Der Christ und die Zunge

Ich erinnere mich noch ganz genau: „Ja, ich will!“ Mit diesen Worten war ich verheiratet. Dadurch, dass meine Frau und ich es ausgesprochen haben, wurde unsere Ehe rechtsgültig. Unser gesprochenes Wort hat das bewirkt. Wenn ich daran zurückdenke, fällt mir auf, wie mächtig meine Zunge sein kann. Ich gebe zu, vor einer Standesbeamtin zu stehen ist nicht gerade alltäglich, aber auch im täglichen Leben gilt: Das, was wir sagen, hat eine unglaubliche Macht. Sowohl die Worte, die ich spreche, als auch die Worte, die ich nicht spreche, können große Wellen schlagen. Gott hat uns die Fähigkeit gegeben zu sprechen und uns damit etwas Gewaltiges anvertraut.

Im Buch der Sprüche sagt uns König Salomo etwas sehr Weises: „Die Zunge hat Macht über Leben und Tod; wer sie gut nutzt, genießt ihre Frucht.“ (Sprüche 18,21 NeÜ). Wie nutzen wir aber unsere Zunge gut? Ich setze mich in vier Schritten mit dem Thema „Der Christ und die Zunge“ auseinander. Finden wir heraus, wie wir mit dem, was wir sagen, ein Leben zur Ehre Gottes führen können.

Schritt eins: Die Macht unserer Zunge erkennen

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, was unsere gesprochenen Worte alles bewirken können? Es ist wirklich erstaunlich: Wenige Worte zur falschen Zeit am falschen Ort und wir werden verhaftet. An anderer Stelle kann man für wenige Worte einen Literaturpreis gewinnen. Es gibt eine Legende über den Schriftsteller Ernest Hemingway. Er soll mit Freunden gewettet haben, dass er mit nur sechs Wörtern eine Geschichte voller Emotionen schreiben kann. Er schrieb auf eine Serviette: „Zu verkaufen: Baby Schuhe. Nie getragen.“ Diese Legende finde ich faszinierend, weil sie uns zeigt, was unsere Worte ausrichten können. Mit dem, was wir sagen, können wir eine Menge Schaden anrichten und eine Menge Gutes tun.

Die böse Macht unserer Zunge

Ich habe selbst schon Dinge gesagt und oft gehört, die ich hier gar nicht schreiben darf (und auch nicht will). Das waren verletzende und gemeine Worte, die man genauso wenig zurücknehmen kann, wie man Sekundenkleber wieder zurück in die Tube bekommt.

Jakobus zeigt uns sehr genau, was unsere gesprochenen Worte anrichten können: „Auch die Zunge ist ein Feuer; sie ist – mehr als alle anderen Teile des Körpers – ein Mikrokosmos unserer unheilvollen Welt. Unser ganzes Wesen wird von ihr vergiftet; sie setzt die gesamte menschliche Existenz in Brand mit einem Feuer, das die Hölle selbst in ihr entzündet.“ (Jakobus 3,6 NGÜ).

Das ist ein hartes Urteil, dem wir uns aber stellen müssen. Siehst du, wie Jakobus zuerst ganz grundsätzlich festhält, dass die Zunge ein „Mikrokosmos unserer unheilvollen Welt“ ist und danach zeigt, was das für Folgen hat? Wie kommt er darauf, dass die Zunge an und für sich etwas Böses ist? Die Antwort ist: Er kennt das Menschenbild der Bibel. Zu diesem Menschenbild gehört nämlich, dass der Mensch durch und durch sündig ist. Das bedeutet, dass jeder Teil des Menschen von Sünde durchdrungen ist. Dazu gehören eben auch die Zunge und das Sprachzentrum im Gehirn. Wenn wir sprechen, dann geben wir am schnellsten preis, wer wir eigentlich sind. Deshalb zeigt sich hier auch sehr deutlich unsere Sündhaftigkeit.

Sündige Menschen sprechen sündige Worte. Aber wie schlimm sind diese eigentlich? Schaut man sich im Buch der Sprüche um, findet man viele Beispiele. Hier lesen wir, dass böse Worte

►… einen Menschen zugrunde richten (Sprüche 11,9),

►… eine ganze Stadt niederreißen können (Sprüche 11,11),

►… einem Lauern auf Blut gleichen (Sprüche 12,6),

►… für Gott abstoßend sind (Sprüche 12,22),

►… böse Menschen zu bösen Dingen ermutigen (Sprüche 17,4).

