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Die Stellungnahme der Grace Community Church zum Versammlungsverbot der Kirchen in Kalifornien

Einführung

Bekannt ist die Grace Community Church vor allem durch ihren weltweit wirkenden Pastor John MacArthur. Unter seinem Namen sind zahlreiche Buchveröffentlichungen erschienen. Nicht wenige davon wurden ins Deutsche übersetzt.

Aufgrund der Lockdown-Maßnahmen durch die Regierung des US-amerikanischen Bundesstaates Kalifornien war ein ordentliches Gottesdienstfeiern in den dortigen Gemeinden und Kirchen nicht möglich. Das erste Versammlungsverbot für Großveranstaltungen (eingeschlossen Gottesdienste) galt, ähnlich wie in Deutschland für April und Mai dieses Jahres. Man unterwarf sich diesen Maßnahmen unter der Voraussetzung, dass die neu erlassenen Regelungen zeitlich sehr befristet sind und schrittweise gelockert werden. Im Juni und zu Beginn des Juli konnten Gottesdienste unter besonderen Vorgaben auch wieder stattfinden.

Das nachfolgende Statement bezieht sich auf eine erneute, zweite Sperre, die dann im Juli erlassen wurde und nun speziell und unbefristet jegliche Ausübung von Religionsveranstaltungen, einschließlich Gottesdiensten und anderen Gemeindeveranstaltungen in Kalifornien verbietet.[1] Dazu gab die Gemeindeleitung der Grace Community Church, Sun Valley, California am 24. Juli die folgende Erklärung:[2]

Christus ist das Haupt der Kirche, nicht Cäsar: Die biblische Verpflichtung, dass unsere Kirchen geöffnet bleiben

Christus ist Herr über alles. Er ist das einzige wahre Haupt der Kirche (Epheser 1,22; 5,23; Kolosser 1,18). Er ist der König der Könige – Herrscher über jede irdische Autorität (1.Timotheus 6,15; Offenbarung 17,14; 19,16). Die Grace Community Church steht seit jeher unerschütterlich auf diesen biblischen Prinzipien. Als Volk Gottes sind wir seinem Willen und seinen Geboten unterworfen, wie sie in der Heiligen Schrift offenbart sind. Deshalb können und wollen wir eine von der Regierung auferlegte Sperre unserer wöchentlichen Gemeindegottesdienste und anderer regelmäßiger gemeinsamer Versammlungen nicht hinnehmen. Eine Einwilligung wäre Ungehorsam gegenüber den klaren Geboten unseres Herrn.

Vielleicht denkt mancher, dass eine solch konkrete Aussage in direktem Widerspruch zu dem in Römer 13 und 1.Petrus 2 dargelegten Gebot steht, sich regierenden Autoritäten zu unterwerfen.

Die Heilige Schrift gebietet einen sorgfältigen, gewissenhaften Gehorsam gegenüber allen regierenden Autoritäten, einschließlich Königen, Präsidenten, Arbeitgebern und ihren Bevollmächtigten (das heißt, um es mit den Worten des Petrus zu sagen: nicht allein den guten und gelinden, sondern auch den verkehrten [1.Petrus 2,18, Elberfelder Übersetzung 1905]). Soweit die Regierungsbehörden nicht versuchen, kirchliche Autorität auszuüben, oder Befehle zu erteilen, die unseren Gehorsam gegenüber Gottes Gesetzen verbieten, ist ihrer Autorität zu gehorchen, ob wir nun mit ihren Entscheidungen einverstanden sind oder nicht. Mit anderen Worten: Römer 13 und 1.Petrus 2 binden immer noch das Gewissen des einzelnen Christen. Wir sollen unseren irdischen Autoritäten gehorchen, da diese von Gott selbst eingesetzt sind.

Doch obwohl die zivile Regierung mit göttlicher Autorität ausgestattet ist, um ein Volk zu regieren, gewährt keiner der oben zitierten Texte (und auch kein anderer) den irdischen Machthabern die Rechtshoheit über die Kirche. Gott hat drei Institutionen innerhalb des menschlichen Gemeinwesens geschaffen: die Familie, den Staat und die Kirche. Jede Institution hat ihren eigenen Autoritätsbereich mit Zuständigkeitsgrenzen, die respektiert werden müssen.

