Da kommt eine Frau aus Samaria, um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken! Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, um Speise zu kaufen. Nun spricht die samaritische Frau zu ihm: Wie erbittest du als ein Jude von mir etwas zu trinken, da ich doch eine samaritische Frau bin? (Denn die Juden haben keinen Umgang mit den Samaritern.) Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du die Gabe Gottes erkennen würdest und wer der ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken!, so würdest du ihn bitten, und er gäbe dir lebendiges Wasser. Die Frau spricht zu ihm: Herr, du hast ja keinen Eimer, und der Brunnen ist tief; woher hast du denn das lebendige Wasser? Bist du größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, samt seinen Söhnen und seinem Vieh? Jesus antwortete und sprach zu ihr: Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten. Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle von Wasser werden, das bis ins ewige Leben quillt. Die Frau spricht zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich nicht dürste und nicht hierherkommen muss, um zu schöpfen! Jesus spricht zu ihr: Geh hin, rufe deinen Mann und komm her! Die Frau antwortete und sprach: Ich habe keinen Mann! Jesus spricht zu ihr: Du hast recht gesagt: Ich habe keinen Mann! Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Da hast du die Wahrheit gesprochen!
Johannes 4, 7–18
Wir alle tragen Sehnsüchte in uns. Tief in unserem Inneren gibt es dieses Verlangen nach einem erfüllten Leben – nach einem Leben, das sich sinnvoll, ganz und zufrieden anfühlt. Kaum jemand würde ehrlich sagen: So wie es aktuell ist, ist es vollkommen erfüllend.
Das erklärt auch, warum sogenannte Transformations-Videos im Internet millionenfach geklickt werden. Da ist zum Beispiel ein junger Mann, groß gewachsen, aber sehr dünn. Dann sehen wir im Zeitraffer, wie er über Jahre hinweg einen stabilen, muskulösen Körper aufbaut. Oder ein junges Paar, das ein heruntergekommenes Haus kauft und es Schritt für Schritt in ein Traumhaus verwandelt. Solche Videos faszinieren uns, weil sie etwas in uns berühren: Sie wecken Sehnsüchte.
Diese Sehnsüchte verraten etwas über uns, weil sie zeigen, dass wir Veränderung wollen. Sie lösen in uns das Gefühl aus: Mit meinem jetzigen Körper, meinem jetzigen Besitz, meiner jetzigen Beziehung, meiner jetzigen Arbeit – stimmt etwas nicht. Irgendwie reicht es nicht aus. Wir hoffen, dass Veränderung uns Erfüllung bringt. Genau hier zeigt sich die entscheidende Frage unseres Lebens:
Was schenkt uns wahre Erfüllung?
Diese Frage ist keine Randfrage für besonders religiöse Menschen, sondern die treibende Kraft hinter nahezu allen Entscheidungen, die wir treffen. Ob wir einkaufen, Beziehungen eingehen, Karrieren verfolgen oder Lebenspläne schmieden – wir tun all das in der Hoffnung, langfristig satt zu werden und innerlich zufrieden zu sein.
Genau dieser Frage begegnet Jesus in einem bemerkenswerten Gespräch im Johannesevangelium. Es ist eine alltägliche Szene: ein Brunnen, Wasser, eine kurze Begegnung. Und doch spricht Jesus hier über nichts Geringeres als über den tiefsten Durst des menschlichen Herzens – und über die einzige Quelle, die ihn wirklich stillen kann.
1. Jesus deckt deinen geistlichen Durst auf
Es ist bemerkenswert, wie Jesus immer wieder ganz gewöhnliche Situationen nutzt, um die tiefsten geistlichen Wahrheiten ans Licht zu bringen. Er hält in den meisten Fällen keine theologischen Vorträge oder abstrakte Reden. Er setzt bei dem an, was vor Augen liegt und was jeder Mensch kennt.
Jesus sitzt an einem Brunnen. Es ist Mittag und die Sonne brennt. Eine Frau kommt, um Wasser zu schöpfen. Für sie ist das Routine, Alltag, nichts Besonderes. Doch Jesus macht diesen Moment zu einem Wendepunkt ihres Lebens. Er bittet sie um Wasser – und lenkt das Gespräch dann auf eine ganz andere Ebene. Er sagt zu ihr: Wenn du die Gabe Gottes erkennen würdest und wer der ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken!, so würdest du ihn bitten, und er gäbe dir lebendiges Wasser (4,10).
