Die Verheißung der Beschneidung des Herzens (Teil 3): Jeremia

Im ersten Teil dieser Artikelserie (Bekennende Kirche Nr. 55) ging es um die Beschneidung des Herzens, so wie sie in 5Mose 30,6 verheißen worden ist. Wir sahen, dass diese Verheißung der Höhepunkt des Fünften Buches Mose ist. Gott verhieß das menschliche Herz zu verändern, sodass der Mensch Gott lieben und ihm folgen wird.
Indem wir von dieser Verheißung ausgingen, untersuchten wir ab dem zweiten Artikel, inwiefern die Bücher der Propheten auf dem Fünften Buch Mose aufbauen: Wie wurde die Verheißung der Beschneidung des Herzens von den Propheten aufgegriffen und verdeutlicht? Im letzten Artikel befragten wir dazu den Propheten Jesaja. Wir sahen, dass er für die Erfüllung der Verheißung der Beschneidung des Herzens vor allem das Kommen des Messias hervorhob.
In diesem Artikel soll es um den Beitrag Jeremias dazu gehen: Gibt es Verbindungen zwischen seiner Botschaft und 5Mose 30, und wenn ja, welche? Im Unterschied zu anderen Propheten finden wir bei dem Propheten Jeremia sogar den konkreten Aufruf zur Beschneidung des Herzens (Jer. 4,4; vergleiche 5Mos. 10,16; 30,6). Am deutlichsten wird der Zusammenhang jedoch in der Verheißung des Neuen Bundes (Jer. 31,31-34).

Allgemeines zum Buch Jeremia

Die Botschaft Jeremias lässt sich in zwei Themenbereiche zusammenfassen: Einerseits geht es um die Sünden Israels und deren Folge, also dem Gericht über das Volk. Andererseits lesen wir von der Gnade Gottes und wie sich die Gnade in der Errettung des Volkes auswirkt. Jeremia spricht also über den Bundesbruch durch das Volk sowie über die Bundeserneuerung durch den Herrn. Verknüpft mit dieser Botschaft sind historische Berichte über die letzten 40 Jahre Judas vor der Babylonischen Gefangenschaft. Es sind Gerichtsworte über die Nationen, die an Israel angrenzen. Außerdem erhalten wir Einblicke in das Leben Jeremias. Aber auch diese Berichte vermitteln die zweifache Botschaft des gesamten Buches.
Das Zentrum des Buches sind zweifellos die Kapitel 30 bis 33. In diesem Abschnitt ist auch der Bezug auf 5Mose 30 am deutlichsten. Hier wird der Neue Bund verheißen, in dem es vorrangig um die zukünftige Errettung geht. Wie wird die Errettung kommen?

Errettung – eine Frage des Herzens

Jeremia weist immer wieder darauf hin, dass es dem Volk aufgrund seines sündigen Herzens unmöglich ist, Gott zu gehorchen und dem Bund Gottes treu zu sein. Das Volk verharrte in der Sünde des Götzendienstes, selbst wenn die Not außerordentlich war. Sogar nachdem Jeremias Gerichtsworte sich als wahr erwiesen hatten, kehrte das Volk nicht um (Jer. 44,15-19). Jeremia diagnostiziert, dass das Herz vollkommen trügerisch und unheilbar ist (Jer. 17,9). So muss er die Zustandsbeschreibung, die Mose in 5Mose 29,3 über die damalige Generation traf, bis auf seine Generation ausdehnen: Zur Zeit Moses hatte das Volk nicht auf Gott gehört, und so verhielt es sich bis zu den Tagen Jeremias. Schon Mose hatte das Volk aufgefordert, die Vorhaut seines Herzens zu beschneiden, weil es halsstarrig war. Genauso musste auch Jeremia das Volk wegen seiner Halsstarrigkeit tadeln (5Mos. 10,16; Jer. 4,4; 7,26; 17,23, 19,15).
Wird sich an diesem Zustand jemals etwas ändern? Wie kann Gott diesem Volk seine Gnade schenken, das sich immer wieder von ihm abgewandt hatte und nicht auf sein Wort hören wollte und dieses auch gar nicht vermag? Die Antwort lautet, dass Gott an seinem Volk auf eine ganz neue Weise mit seinem Wort wirken will. Was Mose in 5Mose 30 mit der Beschneidung des Herzens zum Ausdruck brachte, führt Jeremia in Kapitel 31 weiter aus. Gott verheißt, das Herz des Volkes zu verändern, indem er ihm sein Gesetz ins Herz schreibt: „Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen Neuen Bund schließen werde; nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern schloss an dem Tag, da ich sie bei der Hand ergriff, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen. Denn sie haben meinen Bund gebrochen, obwohl ich doch ihr Eheherr war, spricht der Herr. Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Innerstes hineinlegen und es auf ihre Herzen schreiben. Und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein; und es wird keiner mehr seinen Nächsten und keiner mehr seinen Bruder lehren und sagen: ‚Erkenne den Herrn!‘ Denn sie werden mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten unter ihnen, spricht der Herr; denn ich werde ihre Missetat vergeben und an ihre Sünde nicht mehr gedenken!“ (Jer. 31,31-34).
In diesen Versen wird nicht nur durch den Inhalt, sondern auch durch die Struktur Folgendes deutlich: Erstens: Für die Bundeserneuerung ist die Vergebung der Sünden grundlegend. Zweitens: Die Beschriftung des Herzens mit dem Gesetz Gottes ist der wesentliche Bestandteil der Bundeserneuerung. Sie wird die Beziehung von Gott zu seinem Volk grundsätzlich ändern. Drittens: Das Ziel des Neuen Bundes ist die Gemeinschaft Gottes mit seinem Volk. Entscheidend für die Gemeinschaft mit Gott sind demnach die Vergebung der Sünden und die Beschriftung des Herzens.

