ihr aber, Geliebte, erbaut euch auf euren allerheiligsten Glauben und betet im Heiligen Geist; bewahrt euch selbst in der Liebe Gottes, und hofft auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus zum ewigen Leben (Jud. 20.21).Die griechische Satzkonstruktion legt den Schwerpunkt auf Vers 21a: Bewahrt euch selbst in der Liebe Gottes. Alle anderen Aufforderungen erklären, wie dieses Bewahren in der Liebe Gottes konkret aussieht. Die Liebe Gottes zeigt sich darin, dass Gott seinen Sohn als Opfer für unsere Sünden gegeben hat. Er hätte uns alle verurteilen müssen. Doch er hat seinen Sohn an unserer Stelle verurteilt und hingerichtet. Wie bewahren wir uns in dieser Liebe?

Erbauen auf den Glauben

Ihr aber, Geliebte, erbaut euch auf euren allerheiligsten Glauben (Jud. 20a). Verführung und geistliche Gefahren erkennen wir dann, wenn wir selbst geistlich gesund sind. Es geht nicht nur darum, dass wir den Inhalt der Botschaft der Heiligen Schrift kennen. Wir müssen wissen, was die Bibel uns lehrt. Aber das ist noch nicht alles. Auf den allerheiligsten, also unantastbaren Grund dieser Glaubensinhalte zu bauen, heißt nicht zuletzt, die Botschaft anzuwenden. Darum sagt Jesus: Gleichwie mich der Vater liebt, so liebe ich euch; bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, gleichwie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe geblieben bin (Joh. 15,9.10).

Beten im Geist

…und betet im Heiligen Geist (Jud. 20b) zielt auf das demütige Gebet vor Gott ab. Wer erfüllt ist mit dem Geist Gottes, der erkennt seine Sündhaftigkeit, sein Elend und seine Abhängigkeit. Er betet in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes, wie er Gott in seinem Wort findet, und er vertraut darauf, dass der Geist unser Herz besser kennt als wir selbst und für uns voller Liebe vor Gott eintritt (vergleiche Röm. 8,26.27). Im Heiligen Geist beten heißt nicht, mit geistlicher Autorität zu fordern, sondern zu flehen, zu danken, sich zu demütigen und auf Gottes Kraft zu vertrauen.

Hoffen auf Christi Wiederkunft

…und hofft auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus zum ewigen Leben (Jud. 21b). In Vers 21 wünscht Judas uns die Barmherzigkeit Gottes, durch die wir im Glauben bewahrt bleiben. Doch gleichzeitig ruft er dazu auf, auf die Barmherzigkeit unseres Herrn hoffend zu warten. Ebenso wissen wir, dass wir das ewige Leben in Christus haben, während wir gleichzeitig Jesu Wiederkunft erwarten zum ewigen Leben. Im Glauben sind wir bereits jetzt mit Christus verbunden und dürfen seine Gnade täglich schmecken. Und doch ist unser Glaubensleben von Unvollkommenheit, Not und Kampf geprägt bis Christus wiederkommen und alles vollenden wird. Die Hoffnung auf die Vollendung durch Christi zweites Kommen motiviert uns, ihm heute treu nachzufolgen.

Gottes Wort kennen und tun, beten im Geist und hoffen auf Christus, wird uns in der Liebe Gottes bewahren. Und so werden wir zugerüstet sein, in rechter Weise mit Irrlehrern und Namenschristen umzugehen.

8. Wie wir mit Irrlehrern und Namenschristen umgehen

Unser Umgang mit ihnen muss natürlich durch die Liebe Gottes, in der wir uns bewahren sollen, geprägt sein: Und erbarmt euch über die einen, wobei ihr unterscheiden sollt; andere aber rettet mit Furcht, indem ihr sie aus dem Feuer reißt, wobei ihr auch das vom Fleisch befleckte Gewand hassen sollt (Jud. 22.23).

Diese Verse sind nicht leicht zu übersetzen. Die Wendung die einen, wobei ihr unterscheiden sollt kann auch übersetzt werden mit die einen, die zweifeln. Klar ist, dass eben nicht immer alles schwarz-weiß ist und wir der jeweiligen Situation angemessen handeln müssen.

Es gibt Menschen, die hin- und hergerissen sind und deshalb ein leichtes Opfer für Irrlehrer darstellen. Ihnen gegenüber barmherzig zu sein heißt nicht, über ihre Irrlehren hinwegzusehen. Vielmehr sollte man sich Zeit nehmen, ihre Zweifel ernst zu nehmen, um ihnen daraufhin mit Geduld und Sanftmut die richtige Lehre nahezubringen.

