Die Verheißung der Beschneidung des Herzen (Teil 6) Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

In dieser Artikelserie, mit der wir jetzt zum Abschluss kommen, ging es um die Frage, was die Verheißung der Beschneidung des Herzens im fünften Buch Mose und in den späteren Propheten heißt. Es war die Absicht, aufzuzeigen, welchen enormen Einfluss das fünfte Buch Mose und besonders diese Verheißung für die Propheten hat und darüber hinaus für alle anderen biblischen Bücher.
Bevor Sie mit diesem Artikel beginnen, empfiehlt es sich, noch einmal den ersten Teil über das fünfte Buch Mose zu lesen (Bekennende Kirche Nr. 55, Dezember 2013).

Mose

Bereits Mose machte deutlich, dass das Volk Gottes ein unlösbares Problem hatte. Der Grund für das stetige Versagen und den Ungehorsam des Volkes war sein unbeschnittenes Herz. Das Volk war nicht in der Lage, Gott zu erkennen und sein Gesetz zu befolgen. Durch die Verheißung der Beschneidung des Herzens machte Gott deutlich, dass nur er das Wesen des Menschen verändern kann und wird. Auf welche Weise Gott das Herz verändern will, wurde in 5Mose 30,11-14 angedeutet. Gott will sein Wort in das Herz der Menschen geben. Es wird bewirken, dass sie Gott lieben und ihm gehorsam sind. Durch diese fundamentale Veränderung des menschlichen Herzens wird Gott den Bund, den das Volk durch seine Sünden gebrochen hat, erneuern. Über das Gericht hinaus wird somit durch 5Mose 30 ein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft eröffnet.

… und die Propheten

Diese Blickrichtung wurde von den späteren Propheten aufgenommen. Dies geschah nicht nur am Rande ihrer Verkündigung, sondern wie wir sahen, war die Verheißung der Beschneidung des Herzens ein bestimmendes Element. Die Verheißung in 5Mose 30 ist somit einer der deutlichsten Anknüpfungspunkte für die Zukunftserwartungen der späteren Propheten. Auch wenn die Propheten oftmals mit anderen Worten und Bildern dieses zukünftige Geschehen beschreiben, die Verbindung mit 5Mose 30 ist offensichtlich.
Nicht nur das fünfte Buch Mose, sondern auch die späteren Propheten finden die Zuspitzung ihrer Botschaft jeweils in der Verheißung des beschnittenen Herzens und in der erneuerten Bundesbeziehung zwischen Gott und seinem Volk. Es geht um die Offenbarung und um die Verherrlichung Gottes durch sein Heilshandeln, das sich vor allem in seinem Handeln am menschlichen Herzen kundgibt. Die Beschneidung des Herzens durch Gott ist somit eine grundlegende Wahrheit, die die einzelnen Bücher der Heiligen Schrift in eine enge Verbindung bringt.
Jedes Buch greift auf seine Weise die Verheißungen aus dem fünften Buch Mose auf und entfaltet sie. Dabei setzen die Propheten unterschiedliche Schwerpunkte.
Es wurde deutlich, dass die drei großen Propheten sowie das Zwölfprophetenbuch als Ganzes in den grundsätzlichen Aussagen über die Veränderung des Herzens und über die damit verbundene Bundeserneuerung übereinstimmen. Darüber hinaus konkretisieren die Propheten manche Aussagen, die im fünften Buch Moses erwähnt sind, und fügen neue Elemente hinzu.
Hierbei handelt es sich vorrangig um die Verheißung des Messias und um die Vergebung der Sünden. Weitere wichtige Erweiterungen der Verheißung, die allerdings in dieser Artikelserie nicht angesprochen wurden, sind die Verheißung über Jerusalem und Zion und die Errettung der Heiden. Es ist aber auch da ein Offenbarungsfortschritt von Prophet zu Prophet zu erkennen.

Jesaja

Jesaja verbindet in seinen Prophetien sehr viele neue Elemente der Beschneidung des Herzens. Er geht auf den Geist Gottes ein und spricht von seiner Wirkung auf das Herz des Menschen. Er verkündet das Heil für die Heiden, die Vergebung der Sünden, er spricht von Zion und vom Messias. Diese Themen werden auch von den anderen Propheten aufgegriffen. Dennoch geht kein anderer Prophet so ausführlich auf die Bedeutung des Messias für die Beschneidung des Herzens ein.
Allein Jesaja zeigt auf, dass der Messias dem Volk Erkenntnis geben wird, weil er der Mittler des Wortes und des Geistes sein wird. Auch die Vergebung der Sünden, die Bundeserneuerung und das Heil für die Heiden verbindet Jesaja mit dem Wirken des Messias. Es ist demnach der Messias, der maßgeblich die Verheißung erfüllen wird. In den anderen prophetischen Büchern wird der Messias als der im zukünftigen Bund von Gott eingesetzte König geschildert, der in Gerechtigkeit und Frieden herrschen wird.

