Revolution oder Reformation? Auseinandersetzung mit der 1968er-Ideologie

In diesem Jahr jährt sich die kulturelle und sexuelle Revolution von 1968 zum fünfzigsten Mal. Von einem Jubiläum kann man nicht sprechen, weil es nichts zu feiern gibt: Die Ideologie der Achtundsechziger hat unsere westliche Gesellschaft zerstört und zerstört sie weiterhin.

Anhand einer tabellarischen Gegenüberstellung der Aussagen der Achtundsechziger mit dem biblischen Christentum sei der Gegensatz deutlich gemacht. Es ist mir klar, dass eine solche Form der Auseinandersetzung holzschnittartig und Stückwerk bleiben muss. Trotzdem soll sie Grundlinien aufzeigen: erstens anhand des Themenbereiches Religion, zweitens anhand der unterschiedlichen Politik, drittens anhand der verschiedenen Sichtweisen auf die Sexualität und viertens anhand der differierenden Werte.

1. Religion 1968er-Kulturrevolution Biblisches Christentum
Gott und Theologie Ablehnung Gottes und dafür Selbstvergottung des Menschen; Anthropologie (Lehre des Menschen) statt Theologie. Gott ist dreieinig, ewig, unsichtbar, heilig, allgegenwärtig, allwissend, allmächtig und souverän, Liebe, gerecht, der treue Bundesgott, zeigt sich in Jesus Christus.
Menschenbild Der Mensch ist an sich gut, er braucht weder Gott, die Bibel noch einen Heiland. Der Mensch ist böse von Jugend an.[1] In seinem unerlösten Zustand (ohne Glauben an Jesus) liebt er seine Sünde mehr als Gott.
Erlösung Der Mensch braucht keine Erlösung von seiner Sünde, weil er gut ist. Erlösung erreicht man mittels Bewusstseinserweiterung durch unterschiedliche Philosophien, Religionen, Sekten, politische Ideologien und/oder Drogenkonsum. Jesus Christus ist der einzige Heiland, der durch seinen stellvertretenden Sühnetod am Kreuz uns wieder mit Gott versöhnt hat. Seine Auferstehung von den Toten ist Garant für unser ewiges Leben.[2]
Wert des Lebens Abtreibungen, Selbstmord und Sterbehilfe sind legitim. Der Mensch bestimmt selbst über Leben und Tod. Dies führt zu einer Kultur der Selbstzerstörung und des Todes. Der Mensch ist Ebenbild Gottes[3] und wertvoll, weil Gott ihn liebt. Darum ist der Schutz des Lebens von der Befruchtung[4] bis zum natürlichen Tod geboten. Es handelt sich um eine Kultur des Lebens.
Kirche Die Kirche ist unnütz, deswegen werden Kirchenaustritte gefördert. Kirchenfamilie als Versammlungsort der Gläubigen.
Missionierung: Ausbreitung des Christentums Religion ist Privatsache; Mission ist unangebracht und habe negative Auswirkungen, wie etwa der Kolonialismus; alle Kulturen sind gleichwertig. Mission und Evangelisation als Lebensstil und als Auftrag aller Christen.[5]
Sicht auf den Islam Blind für die Gefahren des Islam. Diese falsche Toleranz bereitet den Boden zur Bildung von Parallelgesellschaften. Gegen die Scharia, aber nicht gegen Muslime als Personen.

 

