Die Top Ten unserer Götzen (Teil 2)

Zur Erinnerung: Im ersten Teil ging es um die Themen Gesundheit, Erfolg, Macht und Anerkennung, Schönheit, Sport und Liebe. In diesem Artikel wollen wir uns vier weitere weit verbreitete Götzen unserer Tage ansehen.

Genuss

„Ich will ein schönes Leben voller Erlebnisse und Höhepunkte. Ich will genießen und spüren, dass ich lebe…“ Wer nach einem solchen Leben trachtet, wird bald atemlos auf der Jagd nach immer neuen, noch intensiveren Eindrücken sein. Denn leider verpuffen viele Freuden in dieser Welt allzu schnell. So ist man immer auf der Suche nach etwas, das befriedigt, das neue Kicks und Höhepunkte liefert. Man pflegt seine Hobbys, betreibt seine Kulte und ist ganz schnell dabei, den eigenen Genuss, das eigene Glück und das Wohlgefühl für das Wichtigste im Leben zu halten. Mit diesem Götzen kann man auch wunderbar Gottesdienst feiern. Die Lieder, die Botschaft und das ganze Drumherum müssen dann so gestaltet sein, dass man sich gut fühlen und etwas spüren kann.

Familie

Eigentlich klingt es doch sehr gut und fromm zu sagen, die Familie gehe einem über alles und sei der Mittelpunkt des Lebens. Da vernachlässigt man schon einmal das Bibellesen, das Beten und den Gottesdienstbesuch wegen der Familie. Da dreht sich alles nur noch um die Kinder und ihre Wünsche. Da ist kein Trost mehr möglich, wenn der Ehepartner nach all den Jahrzehnten gestorben und man nun allein ist.

Die Familie ist eine Erfindung Gottes, die ihm sehr am Herzen liegt. Aber wir dürfen sie nicht zum Fixpunkt, zum Zentrum unseres Lebens machen. Ein Christ findet den größten Trost in Christus, selbst wenn er etwas so Schreckliches und unfassbar Trauriges wie den Tod des eigenen Kindes miterleben muss. Das heißt nicht, dass Christen nicht trauern oder etwa kein Mitleid mit Trauernden haben dürfen. Der Tod ist etwas Grausames, denn er ist der Sünde Sold, die Folge der Sünde.

Schauen wir auf Abraham. So viele Jahre hatte er auf seinen versprochenen Sohn gewartet, und dann sollte er ihn Gott opfern. Die Frage war nicht nur, ob Abraham Gott wirklich vertraute, dass er seine Verheißung erfüllt, auch wenn es durch den Tod des Verheißenen menschlich unmöglich schien. Die Frage war auch, ob Isaak, der lang ersehnte und geliebte Sohn, oder ob Gott die erste Stelle in Abrahams Leben einnehmen werde. Doch wie war es dann bei Isaak und Jakob: Wieviel Leid und Not haben sie auf ihre Familien gebracht, weil sie einige ihrer Familienangehörigen über Gott und seinen Willen stellten?!

Deshalb finden wir neben den vielen Geboten zum Bewahren, Stärken und Lieben der Familie auch sehr ernste Worte in der Bibel. Und das nicht nur im Fünften Buch Mose, wo sogar die eigenen Familienangehörigen vor Gericht gestellt werden sollen, wenn sie Götzendienst betrieben haben (5Mos. 13,7-12). Jesus selbst sagte: Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und seine Mutter, seine Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein. (Lk. 14,26). Es geht an dieser Stelle nicht um buchstäblichen Hass auf die eigene Familie. Jesus bringt hier auf sehr eindringliche Weise zum Ausdruck, dass die Beziehung zu ihm über allen anderen stehen muss. Familie ist wichtig, und Jesus ist kein Konkurrent für die Familie. Im Gegenteil. Er betont an anderer Stelle unsere Verantwortung, uns um unsere Familien zu kümmern. Er selbst kümmerte sich um die Versorgung seiner Mutter, als er unter unsäglichen Schmerzen am Kreuz litt. Doch Jesus muss über der Familie stehen.