Die Autorität eines Vaters ist auf seine eigene Familie beschränkt. Die Autorität der Kirchenleiter (die ihnen von Christus übertragen wurde) ist auf kirchliche Angelegenheiten beschränkt. Und die Regierung ist speziell mit der Aufsicht und dem Schutz des bürgerlichen Friedens und Wohlergehens innerhalb der Grenzen einer Nation oder Gesellschaft betraut. Gott hat den irdischen Machthabern keine Autorität über die Lehre, die Praxis oder die Gestaltung der Gemeinschaft in der Kirche verliehen. Der biblische Ordnungsrahmen beschränkt die Autorität jeder Institution auf ihre spezifische Zuständigkeit. Die Kirche hat nicht das Recht, sich in die Angelegenheiten einzelner Familien einzumischen oder die elterliche Autorität zu ignorieren.

Eltern haben nicht das Recht, öffentliche Angelegenheiten unter Umgehung der zuständigen staatlichen Behörden zu regeln. Und ebenso wenig haben Regierungsbeamte das Recht, sich in kirchliche Angelegenheiten in einer Weise einzumischen, die die von Gott verliehene Autorität von Pastoren und Ältesten untergräbt oder missachtet.

Wenn eine der drei Institutionen die Grenzen ihrer Zuständigkeit überschreitet, ist es die Pflicht der anderen Institutionen, diese Überschreitung einzuschränken. Wenn etwa ein Regierungsbeamter Anordnungen erlässt, die in den Gottesdienst eingreifen (wie zum Beispiel Gesangsverbote, Anwesenheitshöchstgrenzen oder Verbote von Versammlungen und Gottesdiensten), überschreitet er die legitimen Grenzen seiner gottgegebenen Autorität als Amtsträger und maßt sich eine Autorität an, die Gott ausdrücklich nur dem Herrn Jesus Christus als Herrscher über sein Reich, die Kirche, gewährt. Seine [Christi] Herrschaft ist den Ortsgemeinden durch jene Pastoren und Ältesten vermittelt, die sein Wort lehren (Matthäus 16,18.19; 2.Timotheus 3,16–4,2).

In Anbetracht der jüngsten staatlichen Anordnung, die die Kirchen in Kalifornien dazu verpflichtet, alle Versammlungen auf unbestimmte Zeit einzuschränken oder auszusetzen, informieren wir, die Pastoren und die Ältesten der Grace Community Church, unsere bürgerlichen Regierungsvertreter respektvoll darüber, dass sie ihre rechtmäßige Zuständigkeit überschritten haben. Unser Gehorsam zu Christus verbietet es uns, den Beschränkungen Folge zu leisten, die sie unseren gemeinsamen Gottesdiensten auferlegen wollen.

Anders ausgedrückt: Es gehörte niemals zum Recht der irdischen Regierung, Gottesdienste anzuordnen, zu modifizieren, zu verbieten oder zu befehlen. Wann, wie und wie oft die Kirche Gottesdienste durchführt, ist nicht Cäsars Entscheidung. Cäsar selbst ist Gott untergeordnet.

Jesus bekräftigte dieses Prinzip, als er zu Pilatus sagte: Du hättest keine Autorität über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre (Johannes 19,11). Und weil Christus das Haupt der Kirche ist, gehören kirchliche Angelegenheiten zu seinem Königreich, nicht zu denen des Kaisers. Jesus unterschied zwischen diesen beiden Reichen deutlich, als er sagte: Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört (Markus 12,17). Unser Herr selbst hat Cäsar immer das gegeben, was Cäsar gehörte, aber er hat Cäsar nie das zugestanden, was allein Gott gehört.

Als Pastoren und Älteste können wir den staatlichen Autoritäten keine Zuständigkeit und keine Vollmacht zubilligen, die allein Christus, dem Haupt seiner Kirche gehören. Pastoren und Älteste sind diejenigen, denen Christus die Pflicht und das Recht gegeben hat, seine geistliche Autorität in der Kirche auszuüben (1.Petrus 5,1–4; Hebräer 13,7.17) – und allein die Heilige Schrift definiert, wie und wem sie zu dienen haben (1.Korinther 4,1–4). Sie sind nicht verpflichtet, Anordnungen einer zivilen Regierung zu befolgen, die versucht, den Gottesdienst oder die Leitung der Kirche zu regeln. Tatsächlich haben Pastoren, die ihre von Christus delegierte Autorität in der Kirche an einen staatlichen Herrscher abtreten, sich ihrer Verantwortung vor ihrem Herrn entzogen und die von Gott festgelegten Autoritätsebenen ebenso verletzt wie der säkulare Amtsträger, der seine Autorität der Kirche unrechtmäßig aufbürdet. In dem Glaubensbekenntnis unserer Kirche ist dieser Absatz seit mehr als 40 Jahren enthalten:

„Wir lehren die Autonomie der Ortskirche, frei von jeder äußeren Autorität oder Kontrolle, mit dem Recht der Selbstverwaltung und der Freiheit gegenüber der Einmischung irgendeiner Hierarchie von Einzelpersonen oder Organisationen (Titus 1,5). Wir lehren, dass es für wahre Kirchen biblisch ist, bei der Lehre und Verbreitung des Glaubens miteinander zusammenzuarbeiten. Jede Ortskirche soll jedoch durch ihre Ältesten und deren Auslegung und Anwendung der Heiligen Schrift allein über das Maß und die Weise ihrer Zusammenarbeit entscheiden. Die Ältesten sollen auch alle anderen Angelegenheiten in Bezug auf Kirchenmitgliedschaft, Kirchenordnung, Gemeindezucht, diakonische Dienste und Gemeindeleitung entscheiden (Apostelgeschichte 15,19–31; 20,28; 1. Korinther 5,4–7.13; 1. Petrus 5,1–4).“

Kurz gesagt, als Kirche benötigen wir nicht die Erlaubnis des Staates, um unserem Herrn zu dienen und ihn so anzubeten, wie er es befohlen hat. Die Kirche ist die kostbare Braut Christi (2.Korinther 11,2; Epheser 5,23–27). Sie gehört Ihm allein. Sie existiert durch seinen Willen und dient unter seiner Autorität. Christus duldet keinen Angriff auf ihre Reinheit und keinen Verstoß gegen seine Herrschaft über sie. All das wurde festgelegt, als Jesus sagte: Ich will meine Kirche bauen, und die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen (Matthäus 16,18).

Die Autorität Christi ist hoch über jedes Fürstentum und jede Gewalt, Macht und Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird nicht allein in diesem Zeitalter, sondern auch in dem zukünftigen. Wobei er [Gott der Vater] alles unter seine [Christi] Füße tat und ihn zum Haupt über alles der Gemeinde gab, welche sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt (Epheser 1,21–23).

Dementsprechend folgt aus der Anerkennung und dem Respekt, die wir unseren irdischen Machthabern und Richtern rechtmäßig schulden (Römer 13,7), kein Einverständnis damit, wenn solche Amtsträger versuchen, die gesunde Lehre zu untergraben, die biblische Moral zu verderben, kirchliche Autorität auszuüben oder Christus als Haupt der Kirche auf irgendeine sonstige Weise zu verdrängen.

Die biblische Ordnung ist klar: Christus ist Herr über Cäsar, nicht umgekehrt. Christus, nicht Cäsar, ist das Haupt der Kirche. Umgekehrt herrscht die Kirche in keiner Weise über den Staat.

Nochmals: Hier handelt es sich um zwei verschiedene Reiche – und Christus ist über beide souverän. Weder Kirche noch Staat haben eine höhere Autorität als die von Christus selbst, welcher erklärte: Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden (Matthäus 28,18).

Man beachte, dass wir in dieser Begründung kein verfassungsrechtliches Argument anführen, auch wenn der Erste Zusatzartikel [First Amendment] der Verfassung der Vereinigten Staaten dieses Prinzip in seinen einleitenden Worten ausdrücklich bekräftigt: „Der Kongress darf kein Gesetz erlassen, welches eine Religion etabliert oder deren freie Ausübung verbietet.“ Das Recht, auf das wir uns berufen, wurde nicht durch die Verfassung geschaffen. Es ist eines jener unveräußerlichen Rechte, die allein von Gott gewährt werden, der die menschliche Regierung eingerichtet hat und sowohl die Rechte als auch die Grenzen staatlicher Autorität festgelegt hat (Römer 13,1–7). Unsere Argumentation stützt sich daher bewusst nicht auf diesen Ersten Artikel; sie gründet vielmehr auf denselben biblischen Prinzipien, auf denen auch die Verfassung selbst gründet. Die Ausübung des wahren Glaubens ist eine göttliche Pflicht, die den Männern und Frauen, die nach dem Bilde Gottes geschaffen wurden, auferlegt ist (1.Mose 1,26.27; Apostelgeschichte 4,18–20; 5,29; vergleiche Matthäus 22,16–22). Mit anderen Worten: Die Freiheit der Religionsausübung ist ein Gebot Gottes und kein vom Staat gewährtes Privileg.