Jeremia

Der Schwerpunkt bei Jeremia liegt bei der Veränderung des Herzens durch das Wort Gottes. Was 5Mose 30,10-14 zu diesem Thema andeutet, greift Jeremia in seiner Verheißung des Neuen Bundes auf und führt es aus: Gott wird das Gesetz auf das Herz der Menschen schreiben, und so wird es einen wirkungsvollen und prägenden Einfluss auf den Menschen haben. Gerade dadurch wird der Mensch dem Gesetz Gottes gehorsam sein und so in der Bundesgemeinschaft mit Gott bleiben. Jeremia geht an dieser Stelle auch auf die Vergebung der Sünden genauer ein. Danach ist die Vergebung und Reinigung des Herzens von Sünde entscheidend, damit das Herz mit dem Gesetz Gottes beschrieben werden kann.

Hesekiel

Entsprechendes finden wir auch bei Hesekiel. Dieser Prophet verbindet diese Wahrheit mit dem wiederholten Hinweis auf das Wirken des Geistes Gottes, der das Herz von Unreinheit reinigen wird. Den Schwerpunkt legt der Prophet jedoch auf die Heiligung und auf die Verherrlichung Gottes. Durch sein ganzes Buch hindurch und vor allem bei der Verheißung der Veränderung des Herzens weist Hesekiel darauf hin, was der eigentliche Grund und das höchste Ziel des Heilshandelns Gottes ist: Gott selbst wird dadurch seinen Namen vor den Augen aller Völker heiligen. Alle Menschen werden durch die innere und äußere Erneuerung des Volkes erkennen, dass Gott der Herr ist.
Diese Botschaft, dass es zuerst und zuletzt um Gott selbst geht, dass er sich offenbaren will, damit alle Menschen ihn erkennen und anbeten, prägte auch die anderen untersuchten Bücher. Doch bei Hesekiel tritt sie am deutlichsten hervor, und sie wird wie bei keinem anderen Propheten mit der Verheißung der Veränderung des Herzens verbunden. Was in 5Mose 30 mit der Botschaft der Vorrangigkeit Gottes begonnen wurde, führt Hesekiel somit zum Höhepunkt.

Die zwölf Kleinen Propheten

Befragt man die zwölf Kleinen Propheten, so wird man feststellen, dass die Verheißung der Veränderung des Herzens auch hier prägend ist. Einerseits werden zwar alle bisherigen Themenbereiche, die bei den großen Propheten erwähnt wurden, in einem geringeren Maße angesprochen, aber sie tauchen alle auf. Somit lässt sich innerhalb des Zwölfprophetenbuches eine ähnliche Entfaltung der dem Mose gegebenen Verheißung verfolgen wie unter den großen Propheten.

Die Definition der Beschneidung des Herzens

Fasst man alle Aspekte der Verheißung bei den verschiedenen Propheten zusammen, steht uns nun das, was die Beschneidung des Herzens durch Gott ausmacht, umfassend vor Augen: Die Beschneidung des Herzens bewirkt, dass der Mensch Gott liebt und seinen Worten folgt. Sie wird durch die Reinigung von Sünden und durch das Wort und den Geist Gottes vollzogen, die auf eine neue und beständige Art und Weise, nämlich von innen her, das menschliche Wesen prägen werden. Diese Beschneidung ist somit die Grundlage der zukünftigen Bundeserneuerung, die zu einer ewigen und unzerbrechlichen Bundesgemeinschaft zwischen Gott und seinem erwählten Volk führen wird, das dann aus Juden und Heiden bestehen wird. Der Messias wird durch sein Wirken zur Erfüllung der Verheißung der Beschneidung des Herzens beitragen und im Neuen Bund im Auftrag Gottes über das Volk herrschen. Das Ziel der Beschneidung des Herzens ist die Verherrlichung Gottes. Gott verherrlicht sich, weil er der alleinige Retter seines Volkes ist und weil er es aus Gnade errettet. Das Volk wird Gott verherrlichen, weil es durch die Beschneidung des Herzens Gott liebt und im Gehorsam zu seinen Geboten lebt.

