Warum Bibelkritik Sünde ist

Was ist die Bibel? [1]

Die Bibel (Altes und Neues Testament) ist zugleich Gotteswort und Menschenwort. Die Apostel und die Propheten haben das aufgeschrieben, was Gott ihnen eingehaucht hat. Jesus spricht: Die Worte, die ich zu euch rede, sind Geist und sind Leben (Joh. 6,63b). Die Worte von Jesus enthalten den Heiligen Geist und führen uns zum ewigen Leben. Deswegen sind sie von höchster Wichtigkeit für Zeit und Ewigkeit und dürfen weder kritisiert noch relativiert oder gar abgelehnt werden.

Warum es sich lohnt, der Bibel zu vertrauen

In der Bibel zeigt Gott uns, wer er ist: der sein Volk liebende Bundesgott, der mit seinen Erwählten eine persönliche Liebesbeziehung führen möchte. Gott segnet uns, wenn wir sein Wort, die Bibel, ernst nehmen und im Leben anzuwenden versuchen. Wir erleben dann täglich, wie Gott in unseren Alltag hineinspricht und uns auf diese Weise ermutigt.

Was ist Bibelkritik?

Die sich als wissenschaftlich ausgebende Bibelkritik wird an vielen staatlichen Universitäten und an einigen Bibelschulen gelehrt. Dadurch dringt sie in Landes- und mittlerweile zunehmend auch in Freikirchen ein. Die Bibelkritik attackiert mit aggressiven, arroganten und atheistischen Methoden die Heilige Schrift. Die Aussagen des Wortes Gottes werden abgeschwächt, verdrängt oder sogar ganz abgelehnt. Die Bibelkritik ist jedoch nicht wissenschaftlich, sondern ideologisch geprägt: Unausgesprochene Vorurteile und Vorentscheidungen, zum Beispiel, dass es Gott gar nicht gibt oder er keine Wunder mehr tun kann, prägen dann üblicherweise die Auslegung der Bibel. Die Bibelkritik entleert somit die biblische Glaubenslehre, und sie leert dadurch auch die Kirchen. Die Bibelkritik hat verheerende Auswirkungen auf den Glauben, die Kirche und die ganze Gesellschaft. Bibelkritik ist unzweideutig Sünde.

Was ist Sünde?

Sünde ist die Trennung von Gott, unser Egoismus und unsere Rebellion gegen Gott. Wörtlich meint Sünde „Zielverfehlung“: Wir verfehlen das Ziel, mit Gott Gemeinschaft zu haben (vergleiche Röm. 3,23). Der nicht an Jesus gläubige Mensch will von Gott unabhängig (autonom) sein. Gott spricht zu uns in der Bibel. Aber wir wollen oftmals nicht auf seine Ermahnungen und Ermutigungen (in der griechischen Sprache ist dies dasselbe Wort) hören.

Entkräftung von Einwänden

Im Folgenden versuche ich einige Einwände zu entkräften. Einige Liberale wenden ein, Christen würden nicht an die Bibel glauben, sondern an Jesus Christus. Einerseits trifft es zu, dass wir an den dreieinigen Gott glauben. Doch andererseits spricht Jesus: Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort befolgen (Joh. 14,23). Das Wort, von dem Jesus hier spricht, ist die ganze Bibel (Altes und Neues Testament). Denn Jesus hat sich immer zum Alten Testament gestellt. Es enthält Voraussagen auf ihn (vergleiche Luk. 24,44). Andere wollen den Heiligen Geist gegen das geschriebene Bibelwort ausspielen: Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig, so rechtfertigen sie ihre Aussage mit einem Zitat aus 2.Korinther 3,6b. Aber dabei geschehen mindestens zwei Denkfehler: Erstens schreibt Paulus diesen Satz in der Bibel. Also wäre es unlogisch, mit der Bibel die Bibel zu kritisieren. Zweitens ist der Zusammenhang entscheidend: Sogar der alttestamentliche Buchstabe, der tötet, war Herrlichkeit (2Kor. 3,7). Nicht die alttestamentlichen Gebote sind unser Problem, sondern das eigene, sündige Herz, das sich nicht an den Geboten Gottes orientieren will. Das alttestamentliche Gesetz aber ist gut (vergleiche Röm. 7,12.16; 1Tim. 1,8).

Einige Theologen verstehen die Antithesen Jesu in der Bergpredigt (Mt. 5,21-48) so, als ob mit den Aussagen Christi, Ich aber sage euch, das Alte Testament relativiert würde. Doch das genaue Gegenteil ist der Fall: Jesus bekräftigt die Gültigkeit des Alten Testaments (vergleiche Mt. 5,17-18). Er spitzt dessen Aussagen sogar noch zu: Bereits zornig zu sein ist in den Augen Gottes ein Töten usw.

Ein Theologieprofessor hat mir einmal in einem persönlichen Gespräch den Einwand genannt, jeder Mensch sei bibelkritisch. Ja, antworte ich, jeder Mensch ist sündig und kann sich niemals ganz an die Bibel halten. Trotzdem kommt es auf die innere Grundhaltung an, ob man die Heilige Schrift mit der eigenen Vernunft kritisiert oder ob man Gottes Wort für sich persönlich als höchste Autorität stehen lässt.

Schluss

Anstatt der Bibelkritik Gehör zu schenken, empfehle ich allen, sich mit der Bibel intensiv zu beschäftigen. Dies kann auf unterschiedliche Weisen erfolgen: Zum Beispiel in einem Hauskreis, in dem man persönliche Fragen geklärt bekommen kann. Unterschiedliche Studienbibeln sind eine wertvolle Hilfe, um schwierigen Versen auf den Grund zu kommen. Wenn man eine Bibelstelle nicht versteht, dann empfiehlt es sich, einfach weiterzulesen. Entweder wird Gott einem die Frage früher oder später beantworten, oder sie verliert ihre Dringlichkeit, oder sie ist eine der großen Lebensfragen, die bestehen bleiben und erst in der Ewigkeit geklärt werden.


[1]) Michael Freiburghaus (Jg. 1986), verheiratet mit Christina, ist seit 2015 Pfarrer in Leutwil-Dürrenäsch, Schweiz. Sein Buch Die Sünde der Bibelkritik: Anfänge, Auswirkungen, Auswege. Niederbüren [Esras.net] 2017, kann über jede Buchhandlung bezogen werden.