Das wunderbare Geheimnis der Ehe: Was die christliche Ehe offenbar machen soll (Epheser 5,30-33) 

In dieser Artikelserie zu Epheser 5,22-33 haben wir bereits die Beziehung der Frau zum Mann sowie des Mannes zur Frau genauer betrachtet. Der Apostel Paulus hat klargemacht, dass diese gegenseitige Beziehung so geprägt sein soll wie die Beziehung zwischen Christus und der Gemeinde: Wie nun die Gemeinde sich dem Christus unterordnet, so auch die Frauen ihren eigenen Männern in allem […]. Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es, gleichwie der Herr die Gemeinde (Eph. 5,24.29). 

Am Ende des Abschnitts fasst der Apostel seine Ausführungen zusammen: Doch auch ihr – jeder von euch liebe seine Frau so wie sich selbst; die Frau aber erweise dem Mann Ehrfurcht! (Eph. 5,33) Wie können sich Eheleute so lieben, sich so füreinander aufopfern? Antwort: Allein durch die Liebe Christi.

Die Liebe Christi zu seiner Gemeinde ist die Quelle der Liebe in der Ehe

Der Apostel Paulus spricht in Vers 30 allen Ehepaaren eine wunderbare Ermutigung zu: Denn wir sind Glieder seines Leibes. Christus nährt und pflegt die Gemeinde und schenkt ihr seine unendliche Liebe, weil sie sein Leib ist! Wir sind so innig, so tief, so unverbrüchlich mit Christus verbunden: Er ist unser Haupt, wir sind seine Glieder!

Paulus ist diese Wahrheit so wichtig, dass er auf einmal in der Wir-Form spricht. Alle Christen sind mit Christus durch einen festen Bund verbunden. Dieser Bund zwischen Christus und der Gemeinde umschließt auch den Ehebund, sodass wir durch den Glauben in der Ehe nicht nur mit Christus, sondern durch seine Gemeinschaft mit uns auch zutiefst miteinander verbunden sind.

Die umfangende Liebe Christi gilt nach 1.Korinther 7 auch, wenn nur ein Ehepartner gläubig ist: Denn der ungläubige Mann ist geheiligt durch die Frau, und die ungläubige Frau ist geheiligt durch den Mann […]. Denn was weißt du, Frau, ob du den Mann retten kannst? Oder was weißt du, Mann, ob du die Frau retten kannst? (1Kor. 7,14.16). Auch wenn ein Ehegatte ungläubig ist, will Christus den Ehebund und in ihm den ungläubigen Mann bzw. die ungläubige Frau segnen.

Christi Liebe zu uns ist die Grundlage und Quelle für unsere Liebe zueinander, und erst sie macht es uns möglich, einander zu lieben. Aus eigener Kraft werden wir bald scheitern. Eigenliebe wird sehr schnell die Liebe zu unserem Ehegatten und unsere Selbstsucht die Selbstlosigkeit verdrängen. Empfindungen und praktische Liebe für den anderen sind oftmals von bewusstem oder unbewusstem Bonusdenken geprägt: Weil der andere mir etwas Gutes getan hat, mag ich ihn. Weil er mir äußerlich sehr gefällt, liebe ich ihn. Weil der andere für mich da ist, will ich auch für ihn da sein. Doch was passiert, wenn der Bonus aufgebraucht ist, die Geschenke seltener werden, die Zeit des anderen für mich weniger geworden und der Liebreiz der Jugend verloren gegangen ist? Die Bibel sagt durchaus, dass wir uns gegenseitig zur Liebe anreizen sollen (Hebr. 10,24). Dennoch dürfen wir unsere Liebe nicht von dem abhängig machen, was der andere für uns tut, sondern von dem, was Christus für uns getan hat. Jesu Liebe kann nie aufgebraucht werden, denn sie ist unendlich groß, und von ihr müssen wir erfüllt sein!