Die Frau versteht ihn zunächst wörtlich, was auch völlig nachvollziehbar ist. Sie schaut auf den Brunnen, sie sieht die Tiefe, sie sieht, dass Jesus keinen Eimer hat und reagiert ganz realistisch: Wie willst du Wasser schöpfen? Wo soll dieses lebendige Wasser herkommen?
Auf genau diese Frage brauchen wir alle eine Antwort: Wo ist dieses lebendige Wasser? Wo finden wir das, was unser Leben wirklich satt macht? Doch Jesus beantwortet diese Frage nicht sofort. Stattdessen führt er die Frau – und uns – einen Schritt tiefer. Denn bevor wir wissen können, wo wir dieses Wasser finden, müssen wir verstehen, warum wir es überhaupt brauchen.
Der Kreislauf von Trinken und Durst
Jesus zeigt auf den Brunnen und erklärt: Jeder, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder durstig. Dieser banalen Aussage widerspricht niemand. Wir trinken Wasser – und wissen gleichzeitig: In kurzer Zeit brauchen wir wieder welches. Der Durst kehrt zurück. Und genau dieses alltägliche Erleben nutzt Jesus, um eine geistliche Wahrheit zu erklären, indem er erklärt: So funktioniert unser ganzes Leben.
Wir alle haben einen inneren Durst. Einen Lebensdurst. Eine Sehnsucht nach Erfüllung, nach Sinn, nach Frieden, nach „Genug“. Und unser Leben besteht im Kern darin, diesen Durst immer wieder zu stillen. Wir hoffen, dass uns bestimmte Dinge satt machen. Und oft scheint es auch so – zumindest für eine Zeit –, aber der Durst kommt immer zurück. Ein Weg, diesen Durst zu stillen, ist Besitz. Wenn Unruhe aufkommt, greifen wir zum Kaufen. Wir rennen in das nächste Geschäft oder klicken uns durch Online-Shops. Wir kaufen etwas – nicht unbedingt, weil wir es brauchen, sondern weil wir hoffen, dass es uns innerlich beruhigt. Für einen Moment funktioniert das auch. Aber der Effekt hält nicht lange an. Ein anderer Weg ist Essen und Trinken. Wir versuchen, unseren inneren Hunger körperlich zu stillen. Eine Tüte Chips gegen innere Leere. Ein Glas Wein gegen Einsamkeit. Ein weiteres Bier gegen Stress. Selbst harmlose und an sich gute Dinge werden zu Ersatzquellen für etwas, das tiefer liegt.
Alles probiert – nichts funktioniert
Die Bibel beschreibt dieses Muster schonungslos ehrlich. König Salomo, einer der erfolgreichsten, wohlhabendsten und einflussreichsten Menschen seiner Zeit, berichtet von seinen Versuchen, diesen inneren Durst zu stillen. In Prediger 2 zählt er alles auf, was er unternommen hat.
Er suchte Erfüllung…
- im Lachen
- in gutem Essen
- in großen Häusern und prächtigen Gärten
- im Anhäufen von Gold und Silber
- in Macht, Besitz und Einfluss
- in sexueller Erfüllung
- in Wissen und Weisheit
- in Ruhm und Anerkennung
Und er zog keine Grenzen. Er versagte seinem Herzen nichts. Alles, was seine Augen begehrten, nahm er sich. Und dann blickt er zurück – nüchtern und ernüchtert: Siehe, da war alles nichtig und ein Haschen nach Wind, und nichts Bleibendes unter der Sonne!(Pred 2,11). Er hat alles probiert, alles erlebt und ist doch leer geblieben.
Diese Wahrheit ist zeitlos. Erfolgreiche Menschen machen auch heute ähnliche Erfahrungen. Boris Becker sagte rückblickend auf seinen frühen Ruhm und Erfolg, dass er alles hatte – Geld, Anerkennung, Siege – und dennoch keinen inneren Frieden finden konnte: Er hatte alles erreicht, fühlte sich aber innerlich verloren.
