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Grußwort des Schriftleiters

Wenn ihr mit Christus auferweckt seid, so sucht das, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Sinnet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist. Kolosser 3,1.2

Mit diesem Wort aus dem Kolosserbrief grüße ich Sie zu dieser Ausgabe der Bekennenden Kirche.

Wir werden in diesem Wort aufgerufen zu suchen und zu sinnen. Nun gehört es mehr oder weniger zum Leben eines jeden von uns, dass er denkt, überlegt und erwägt. Aber besonders dann, wenn wir aus unserem gewohnten Lebensrhythmus geraten, kommen wir konzentrierter ins Nachdenken. Unser Suchen und Sinnen wird intensiver.

1. Unser Sinnen in der gegenwärtigen Zeit

Gerade in diesen Tagen und Wochen, in denen uns die sogenannte Corona-Krise plagt, das öffentliche Leben und damit auch unser Gemeindeleben immer noch in Teilen eingeschränkt ist, und sich am Für und Wider der behördlichen Maßnahmen erheblicher Unfrieden in den Gemeinden zu entzünden droht, gibt es vieles, über das wir nachsinnen (können). Aber in dem oben zitierten Vers werden wir aufgefordert, unser Sinnen und Trachten gerade nicht auf das Irdische zu richten, sondern auf das, was droben ist. Wir werden aufgerufen, auf das Ewige zu sinnen, auf Christus, der im Himmel sitzt.

Ist damit nicht alles Sinnen über Irdisches und Politisches untersagt? Sind damit nicht viele unserer Überlegungen als „ungeistlich“, als „weltlich“ entlarvt? Ist dies nicht umso offenkundiger, als der Apostel ausdrücklich hinzufügt, dass wir nicht nach dem trachten sollen, was auf Erden ist?

Aus (Telefon-)Gesprächen weiß ich, dass diese Fragen von nicht wenigen Christen bewegt werden. Dabei scheinen darüber gerade die Christen nachzusinnen, die Gott und seinem Wort gehorsam sein wollen.

Um eine Antwort zu finden, ist es sinnvoll, auf den Zusammenhang zu achten, in dem dieses apostolische Wort steht.

2. Unser Sinnen auf Christus, dem Überwinder der Welt

Paulus richtete den Brief an die Brüder in Kolossä. Er selbst saß gefangen in Rom. Er hatte dort Gemeinschaft mit Epaphras, der zuvor in der Gemeinde von Kolossä viel gearbeitet hatte (Kol. 1,7).

Der Apostel schreibt an eine christliche Gemeinde in einer Stadt, die kurz zuvor von einem schweren Erdbeben erschüttert worden war. In der gesamten Gegend waren das öffentliche Leben und die Ökonomie zum Erliegen gekommen oder zumindest stark beeinträchtigt. In seinem gesamten Brief geht Paulus auf diese Umstände mit keinem Wort ein. Warum? Waren ihm die irdischen Umstände bedeutungslos?

Die Antwort darauf lautet: Ja und Nein. Zum einen weiß der Apostel: Wie auch immer unsere äußeren Umstände, Beschwerden und Mühseligkeiten sind, es steht unerschütterlich fest: Die Kernfrage jeder menschlichen Existenz ist und bleibt die Frage, ob ein Mensch sich Gott zuwendet, ob er Gott gehört oder ob er sich von ihm abwendet und gottlos lebt. Zentral geht es um die Frage, ob im Leben der Christen Jesus Christus der alles bestimmende Herr ist oder ob sich die Christen faktisch von anderen Mächten bestimmen lassen. Paulus nennt sie in diesem Brief unter anderem Throne, Herrschaften, Fürstentümer und Gewalten (Kol. 1,16).

Aus dem zweiten Kapitel des Briefes wird deutlich, dass in die Gemeinde hellenistisch-jüdische Geistesströmungen eingebrochen waren und dass viele Christen offen waren, sich von diesem Gedankengut bestimmen zu lassen.