In diesem Zusammenhang ist noch ein weiterer Punkt zu nennen: Christus ist immer treu und wahrhaftig (Offenbarung 19,11). Menschliche Regierungen sind nicht in gleichem Maße vertrauenswürdig. Die Heilige Schrift sagt: Die ganze Welt liegt in der Macht des Bösen (1.Johannes 5,19). Das bezieht sich natürlich auf Satan. Johannes 12,31 und 16,11 bezeichnen ihn als den Herrscher dieser Welt, was bedeutet, dass er durch die politischen Systeme dieser Welt Macht und Einfluss ausübt (vergleiche Lukas 4,6; Epheser 2,2; 6,12). Jesus sagt über ihn: Er ist ein Lügner und der Vater der Lüge (Johannes 8,44). Die Geschichte ist voller schmerzlicher Beispiele, dass die Regierungsmacht leicht und häufig für böse Zwecke missbraucht worden ist. Politiker können Statistiken manipulieren, und die Medien können unbequeme Wahrheiten verschweigen oder verharmlosen. Daher kann eine wachsame Kirche nicht passiv bleiben oder automatisch einwilligen, wenn die Regierung die Sperre von Gemeindeversammlungen anordnet – selbst wenn der Grund dafür die Sorge um die öffentliche Gesundheit oder die Sicherheit ist.

Die Kirche ist per definitionem ein Zusammenkommen. Das ist die wörtliche Übersetzung des griechischen Wortes für „Kirche“ – ekklesia – die „zusammengerufene Versammlung“. Eine sich nicht versammelnde Versammlung ist ein Widerspruch in sich selbst. Christen ist es daher geboten, die Praxis des Zusammenkommens nicht aufzugeben (Hebräer 10,25) – und kein irdischer Staat hat das Recht, die Versammlung von Gläubigen einzuschränken, zu beschneiden oder gar zu verbieten. Wir haben deshalb auch die Untergrundkirchen in Ländern, in denen der christliche Gemeindegottesdienst seitens des Staates als illegal deklariert wurde, immer unterstützt.

Wenn die Regierung den Kirchenbesuch auf eine bestimmte Anzahl von Besuchern eingrenzen will, versucht sie, eine Beschränkung durchzusetzen, die es den Gläubigen unmöglich macht, sich als Kirche zu versammeln. Wenn Behörden das Singen in Gottesdiensten verbieten, versuchen sie, eine Regelung aufzustellen, die es dem Volk Gottes unmöglich macht, den Geboten von Epheser 5,19 und Kolosser 3,16 zu gehorchen. Wenn Beamte Distanzierung anordnen, versuchen sie, eine Beschränkung aufzuerlegen, die es prinzipiell unmöglich macht, die enge Gemeinschaft von Gläubigen zu erfahren, die in Römer 16,16; 1.Korinther 16,20; 2.Korinther 13,12 und 1.Thessalonicher 5,26 geboten ist. In allen diesen Bereichen müssen wir uns unserem Herrn unterordnen.

Auch wenn wir in Amerika nicht daran gewöhnt sein mögen, dass die Regierung in die Kirche unseres Herrn Jesus Christus eindringt, so ist dies doch keineswegs das erste Mal in der Kirchengeschichte, dass es Christen mit staatlichen Übergriffen oder feindlichen Machthabern zu tun haben. Tatsächlich war die Verfolgung der Kirche durch staatliche Behörden in der gesamten Kirchengeschichte die Regel und nicht die Ausnahme. Und alle, so sagt die Heilige Schrift, die gottselig leben wollen in Christus Jesus, müssen Verfolgung leiden (2.Timotheus 3,12).

Historisch betrachtet waren die beiden Hauptverfolger der Kirche immer eine säkulare Regierung und eine falsche Religion. Die meisten Märtyrer des Christentums sind gestorben, weil sie sich weigerten, solchen Autoritäten zu gehorchen. Dies ist schließlich das, was Christus angekündigt hat: Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen (Johannes 15,20).

In der letzten Seligpreisung sagt er: Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und lügnerisch allerlei Arges wider euch reden um meinetwillen! Freut euch und seid fröhlich, denn euer Lohn im Himmel ist groß; denn so haben sie auch die Propheten verfolgt, die vor euch gewesen sind (Matthäus 5,11.12).