Die Veränderung des Herzens durch die Vergebung der Sünden

Bereits der Prophet Jesaja hatte die Vergebung der Sünden in den Zusammenhang der zukünftigen Bundeserneuerung gestellt (Jes. 33,24; 44,22). Aber Jeremia geht auf diesen Aspekt ausführlich ein. Wir erwähnten bereits, dass die Vergebung der Sünden für den Neuen Bund grundlegend ist (Jer. 31,34b; 33,8; 50,20). Durch das einleitende Wort „denn“ in Jeremia 31,34 bildet diese Aussage die Begründung für die Verheißungen der vorherigen Verse.
Dieser Zusammenhang wird zusätzlich durch die Formulierung „spricht der Herr“ (oder: Ausspruch des Herrn) unterstützt. Sie kommt in jedem Vers dieses Abschnittes vor (Jer. 31,31-34). Die beiden letzten Verwendungen umklammern die Verheißung des Neuen Bundes. Im Anschluss daran wird die Vergebung der Sünde erwähnt. Sie ist die Voraussetzung und Grundlage des gesamten Abschnitts.
Vergebung gab es bereits im Alten Bund. Aber sie war von anderer Qualität. Durch die Opferdarbringungen wurden dem Volk die Sünden – vorläufig – vergeben. Gott ließ sie im Blick auf das Werk Christi auf Golgatha „hingehen“ (Röm. 3,25). Auf jeden Fall wurde das Herz des Menschen nicht verändert. Folglich hatte das Ungestraftlassen der Sünden im Alten Bund keine bleibende (Aus)wirkung.
In Zukunft, so verheißt Gott im Propheten Jeremia, werde er dem Volk seine Sünden vergeben und es dauerhaft von seiner Sündhaftigkeit reinigen. Auch hier knüpft Jeremia an das von Mose Gesagte an.
Als wir uns mit dem Wort „Herz“ im Fünften Buch Mose beschäftigten, stellten wir fest, dass die Einstellung des Herzens maßgeblich dafür ist, ob der Mensch in der rechten Weise gegenüber Gott handelt oder nicht. Es war uns deutlich geworden, dass die Sünde nicht nur vergeben werden muss, sondern dass das Herz von der Sünde gereinigt werden muss. Nur so kann man Gottes Worte aufnehmen, Gott selbst erkennen und ihn lieben.