2. Politik 1968er-Kulturrevolution Biblisches Christentum
Autorität Antiautoritär: Der Mensch ist autonom (selbstgesetzgebend), Werte werden in Diskussionen durch Mehrheitsbeschlüsse festgelegt. Jeder und jede tut, was Recht ist in seinen/ihren Augen.[6] Gott ist die höchste Autorität. In der Bibel gibt er seinen Willen kund. Damit ist die Bibel[7] der höchste Maßstab des Glaubens, Denkens und Handelns. Gott setzt die Obrigkeit ein.[8]
Stellung zu politischen Ideologien (Weltanschauungen) Kampf gegen den Nationalsozialismus und gegen bürgerliche Politik. Förderung des Marxismus, Kommunismus und weiterer Ideologien wie des Humanismus: Der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht Gott. Ideologiekritisch aufgrund des zweiten Gebotes: Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel […] ist.[9] Eine Ideologie ist ein geistiges Götzenbild; deswegen ist das Christentum gegen alle Ideologien, egal welcher Couleur.
Positionierung Linke und liberale Positionen gelten im Vergleich zu rechten und konservativen Positionen grundsätzlich als besser. Das Christentum lässt sich nicht in ein Links-Rechts-Schema pressen: Die jeweilige Sachfrage entscheidet über die politische Positionierung.
Stellung zum Besitz Kommunismus und damit Ablehnung des Kapitalismus. Schutz des Eigentums gemäß dem 8. Gebot Du sollst nicht stehlen! und dem 10. Gebot Du sollst nicht begehren![10]
Gewalt und Krieg Offiziell pazifistisch, inoffiziell teilweise gewaltbereit gegen politische Gegner. Offiziell pazifistisch, inoffiziell vertreten einige Konfessionen[11] die Ansicht, dass die Gewalt das letzte Mittel (ultima ratio) darstellt, um noch größere Gewalt zu verhindern.[12]
Landesgrenzen Abschaffung der Landesgrenzen und des Nationalstolzes, um den Kommunismus zu fördern und den Nationalsozialismus zu verhindern. Gott hat die einzelnen Völker erschaffen. Ganze Völker erhalten von Gott Aufträge. Vaterlandsliebe (Patriotismus) im Sinne der Dankbarkeit, in einem guten Land zu leben, wird positiv verstanden.

 

3. Sexualität 1968er-Kulturrevolution Biblisches Christentum
Ehe Die Ehe gilt als Gefängnis und sei abzuschaffen. Gott hat die Ehe zwischen Mann und Frau erschaffen, und er segnet sie. Der Ehebund weist uns auf den Neuen Bund hin, den Gott in Jesus mit uns geschlossen hat[13]
Sexualität Mit der freien Ausübung der Sexualität soll die Gesellschaft enthemmt werden; Pornographie und Selbstbefriedigung sind Mittel und Wege dazu. Gott hat die Sexualität erschaffen als Geschenk für Ehepaare, um Kinder zu zeugen und um ihre tiefe Liebe zueinander auszudrücken.
Sexuelle Lust Lust und Sex ohne Ehe sind begehrenswert und nötig, um die Gesellschaft zu verändern. Enthaltsamkeit und Selbstbeherrschung[14] vor der Ehe, sexuelle Treue in der Ehe.
Geschlechterrollen Keine Unterschiede zwischen Mann und Frau. Vaterlose Kultur aufgrund vieler gefallener Soldaten im 2. Weltkrieg. Mann und Frau sind gleichwertig, aber nicht gleichartig. Gott ist unser Vater dank Jesus Christus. Väter orientieren sich an Gottes Liebe.
Beziehungen Ehescheidungen und Patchworkfamilien sind normal, Kinder sind oftmals unwillkommen, Förderung und Verherrlichung der Homosexualität. Singles[15] werden wertgeschätzt, Ehe[16] und Familie[17] werden hochgehalten, und Kinder werden als ein Geschenk Gottes angesehen.[18]

 

4. Werte 1968er-Kulturrevolution Biblisches Christentum
Liebe Freie Liebe, wilde Ehe ohne Trauschein (Konkubinat), wechselnde Sexualpartner (Promiskuität) In der Bibel begegnet uns der treue Bundesgott, der mit seinem Volk Israel und dank Jesus mit allen Nationen einen Bund geschlossen hat. Gottes Bundesliebe gründet sich nicht auf Lust, sondern auf seine Entscheidung, uns Menschen zu lieben und uns treu zu sein. Liebe ist darum auch für uns Menschen eine Entscheidung, die einen lebenslangen Ehebund eingeht.
Freude Ausleben der sexuellen Lust, ausgiebiger Alkohol- und Drogenmissbrauch. Jesus schenkt uns eine übernatürliche Freude: Die Freude am Herrn ist eure Stärke.[19] Grundsätzliche Nüchternheit,[20] Alkohol als Genussmittel.[21]
Frieden Einsatz für Frieden im Vietnamkrieg und gegenüber dem Kommunismus und jetzt gegenüber den Migrantenströmen. Jesus schenkt uns Frieden mit Menschen und Gott: Vergebung.[22]
Gerechtigkeit Umgestaltung der Gesellschaft durch den Kommunismus/Sozialismus; teilweise Kampf gegen den Rechtsstaat. Einsatz gegen Ungerechtigkeiten aller Art, Aufbau eines funktionierenden Rechtsstaates.
Wahrheit Es gibt nicht die eine Wahrheit, sondern mehrere Wahrheiten: Die Wahrheit liege im Auge des Betrachters. Wahr ist, was den eigenen Zielen dient. Jesus ist die Wahrheit in Person;[23] Wahrheit ist unparteiisch.
Freiheit Freiheit von der nationalsozialistischen Vergangenheit der Vorgängergenerationen. Jesus schenkt uns Freiheit von unserer Schuld.