Vielleicht klingt das vertraut. Vielleicht sagst du dir selbst: Wenn ich doch reich wäre… Wenn ich doch einen Partner hätte… Wenn ich doch gesund wäre…
Jesus zeigt der samaritanischen Frau, dass auch sie genau so lebt. Als er sie auffordert, ihren Mann zu holen, legt er ihre Geschichte offen. Fünf Beziehungen liegen hinter ihr. Eine weitere Beziehung bestimmt aktuell ihr Leben. Sie ist von Beziehung zu Beziehung gegangen – in der Hoffnung, endlich satt zu werden. Doch wie ein Wanderer in der Wüste, dessen Durst nicht gestillt wird, wurde auch ihr Durst nie gestillt. Jeder neue Versuch versprach Wasser – und brachte nur mehr Trockenheit.
Ein Spiegel für uns alle
Diese Frau ist kein Sonderfall. Sie ist ein Spiegel für uns. Jeder Mensch trifft seine Entscheidungen im Leben – bewusst oder unbewusst – in der Hoffnung, langfristige Befriedigung zu finden. Hausfrau oder Manager, Schüler oder Rentner: Unser Leben ist auf diese Suche ausgerichtet.
Jesus deckt diesen geistlichen Durst nicht auf, um uns zu beschämen oder zu verurteilen. Er möchte uns vielmehr deutlich machen: Der Durst ist real – und die bisherigen Brunnen reichen nicht aus.
Erst wenn wir das verstehen, sind wir bereit, nach der wahren Quelle zu fragen.
2. Jesus bietet dir lebendiges Wasser an
Nachdem Jesus der Frau am Brunnen ihren geistlichen Durst aufgezeigt hat, bleibt er nicht bei der Diagnose stehen. Er lässt sie nicht mit der Erkenntnis ihrer Leere allein. Jesus ist kein Arzt, der nur Symptome benennt. Und deshalb gibt er eine klare Antwort auf die entscheidende Frage: Wo finden wir das lebendige Wasser?
Diese Antwort ist schlicht und zugleich radikal: Bei mir. Das lebendige Wasser ist untrennbar mit seiner Person verbunden. Es ist kein Ort, keine Technik, kein System und keine Methode. Es ist keine Selbstoptimierung und kein spiritueller Aufstieg. Es ist Jesus selbst, der sagt: Ich bin der, der deinen Durst wirklich stillen kann.
Dabei ist entscheidend, dass es hier nicht um einen kleinen Zusatz geht. Unser Lebensdurst ist nicht einfach der Wunsch nach „noch ein bisschen mehr“. Es ist nicht so, dass die Dinge dieser Welt uns schon weitgehend zufriedenstellen und Jesus dann die letzte fehlende Komponente wäre. Nein – der Durst, von dem Jesus spricht, geht tiefer. Gott selbst hat diesen Durst in das Herz des Menschen hineingelegt. Salomo schreibt: Er hat alles vortrefflich gemacht zu seiner Zeit, auch die Ewigkeit hat er ihnen ins Herz gelegt (Pred 3,11). Dieser Durst ist also kein Zufall. Er ist kein Unfall. Er ist ein Schöpfungsgeschenk. Gott hat den Menschen so geschaffen, dass er nach mehr fragt – nach Bleibendem, nach Sinn, nach Leben. Der Mensch ist Ebenbild Gottes (1Mo 1,26–27), geschaffen für Gemeinschaft mit ihm. Darum kann er nur in Gott selbst seine wahre Erfüllung finden.
Warum die Dinge dieser Welt nicht reichen können
Aus genau diesem Grund ist es unmöglich, dass die Dinge dieser Welt unseren Lebensdurst stillen. Reichtum, Erfolg, Beziehungen, Anerkennung, Genuss – all diese Dinge sind vergänglich. Sie können für einen Moment erfreuen, aber sie tragen nicht. Sie versprechen Sättigung und vergrößern am Ende nur den Hunger. Der Kirchenvater Augustinus hat diese Wahrheit auf den Punkt gebracht: „Zu dir hin hast du uns erschaffen, Herr. Und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.“ Tief in uns tragen wir eine Ahnung von Unendlichkeit, eine Sehnsucht nach etwas, das bleibt. Diese Sehnsucht zeigt uns: Unser Durst nach Leben ist in Wahrheit ein Durst nach Gott.