Die Veränderung des Herzens durch das Wort Gottes

Welch zentrales Gewicht das Wort Gottes hat, verkündete Moses bereits in 5Mose 30,11-14. Daran knüpft Jeremia an, indem er immer wieder auf die Macht des Wortes Gottes hinweist (vergleiche zum Beispiel: Jer. 1,12; 23,29). Das Wort Gottes warnt vor dem Gericht, und dieses Wort bewirkt gleichzeitig das Gericht. Das Wort Gottes verheißt Errettung und bewirkt sie auch.
Die Kraft des Wortes Gottes darf hier nicht in einem magischen Sinn verstanden werden. Vielmehr besteht sie darin, dass hier eben nicht ein Mensch, sondern der lebendige Gott spricht und handelt. Gottes Reden und Gottes Handeln ist ein und dasselbe. Darum hat das Wort Gottes Macht. Das Wort Gottes, das heißt die Worte, die der Prophet im Auftrag Gottes verkündet oder aufschreibt, vermittelt den Hörern den Willen Gottes, den er selbst ausführen wird. Angesichts dieser Kraft des Wortes Gottes stellt sich allerdings die Frage, warum Jeremia dann seine Hörer mit seiner Verkündigung nicht überzeugen kann.
In der Auseinandersetzung zwischen Jeremia und dem falschen Propheten Hananja wird uns das Dilemma der Hörer des Wortes Gottes vor Augen geführt (Jer. 28): Woher sollten die Hörer wissen, welche Botschaft von Gott kommt, wenn die in 5Mose 18,21.22 genannten Prüfkriterien nicht als ausreichend erscheinen? Es wird immer wieder betont, dass beide Propheten, Jeremia und Hananja, vor den Augen und den Ohren des Volkes sowie der Priester ihre Zeichen zeigten und verkündigten (Jer. 28,1.5.7.11). Diese Augen und Ohren waren aber nicht in der Lage, das Wort Gottes zu erfassen.
Stattdessen hörte das Volk auf die Botschaft, die es hören wollte. Das, was Jeremia verkündete, fand beim Volk kein Wohlgefallen. Denn das, was er von Gott mitzuteilen hatte, war die Zerstörung der Stadt und das Gericht über die Bevölkerung. Schließlich wandte sich das Volk sogar gegen Jeremia und damit gegen die Worte Gottes (Jer. 18,18; 26,11.24). Diese Zusammenhänge machen deutlich, dass das Wort Gottes auf einem anderen und neuen Weg in die Ohren und Herzen gelangen muss.1 Dieser neue Weg erfolgt in der Verheißung des Neuen Bundes: Gott will mit seinem mächtigen Wort direkt auf das Herz des Menschen einwirken, indem er sein Wort darauf „schreibt“. Das Bild des Aufschreibens auf das Herz macht deutlich, warum das Gesetz einen neuen und prägenden Einfluss auf den Menschen bekommt.
Zum Verständnis hilft wiederum ein Blick in das Fünfte Buch Mose. In diesem Buch ist das Aufschreiben des Wortes, nämlich des Gesetzes, von großer Bedeutung. Die Zehn Gebote wurden zuerst aufgeschrieben, und zwar von Gott selbst (5Mos. 4,13; 5,22). Das Volk wurde aufgefordert, die Worte des Gesetzes auf die Pfosten und Tore seiner Häuser zu schreiben (5Mos. 6,9). Der König sollte sich eine Kopie des Gesetzes anfertigen (5Mos. 17,18). Das Volk sollte das Gesetz beim Einzug ins verheißene Land auf Steine schreiben (5Mos. 27,3.8). Mose sollte das Lied des Zeugnisses aufschreiben. Außerdem wird berichtet, dass alle Worte des Gesetzes von Mose in ein Buch eingeschrieben wurden (5Mos. 28,58; 29,20; 31,9). Aus allen diesen Aussagen geht hervor, dass das aufgeschriebene Wort für das Volk ein ständiges Zeugnis des Bundes sein sollte. Selbst wenn Mose einmal gestorben sein würde, würden die Worte, die er im Auftrag Gottes verkündete, weiterhin präsent sein. Denn sie wurden aufgeschrieben und dann immer wieder abgeschrieben. Auch Jeremia erhält den Auftrag, das Wort Gottes aufzuschreiben, damit es für die künftigen Generationen erhalten bleibt (Jer. 25,13; 30,1.2).
Diese Betonung des aufgeschriebenen Wortes ist auch auf die Verheißung in Jeremia 31,33 zu beziehen. Das Bild des beschriebenen Herzens bringt zum Ausdruck, dass das Gesetz Gottes beständig dem Menschen präsent sein wird. Genau das ist neben der Sündenvergebung das Neue am Neuen Bund. Das Wort Gottes wird nicht mehr nur von außen auf den Menschen wirken, sondern von innen. Indem in Jeremia 31,33 vom Gesetz die Rede ist, wird klar, dass auch im Neuen Bund die Maßstäbe der Zehn Gebote gelten. Aber das Gesetz hat nun einen anderen, wirkungsvollen und beständigen Zugang zum Menschen.
Die Aussage in 5Mose 30,11-14 verhieß, dass Gott einmal sein Wort ins Herz geben werde. Jeremia erklärt, wie das geschehen wird: Gott will es ins Herz schreiben. Das heißt: Gott der Herr wird das menschliche Herz beständig dem Wirken des Wortes aussetzen und dadurch den Menschen seinen Willen und seinen Charakter vermitteln.
Die erste entscheidende Folge des Wirkens Gottes ist, dass das Volk Gott erkennen wird (Jer. 31,34).