Deshalb ist es so wichtig, uns immer wieder vor Augen zu führen, was Christus für uns getan hat, und zwar obwohl wir sein Heilswerk nicht verdient haben. Das Evangelium macht uns dankbar, demütig und liebend! Christus hat sein Leben für unsere Rettung gegeben, uns geliebt, ohne dass wir liebenswürdig zu ihm gewesen wären. Im Gegenteil! Obwohl wir Feinde Gottes waren und ihm diese Welt vorzogen, hat Christus uns errettet, für unsere Schuld bezahlt und sich mit uns auf ewig verbunden.

So unvorstellbar und doch so wahr ist die große Verheißung des Neuen Bundes, die in Christus erfüllt wird: Und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein […] Und ich will einen ewigen Bund mit ihnen schließen, dass ich nicht von ihnen ablassen will, ihnen wohlzutun. Und ich werde die Furcht vor mir in ihr Herz geben, damit sie nicht mehr von mir abweichen. (Jer. 32,38.40)

Nun lüftet Paulus das große Geheimnis: Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde. (Eph. 5,31.32) Ein großes, tiefgründiges Geheimnis, eine Wahrheit, die bislang verdeckt war, ist nun offenbar geworden. Die Ehe zwischen Mann und Frau war von Anfang an als ein Bund gedacht, der auf die verheißene Bundesgemeinschaft zwischen Gott und seinem Volk hinweisen soll. In Christus ist diese Wahrheit enthüllt worden.

Das Geheimnis der Ehe

Was inzwischen für unser biblisch geschultes Ohr ganz normal klingt, ist eine Wahrheit, die uns nicht genug in Staunen und Ehrfurcht versetzen sollte. Das große Geheimnis, von dem Paulus spricht, ist die Entsprechung zwischen der Vereinigung von Christus und der Gemeinde und der ehelichen Vereinigung von Mann und Frau. Das ist kein Zufall! Als Gott am Anfang die Ehe von Mann und Frau stiftete, hatte er bereits die Vereinigung von Christus und der Gemeinde vor Augen.

Schon im Alten Testament wird die Beziehung zwischen Gott dem Herrn und dem Volk Israel immer wieder mit der ehelichen Beziehung verglichen und beschrieben. Gott ist der Eheherr, der sich das Volk Israel zur Braut nahm.

Der dreieinige Gott, der sich selbst völlig genug ist, unabhängig und frei, der uns nicht braucht, hat sich aus Liebe festgelegt, in Ewigkeit mit einem Volk, mit der Gemeinde, verbunden zu sein.

Der Theologe Jörg Wehrenberg schreibt dazu: „Gott, der die Freiheit und Macht hätte, sich unendlich viele Welten und Kreaturen zu schaffen, mit denen er in Gemeinschaft treten könnte, hat sich ein Volk, die christliche Gemeinde, ausgesucht, um mit ihr für immer in eine unvergleichliche und unverbrüchliche Gemeinschaft zu treten.“

Wie tut er das? Durch Christus. Die Gemeinschaft zwischen Gott und seinem Volk ist das große Geheimnis der Ehe, das durch Christus nicht nur offenbart, sondern erfüllt wurde.

  • Der Sohn Gottes ist Mensch geworden. Er ist dabei Gott geblieben. Er ist wahrer Gott und wahrer Mensch! So ist in ihm und durch ihn die Gemeinschaft von Gott mit uns verwirklicht.
  • Der Sohn Gottes ist stellvertretend für unsere Sünden gestorben. Gott hat seinen Sohn aus Liebe geopfert. Diejenigen, die an ihn glauben, die er erlöst hat, sind ein für alle Mal mit Gott versöhnt und für immer mit ihm vereint. Sie sind nun auch Gottes Söhne und Töchter.
  • Der Sohn Gottes ist auferstanden und sitzt nun zur Rechten Gottes. Von dort aus vollendet er die Gemeinschaft mit seinem Volk. Er hat uns seinen Geist gegeben, durch den wir schon hier mit ihm verbunden sind. Er wird sein Volk sicher in die Herrlichkeit und in die vollendete Gemeinschaft mit Gott dem Vater führen.

Alle diese wunderbaren Wahrheiten über diesen Liebesbund zwischen Gott und seinem Volk sollen in der Welt durch unsere Ehen bezeugt werden. Das Geheimnis der Ehe ist überwältigend groß.