►… wie brennende Pfeile sind (Sprüche 26,19).

Wenn das noch nicht ausreicht, um uns zu zeigen, wie schlimm unsere bösen Worte sind, dann sollten wir nicht vergessen, was Jesus darüber lehrte: „Ihr wisst, dass zu den Vorfahren gesagt worden ist: ‚Du sollst keinen Mord begehen! Wer einen Mord begeht, soll vor Gericht gestellt werden.‘ Ich aber sage euch: Jeder, der auf seinen Bruder zornig ist, gehört vor Gericht. Wer zu seinem Bruder sagt: ‚Du Dummkopf‘, der gehört vor den Hohen Rat. Und wer zu ihm sagt: ‚Du Idiot‘, der gehört ins Feuer der Hölle.“ (Matthäus 5,21.22 NGÜ).

Siehst du die Steigerung, die sich hier vollzieht? Jesus stellt den Zorn auf eine Stufe mit dem Mord und die bösen Worte, die folgen, auf eine noch schlimmere! Dieser Maßstab rückt unsere schlechten Worte ins rechte Licht und zeigt ihre Boshaftigkeit.

Die gute Macht unserer Zunge

Nicht alles, was wir sagen, ist böse. Auch ein sündiger Mensch kann einen anderen Menschen mit guten Worten aufbauen oder Gott loben. In keinem anderen Bereich unseres Lebens werden wir diese Spannung zwischen Gut und Böse so sehr sehen wie hier. Gute Worte können genauso über unsere Lippen kommen wie böse Worte. Bei guten Worten besitzt unsere Zunge auch genau so viel Macht wie bei den bösen Worten. Nehmen wir uns noch einmal das Buch der Sprüche vor, um das nachzuvollziehen. Dort lesen wir davon, dass gute Worte…

►… eine Quelle des Lebens sind (Sprüche 10,11),

►… Menschen satt machen (Sprüche 10,29; 12,14),

►… das Herz eines Menschen aufbauen (Sprüche 12,25) und heilen (Sprüche 12,18),

►… wie der Baum des Lebens sind (Sprüche 15,4),

►… süß wie Honig sind (Sprüche 16,24),

►… wertvoller als Gold sind (Sprüche 25,11).

Unsere guten Worte können hierbei sogar ein Gegengewicht zu bösen Worten bilden. Sieh dir einmal Sprüche 12,18 an: „Wer unbedacht schwätzt, verletzt mit dem Schwert, doch die Worte von Weisen sind heilende Kräuter.“ Die guten Worte des Weisen heilen den Schwertstich, den der Schwätzer verursacht hat. Hast du so etwas schon einmal erlebt? Heilsame gute Worte, die süß sind wie Honig? Freundliche Worte, die dich aufbauen und dir in deinen Problemen weiterhelfen? Solche Worte können unheimlich stark sein.

Ich finde es spannend, dass wir in Sprüche 15,4 davon lesen, dass gute Worte wie ein Baum des Lebens sind: „Ein freundliches Wort ist wie ein Baum des Lebens, eine falsche Zunge bricht den Lebensmut.“ Hast du gewusst, dass das Buch der Sprüche neben 1. Mose das einzige Buch im Alten Testament ist, wo ein „Baum des Lebens“ vorkommt? Ich glaube, Salomo zieht in diesem Vers diesen Vergleich ganz bewusst, damit wir wirklich die Macht guter Worte begreifen. Durch sie entsteht ein fast paradiesischer Moment. Dort, wo ein Mensch von guten Worten aufgebaut und geheilt wird, kommen sich Himmel und Erde ganz nah. Es ist wie ein Echo dessen, was einmal war und wieder sein wird. Wenn wir das im Hinterkopf behalten und uns daran erinnern, dass Jakobus unsere bösen Worte mit dem Feuer der Hölle vergleicht, dann verstehen wir den vollen Umfang der Macht unserer Worte. Führe dir das einmal vor Augen: Himmel und Hölle liegen in deinem Mund. Du kannst höllisches Feuer speien oder Leben spenden mit dem, was du sagst.