Und genau hier wird deutlich: Dieser Durst ist kein Defekt, den man beheben müsste. Er ist eine Einladung oder Aufforderung. Eine göttliche Spur in unserem Herzen, die uns zur Quelle führen soll. Jesus sagt nicht: Du bist kaputt, weil du durstig bist. Er sagt: Komm zu mir, denn dein Durst zeigt, dass du für mehr geschaffen bist. In Christus selbst, der das lebendige Wasser gibt, findet das Herz Frieden und Sättigung. Und Gott sei Dank ist das so. Denn Gott selbst ist das Größte, Beste und Herrlichste, was es überhaupt gibt. Alles, was er uns in dieser Welt schenkt, ist letztlich nur ein Vorgeschmack auf das, was er selbst ist.
Warum wir dieses Angebot so oft ablehnen
Doch hier stellt sich eine ernste Frage: Warum nehmen so wenige dieses Angebot an? Warum bleiben so viele Menschen durstig, obwohl die Quelle offen vor ihnen liegt?
Die Antwort ist unbequem, aber klar: Weil diese Lösung dem durch Sünde verdrehten Menschen zu einfach erscheint. Wir sind überzeugt, es selbst schaffen zu müssen. Wir glauben, dass wir unser Glück selbst herstellen können. Die Denkweise unserer Zeit lautet: Ich bin für mein Glück verantwortlich. Wir wollen die Leiter selbst erklimmen. Wir wollen sagen können: Ich habe es geschafft. Ich habe mir mein erfülltes Leben erarbeitet. Was wir nicht wollen, ist anzuerkennen, dass wir aus eigener Kraft nicht in der Lage sind, für wahre Erfüllung zu sorgen.
Darum füllen wir lieber unseren Krug mit dem Wasser, das uns nicht satt macht, als uns an Jesus zu wenden und ihn um das Wasser zu bitten, das unseren Durst tatsächlich löscht. Jede Seite der Bibel erzählt genau diese Geschichte: Auf der einen Seite das lebendige Wasser, das nur bei Gott zu finden ist. Auf der anderen Seite der Mensch, der Befriedigung außerhalb von Gott sucht.
Das Wesen der Sünde
Und genau hier müssen wir das Wesen der Sünde verstehen. Sünde ist nicht zuerst moralisches Versagen. Sie ist nicht in erster Linie Lügen, Stehlen, Fluchen oder Wut – das alles sind ihre Ausdrucksformen. Im Kern ist die Sünde unsere Suche nach Befriedigung in etwas anderem als in Gott. Und genau daraus wachsen Stolz, Neid, Hass, Betrug und Lieblosigkeit. Dabei ist Gott nicht gegen unser Streben nach Glück. Im Gegenteil: Er hat uns so geschaffen, dass wir nach Glück verlangen. Aber er hat uns auch so geschaffen, dass wir dieses Glück nur in Jesus Christus finden können.
Das lässt sich mit einem drastischen Bild verdeutlichen: Stell dir vor, du hast an einem heißen Sommertag Zugang zu einer klaren, kühlen Bergquelle. Frisches, lebendiges Wasser – direkt vor dir. Doch statt daraus zu trinken, gehst du ein paar hundert Meter weiter und trinkst aus einem verdreckten Loch voller brauner Brühe. Zunächst scheint es den Durst zu stillen. Doch kurze Zeit später wirst du krank. So wirkt Sünde: Sie verspricht Erfüllung, bringt aber Zerstörung. Kurzfristige Befriedigung – und langfristig Verderben.
Jesus hat Durst
Und nun kommt der tiefste, bewegendste Punkt: Diese Begegnung am Brunnen kommt zustande, weil Jesus selbst durstig ist. Er sitzt dort, weil er seine Herrlichkeit verlassen hat und Mensch geworden ist. Der lebendige Gott wird einer, der Durst empfindet. Dieser Weg führt bis ans Kreuz. Dort erleidet Jesus den tiefsten Durst, den ein Mensch erleiden kann: die radikale Trennung von Gott. „Mich dürstet“, ruft er. Und: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
Der körperliche Durst ist das Zeichen einer viel tieferen Realität. Jesus trägt den Durst der Gottverlassenheit, damit unser Durst für immer gestillt werden kann. Er verdurstet – stellvertretend – für unsere Sünde, für unsere falschen Quellen, für unsere Suche nach Erfüllung außerhalb von Gott.