Sex

Gott schuf Sex zu seiner Verherrlichung und uns zur Freude. Der Mensch hat daraus einen der schlimmsten Götzen gemacht: Werdet auch nicht Götzendiener, so wie etliche von ihnen, wie geschrieben steht: „Das Volk setzte sich nieder, um zu essen und zu trinken, und stand auf, um sich zu vergnügen“. Lasst uns auch nicht Unzucht treiben, so wie etliche von ihnen Unzucht trieben, und es fielen an einem Tag 23000. (1Kor. 10,7.8).

Pornographie ist Götzendienst! Und dieser Götze fordert viele Opfer. Es gibt kein freeporn! Unzählige Frauen wurden misshandelt und regelrecht versklavt, erlitten und erleiden entsetzliches Leid. Auch Abtreibungen gehören in dieser Szene zum Alltag. Menschen werden zu Produkten. Sie werden zu einem Stück Fleisch, das zur Befriedigung anderer degradiert wird. Unzucht wird vermarktet, um Menschen in ihrer Unzucht zu fördern. Wer Pornographie konsumiert, beteiligt sich am Götzendienst und damit auch an diesen Sünden: Flieht vor diesem Götzen!

Selbstmitleid

Manche Menschen haben gar nicht so sehr mit den bisher aufgezählten Götzen zu kämpfen, und zwar aus dem einfachen Grund, weil sie diese Dinge, die schnell zu Götzen werden können, nicht besitzen. Sie haben kaum Geld, kein besonderes Aussehen, keinen Erfolg, keine herzliche Familie usw. Manche denken vielleicht nur, dass sie all das nicht haben. Doch der Stolz des Menschen hindert ihn daran, sich auf Gott zu werfen und zu erkennen, dass er in ihm alles hat, was er braucht. So klammert er sich lieber an sein Leid, sein Elend, das er zu seinem Götzen macht. Er sagt sich nicht: Ich bin so stark, so reich, so gutaussehend, so mächtig (oder ich will es unbedingt sein), sondern: Ich Armer, mir geht es so schlecht. Ich bin so benachteiligt. Ich habe so viel Leid zu tragen. Keiner mag mich, und ich bin immer allein. Ich Armer!

Fraglos gibt es benachteiligte und leidgeprüfte Menschen. Doch Selbstmitleid heißt nichts anderes als wieder sich selbst ins Zentrum zu stellen, sich wichtig zu machen. Im Internet las ich dazu Folgendes: „Selbstmitleid ist schön! Dadurch lernst du dich selber richtig schätzen und kennen. Kein anderer weiß es zu schätzen, was du alles machst, wem du hilfst und wie aufopfernd du bist. Aber wenn du selber mal ein Problem hast, dann hilft dir keiner! Die ganze Welt ist gegen dich! Keiner sagt zu dir: Meine Liebe, das tut mir leid! Mach es selber, zeige dir selber, wie sehr du dir leid tust!“ Ein junger Mann aus unserer Gemeinde hat es folgendermaßen formuliert: „Selbstmitleid ist Kuscheln an des Teufels Brust.“

Haben auch Christen einen Hang zum Selbstmitleid, oder besteht dazu Gefahr bei ihnen? Sie wissen doch, dass Jesus ihnen Leid und Verfolgung prophezeit hat. Aber doch auch, dass sie gleichzeitig überreich beschenkt worden sind und dass keiner sie aus der Hand ihres Heilands reißen kann. Dennoch ist die Gefahr des Selbstmitleides gerade in christlichen Kreisen, gerade in der Gemeinde sehr real. Einerseits hat man hohe Erwartungen an die christlichen Glaubensgeschwister: „Sie sind ja schließlich Christen und müssen doch sehen, welches Leid ich ertrage“. Andererseits opfert man sich selbst für die anderen auf (oder meint es zumindest) und bekommt selten oder nie Anerkennung. Um über diese inneren Verletzungen hinweg zu kommen, könnten wir zu Jesus gehen. Wir würden erneut sehen, was er für uns getan und auf sich genommen, welch gigantischen Berg von Sünde er uns vergeben hat, weil er uns liebt, und wie wenig wir seine Gnade verdient haben. Oder wir können uns trösten durch Selbstmitleid.