Ein wärmendes Feuer

Wir sehen also, dass unsere Zunge einem Feuer ähnelt. Ein Feuer kann wärmend und angenehm sein und bietet Schutz vor der Dunkelheit. Aber wehe es gerät außer Kontrolle! Ein Feuer, das nicht mehr unter Kontrolle ist, gehört zu den gefährlichsten Dingen der Welt. Innerhalb weniger Sekunden kann es alles zerstören, was uns wichtig ist. Was machen wir mit dieser Information? Wie bewegen wir uns nun weiter zwischen bösen und guten Worten? Wir sind uns bestimmt einig, dass unser Ziel die guten Worte sind. Aber wie bewerkstelligen wir das? Wenn wir nicht wollen, dass unsere Worte zu einem gefährlichen Waldbrand werden, dann müssen wir unsere Zunge kontrollieren.

Schritt zwei: Wir müssen unsere Zunge zügeln

Vor vielen Jahren habe ich mit einem Freund in seinem Garten irgendeinen Blödsinn gemacht, an den ich mich nicht mehr so genau erinnere. Woran ich mich aber genau erinnere ist, wie seine Mutter wütend aus dem Haus gestürmt kam, ihn am Ohr packte und ins Haus zerrte. Er war 15 Jahre alt und fast zwei Köpfe größer als seine Mutter. Als sie aber sein Ohr zwischen den Fingern hatte, war er machtlos. So ähnlich beschreibt Jakobus auch den Umgang mit unserer Zunge. Bevor er sie nämlich mit einem gefährlichen Feuer vergleicht, setzt er sie mit dem Ruder eines Schiffes und mit dem Zaumzeug eines Pferdes gleich. Was er sagt ist: Die Zunge ist zwar verhältnismäßig klein, aber erstaunlich mächtig. So wie ein kleines Ruder ein großes Schiff lenkt, so ist ein Mensch, der seine Zunge beherrscht, in der Lage, sein ganzes Leben zu lenken. Jakobus schreibt: „Wenn jemand sich nie auch nur mit einem Wort etwas zuschulden kommen lässt, ist er ein vollkommener Mensch, der auch jeden anderen Bereich seines Lebens unter Kontrolle halten kann.“ (Jakobus 3,2b NGÜ).

Etwas Kleines lenkt also etwas Großes. Wenn man die eigene Zunge beherrschen kann, zeigt das, dass man sich selbst wirklich im Griff hat. Seine Zunge zu zügeln bedeutet, nicht unüberlegt zu sprechen, sondern genau zu entscheiden, was man sagt. Das Prinzip lautet: Erst denken, dann reden. Aber wie gelingt das? Wie entscheiden wir, wann wir was, wie, zu wem sagen und was nicht? Wir brauchen einen Maßstab, also eine Möglichkeit, gute und schlechte Worte voneinander zu unterscheiden. Paulus eilt uns hier zu Hilfe. Er weist die Gemeinde in Ephesus an, so miteinander zu reden, dass „kein böses Wort über eure Lippen kommen“ darf. „Vielmehr soll das, was ihr sagt, gut, angemessen und hilfreich sein; dann werden eure Worte denen, an die sie gerichtet sind, wohltun.“ (Epheser 4,29 NGÜ). Die Dinge, die wir sagen, sollen also den anderen wohltun. Wenn wir für unser Gegenüber das Beste im Sinn haben, werden wir gute Worte für ihn haben. Das Ziel dabei ist es, den anderen Menschen aufzubauen.

Aber hier müssen wir aufpassen. Wenn ein Arzt eine Krebsdiagnose weitergibt, baut er dann seinen Patienten auf? Was ist mit einem Kind, dessen Eltern sagen: „Du hast Hausarrest!“? Wir können gute Worte nicht einfach daran messen, ob sie einen Menschen glücklich machen oder nicht. Wir können erst einmal nur grundsätzlich festhalten, dass das Ziel unserer Worte sein muss, unser Gegenüber aufzubauen. Wenn wir mit Menschen reden, muss Liebe uns motivieren. Die Liebe hört hier jedoch nicht auf. Das Gleiche gilt nämlich auch, wenn wir nicht mit, sondern über einen Menschen reden.