Gott erkennen

Gott zu erkennen heißt, sowohl von seinem Wesen als auch von seiner Macht erfasst zu sein (Jer. 16,21). Darüber hinaus ist damit gesagt, dass der Mensch Gottes Gebote halten wird (Jer. 22,16). Gott zu erkennen heißt, Augen zu haben, die Gott erkennen und Ohren, die auf Gottes Wort hören (vergleiche Jer. 5,21-23; 6,10; 7,24-26). Das Volk wird demnach nicht nur erkennen, wer Gott ist und was sein Wort ist (Jer. 32,8), sondern es wird dem Wort Gottes gehorchen (Jer. 32,39). Es ist das Wort selbst, das die Veränderung des Herzens und damit die Erkenntnis Gottes und das Hören auf sein Wort schafft. Gott informiert und transformiert den Menschen durch sein Wort. Gott zu erkennen heißt darum, Gott zu lieben (5Mos. 30,6). Beide Wendungen zielen auf den Gehorsam des Volkes gegenüber Gott und machen die enge, persönliche Beziehung zu ihm deutlich.

Der Messias

Bei dem Propheten Jesaja war deutlich geworden, wie zentral der kommende Messias bei der Beschneidung des Herzens sein wird. Es wird der Messias sein, der dem Volk das Wort und den Geist Gottes geben wird.
Auch Jeremia spricht an mehreren Stellen von dem verheißenen König und dem besonderen Nachfahren Davids. Diese Verheißungen stehen jeweils im Zusammenhang mit der Verheißung der zukünftigen Errettung, Rückkehr und Segnung des Volkes (Jer. 23,5.6; 30,9.21; 33,15.16; vergleiche 30,18). Sowohl die erste als auch die letzte Erwähnung des zukünftigen Königs (Jer. 23,5.6; 33,15) erinnern an die Verheißung des Messias aus Jesaja. Jeremia spricht ebenfalls von einem Spross, der Recht und Gerechtigkeit schaffen wird (vergleiche dazu Jes. 9,6.7; 11,1-5).
Durch das Bild des Sprosses kommt zum Ausdruck, dass es einen König aus dem Stamm Davids geben wird, obwohl der Baum infolge des Gerichtes über das Haus Davids abgehauen wurde (Jer. 22,30; 23,1.2; 36,30.31). In Kapitel 30 finden sich die anderen zwei Erwähnungen des zukünftigen Königs aus der Linie Davids mit weiteren Informationen über seine Person und sein Amt. Das Volk, das von Gott gerettet wurde, wird Gott und dem von ihm erweckten König dienen (Jer. 30,9). Der König, obwohl er aus dem Volk stammt, wird sich Gott nahen dürfen (Jer. 30,21). Er hat also auch eine priesterliche Funktion. Zwischen diesem zukünftigen König und der Verheißung der Beschneidung des Herzens, also der Verheißung des Neuen Bundes, besteht auch bei Jeremia eine Verbindung. Allerdings wird die konkrete Art und Weise dieser Verbindung nicht ausgeführt. Aber durch den Zusammenhang der zukünftigen Errettung mit dem Neuen Bund wird deutlich, dass dieser König in der Zeit des Neuen Bundes sehr wichtig sein wird. Er wird nicht nur die Dynastie Davids nach ihrer Zerstörung fortsetzen, sondern er wird zur Gestalt eines Königs schlechthin werden. Durch seine Führung wird das Volk fortwährend in Gerechtigkeit wandeln und somit im Bund Gottes bleiben. Der Messias wird also auch entscheidend mit der Beschreibung der Herzen zu tun haben.