Angesichts der Gefahr, dass sich diese Ideen in die Herzen der Christen einfraßen, hat der gesamte Brief des Apostels ein einziges Thema: Christus. Allein der Herr Jesus Christus kennzeichnet die Reinheit des christlichen Glaubens. Seine überragende Unvergleichlichkeit muss der Kern jeder gesunden Wortverkündigung sein. Nur dann, wenn der Christus, der im Himmel sitzt, also der dort als Thronender seine Herrschaft ausübt, im Zentrum unseres Suchens, Sinnens und Denkens steht, haben Christen die richtige Perspektive.

Paulus betont: Weil in Christus alles geschaffen ist und in ihm alles erhalten ist, weil in ihm unser Heil und unsere Seligkeit liegt, geht es nicht an, sie außerhalb von ihm in anderen Größen und Mächten zu suchen (Kol. 1,9–20). Genau dafür arbeitet und leidet der Apostel (Kol. 1,21–29). Von daher macht er den angefochtenen und verwirrten Christen klare Ansagen. Er belehrt konkret: In welcher Situation auch immer ihr euch befindet, stellt niemals die Allgenugsamkeit Christi in Frage (Kol. 2,1–4)! Verrennt euch niemals in von Christus wegführende Lehrsysteme und Phantastereien (Kol. 2,5–16)! Kommt keinesfalls auf die Idee, euch durch menschenfabrizierte, asketische Rituale und Regeln selbst erlösen zu wollen (Kol. 2,16–19)!

Im zweiten Kapitel seines Briefes besteht der Apostel darauf, dass alle Fülle für unser Leben aus der Gemeinschaft mit dem Sohn Gottes fließt, aus unserer Einheit mit Christus in seinem Tod und in seiner Auferstehung. Jesus Christus ist der einzige Name, in dem wir gerettet werden, in dem wir die Versöhnung haben, die Vergebung unserer Sünden, in dem unsere Gerechtigkeit, Heiligkeit und Erlösung ist, in dem alle unsere Weisheit ist. Außerhalb des Sohnes Gottes gibt es für unsere Seele nur Unheil, wie und wo auch immer es sich anbietet. Darum haltet fest: Ihr seid durch den Tod Christi gegenüber den Grundsätzen und Maximen dieser Welt gestorben (Kol. 2,20–23).

3. Sinnet auf den, der droben regiert

Der Anfang von Kolosser 3 bildet dann das Fazit: Wenn ihr mit Christus auferweckt seid, so sucht das, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Sinnet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.

Man könnte dem, was Paulus hier schreibt, entgegenhalten, dass Gott den Menschen doch für die Erde geschaffen habe. Schließlich hat uns Gott doch hierhergestellt und uns aufgetragen, hier auf der Erde zu leben und zu wirken. So hatten es ja auch einst die Engel gesagt: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr hier und seht zum Himmel? (Apg. 1,11).

Heißt es nicht bereits in einem Psalm: Der Himmel ist der Himmel des Herrn. Aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben. (Ps. 115,16)? Ja, das stimmt. Aber das ist nicht im Sinn einer Grenzziehung gemeint. Es geht nicht darum: Für Gott den Himmel und für uns die Erde (in die er uns dann bitteschön nicht hineinfunken möge, zumal die Menschen ihn ja auch im Himmel in Ruhe lassen).

Ja, wir haben hier auf dieser Erde zu handeln und zu wirken. Aber das Wort Gottes besteht darauf, dass unser Bürgertum (Bürgerrecht) im Himmel ist (Phil. 3,20). Genau darum geht es auch in dem apostolischen Gebot: Sucht das, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes! Sinnt auf das, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist!

4. Unser Sinnen auf Christus angesichts der Welt

Wir sagten, diese Anweisung ist das Fazit angesichts der Gefährdungen und Versuchungen, denen auch Christen in dieser Welt durch die Mächte und Geistesströmungen ausgesetzt sind. Da gilt das Gebot, sich ganz und gar und restlos von den Trends des Zeitgeistes abzukehren, um sich auf den im Himmel zur Rechten Gottes herrschenden Christus auszurichten. Es geht um das uneingeschränkte Anerkennen seiner Herrschaft.

Aber dieser Vers bestimmt auch die folgenden Ausführungen des Kolosserbriefes. Dort wird uns erläutert, was es konkret heißt, das zu suchen, was droben ist und darauf zu sinnen.