Wenn unser Reden von der Liebe zu unserem Gegenüber motiviert ist, bedeutet das aber, manchmal auch Dinge zu sagen, die unser Gesprächspartner nicht gerne hört. An dieser Stelle kommt ein weiterer Grundstein zur Liebe hinzu: Die Wahrheit. Das, was wir sagen, muss wahr sein. Wir können schnell aus „Liebe“ die Wahrheit verschweigen, weil wir unserem Gegenüber Kummer ersparen wollen. Das ist jedoch nicht der richtige Weg. Salomo schreibt: „Wer einen Menschen zurechtweist, erntet mehr Dank als einer, der immer nur schmeichelt.“ (Sprüche 28,23 NeÜ). Die Wahrheit hilft weiter, Schmeicheleien nicht. Wir müssen für unser Gegenüber das Beste im Sinn haben und dementsprechend handeln. Das bedeutet manchmal, die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie dem anderen überhaupt nicht schmeckt.

Liebe und Wahrheit bilden den Maßstab, um zu entscheiden, wann wir was, wie, zu wem sagen und was wir nicht sagen. Liebe ohne Wahrheit ist schwammig und hilft nicht weiter, Wahrheit ohne Liebe ist hart und kalt. Aber ist es wirklich so einfach? Ein wenig Liebe und Wahrheit und meine Zunge ist gezügelt? Leider nein. Wir können diesen Maßstab gut verwenden, um böses Reden in unserem Leben zu identifizieren, aber unsere Zunge zügeln können wir damit nicht.

Schritt drei: Das Problem ist das Herz

Wo stehen wir jetzt? Die meisten von uns werden Jakobus zustimmen, dass unsere Zunge eine Menge Macht besitzt, aber muss er gleich ein so hartes Urteil fällen? Nicht jede Aussage steckt gleich alles in Brand. Reicht es nicht, wenn ich mehr Gutes als Schlechtes rede – oder sehr viel Gutes und nur ganz wenig Schlechtes? Kann ich nicht einfach darauf achten, in Liebe die Wahrheit zu sagen? Nein. Jakobus stellt die Frage selbst: „Aus ein und demselben Mund kommen Segen und Fluch. Das, meine Geschwister, darf nicht sein! Oder lässt etwa eine Quelle aus ein und derselben Öffnung genießbares und ungenießbares Wasser hervorsprudeln? Kann ein Feigenbaum Oliven tragen oder ein Weinstock Feigen, meine Geschwister? Natürlich nicht – so wenig, wie aus einer salzhaltigen Quelle Süßwasser fließt!“ (Jakobus 3,10-12 NGÜ).

Verstehst du, was Jakobus meint? Genauso wenig, wie man Orangen von einem Apfelbaum pflücken kann, soll man schlechte Worte von einem guten Menschen pflücken können. Jakobus schneidet hier etwas an, das Jesus uns noch viel deutlicher gesagt hat:

„Wenn ein Baum gut ist, sind auch seine Früchte gut. Ist ein Baum jedoch schlecht, dann sind auch seine Früchte schlecht. An den Früchten erkennt man den Baum. Ihr Schlangenbrut! Wie solltet ihr auch Gutes reden können, wo ihr doch böse seid? Denn wie der Mensch in seinem Herzen denkt, so redet er. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil sein Herz mit Gutem erfüllt ist. Ein böser Mensch dagegen bringt Böses hervor, weil sein Herz mit Bösem erfüllt ist.“ (Matthäus 12,33-35 NGÜ).

Das, was im Menschen ist, dringt also durch seine Worte nach außen. Das Herz bestimmt, was die Zunge sagt. Hier rückt wieder das biblische Menschenbild in den Vordergrund. Da der Mensch vollkommen von Sünde durchdrungen ist, betrifft das auch seine Worte. Glaubt ein Mensch an Jesus Christus, dann herrscht in seinem Leben aber nicht mehr die Sünde, sondern Jesus. Das ist sehr wichtig, deshalb wiederhole ich es nochmal: Glaubt ein Mensch an Jesus Christus, dann herrscht in seinem Leben nicht mehr die Sünde, sondern Jesus. Deshalb hat Jakobus auch ein solches Problem mit bösen Worten. Sie entsprechen nicht mehr der Quelle des Christen. Wenn die Sünde im Herzen eines Menschen herrscht, widersprechen seine bösen Worte der Quelle ja nicht, aber wenn Jesus herrscht, dann passen Quelle und böse Worte nicht mehr zusammen. Deshalb sagt er: „Das soll so nicht sein, meine Brüder!“ Schau einmal, wie es Paulus auf den Punkt bringt, wenn er über das sündige Wesen und Verhalten eines Christen nachdenkt: „Euer vergängliches Leben darf also nicht mehr von der Sünde beherrscht werden, die euch dazu bringen will, euren Begierden zu gehorchen. Stellt euch nicht mehr der Sünde zur Verfügung, und lasst euch in keinem Bereich eures Lebens mehr zu Werkzeugen des Unrechts machen. Denkt vielmehr daran, dass ihr ohne Christus tot wart und dass Gott euch lebendig gemacht hat, und stellt euch ihm als Werkzeuge der Gerechtigkeit zur Verfügung, ohne ihm irgendeinen Bereich eures Lebens vorzuenthalten.“ (Römer 6,12-13 NGÜ)