Die Liebe in der Ehe bezeugt die gegenseitige Liebe von Jesus Christus und seiner Gemeinde

Wie können und sollen wir die gegenseitige Liebe des Sohnes Gottes und der Gemeinde in der Welt bezeugen? Dazu wollen wir sechs wichtige praktische Anwendungen des Geheimnisses der Ehe bedenken.

Eine Ehe darf nicht geschieden werden

Warum eigentlich treten Mann und Frau, wenn sie heiraten, in einen Bund fürs ganze Leben? Weil Gott in einen ewigen und unverbrüchlichen Bund mit uns getreten ist. Gott will sich in Ewigkeit mit uns, seiner Gemeinde, vereinen. Gerade diese Unzerbrechlichkeit ist es, die durch die Ehe bezeugt werden soll. Was Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen!

Treue

Jesus spricht: Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen! Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, um sie zu begehren, der hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. (Mt. 5,27.28) Treu zu sein meint, nur noch Augen für seinen eigenen Ehegatten zu haben. Auch alle anderen Bereiche sind hier mit eingeschlossen. Man kann seinem Ehepartner auch untreu werden, indem man seine Kinder, die Arbeit, sein Hobby oder sonst irgendetwas über ihn stellt. Christus tut alles für seinen Leib, die Gemeinde, und sie ist gerufen, alles für Christus zu tun. Da gibt es keine Kompromisse. So sollte es auch in der Ehe angestrebt werden: Treu zu sein heißt für den anderen da zu sein. Es heißt nicht, nur sich zu arrangieren, etwa nach dem Motto: „Leben und leben lassen!“ Kompromisse, in denen man sich gegenseitig toleriert und den anderen „machen lässt“, sind noch keine gute Ehe! Ein Fleisch zu sein ist mehr! Ein Fleisch zu sein heißt, für den anderen zu leben, ihm zu dienen, ihn bedingungslos zu lieben.

Gemeinschaft

Wir denken vielleicht, das ist doch klar, dass es in einer Ehe um Gemeinschaft miteinander geht. Doch wie viel Gemeinschaft pflegen wir in unserem Ehealltag tatsächlich? Wie viel gemeinsame Zeit, Unternehmungen, Gespräche?

Unser Alltag ist notgedrungen so organisiert, dass Mann und Frau nur noch sehr wenig Zeit füreinander und miteinander haben. Arbeit, Kinder und Haushalt nehmen uns in Anspruch und fordern Zeit und Kräfte. Umso mehr sind wir aufgerufen, uns zu bemühen, gemeinsame Zeiten, Unternehmungen und Gespräche gezielt anzustreben und fest einzuplanen. Die Kommunikation zwischen den Ehegatten ist hier von herausragender Bedeutung. Wie schnell geschieht es, dass man sich nichts mehr zu sagen hat, das Nötigste für den Tagesablauf bespricht, sich ansonsten anschweigt oder lieber Fernsehen schaut.

Wie sollen wir für den anderen da sein und ihn lieben, wenn wir nicht wissen, wie es ihm geht, was er heute durchgemacht hat, was ihn bewegt, welche Freuden und Ängste ihn umtreiben!? Tauschen Sie sich noch darüber aus, was Sie füreinander empfinden? Oder klingt es in Ihren Ohren eher peinlich, dem anderen im Alltag zu sagen: „Ich liebe Dich“, ihm vielleicht sogar zu erklären, warum Sie ihn lieben? Manchmal hilft es, einen „Eheabend“ in der Woche einzuplanen, an dem man ganz bewusst Zeit miteinander verbringt und sich austauscht. Oder man nimmt sich täglich 30 Minuten Zeit für ein gemeinsames Gespräch, in dem es um mehr geht als um die Organisation des Alltags. Christus spricht in seinem Wort zu uns. Er teilt sich uns mit, gibt uns einen Einblick in sein Herz und in seine Liebe zu seinem Vater und zu uns. Im Gebet sollen wir mit ihm und dem Vater sprechen.