Götzendienst muss bekämpft werden

Gott sendet uns wie Schafe unter die Wölfe. Gott sendet uns als Gottesdiener in eine Welt voller Götzendienst. Ja, wir sollen, soviel an uns liegt, mit allen Menschen Frieden halten. Wenn wir Leid erfahren, sollen wir es geduldig ertragen, die rechte Wange hinhalten und selbst unsere Feinde (also auch den Götzendiener) lieben. Die Gebote gegen den Götzendienst aus dem Fünften Buch Mose haben für uns nicht mehr die Bedeutung, wie sie damals für Israel hatten. Aber sie sind deshalb nicht bedeutungslos geworden. Wir können den Götzendienst nicht um uns herum ausrotten, wie es das Volk Israel im verheißenen Land tun sollte, aber wir sollen davor fliehen!

Flieht vor dem Götzendienst, denn er führt euch ins Verderben!

Sind wir uns der Gefahr bewusst? Normale, schöne, ja gute Dinge können zu den fiesesten Götzen werden. Der Teufel, der Widersacher, ist schlau und listig. Er findet überall einen Weg, um uns von Gott weg zu ziehen und unser Vertrauen auf andere Dinge zu setzen. Hören Sie, was David Foster Wallace, ein bekennender Atheist schreibt: „Es mag vielleicht eigenartig klingen, aber es ist wahr: In unserer Welt gibt es sowas wie Atheismus gar nicht. Es gibt keinen Menschen, der nicht anbetet. Jeder betet etwas an. Wir haben nur die Wahl, was wir anbeten. Und der Grund, sich vielleicht dafür zu entscheiden, Gott anzubeten, ist, dass uns so ziemlich alles andere bei lebendigem Leib verschlingen wird. Wenn du Geld und Dinge anbetest, wenn es das ist, womit du wahren Sinn im Leben verknüpfst, dann wirst du niemals genug haben, nie fühlen, dass du genug hast. Es ist die Wahrheit. Bete deinen Körper und Schönheit und sexuelle Reize an, und du wirst dich immer hässlich fühlen. Und wenn Zeit und Alter sich beginnen bemerkbar zu machen, wirst du eine Million Tode sterben, bevor sie dich betrauern. Einerseits wissen wir das alles bereits. Es ist verschlüsselt in Mythen, Sprichwörtern, Klischees, Gedichten, Parabeln, und es bildet das Skelett für jede große Geschichte. Der ganze Trick dabei ist, diese Wahrheit vom alltäglichen Bewusstsein fern zu halten.“[1]

Wenn Sie Götzen in Ihrem Leben erkennen oder wenn Sie andere zum Götzendienst verleiten wollen, und seien es Ihre nächsten Verwandten und engsten Freunde, dann halten Sie sich diese Worte vor Augen: Darum, meine Geliebten, flieht vor dem Götzendienst! (1Kor. 10,14). Kinder, hütet euch vor den Götzen! (1Joh. 5,21). Machen Sie nicht mit! Verharmlosen Sie es nicht! Tolerieren Sie Götzen nicht in ihrem Leben! Spielen Sie nicht mit dem Feuer, auch wenn es sich noch so schön anfühlt!

Flüchtet zu Christus, denn er führt euch ins Leben!