Darum ist das Angebot Jesu kein leeres Versprechen. Es ist teuer erkauft. Jesus bietet dir das lebendige Wasser nicht theoretisch oder symbolisch an, sondern durch sein eigenes Leben, Leiden und Sterben.
3. Jesus verheißt dir dauerhafte Befriedigung
Jesus spricht nicht nur von einer Lösung für den Moment. Er verspricht nicht bloß kurzfristige Erleichterung, sondern echte, bleibende Erfüllung. Nachdem er den geistlichen Durst aufgedeckt und die Quelle benannt hat, richtet er den Blick nun auf die Wirkung dieses lebendigen Wassers. Und diese Wirkung ist radikal: dauerhafte Befriedigung.
Um das verständlich zu machen, zeichnet Jesus ein klares Bild: Wir Menschen sind wie Reisende, die sich in der Wüste verirrt haben. Um uns herum sind Hitze, Trockenheit, Orientierungslosigkeit und unsere einzige Hoffnung ist eine Oase mit frischem Wasser. Deshalb suchen wir danach – überall.
Wir suchen dieses ‚Wasser‘ in Menschen – in Beziehungen, die uns retten sollen. Wir suchen es in unseren Tätigkeiten – Arbeit, Leistung, Erfolg. Wir suchen es in guten Taten – in der Hoffnung, uns selbst zu rechtfertigen. Wir suchen es in religiösen Systemen – durch Regeln, Rituale und Frömmigkeit.
Dahinter steckt immer dieselbe Hoffnung: Vielleicht ist hier die Lösung. Vielleicht werde ich hier endlich satt. Und oft scheint es zunächst tatsächlich so. Für eine Zeit fühlt es sich an, als hätte man Wasser gefunden. Der Durst lässt nach, Hoffnung keimt auf. Doch irgendwann kommt die Ernüchterung: Das, was wir für die Lösung hielten, trägt nicht. Also ziehen wir weiter – von Quelle zu Quelle, von Hoffnung zu Hoffnung.
Salzwasser: Wenn Trinken den Durst vergrößert
Jesus macht deutlich: Alles, was wir außerhalb von Christus finden, ist wie Salzwasser. Es sieht aus wie Wasser, es schmeckt vielleicht sogar wie Wasser. Aber es hat eine zerstörerische Wirkung. Wir trinken – und der Durst wird größer. Von innen trocknen wir aus. Das Ergebnis ist ein fataler Kreislauf: ein immer größer werdendes Verlangen nach einem immer kleiner werdenden Vergnügen. Die Sünde funktioniert nach genau diesem Prinzip.
Jeder, der mit Pornografie in Berührung gekommen ist, kennt diese Dynamik. Jeder neue Blick erzeugt mehr Verlangen – aber weniger Befriedigung. Das Herz wird nicht satt, sondern hungriger. Das Versprechen bleibt, die Erfüllung schwindet. Dasselbe gilt für Abhängigkeiten. Wer von Alkohol oder Drogen abhängig war, weiß: Beim nächsten Mal braucht es mehr, um überhaupt noch etwas zu spüren. Und selbst dann ist das Hochgefühl kürzer als zuvor. Auch zerstörerische Beziehungen folgen diesem Muster. Je schlechter eine Beziehung wird, desto stärker wird oft die emotionale Abhängigkeit. Die Person, die uns verletzt, scheint gleichzeitig die einzige zu sein, die wir brauchen. So wirkt Sünde – sie nährt den Durst, den sie zu stillen verspricht.
Jesu Verheißung: Eine Quelle, die bleibt
Genau in diesen Kreislauf hinein spricht Jesus sein Versprechen: „Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle von Wasser werden, das bis ins ewige Leben quillt“ (Joh 4,14).
