Dennis E. Johnson, Der Triumph des Lammes. Ein Kommentar zum Buch der Offenbarung.

Anstatt einer üblichen Rezension halten wir es als Empfehlung für sinnvoll, aus dem Vorwort von Hans-Werner Deppe zu zitieren, in dem dieser wegweisende Kommentar zum letzten Bibelbuch vorgestellt wird:

„Als ich einmal mit einem Ältesten einer Gemeinde über unsere unterschiedlichen Ansichten zur Eschatologie diskutierte, wandte er als Gegenargument zu meiner Position ein: ‚Ich habe mir mein Bücherregal angeschaut und kein Buch gesehen, dass deine Position vertritt.‘ Das ist zwar kein überzeugendes Argument, aber ein treffendes Beispiel, wie es tatsächlich in vielen grundsätzlich bibeltreuen Bücherregalen im deutschsprachigen Raum aussehen mag. Zweihundert Jahre zuvor hätte man wohl in keinem Bücherregal der Welt ein Buch gefunden, das die Position meines Diskussionspartners vertreten hätte – denn die ist auslegungsgeschichtlich sehr jung! Aber in den letzten zwei Jahrhunderten hat das Blatt sich radikal gewendet. Es hat eine spezielle Sichtweise zur Endzeitlehre, die es zuvor noch gar nicht gab, die Oberhand gewonnen. Hier ist nicht der Platz, näher darauf einzugehen. Es hat aber historisch unter anderem mit dem enormen Einfluss der Scofield-Bibel zu tun. Im deutschsprachigen Raum haben sich jene Gemeinden und Verlage, die grundsätzlich bibeltreu sind, auf die Endzeit-Sicht Scofields festgelegt, den so genannten Dispensationalismus, der erst im 18. Jahrhundert aufkam und später durch Scofield systematisiert und verbreitet wurde. Viele theologische Ausbildungsstätten übernahmen den Dispensationalismus; auch der Pietismus und der Mainstream-Evangelikalismus fanden darin ihre Theologie.

Während im englischen Sprachraum auch noch in beinahe ausgeglichenem Verhältnis die älteren eschatologischen Positionen an theologischen Seminaren und von Gemeindepredigern und Buchautoren gelehrt werden, ist bei uns eine ausgesprochene Dominanz des Dispensationalismus zu verzeichnen.

In den vergangenen Jahren hat es aber in unserem Sprachraum unter den Bibeltreuen so etwas wie einen reformatorischen Aufbruch gegeben. Der reformatorische Ruf „Zurück zur Schrift!“ hat viele veranlasst, traditionell übernommene Positionen an der Bibel zu prüfen. In dieser jungen reformatorischen Bewegung werden daher nicht nur unterschiedliche Endzeit-Positionen vertreten, sondern oft erst nach der biblisch richtigen eschatologischen Position gesucht und darüber diskutiert. Da wir mit der Bibel eine unumstößliche Basis haben, auf deren Erkenntnisgrundlage diese Suche und Diskussion stattfindet, können wir dabei demütig, respektvoll und vollkommen sachlich miteinander umgehen. Dazu soll dieser Kommentar zur Offenbarung einen nützlichen Beitrag leisten. Denn er füllt eine schmerzliche Lücke, da es zuvor (zumindest in den letzten Jahrzehnten) keinen deutschsprachigen Kommentar zur Offenbarung gab, der die klassisch-reformierte Sicht vertritt.