Für den Fall, dass sich die Regierungspolitik immer weiter von biblischen Prinzipien entfernt und der rechtliche und politische Druck gegen die Kirche zunimmt, haben wir zu erkennen, dass der Herr diesen Druck möglicherweise als Mittel zur Läuterung benutzt, um die wahre Kirche zu offenbaren. Sich dem staatlichen Übergriff zu beugen, könnte dazu führen, dass Kirchen auf unbestimmte Zeit geschlossen bleiben. Wie kann sich dann die wahre Kirche Jesu Christi in einem so feindseligen Klima als eine solche erweisen? Dafür gibt es nur einen Weg: kühne Loyalität gegenüber dem Herrn Jesus Christus.

Selbst dort, wo Regierungen wohlwollend der Kirche gegenüber zu stehen schienen, mussten sich christliche Leiter oft aggressiver Staatsbeamter erwehren. Angesichts von Calvins Genfer Katechismus mussten zum Beispiel kirchliche Amtsträger zeitweise Versuche des Stadtrates abwehren, die zum Ziel hatten, gewisse Aspekte des Gottesdienstes, der Kirchenordnung und der Gemeindezucht zu regeln. Auch die Kirche von England hat sich nie vollständig reformiert, eben weil sich die britische Krone und das Parlament stets in kirchliche Angelegenheiten einmischten. Im Jahr 1662 wurden die Puritaner von ihren Kanzeln verwiesen, weil sie sich weigerten, sich den Regierungsaufträgen bezüglich des Gebrauchs des „Book of Common Prayer“, des Tragens von Gewändern, und anderer zeremonieller Aspekte des staatlich geregelten Gottesdienstes zu beugen. Der britische Monarch behauptet immer noch, oberster Herrscher und öffentliches Haupt der Anglikanischen Kirche zu sein.

Noch einmal: Christus ist das einzig wahre Oberhaupt seiner Kirche, und wir beabsichtigen, diese lebenswichtige Wahrheit in allen unseren Versammlungen hochzuhalten. Aus diesem entscheidenden Grund können wir die übergriffigen Sperren, die Regierungsbeamte unserer Gemeinde jetzt auferlegen wollen, nicht akzeptieren und werden uns ihnen nicht beugen. Wir geben diese Antwort ohne Groll und auch nicht aus einem kämpferischen oder rebellischen Herzen heraus (1.Timotheus 2,1–8; 1.Petrus 2,13–17), sondern in dem nüchternen Bewusstsein, dass wir uns vor dem Herrn Jesus für die Haushalterschaft verantworten müssen, die er uns als Hirten seiner kostbaren Herde anvertraut hat.

Unseren Regierungsbeamten sagen wir respektvoll mit den Worten der Apostel: Entscheidet ihr selbst, ob es vor Gott recht ist, euch mehr zu gehorchen als Gott (Apostelgeschichte 4,19). Und ohne Zögern beantworten wir diese Frage genauso wie die Apostel: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen! (Apostelgeschichte 5,29).

Es ist unser Gebet, dass jede treue Gemeinde gemeinsam mit uns im Gehorsam gegenüber unserem Herrn feststeht, wie es die Christen durch die Jahrhunderte hindurch getan haben.

Nachtrag

Als die Ältesten der Grace Community Church die ursprüngliche Regierungsanordnung (1. Sperre) akzeptierten und gemeinsam mittrugen, geschah dies nicht, weil wir glaubten, der Staat habe das Recht, den Kirchen vorzuschreiben, wann, ob, und wie Gottesdienste abgehalten werden sollen. Um es klar zu sagen: Wir sind der Überzeugung, dass die ursprüngliche Verordnung ein ebenso unrechtmäßiges Eingreifen der staatlichen Autorität in kirchliche Angelegenheiten war, wie es sich momentan darstellt. Da wir jedoch nicht den tatsächlichen Gefährlichkeitsgrad des Virus gekannt hatten und ihn auch nicht vorhersehen konnten, und weil wir uns um das Wohlergehen der Menschen sorgten, gleich wie sich unser Herr darum gesorgt hat, glaubten wir, dass der Schutz der öffentlichen Gesundheit vor ernsthaften Ansteckungen eine rechtmäßige Aufgabe der Christen ist, so wie es auch der zivilen Regierung ist. Deshalb folgten wir freiwillig den ursprünglichen Empfehlungen unserer Regierung. Es ist natürlich legitim, dass sich Christen im Falle einer Krankheit oder einer unmittelbaren Bedrohung der öffentlichen Gesundheit vorübergehend der Versammlung der Heiligen enthalten.