Der Götzendienst um uns herum lädt uns mit der Verheißung ein, das Leben wahrhaft zu genießen, verbessern, verlängern und vertiefen zu können. Die Kernaussagen lauten: Es geht nur um dich, und es ist gut für dich! Doch Götzendienst führt uns in den Tod und ins Gericht! Und darum fordert Jesus jeden auf: Verleugne dich selbst, nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach. Denn was hilft es dir, wenn du die ganze Welt gewinnst und Schaden an deiner Seele nimmst? Denn wenn du dein Leben retten willst, wirst du es verlieren; wenn du aber dein Leben verlierst um meinetwillen, dann wirst du es retten (Lk. 9,23.24).

Jesus über alles zu stellen, ihn als Herrn und Gott anzunehmen und ihm nachzufolgen, auch durch Leid und Entbehrung, heißt, das wahre Leben zu finden. Ein Leben, welches über den Tod hinausgeht. O welches Geschenk! Jesus hat die Strafe für unseren Götzendienst auf sich genommen. Er wurde an unserer Stelle hingerichtet und trug Gottes Zorn über unsere Abgötterei. Er vergibt uns und schenkt uns Leben und Segen in Ewigkeit! Er schenkt uns Frieden und Erfüllung für unsere dürstenden Seelen. Nie werden wir Erfüllung in der Befriedigung aller unserer Bedürfnisse und Begierden finden, sondern nur in Gott. Dafür sind wir geschaffen.

Doch auch wenn wir Christen sind und den Heiligen Geist haben, bleibt das sündige Wesen, solange wir in dieser Welt leben, in uns. Unser Herz ist deshalb ein Schlachtfeld zwischen Gottesdienst und Götzendienst. Unter den Geboten gegen Götzendienst im Fünften Buch Mose findet sich öfters dieser abschließende Vers: So sollst Du das Böse in deiner Mitte ausrotten. Das Böse in unserem Herzen kann nur Jesus ausrotten. Er ist dafür am Kreuz gestorben, gibt uns seinen Heiligen Geist und wirkt in unserem Herzen. Und darum bedeutet der Kampf gegen die Götzen immer zuerst, mehr von Jesus zu erstreben, sich mehr mit ihm und seinem Wort zu füllen, mehr von seiner Liebe und Herrlichkeit zu erkennen. Gegen Götzendienst zu kämpfen, davor zu fliehen, heißt, jeden Tag neu bei Jesus Zuflucht zu suchen.

Wenn wir irgendetwas gegen den Götzendienst um uns herum ausrichten wollen, heißt das, dass wir das, was Jesus für uns tat, in Wort und Tat verkünden. Das ist die einzige Waffe, die wir im Kampf gegen die teuflischen Mächte, die hinter den Götzen stehen, haben. Denn unser Kampf richtet sich nicht gegen Fleisch und Blut [gegen Gesundheitsexperten, Werbemacher, Pornoproduzenten, Politiker usw.], sondern gegen die Herrschaften, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher der Finsternis dieser Weltzeit, gegen die geistlichen [Mächte] der Bosheit in den himmlischen [Regionen]. Deshalb ergreift die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr am bösen Tag widerstehen und, nachdem ihr alles wohl ausgerichtet habt, euch behaupten könnt. So steht nun fest, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, und angetan mit dem Brustpanzer der Gerechtigkeit, und die Füße gestiefelt mit der Bereitschaft [zum Zeugnis] für das Evangelium des Friedens. Vor allem aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr alle feurigen Pfeile des Bösen auslöschen könnt, und nehmt auch den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches das Wort Gottes ist, indem ihr zu jeder Zeit betet mit allem Gebet und Flehen im Geist, und wacht zu diesem Zweck in aller Ausdauer und Fürbitte für alle Heiligen (Eph. 6,12-18).


[1] David Foster Wallace, This Is Water: Some Thoughts, Delivered on a Significant Occasion, about Living a Compassionate Life. In: http://faculty.winthrop.edu/martinme/thisiswater.htm (abgerufen: August 2018).

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