Wenn wir dies beachten, erkennen wir, dass unser Sinnen nach dem, was droben ist, absolut nichts damit zu tun hat, dass wir das Irdische missachten oder vernachlässigen sollen. Wir erkennen beim Weiterlesen: Beim Trachten nach dem, was droben ist, geht es nicht um ein schwärmerisches Aussteigen aus der uns umgebenden Realität. Es geht ganz und gar nicht um Tagträumerei eines weltentrückten Spaziergangs mit dem Kopf irgendwo in den Wolken. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Derselbe Paulus, der dazu aufruft, Trachtet nach dem, was droben ist, und noch ausdrücklich hinzufügt, und nicht auf das, was auf Erden ist, schreibt nur zwei Verse weiter: Tötet daher eure Glieder, die auf Erden sind (Kol. 3,5). Mit anderen Worten: Unser Sinnen und Trachten nach dem, was droben ist, hat außerordentlich viel mit Irdischem zu tun. Es beginnt mit dem Töten von Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böser Lust und Habsucht, die Götzendienst ist… (Kol. 3,5).

Wir werden aufgerufen, nach dem im Himmel thronenden Christus zu trachten, um hier auf der Erde überhaupt leben zu können. Das ist das Gegenteil von Weltflüchtigkeit. Indem wir auf Christus blicken, werden wir geerdet.

David macht einmal eine merkwürdige Aussage: Meine Augen sind stets auf den Herrn gerichtet, denn er wird meine Füße aus dem Netz ziehen (Ps. 25,15). Wenn wir damals zugegen gewesen wären und David einen Rat gegeben hätten, wie er sich aus dem Netz (Tierfalle) befreien könnte, wir hätten ihm sicherlich den Tipp gegeben: David, wenn du dich mit deinen Füßen in diesem Netz verfangen hast, dann musst du jetzt alle deine Sinne auf deine Füße richten, damit es dir gelingt, da wieder herauszukommen. David handelt jedoch genau entgegengesetzt. Er blickt weg von dem Netz, in das er sich verstrickt hat, und er rechnet mit Gott dem Herrn, der allein in der Lage ist, ihn daraus zu befreien.

Entsprechend verhält es sich mit der Aussage des Kolosserbriefes: Die Aufforderung, auf den Himmel zu sinnen und nach Christus zu trachten, meint nicht, das Irdische zu ignorieren oder zu vernachlässigen. Vielmehr meint es, nicht darauf fixiert zu sein, sich nicht von der Welt und ihren Mächten bannen zu lassen und auf sie fixiert zu sein wie ein Kaninchen, das bereits beim Anblick einer Giftschlange erstarrt.

Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, wo die Motten und der Rost sie fressen und wo die Diebe nachgraben und stehlen. Sammelt euch vielmehr Schätze im Himmel, […]. Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein (Mt. 6,19–21). Diese Ausrichtung auf Christus, der im Himmel thront, macht uns für unser Leben auf Erden gerade nicht unfähig. Darum lenkt Paulus uns im Folgenden weiter vom Vertikalen hin zum Horizontalen.

Aus der Herrschaft Christi im Himmel folgt zunächst die Änderung des eigenen Lebens (Kol. 3,5–8). Aber Christi Herrschaft richtet sich auch auf das Leben in unserer Gemeinde (Kol. 3,9–17). Es bezieht ferner die Gestaltungen ein, in denen wir unser Leben hier führen, also die Ordnungen von Ehe und Familie (Kol. 3,18–21). Unser Sinnen auf Christus hat es außerdem mit so Irdischem zu tun, wie mit unseren beruflichen Arbeitsbeziehungen (Kol. 3,22–4,1). Und dann hat es eben auch mit der Welt zu tun, in der wir hier leben, der wir die Wahrheit schulden, der wir also das Wort Gottes zu bringen haben. Auch über diese Welt regiert Christus vom Himmel. Dabei erleben wir gerade im Blick auf diese Welt das Regiment Christi noch nicht triumphalistisch, sondern als Kreuz. Das heißt: Das Reich Gottes breitet sich in der Welt aus unter Bedrängnissen (Kol. 4,2–6).