Die Erfüllung der Verheißung durch Christus

Die Verbindung zum Neuen Testament wurde in den einzelnen Artikeln bisher lediglich gestreift. Ich hoffe aber, dass dennoch offensichtlich geworden ist, wie Christus diese Verheißung durch seinen Tod und seine Auferstehung, durch das Senden seines Geistes und durch die Vergebung der Sünden erfüllt hat. Bitte nehmen Sie sich hier ein wenig Zeit und lesen sie dazu einige Stellen aus den Neuen Testament: Lukas 22,19.20; Johannes 17; Apostelgeschichte 2; Römer 2,25-29; 8,14-17; 2Korinther 5,16-21; Epheser 1,1.2.10; Philipper 3,1-11; Kolosser 2,8-15; Hebräer 8,6-13.
Der Herr Jesus sagt: Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben; und sie sind es, die von mir Zeugnis geben. (Joh. 5,39)
Der Apostel Paulus schreibt: Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der durch uns unter euch verkündigt worden ist, durch mich und Silvanus und Timotheus, der war nicht Ja und Nein, sondern in ihm ist das Ja geschehen. Denn so viele Verheißungen Gottes es gibt – in ihm ist das Ja, und in ihm auch das Amen, Gott zum Lob durch uns! (2Kor. 1,19.20)
Eine Frage bleibt dabei noch offen: Was sagt das Neue Testament über die Spannung, dass einerseits von der Erfüllung der Verheißung der Beschneidung des Herzens durch Christus die Rede ist und andererseits die Mitglieder der neuen Bundesgemeinschaft bzw. des Volkes Gottes noch immer sündigen (siehe 1Joh. 1,9-2,1), obwohl sie doch Gott erkannt haben und an ihn glauben (Röm. 1,8; 1Kor. 1,4-9; Eph. 1,7-14; 1Petr. 1,3-5). Kurz zusammengefasst lautet die Antwort: Die Christen haben in Christus die volle Erfüllung aller Verheißungen. In Christus haben sie die Vergebung der Sünden (2Kor. 5,21; Eph. 1,7). In ihm sind sie Kinder Gottes (Röm. 8,15.16). Durch seinen Geist und sein Wort können sie Gott erkennen und an ihn glauben (1Kor. 2,4.5). Durch seine Kraft werden sie für immer mit Gott verbunden bleiben (Röm. 8,28-39). Durch Gottes Wort und durch seine Liebe zu den Seinen können sie ihm nachfolgen (Eph. 3,14-19; 2Tim. 3,16.17).
Andererseits macht das Neue Testament auch deutlich, dass wir, solange wir in dieser Welt leben, noch nicht den Zustand der Vollkommenheit erlangt haben. Wir leben im Glauben, nicht im Schauen (2Kor. 5,7). Das soll keine leichtfertige Rechtfertigung für sündiges Verhalten sein. Im Gegenteil, es soll uns umso mehr anspornen, im Glauben auf Christus zu schauen und ihm von ganzem Herzen nachzufolgen. Christus hat uns aus der Verlorenheit der Welt gerettet. Das heißt nicht, dass er uns deswegen aus dieser Welt nehmen will, sondern dass er uns in den Kampf gegen unsere eigene weltliche Gesinnung führt, also in unsere Heiligung (Joh. 17,15-17). Im Glauben zu wachsen und Christus ähnlicher zu werden, heißt, diesen Kampf in der Kraft Christi zu kämpfen (Phil. 2,12.13; 3,12-14). Christus hat uns seinen Geist als Beistand und Tröster gegeben. In der zukünftigen Welt werden wir völlig mit Christus verbunden sein und mit ihm in Herrlichkeit und ohne Sünde und Tod leben (Offb. 21,1-4).
Mit den folgenden Anwendungen möchte ich diese Artikelreihe beenden:
1. Lesen und studieren Sie intensiv das fünfte Buch Mose! Die Zusammenhänge und die Botschaft dieses Buches werden Ihnen helfen, den Rest der Bibel besser zu verstehen. Für Pastoren und Prediger: Predigen Sie über das fünfte Buch Mose!
2. Lassen Sie sich nicht durch die eher „trockenen“, sich scheinbar ständig wiederholenden Gerichtsworte vom Lesen der Propheten abhalten. Die Gerichtsworte machen uns einerseits die unvorstellbare Größe unserer Sündigkeit bewusst. Andererseits führen sie uns zur Verheißung der Gnade Gottes. Beides lässt uns das Werk Christi tiefer verstehen.
3. Erkennen Sie den halsstarrigen, unbeschnittenen Zustand Ihres (alten) Herzens. Sie sind (oder waren) aus sich selbst heraus nicht in der Lage, Gott zu erkennen und Christus anzunehmen.
4. Lesen und studieren Sie das Wort Gottes betend, sodass Gott dadurch nach seiner Verheißung Ihr Herz verändert und immer mehr prägt.
5. Erkennen Sie, worum es in ihrer Errettung letztlich geht: um die Verherrlichung Gottes (Eph. 3,20.21). Und danken Sie dem dreieinen Gott, dass er seine dem Mose gegebene Verheißung erfüllt hat und in Christi Heilswerk alles Notwendige zu Ihrer Errettung vollbracht hat.