Der Neue Bund

Zwar wird diese zukünftige und neue Wirklichkeit des Neuen Bundes in anderen Büchern des Alten Testaments ebenfalls thematisiert, nicht zuletzt auch im Fünften Buch Mose, aber im gesamten Alten Testament kommt der Ausdruck Neuer Bund nur in Jeremia 31 vor. Der Prophet Jeremia macht deutlich, dass der Alte Bund2 durch die Sünde des Volkes gebrochen worden ist. Der Neue Bund wird die Grundlage für eine neue, beständige Beziehung zwischen Gott und seinem Volk bilden (Jer. 31,22.23).
Zwischen dem Alten Bund und dem Neuem Bund lassen sich Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede feststellen. Einerseits ist auch im Neuen Bund das Gesetz von Bedeutung. Es wird auf das Herz geschrieben. Darüber hinaus bildet die Verheißung des Neuen Bundes einen Teil des Alten Bundes. Das wird in 5Mose 29 und 30 deutlich. Dennoch ist der Neue Bund von anderer Qualität als der Alte Bund. Er geht insofern über den Alten Bund hinaus, als er die Verheißungen des Alten Bundes erfüllt. Der Alte Bund betonte die Notwendigkeit eines zu verändernden Herzens. Im Neuen Bund bildet die Veränderung des Herzens die Grundlage des Bundes. Die Verbindung zwischen Altem und Neuem Bund kann man auch an der gleichlautenden Bundesformel erkennen: „Ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.“ (Jer. 31,1.33; 32,38; vergleiche 2Mos. 6,7; 3Mos. 26,12; 5Mos. 26,17-19). Beide Bündnisse haben das Ziel, die Gemeinschaft Gottes mit seinem Volk zu bewirken. Doch nur der Neue Bund wird dieses Ziel erreichen. Gott wird durch seinen Messias dafür sorgen, dass der Neue Bund nicht mehr gebrochen wird. Genau darum geht es beim Schreiben des Gesetzes auf das menschliche Herz sowie bei der Vergebung der Sünden.
In dieser Beziehung ist der Hinweis auf die Nachkommen des Volkes wichtig. Genau wie im Bund mit Abraham, dann im Bund mit dem Volk in der Ebene von Moab und schließlich in der Verheißung der zukünftigen Bundeserneuerung (5Mos. 30,6), so richtet sich auch der Neue Bund bei Jeremia an die Eltern zusammen mit ihren Kindern (Jer. 32,38-40; vergleiche 31,34).

Zusammenfassung

Die Verheißung der Beschneidung des Herzens und die Verheißung des Neuen Bundes sind bei dem Propheten Jeremia genau wie in 5Mose der Höhepunkt der jeweiligen Offenbarungen. Jeremia verheißt ebenso wie Mose, dass Gott die Herzen durch sein Wort verändern wird. Durch das verwandelte Herz werden die Menschen Gott erkennen, sein Wort verstehen und gehorsam sein.
Auch Jeremia führt dabei die Verheißung der Beschneidung des Herzens aus. Er macht deutlich, wie Gott die Herzen verändern will: Gott will das Herz, das Wesen des Menschen, dauerhaft mit seinem Wort prägen und dem Menschen die Sünden vergeben.3 Die Sündenvergebung bildet dabei die Voraussetzung für die Beschneidung des Herzens. Die neue Prägung des Herzens durch das Wort Gottes bildet wiederum die Grundlage für den beständigen Gehorsam und damit für die beständige Gemeinschaft mit Gott im Neuen Bund.
Das Neue Testament macht deutlich, dass diese gewaltige Verheißung durch Christus erfüllt worden ist (2Kor. 1,20; Hebr. 8,6-13). Christus selbst wurde zum Sühnopfer, das ein für allemal wirksam ist (Hebr. 9,11-15). Er brachte den Neuen Bund (Luk. 22,20). Er befreit von Sünde, weil er die Strafe der Sünde am Kreuz getragen hat. Menschen, die ihn erkennen dürfen und ihm glauben, ist die Schuld vergeben. Sie sind Kinder Gottes. Sie gehören zu seinem Volk, und sie dürfen ihm durch sein Wort und durch seinen Geist nachfolgen (Röm. 8).
Vollkommen wird dieser Zustand erst in der Herrlichkeit erreicht sein. Bis dahin dürfen wir Gottes Wort mehr und mehr verstehen und ihm entsprechend handeln. Bis zu unserer Verherrlichung stehen wir im Kampf des Glaubens. Doch in diesem Kampf stehen wir auf der Seite des Siegers, Christus, dem Haupt und Mittler des Neuen Bundes, und so sind wir sicher in der Hand Gottes (Röm. 8,29-39).


1) Das Wort Gottes erreicht natürlich auch sein Ziel, wenn es von den Hörern abgelehnt wird. In diesem Fall bringt es das Gericht über die Menschen (2Kor. 2,16).
2) Gemeint ist der Bund, der am Sinai geschlossen und unmittelbar vor der Landeinnahme in der Ebene Moab wiederholt und konkretisiert wurde.
3) Jeremia spricht vom wirksamen Wort, aber nicht vom Geist Gottes, der mit dem Wort oder durch das Wort wirkt, wie es zum Beispiel Jesaja macht. Wenn Jeremia nicht vom Wirken des Geistes spricht, darf daraus nicht die Folgerung gezogen werden, dass Jeremia kein Wirken des Geistes kennt. Jeremia will durch die Betonung des Wortes Gottes deutlich machen, dass das Wort immer eine Wirkung hat. Es wird auf diese Weise erneut unterstrichen, dass Gott das, was er sagt, auch tut.