5. Unser Sinnen auf den Christus der Heiligen Schrift

Nicht selten hört man heute im Evangelikalismus, das Christentum sei gar nicht eine Lehre, es habe schon gar nichts mit unserer konkreten Lebensführung in dieser Welt zu tun, sondern es gehe um ein Grundbewusstsein über eine Person, die man in seinem inneren Gemüt bewahren möge. Aber ein solcher Gegensatz zwischen Äußerem und Innerlichkeit ist falsch. Er stammt übrigens aus der liberalen Theologie des 19. Jahrhunderts. Und diese Ansicht wird dadurch nicht richtiger, wenn sie heute von Evangelikalen vertreten wird.

Ja, Christus, der im Himmel thront, ist unser Leben. Wir tragen ihn in unserem Gemüt, in unserem Herzen. Aber genau das hat Auswirkungen auf sämtliche irdischen Bereiche unseres Lebens. Genau das lehrt uns Kolosser 3,5–4,6. Der durch den Heiligen Geist inspirierte Paulus stellt hier klar, dass kein Lebensbereich aus der Beziehung zu Christus, der unser Leben ist, herausgenommen werden kann. Für uns heißt das: Wenn ihr den sucht und auf den sinnt, der im Himmel ist, dann unterwerft euch nicht den Herrschaften und Geistesmächten dieser Zeit, in welcher Maskerade auch immer sie auftreten. Vielmehr stellt euer gesamtes Leben unter die Herrschaft Christi. Trachtet und sinnt so auf den, der im Himmel sitzt, dass ihr hier auf Erden bestehen könnt, und dass ihr als Überwinder handelt. Auch heute, jetzt im Jahr 2020.

Was bringt die Bekennende Kirche

Gottesdienst feiern, so ist die Predigt überschrieben, die Jochen Klautke zu Epheser 5,18–21 zur Verfügung gestellt hat. Der zweite Vorsitzende des Vereins für Reformatorische Publizistik betont darin, dass es für eine Gemeinde unverzichtbar ist, gemeinsam an einem Ort zusammenzukommen, um Gott anzubeten.

● Die Grace Community Church in Kalifornien verabschiedete kürzlich ein Statement, nachdem zum zweiten Mal in ihrem amerikanischen Bundesstaat der Lockdown verfügt wurde und damit Gottesdienste erneut nicht stattfinden konnten.

Nicht alles können wir auf unsere Situation eins zu eins übertragen. Aber wir können von dieser Stellungnahme der Grace Community Church zum Versammlungsverbot der Kirchen in Kalifornien in unserer Situation eine Menge lernen.

● Boris Giesbrecht setzt seine im letzten Heft begonnenen Ausführungen über das Buch Hiob fort: Zum Buch Hiob (Teil 2). Dieses Mal untersucht der Verfasser das biblische Buch aus dem Blickwinkel Hiobs.

● In den vergangenen Wochen hat ein Buch über Homosexualität für Aufsehen gesorgt. Dr. Jürgen-Burkhard Klautke geht auf den Inhalt der Veröffentlichung des Ärztlichen Direktors der Klinik Hohe Mark ein und konfrontiert sich mit den Inhalten: Einige Anmerkungen zu Martin Grabes Buch, Homosexualität und christlicher Glaube: ein Beziehungsdrama.

● Wenn Sie über die jüngsten Entwicklungen der ART informiert werden möchten und auch über die angebotenen öffentlich zugänglichen Lehrveranstaltungen, lesen Sie bitte Neues von der Akademie für Reformatorische Theologie.

Obwohl diese Ausgabe der Bekennenden Kirche weniger Artikel hat, als Sie das gewohnt sind, sind die jeweiligen Artikel länger. Insgesamt ist das Heft erheblich umfangreicher als gewöhnlich. Aber das ist manchmal durch die Umstände und durch die Zeiten, in denen wir leben, geboten.

Es ist mein Wunsch und Gebet, dass Ihnen die Artikel zum Segen sind und Sie dadurch Orientierung bekommen. In diesem Sinn grüße ich Sie herzlich in Christus,

Ihr

Jürgen-Burkhard Klautke

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