Als die weitreichende Ausgangssperre begann, ging man davon aus, dass dies eine kurzfristige Notlösung sei, mit dem Ziel, „die Kurve abzuflachen“ – das heißt, die Infektionsrate zu verlangsamen, um zu gewährleisten, dass die Krankenhäuser nicht überlastet werden. Auch gab es verheerende Prognosen bezüglich der Sterberate. Angesichts dieser Faktoren unterstützten unsere Pastoren die Maßnahmen, indem sie sich an die staatlichen Vorgaben hielten, die für die Kirchen erlassen worden waren.

Jedoch gaben wir damit unsere geistliche Autorität nicht an die säkulare Regierung ab. Wir entschieden von Anfang an, dass sich unsere freiwillige Entscheidung zur Einhaltung der Richtlinien ändern werde, sobald sich diese über das erklärte Ziel hinaus erweitern sollten und sobald Politiker sich unangemessen in kirchliche Angelegenheiten einmischen würden. Das gleiche gilt, wenn Gesundheitsbehörden Beschränkungen hinzufügen würden, die versuchen, den Auftrag der Kirche zu unterlaufen. Wir trafen jede Entscheidung in bewusster Wahrnehmung unserer eigenen Verantwortung. Wir haben am Anfang schlichtweg die Gelegenheit genutzt, die Anliegen der Gesundheitsbehörden zu unterstützen und diese Anliegen auch unter unseren Gemeindegliedern zur Geltung zu bringen. Dies geschah aus dem Wunsch heraus, in Sorgfalt und Vernunft zu handeln (Philipper 4,5).

Aber jetzt leben wir bereits seit mehr als zwanzig Wochen mit nicht aufgehobenen Einschränkungen. Es ist offenkundig, dass die ursprünglichen Todesprojektionen falsch waren und das Virus sich nirgendwo als nur annähernd so gefährlich erwiesen hat, wie anfangs befürchtet. Dennoch sind etwa vierzig Prozent des Jahres vergangen, in denen es unserer Kirche nicht möglich war, sich auf normale Weise zu versammeln. Die Möglichkeit der Pastoren, ihre Herden zu hüten, wurde stark eingeschränkt. Die Einheit und der Einfluss der Kirche sind bedroht. Den Gläubigen wurden Gelegenheiten verwehrt, um zu dienen und einander beizustehen.

Auch das Leiden von Christen, die in Schwierigkeiten, Angst, Bedrängnis, Gebrechen oder anderweitigen Sorgen dringend Gemeinschaft und Ermutigung gebraucht hätten, wurde durch die Beschränkungen in einem Ausmaß verschlimmert, das in keiner Weise als gerechtfertigt oder notwendig angesehen werden kann. Wenn größere öffentliche Veranstaltungen, die für 2021 geplant waren, bereits jetzt abgesagt werden, signalisiert man, dass sich Regierungsstellen offenkundig darauf vorbereiten, die Einschränkungen bis ins nächste Jahr und darüber hinaus aufrechtzuerhalten. Das zwingt die Kirchen, sich zwischen dem klaren Befehl unseres Herrn und dem der Regierenden zu entscheiden. Deshalb, weil wir der Autorität unseres Herrn Jesus Christus folgen, entscheiden wir uns freudig dafür, ihm zu gehorchen.

Stehen Sie uns bei in der Unterstützung des biblischen Auftrags, sich zum gemeinsamen Gottesdienst zu versammeln!


[1]) Siehe den Link zum Originaldokument der Versammlungsverordnung in Kalifornien: http://www.publichealth.lacounty.gov/media/Coronavirus/docs/protocols/Reopening_PlacesofWorship.pdf

[2]) Das englische Original ist zu finden unter: https://www.gracechurch.org/news/posts/1988. Veröffentlicht wurde es am 24. Juli 2020. Vergleiche ferner die Homepage der Grace Community Church: https://www.gracechurch.org/. Zur Unterstützung der Grace Community Church bitte hier unterschreiben (Petition): https://www.gracechurch.org/forms/786.

Die deutsche Übersetzung wurde von Dr. Anne Lemnitzer, University of California, Irvine, USA erstellt sowie von Dr. Wolfgang Nestvogel, Bekennende Evangelische Gemeinde Hannover, Deutschland (Status: 1.8.2020).

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