Der Logos und seine Logistik

Paulus schreibt im Blick auf das Kommen Christi: Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn… (Gal. 4,4). Gott hatte das Kommen seines Sohnes Jesu Christi schon Jahrhunderte zuvor geplant. Gott stellte minutiös die Logistik von Weihnachten bereit. Als Logistikoffizier interessiere ich mich sehr für logistische Abläufe. Mich fasziniert es, wenn jemand von langer Hand einen Plan schmiedet, in dem verschiedene Menschen zur gleichen Zeit unterschiedliche Dinge tun – und er am Schluss gelingt.

1. Ein entscheidender Tropfen zur Erfüllung der Zeit waren die ausgebauten römischen Straßen: Im gesamten Römischen Reich gab es gute Straßen. Diese Straßen waren so stabil, dass sie teilweise bis heute genutzt werden. Der Grund für ihre Langlebigkeit war ihre aufwändige Bauart. Zuerst grub man ein Loch von etwa einem Meter Tiefe, danach wurde der Boden festgestampft und in einer ersten Schicht mit faustgroßen Steinen aufgefüllt. Die zweite Schicht bestand aus Zement und Lehm, die dritte aus Kieselsteinen. Am Schluss folgte eine Schutzschicht aus behauenem Stein. Also sehr aufwändig, vergleichbar mit heutigen Autobahnen.[1] Diese Straßen boten den Römern einen immensen militärischen Vorteil, weil so die Soldaten schneller von einem Ort zum anderen verschoben werden konnten.

Auf diesen Römerstraßen gingen Jesus und die ersten Apostel, um das Evangelium zu verkündigen, die frohe Botschaft und gute Nachricht der Liebe Gottes für uns Menschen. Umgekehrt ausgedrückt: Falls Jesus in einem abgelegenen Sumpfgebiet ohne Straßen auf die Welt gekommen wäre, hätte sich seine Botschaft nicht so schnell verbreiten können.

2. Ein weiterer Tropfen zur Vorbereitung des Kommens Christi in diese Welt war die einheitliche Sprache im Mittelmeerraum: Gott veranlasste es, dass im gesamten Römischen Reich das sogenannte Koiné-Griechisch gesprochen und geschrieben wurde. Koiné bedeutet der „allgemeine“ Dialekt. Das Koiné-Griechisch diente von 300 v. Chr. bis 600 n. Chr. als Welt- und Handelssprache im östlichen Mittelmeerraum, wie heutzutage Englisch die Weltsprache ist. Die meisten Menschen waren zweisprachig und sprachen sowohl ihre eigene Muttersprache als auch Koiné-Griechisch als Zweitsprache.

Das Neue Testament wurde von den Aposteln bewusst in Koiné-Griechisch verfasst, damit möglichst viele Menschen die neue Jesus-Botschaft verstehen konnten. Das griechische Alphabet umfasst 24 Buchstaben.

Bereits die frühesten griechischen Naturphilosophen machten sich Gedanken über den Logos, das göttliche Wort, das die Welt im Innersten zusammenhält. Der Apostel Johannes griff den Begriff Logos auf und formulierte: Im Anfang war das Wort [= der Logos Jesus Christus], und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. […] Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns (Joh. 1,1.2.14a). Dank dieser Einleitung des Johannesevangeliums konnten Griechisch sprechende Menschen sofort verstehen, dass Jesus Gott ist.

Umgekehrt ausgedrückt: Falls Jesus zum Beispiel in Ägypten auf die Welt gekommen wäre und das Neue Testament in Hieroglyphen verfasst worden wäre, hätte es keine so große und schnelle Verbreitung gefunden. Denn die Hieroglyphen bestehen aus 7000 Zeichen und die Schreiber mussten diese Schrift zehn Jahre lang lernen.

3. Ein weiterer wichtiger Tropfen für die Vorbereitung auf das Kommen von Jesus waren die vielen Vorhersagen auf den Messias im Alten Testament: Gott kündigte bereits im Alten Testament den Messias, den kommenden Retter, an. Die Hoffnung auf diesen Helden nährte sich von vielen Weissagungen des Alten Testaments. Unter den Prophetien auf den Messias sind folgende die wohl bekanntesten: Der Prophet Jesaja spricht davon, dass die Jungfrau schwanger werden wird (Jes. 7,14) und ein Kind geboren wird, das gleichzeitig Gott und Mensch ist (Jes. 9,5.6). Micha prophezeite, dass der Messias in Bethlehem geboren werden würde (vergleiche Mi. 5,1).

Umgekehrt ausgedrückt: Falls es im Alten Testament (der Bibel zur Zeit von Jesus) keine Hinweise auf das Kommen des Messias gegeben hätte, hätte Jesus nicht anhand der Heiligen Schrift beweisen können, dass er der verheißene Sohn Gottes war.

Fazit: Gott goss Tropfen für Tropfen seiner Logistik in das große Fass, bis es nach oben hin ganz aufgefüllt war und Weihnachten perfekt vorbereitet war.

Auf drei ganz unterschiedliche Weisen hat Gott die Welt, die er von ihren Sünden retten wollte, auf das Kommen seines Sohnes Jesus Christus vorbereitet: Durch die ausgebauten Römerstraßen, die Weltsprache Koiné-Griechisch und die Hoffnung auf den kommenden Retter im Alten Testament. Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn.


[1]) 1 Meter Schweizer Autobahn kostet 10‘000 Fr., 1 Meter gebohrter Autobahntunnel sogar 300‘000 Fr., www.nzz.ch/articleDEMU1-1.190572.