Deine Sünde versucht dich zu erobern und die Herrschaft an sich zu reißen. Weil der „Thron“ aber besetzt ist, versucht sie es über andere Wege. Sie greift nach deiner Hand, damit du stiehlst, nach deinen Augen, damit du Pornografie anschaust, oder nach deiner Zunge, damit du andere mit deinen Worten verletzt und Gott fluchst. Dabei greift sie vor allem nach den Dingen, die bei dir besonders gut funktionieren. Deshalb warnt uns Paulus und sagt: „Lasst euch in keinem Bereich eures Lebens mehr zu Werkzeugen des Unrechts machen.“ Wir sollen also besonders Acht haben auf die Körperteile, mit denen wir gerne sündigen, und sie nicht dafür zur Verfügung stellen. Hier sehen wir, weshalb es nicht reichen kann, einen Maßstab für gutes Reden an die Zunge anzulegen. Unsere Worte sind nämlich nur eine Auswirkung dessen, was in uns vorgeht. Wenn wir mit dem, was wir sagen, ein Leben zur Ehre Gottes führen wollen, dann müssen wir nach unserem Herzen fragen. Wenn wir unser Reden „verbessern“ ohne auf unser Herz zu schauen, ist das so, als würde man Zuckerguss über verfaultes Obst gießen. Es ist nutzlos. Wir müssen uns also dem Problem hinter dem Problem stellen.

Schritt vier: Die Veränderung des Herzens

Wenn du an Jesus Christus glaubst, dann bist du durch Ihn und in Ihm eine neue Kreatur. Du hast ein neues Herz und der Heilige Geist wohnt in dir. Jesus ist es nun, der in dir herrscht. Wir haben schon entdeckt, dass diese Herrschaft bekämpft wird und deine Sünde sich mit aller Kraft dagegen wehrt. Die Frage, die wir uns jetzt stellen müssen, lautet: Wie können wir diesen Kampf kämpfen, damit wir mit dem, was wir sagen, ein Leben zur Ehre Gottes führen können? Wenn das Herz bestimmt, was die Zunge sagt, dann ist das Herz auch unser Kampfgebiet. Jesus spricht in Matthäus 12,35 davon, dass unser Reden zeigt, womit unser Herz gefüllt ist. Wir müssen unser Herz also mit den richtigen Dingen füttern. Ich lege dir vier Dinge besonders ans Herz, die für diesen Kampf zentral sind. Wenn du dein Herz auf diese Weise fütterst, dann wird das dein Reden verändern.

Geistliche Gemeinschaft

Es gibt zwei Dinge im Leben, die weitaus ansteckender sind, als wir es oft für möglich halten: Charaktereigenschaften und Sprache. Wenn wir mehr Zeit mit Menschen verbringen, die für uns Vorbilder im Glauben sind, dann färbt das auf uns ab. Kennst du solche Menschen? Wenn ja, dann verbringe Zeit mit ihnen. Wenn nicht, dann schau dich ganz bewusst nach ihnen um. Suche Menschen, die andere mit dem, was sie sagen, aufbauen und denen nur selten böse Worte über die Lippen kommen. Verbringe Zeit mit ihnen. Du wirst merken, dass dieser Umgang deine Sprache prägen wird. Leider ist es auch andersherum der Fall: Wenn du viel Zeit mit Menschen verbringst, die andere mit ihren Worten verletzen, wird sich das auf dich auswirken. Beim Thema „Fluchen“ merkt man das – meiner Meinung nach – immer besonders schnell. Die Menschen, mit denen wir Zeit verbringen, üben Einfluss auf uns aus, das können wir nicht verhindern. Wir können jedoch mitbestimmen, wer diese Menschen sind.