Jesus bietet nicht nur einen Schluck an, sondern Zugang. Das lebendige Wasser wird im Menschen selbst zu einer Quelle. Das bedeutet: Wer zu Jesus kommt, muss nie wieder verzweifelt suchen. Es gibt immer wieder neues Wasser, immer wieder neue Sättigung. Diese Erfüllung ist nicht abhängig von Umständen. Sie hängt nicht an Gesundheit, Erfolg oder Beziehungen, sondern ist in einer lebendigen Beziehung zu Christus verwurzelt. Und genau das ist Jesu Ziel: Er möchte, dass wir wirklich erfüllt leben, nicht oberflächlich zufrieden, sondern innerlich satt. Ja, mehr noch: Er selbst will unser Glück sein.
Zwei Wege – eine Wahrheit
Damit stehen wir vor einer klaren Entscheidung. Der erste Weg ist, irdische, leere Vergnügungen bewusst abzulehnen – nicht weil wir müssen, sondern weil wir verstanden haben: Diese irdischen Dinge können uns nicht retten. Wenn wir unsere Zufriedenheit nicht mehr in Geld, Urlaub, Freizeit, gesunden Kindern oder einem guten Job suchen, sondern in Jesus, dann machen wir damit eine Aussage über Jesus. Wir sagen damit etwas über seinen Wert in unserem Leben. Jeder Mensch, der seine größte Zufriedenheit in Christus sucht, bekennt: Jesus ist mehr wert als alles andere.
Der zweite Weg ist, Jesus abzulehnen und weiter aus den Brunnen dieser Welt zu trinken. Wer diesen Weg geht, nennt Jesus im Grunde einen Lügner. Denn er sagt damit: Dein Wasser reicht nicht. Ich finde meine Erfüllung woanders.
Doch Jesus täuscht dich nicht mit Lügen. Nur er kann den Lebensdurst wirklich stillen. Darum lautet die Aufforderung: Hör auf, aus dem Brunnen der Sünde zu trinken, sondern komm zu Jesus. Er bietet lebendiges Wasser – Wasser, das nie versiegt. Und genau hier schließt sich der Kreis: Wahre Erfüllung ist keine äußere Transformation. Sie ist eine innere Quelle. Und diese Quelle ist Jesus Christus.
Wahre Erfüllung: Die tiefste Transformation
Wir haben am Anfang von Transformations-Videos gesprochen. Von Körpern, die sich verändern. Von Häusern, die renoviert werden. Von sichtbaren Entwicklungen, die uns faszinieren, weil sie eine Wahrheit widerspiegeln, die wir alle kennen: So wie es ist, soll es nicht bleiben.
Diese Sehnsucht nach Veränderung ist kein Zufall. Sie ist ein Echo unseres geistlichen Durstes. Doch so beeindruckend äußere Transformationen auch sein mögen – sie reichen nicht tief genug. Ein neuer Körper, ein schöneres Zuhause, mehr Erfolg oder bessere Umstände können das Herz nicht erneuern. Sie verändern das Äußere – unseren Körper und unsere Umstände –, aber sie erreichen die Quelle nicht.
Jesus ruft uns zu einer anderen Art von Transformation. Nicht zu einer Optimierung unseres Lebens, sondern zu einer Erneuerung von innen heraus. Er verspricht kein perfektes Leben ohne Leid, aber ein erfülltes Leben mit einer Quelle, die nie versiegt. Eine Erfüllung, die nicht von Umständen abhängt, sondern von Gemeinschaft mit ihm. Vielleicht spürst du genau das: Du hast schon vieles ausprobiert. Du hast getrunken – aus verschiedenen Brunnen dieser Welt. Und doch ist der Durst geblieben.
Wahre Erfüllung beginnt dort, wo wir aufhören, unser Leben selbst retten zu wollen, und anfangen, aus der Quelle zu trinken, die Gott selbst geöffnet hat. Jesus ist diese Quelle. Er ist das lebendige Wasser. Und wer zu ihm kommt, wird nicht nur verändert – sondern wirklich erfüllt.
Paul Koch ist Pastor der Bekennenden Evangelisch-Reformierten Gemeinde in Nordhorn. Er hat Theologie in Beatenberg/CH und Hamburg studiert und ist Mitglied des Leitungskreises des Jugendnetzwerks Josia – Truth for Youth. Er ist verheiratet mit Melanie und Vater von zwei Kindern.