David Helm: Auslegungspredigten. Wie wir heute Gottes Wort verkündigen.

Dieses Buch aus der Reihe „9 Merkmale gesunder Gemeinden“ verfolgt zwei Ziele: Erstens will es eine Einführung in textauslegendes Predigen vermitteln, und zweitens will es Predigern helfen, zu prüfen, ob sie mit einem Bibelabschnitt angemessen umgehen. Denn mit ihrem Bestreben, vom Abschnitt der Heiligen Schrift rasch zur Anwendung zu kommen, damit man um jeden Preis praktisch predigt und den Bibeltext auf die Gegenwart überträgt, verfallen Prediger leicht in einen notorischen Fehler, den Helm als „blindes Klammern an Kontextualisierung“ bezeichnet.

Kontextualisierung ist ein in der Predigtlehre mittlerweile gängiger Begriff, der eigentlich nichts anderes meint als die Anwendung dessen, was der Bibeltext uns lehrt, auf die heutige Situation – also die praktische Übertragung auf unseren heutigen kulturellen Kontext (zum Beispiel, was Paulus damals zu den Sklaven sagte, gelte demnach analog heute für Arbeitnehmer usw.).

Doch die Kraft einer Predigt liegt nicht in einer womöglich an den Haaren herbeigezogenen „Relevanz“, sondern in der Entfaltung von Gottes Wort – dem Vermitteln der ursprünglichen und zeitlosen Bedeutung und Botschaft, die Gott eingegeben hat.

Auch wenn die Anwendung ein wichtiges Ziel der Predigt ist, darf auf dem Weg dorthin keine Abkürzung genommen werden. Der Weg führt über 1. gründliche Exegese, 2. theologische Reflexion und dann 3. zur Anwendung auf uns heute. Nach diesem dreifachen Schema gliedert der Autor die vier Kapitel seines Buches.

Im ersten Kapitel geht es um die verschiedenen falschen Predigtarten, die sich aus zwanghafter Kontextualisierung ergeben. Dieses Schema findet sich auch in einer Skizze wieder, die in dem Buch mehrfach auftaucht. Diese hilfreiche Grafik, die im Verlauf des Buches nach und nach vervollständigt wird, veranschaulicht den Weg vom Bibelabschnitt über Exegese und theologische Reflexion zur Anwendung. Auch zeigt sie mögliche Fehler, die durch Abkürzungen auf diesem Weg entstehen.

Ein möglicher Fehler ist zum Beispiel das Moralisieren, also wenn der Prediger keinen Bezug zum Evangelium aufzeigt und nicht Christus in seiner Predigt verkündigt. Das ist der Schritt der „theologischen Reflexion“, der im Grunde drei Fragen enthält, die sich der Prediger nach der Exegese, aber vor der Anwendung stellen sollte: 1. Was hat der Bibelabschnitt mit dem Evangelium der Errettung durch Jesus Christus zu tun? 2. Welche Bedeutung hat der Bibelabschnitt im fortschreitenden Heilsplan Gottes? (Diese Frage betrifft die Disziplin der so genannten Biblischen Theologie, der Lehre von den roten Fäden der Bibel und der Heilsgeschichte) und 3. Welche Lehrpunkte der Systematischen Theologie gehen aus dem Bibelabschnitt hervor?

So ausgerüstet kann der Prediger zur Anwendung kommen, mit dem Ziel, die Herzen und das Denken der Hörer zu erreichen und zu verändern. Auch das behandelt Helm ausführlich im vierten Kapitel. Obwohl das Buch mit gut 100 Seiten ziemlich kurz ist, bietet es in seiner Prägnanz ein hervorragendes Handwerkszeug, damit der Prediger ein fähiger, fleißiger und sorgfältiger „Arbeiter“ ist (oder wird), der das Wort der Wahrheit recht teilt (2Tim. 2,15).

David Helm: Auslegungspredigten. Wie wir heute Gottes Wort verkündigen. Betanien Verlag 2018, ISBN 978-3-945716-31-1, Paperback, 109 Seiten, Preis: € 7,90.