Ferner gibt es jene, die völlig in ihre Irrlehren und Sünden verstrickt sind. Auch sie müssen die gesunde Lehre hören. Judas betont jedoch, dass sie sich vollständig und ohne Kompromisse von ihrem falschen Weg abwenden müssen. Die Rettung dieser Menschen geschieht allein dadurch, dass sie uneingeschränkt von ihrer falschen Lehre ablassen, mit der sie ihr Gewand befleckt haben. Nur so können sie, gleich einem Stück Holz, aus dem für sie gefährlichen Feuer der falschen Lehre herausgerissen werden.

Es gibt aber auch Situationen, in denen die Verstocktheit (vorerst) jegliche Umkehr verhindert. Ich denke, der Brief macht sehr deutlich, dass solche Menschen keinen Einfluss auf Gemeinden oder Christen ausüben dürfen. Hier trägt vor allem die Gemeindeleitung die Verantwortung, die Herde vor Wölfen zu schützen und im Ernstfall Gemeindezucht an den Irrlehrern zu üben. In manchen Fällen kann aber die Gemeinde und vor allem die Gemeindeleitung durch Irrlehren und Irrlehrer so stark unterwandert, geprägt oder vielleicht schon völlig übernommen worden sein, dass einem nur noch der Gemeindeaustritt übrigbleibt.

Wir dürfen keine Kompromisse mit Irrlehrern und Namenschristen machen. Vielmehr sollen wir wissen, dass sie die Wahrheit, also das Evangelium von Jesus Christus benötigen. Wir werden um sie ringen, für sie beten und ihnen in Liebe begegnen. Doch die wahre Liebe zu Gott und zu den Verlorenen übersieht eben nicht, schon gar „um des lieben Friedens willen“, die Sünde und die Irrlehre. Sie weist mutig darauf hin, damit diese Menschen umkehren und gerettet werden.

9. Schlussfolgerung: Gott wird euch im Glauben bewahren

Judas kommt am Anfang und am Ende dieses hammerharten Briefes nicht per Zufall auf das Thema Bewahrung und Heilsgewissheit zu sprechen: Judas, Knecht Jesu Christi und Bruder des Jakobus, an die Berufenen, die durch Gott, den Vater, geheiligt und in Jesus Christus bewahrt sind … Dem aber, der mächtig genug ist, euch ohne Straucheln zu bewahren und euch unsträflich, mit Freuden vor das Angesicht seiner Herrlichkeit zu stellen… (Jud. 1.24).

Wir stehen im Kampf des Glaubens, weil wir mit unseren sündigen Begierden und Gewohnheiten zu kämpfen haben. Wir stehen im Kampf, weil wir nicht nur mit menschlichen Irrlehren konfrontiert werden, sondern weil dämonische Mächte im Hintergrund lauern, die uns mit teuflischer Weisheit und Raffinesse von Gott fortzuziehen suchen. Wir straucheln oft genug und fallen in Sünden. Aber der dreieinige Gott bewahrt uns in seiner herrlichen Liebe und mit seiner ganzen Macht davor, im Glauben zu straucheln, was heißt: vom Glauben abzufallen. Einst werden wir sein Angesicht schauen, und dann werden wir nicht voller Angst vor dem himmlischen Richter stehen, sondern mit Freude. Warum? Weil uns eben nicht unsere Fehltritte, unsere Schwachheiten und was uns sonst alles befleckt hat, zur Last gelegt wird, sondern weil uns das, was Christus für uns getan hat, zugerechnet wird.

Die Gewissheit unserer Rettung und unsere Bewahrung ist kein Freibrief zu sündigen (vergleiche Jud. 4), sondern sie ruft uns ermutigend zur Dankbarkeit, Liebe und Hingabe gegenüber Gott auf. Die Gewissheit der Rettung und Liebe Gottes ist die Grundlage und die Motivation für unser Streben, in der Liebe Gottes zu bleiben und so Gott zu verherrlichen, denn dem allein weisen Gott, unserem Retter, gebührt Herrlichkeit und Majestät, Macht und Herrschaft jetzt und in alle Ewigkeit! Amen (Jud. 25).

10. Fragen zum Weiterdenken

► Gibt es Gründe, warum Sie die Augen vor Irrlehrern und Namenschristen verschließen?

► Gibt es Personen in Ihrer oder anderen Gemeinden, über die Sie hochmütig urteilen? Wie können Sie ihnen in Liebe begegnen?

► In wieweit spielt die Hoffnung auf die Wiederkunft Christi eine Rolle in Ihrer täglichen Nachfolge?