Vergleichen wir hiermit die Abschiedsreden Jesu (Joh. 13-17). Einen entsprechenden tiefgründigen Austausch sollten auch wir in unseren Ehen haben, denn das, was uns in diesen Kapiteln berichtet wird, dient nicht nur zum Zeugnis nach außen, sondern es ist notwendig und segensreich auch für unsere Ehe.

Geistliche Gemeinschaft

Eine Ehe ist eine geistliche Unternehmung. Das ist das große Geheimnis der Ehe. Darum sollen wir einen gläubigen Menschen heiraten, um mit ihm vor allem geistliche Gemeinschaft zu pflegen, gemeinsam Bibel zu lesen, zu beten, zu singen, Andacht zu halten und die Versammlungen der Gemeinde zu besuchen.

Immer wieder machen wir als Pastorenehepaar bei Ehevorbereitungsgesprächen mit jungen Paaren die Erfahrung, dass sie es nicht erwarten können, intime leibliche Gemeinschaft zu haben. Nach geistlicher Gemeinschaft wird dagegen kaum gestrebt. Unser dringendes Anliegen ist deshalb immer, den jungen Leuten deutlich zu machen, wie wichtig die Übung im gemeinsamen Bibellesen und Beten noch vor dem Händchenhalten und Küsschengeben ist.

Wir sollen danach streben, dass unser Ehegatte Christus ähnlicher wird, denn das ist das Beste, was wir für ihn und ebenso für uns selbst tun können! Wenn wir unsere Gemeinschaft in Christus pflegen, werden wir durch ihn in allen Bereichen unseres Lebens zutiefst miteinander verbunden sein!

Füreinander eintreten

So wie die Gemeinde Christus vor der Welt bezeugt und verteidigt, so wird sie von Christus in der Welt bewahrt und gerechtfertigt. So sollen auch Eheleute sich gegenseitig wertschätzen und verteidigen, indem sie darauf achten, wie sie vor anderen übereinander und miteinander sprechen. In jeder Ehe kommt es irgendwann zu Streit und Diskussionen, und auch gegenseitige Ermahnungen sind manchmal nötig. Doch dies sollte nicht vor anderen geschehen, nicht etwa, um eine heile Welt vorzuspielen, sondern um den anderen unter keinen Umständen vor andern zu erniedrigen oder ihn zu verletzen.

So wichtig wie die Menge der Gespräche unter Eheleuten ist auch die Art und Weise des Miteinander-Redens, in Liebe, mit Respekt und voller Wertschätzung, ob zu Hause oder in der Öffentlichkeit. Wie viel Schaden können wir mit unserer Rede anrichten, wie große Wunden schlagen (Jak. 3,3-12), wie viel Gutes aber auch bewirken! (Spr. 25,11).

Vergebung

Wenn wir die Liebe Jesu Christi zu uns sehen und im Vergleich dazu unsere Liebe zueinander uns vergegenwärtigen, müssen wir immer wieder erkennen, wie sehr wir versagen.

Jesus sei Dank, dürfen wir aber auch immer wieder unsere Schuld zu ihm bringen und ihn um Vergebung bitten. Und auf der Grundlage seiner Vergebung und Liebe dürfen und sollen wir einander vergeben.

Je näher sich Menschen stehen, desto schneller und tiefer können sie sich verletzen. Wie unentbehrlich ist es dann, sich immer wieder gemeinsam unter das Wort Gottes zu stellen, Gnade und Liebe von Christus zu empfangen und einander von Herzen zu vergeben, den anderen als den von Christus geliebten Menschen zu sehen und auf der Grundlage dessen, was Christus für ihn und mich am Kreuz getan hat, mit ihm umzugehen. Wir bezeugen die Liebe zwischen Christus und der Gemeinde nicht dadurch, dass wir uns nie streiten, nie ein böses Wort fallen lassen oder niemals lieblos miteinander umgehen, sondern indem wir einander annehmen, wie Christus uns angenommen hat. Der Gott des Ausharrens und des Trostes aber gebe euch, untereinander eines Sinnes zu sein, Christus Jesus gemäß, damit ihr einmütig, mit einem Mund den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus lobt. Darum nehmt einander an, gleichwie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes! (Röm. 15,5-7)