Wir haben aus dem reichhaltigen bibeltreuen Buchmarkt im englischen Sprachraum nach langer Überlegung und Prüfung diesen Kommentar von Dennis E. Johnson ausgewählt, weil er uns am besten geeignet erscheint, die Lücke zu füllen. Im Verlauf der Übersetzung und des Lektorats haben wir uns in dieser Entscheidung mehr als bestätigt gesehen; alle Beteiligten waren begeistert davon, wie exegetisch gesund und geistlich gewinnbringend der Autor die Offenbarung auslegt. Dennoch soll das Vorlegen dieses Kommentars von uns aus nicht als letztes Wort zur Auslegung der Offenbarung aufgefasst werden. Es gibt weit detailliertere Kommentare mit dieser Sichtweise. Insbesondere sei hier das Werk The Book of Revelation von Gregory K. Beale genannt, das uns mit seinen weit über tausend Seiten jedoch für den Anfang zu umfangreich erschien. Johnson hat den Kommentar von Beale aber berücksichtigt, zitiert ihn oft, und an wenigen Stellen haben wir uns erlaubt, noch eine weitere Ergänzung, teils basierend auf Beales Kommentar, in einer Fußnote anzuführen.

Die recht straffe Kürze dieses Kommentars könnte ein Punkt sein, worin dieses Buch womöglich hinter den Erwartungen mancher Leser zurückbleibt. Nicht alles kann in Ausführlichkeit völlig befriedigend erklärt werden. Aber ich bin sicher, dass dieser Kommentar in anderen Bereichen die Erwartungen weit übertreffen wird. Gerade aufgrund der Kürze verliert der Autor sich nicht in Details, sondern behält stets den Blick auf die Gesamtschau des Buches, auf seine geradezu dramaturgische Fortentwicklung und seine durchgängige Botschaft: den uns ermutigenden und in der Hoffnung stärkenden Triumph des Lammes. Dabei simplifiziert der Autor aber nie, sondern würdigt den tiefen Facettenreichtum der Offenbarung, um uns daraus verschiedene trostreiche Anwendungen zu bieten. Der Kommentar ist daher nicht nur flüssig geschrieben, sondern so erbaulich, dass er durchaus als Andachtsbuch zur täglichen geistlichen Nahrungsaufnahme gelesen werden kann.

Im Unterschied zu reißerischen Endzeitbüchern sehen wir an diesem Kommentar: Man kann und darf die Offenbarung nicht mit den Katastrophenmeldungen der Tageszeitung auslegen, aber wenn man die Tageszeitung liest, sieht man genau die Prinzipien am Werke, die in der Offenbarung beschrieben sind, und wir können das politische und globale Geschehen der Welt mit gläubigem und geistlichem Auge besser einordnen und verstehen und haben die trostreiche Gewissheit, dass Gott seinen Plan vollendet und uns sicher durch alle Nöte hindurch zu sich in seine Herrlichkeit bringen wird.

Der Leser profitiert auch deshalb, weil Dennis Johnson ein erfahrener Pastor und Professor für Praktische Theologie ist. Daher hat sein Kommentar viel Bezug zum Alltag. Besonders stark zum Ausdruck kommt das im letzten Kapitel (eigentlich ein Anhang) mit dem Titel „Wozu soll uns dieses Buch dienen?“

Welche Sicht auch immer man bezüglich der Reihenfolge der Endzeitgeschehnisse vertritt, werden den Anwendungen in diesem Teil des Buches sicherlich alle zustimmen und für ihr geistliches Leben und Wachstum davon profitieren. Johnson verdeutlicht, dass Gott mit der Offenbarung nicht nur unser Wissen vermehren, sondern vor allem unser Herz und Leben verändern und unseren Glauben stärken will. Wer hätte gedacht, dass ein intellektuell herausforderndes Thema wie die Auslegung der Offenbarung ein derart praktisches und zu Herzen gehendes Ende nimmt? Dieses praktische Resümee des Autors in Kapitel 15 ist mustergültig.

Mein Wunsch und Gebet für die Leser ist das, was der Autor im letzten Kapitel auf Seite 422 schreibt: „Wann immer die Offenbarung auf unser Herz so wirkt, wie Gott es beabsichtigt hat, werden wir Jesus mehr vertrauen, lieben und fürchten.“

Hans-Werner Deppe

 

Dennis E. Johnson, Der Triumph des Lammes. Ein Kommentar zum Buch der Offenbarung. Oerlinghausen [Betanien Verlag] 2014 [ISBN 978-3935558-30-3] 478 Seiten, € 23,90.

 

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