Geistliche Gemeinschaft ist aber nicht nur ein Ort, an dem man Vorbilder finden kann. Wenn ich von geistlicher Gemeinschaft schreibe, dann meine ich einen Ort, wo Christen zusammenkommen und über Jesus reden, gemeinsam beten, Lieder singen und im Wort Gottes lesen – kurz gesagt: eine Gemeinschaft, die sich auf Jesus ausrichtet. Hier kannst du dein Herz füttern, weil du auf Gott schaust und dich mit Seinem Wesen und dem, was Er am Kreuz getan hat, auseinandersetzt. Das wird dich mehr und mehr verändern.

Gottes Wort

Gottes Wort wird dich verändern. Es ist der Weg, den Gott benutzen möchte, um dein Herz zu verändern. Durch Sein Wort entsteht und wächst der Glaube: „Der Glaube ist aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch das Wort Christi“ (Römer 10,17 ELB). Sein Wort ist es auch, das uns lehrt, wie wir leben sollen: „Denn alles, was in der Schrift steht, ist von Gottes Geist eingegeben, und dementsprechend groß ist auch der Nutzen der Schrift: Sie unterrichtet in der Wahrheit, deckt Schuld auf, bringt auf den richtigen Weg und erzieht zu einem Leben nach Gottes Willen.“ (2.Timotheus 3,16 NGÜ). Wenn du deine Bibel liest, kannst du dein Herz immer wieder füttern, bis es satt ist. In der Bibel entdeckst du staunend, wer Gott ist. Von Seiner allmächtigen Schöpfung in 1. Mose über Seine unfassbare Treue im Buch Daniel bis hin zu Seiner unerschütterlichen Liebe im Johannesevangelium. Dein Herz sehnt sich danach, Gott zu kennen. In der Bibel zeigt Er dir, wer Er ist. Setze hier Energie ein, investiere Zeit und tauche so lange in Gottes Wort ein, bis du einen Schatz entdeckst, der dich durch den Tag bringen wird. Du wirst staunen darüber, wie es dich verändert.

Gebet

Wenn Gott uns in Seinem Wort zeigt, wer Er ist, dann ist das Gebet unsere Antwort darauf. Das Gebet kann aus zwei Gründen unser Reden maßgeblich beeinflussen. Zum einen tut es das, weil wir mit Gott reden. Das bedeutet, dass wir unser Herz mit Gottes Gemeinschaft füllen. Egal, ob wir mit anderen zusammen oder alleine beten oder singen, wir verbringen Zeit mit Gott und richten uns auf Ihn aus. Dabei verarbeiten wir das, was wir über Ihn wissen und gehört haben, und machen es uns zu eigen. Dadurch verändert sich unser Herz. Zweitens kann das Beten maßgeblich unser Reden verändern, weil wir Gott konkret darum bitten können. Wenn wir nicht im Gebet darum kämpfen, dass sich unser Herz verändert und damit auch unser Reden, werden wir es nicht erleben. Bitte darum, dass Gott dich verändert und staune darüber, was passiert.

Das Kreuz

Warum wollen wir unser Reden verändern? Der Grund ist, dass wir mit dem, was wir sagen, ein Leben zur Ehre Gottes führen wollen. Aber warum wollen wir ein Leben zur Ehre Gottes führen? Weil wir nach dem streben, was wir in Jesus schon haben. Anders ausgedrückt: Wir sehnen uns danach, so zu sein, wie wir in Jesus bereits sind. Durch Seinen Tod am Kreuz hat Er vollkommen und endgültig für unsere Schuld bezahlt. Wir lesen in Hebräer 9,12b: „Ein einziges Mal ist er hineingegangen, und die Erlösung, die er bewirkt hat, gilt für immer und ewig.“ Wenn wir auf Jesus am Kreuz schauen, können wir Sein Opfer sehen, welches uns ein für alle Mal und ewig vor Gott gerecht macht. Darin haben wir die unerschütterliche Hoffnung, dass das Ziel, auf das wir zulaufen, durch unseren Glauben an Jesus bereits erreicht ist. Das ist es, was uns immer wieder ermutigen kann, weiter zu kämpfen.