 

5. Zwischenfazit 1968er-Kulturrevolution Biblisches Christentum
Weltanschauung Atheistischer Kommunismus als Ersatzreligion mit esoterischen, islamischen oder östlichen (buddhistischen oder hinduistischen) Farbtupfern; euphorisch gegenüber menschlichen Möglichkeiten (Selbstvergötzung). Verehrung des dreieinigen Gottes, kritisch gegenüber menschlichen Machenschaften.
Revolution oder Reformation? (Kultur-)Revolution

Umsturz der (bürgerlich-) christlichen Werte und Gesellschaft für eine bessere sozialistisch-kommunistische Zukunft, in der die Arbeiterschicht (Proletariat) regiert.

(Glaubens-)Reformation

Langsame und gründliche Rückformung des Glaubens, Denkens, Sprechens und Handelns in die biblische Form.

Fazit: Die Achtundsechziger vertraten eine gottlose Ideologie. Die Achtundsechziger waren schon damals und sind bis heute eine Gegenbewegung zum biblischen Christentum und daher ein Antichristentum. Die Ideologen der Achtundsechziger waren und sind die Feinde des Evangeliums, denn sie vertreten eine gottlose Ideologie.

Dennoch gibt es Hoffnung: Gott aber beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.[24] Jeder Mensch ist so lange ein Feind des Evangeliums, bis er sich zum Herrn und Heiland Jesus Christus bekehrt. Danach gilt: Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, wie viel mehr werden wir als Versöhnte gerettet werden durch sein Leben![25] Jesus ist das Evangelium. In ihm ist die frohe Botschaft und die gute Nachricht Person geworden. Er ist es, der uns wahre Liebe, Freude, Frieden, Gerechtigkeit, Wahrheit, Freiheit und noch viel mehr schenkt, nach denen wir uns im Innersten sehnen! In seinem Wort der Bibel begegnet er uns mit Liebe, und im vertrauensvollen Gebet wenden wir uns an ihn und sprechen mit ihm.[26]


[1]) 1.Mose 6,5.

[2]) 2.Korinther 5,17-21.

[3]) 1.Mose 1,26-27.

[4]) Psalm 139,13-16; Jeremia 1,5.

[5]) Matthäus 28,18-20.

[6]) Richter 17,6; 21,25.

[7]) 2.Timotheus 3,16.17.

[8]) Römer 13,1-7.

[9]) 2.Mose 20,4a.

[10]) 2.Mose 20,15.17.

[11]) Z.B. katholische und reformierte.

[12]) Römer 12,18.

[13]) Epheserbrief 5,22-33.

[14]) Galater 5,22.23

[15]) Sowohl Jesus als auch Paulus waren unverheiratet. Vgl. 1.Korinther 7,8.

[16]) 1.Korinther 7.

[17]) 1.Timotheus 3,4-5.

[18]) Psalm 127,3-4; vgl. Psalm 128,3-4.

[19]) Nehemia 8,10.

[20]) 1.Korinther 15,34.

[21]) Johannes 2,1-12.

[22]) Matthäusevangelium 6,12.

[23]) Johannes 14,6.

[24]) Römerbrief 5,8.

[25]) Römerbrief 5,10.

[26]) Weiterführende Literatur: Die Literatur zu der 1968er-Bewegung ist unübersehbar. An dieser Stelle verweise ich auf drei Neuerscheinungen: Geiser, Samuel, Bernhard Giger, Rita Jost, Heidi Kronenberg. Revolte, Rausch und Razzien: Neunzehn 68er blicken zurück. Bern [Stämpfli] 2018. [Kurzbiographien von 19 Berner Achtundsechzigern. Diese Biographien sind Lebensgeschichten, deswegen kann man sie nicht widerlegen. Sie sind sehr aufschlussreich]. Stresemann, Rosemarie. Die geistlichen Wurzeln der 68er-Bewegung. Analyse und Deutung. 2. Auflage, Lenningen [Wächterruf] 2017. [PDF abrufbar unter www.gebetskonferenz.de]. Weissmann, Karlheinz. Kulturbruch ‘68: Die linke Revolte und ihre Folgen. 2. Auflage, Berlin [Junge Freiheit] 2018. [Ausführliche Geschichte der Achtundsechziger-Bewegung mit Fokus auf Deutschland].