Wenn wir auf das Kreuz von Jesus sehen, haben wir aber auch einen unerschütterlichen Beweis Seiner Liebe zu uns. Je mehr wir diese Liebe verstehen, desto mehr werden wir in der Lage sein, andere zu lieben. Das gilt sowohl für das, was wir tun, als auch für das, was wir sagen.

Die richtige Ernährung

Hast du gewusst, dass viele Menschen keinen Tee trinken, weil sie ihn nicht wirklich schmecken können? Wenn man oft zuckerhaltige Getränke trinkt, dann stumpft das den Körper ab. Man schmeckt den weniger süßen Tee irgendwann nicht mehr so stark, obwohl er eigentlich sehr lecker ist. Hast du auch gewusst, dass es mit deinem Herzen ähnlich ist? Dein Herz sehnt sich nach einer tiefen Erfüllung, die nur Gott dir geben kann. Es ist ein Hunger nach Ihm und Seinem Wesen. Wir Menschen neigen aber dazu, diesen Hunger mit anderen Dingen zu füllen. Wenn wir nach einem langen Tag nach Hause kommen, dann legen wir uns doch erst einmal auf die Couch und schauen eine Serie oder holen unsere Youtube-Abos nach. Das nennen wir dann „entspannen“ oder „abschalten“. Was wir aber eigentlich machen, ist auftanken. Wir haben uns den Tag über verausgabt, mit anstrengenden Menschen zu tun gehabt und sind kraftlos. In diesem Moment merken wir eine gewisse Leere. Anstatt sie aber mit Gottes Gegenwart aufzufüllen, nehmen wir lieber den bequemen, billigen Weg der Unterhaltung. Wenn wir so leben, stumpfen wir aber langsam ab wie ein Mensch, der keinen Tee schmeckt. Bei Gott aufzutanken, wirkt dann auf uns zu anstrengend oder gar sinnlos, weil wir den kostbaren Geschmack Seiner Gemeinschaft nicht gewohnt sind. Es wird dann zu etwas, das uns erschöpft und anstrengt, anstatt etwas zu sein, das uns erfüllt. Deshalb empfehle ich dir sehr, dass du nicht nur dein Herz mit geistlicher Kost fütterst, sondern auch Abstand von den Dingen nimmst, die dich abstumpfen lassen. Sonst machst du dir das Leben nur unnötig schwer.

Ein paar praktische Tipps zum Schluss

Ich würde dir gerne einige Tipps geben, wie du andere mit deinen Worten aufbauen kannst, um ein Leben zur Ehre Gottes zu führen:

► Gewöhne dir an, ehrliche Komplimente zu geben.

► Manchmal ist es besser, einfach nichts zu sagen.

►Halte Ausschau danach, wie Jesus im Leben anderer Menschen wirkt und sag es ihnen.

► Bete für andere und sage ihnen auch, dass du für sie betest.

► Geh weg, wenn gelästert wird oder wechsle (un)auffällig das Thema.

► Entschuldige dich, wenn dir etwas Böses über die Lippen kommt. Damit kann man eine Menge wieder gut machen.

► Sprich wohlwollend über Dritte („positives Lästern“).

Fragen zum Weiterdenken

► Wenn du mit dem, was du sagst, ein Leben zur Ehre Gottes führen willst, wie können weitere konkrete Schritte für dich aussehen?

► Wie willst du dein Herz in nächster Zeit füttern?

► Wie schaltest du nach einem langen Tag ab?

► Welche Dinge gibt es in deinem Leben, von denen du lieber Abstand nehmen solltest, weil sie dein Reden und Handeln beeinflussen?

Lies Psalm 141 durch und mache den Text zu deinem persönlichen Gebet.

 

Bücher zum Weiterlesen:

Brad Beevers, Aus der Fülle des Herzens redet der Mund – Wie wir unser Reden unter Gottes Herrschaft bringen können. Betanien, Oerlinghausen 2016.

John Piper, Heiligung im Alltag. Herold-Verlag, Leun 2015.

J.C. Ryle, Seid heilig! – Der Schlüssel zum erfüllten Leben. 3L-Verlag, Friedberg 2005.