Zum Gesetz und zum Zeugnis

Wortverkündigung zu Jesaja 8,19.20

Was ist der Sinn einer theologischen Ausbildungsstätte wie der Akademie für Reformatorische Theologie? Warum nehmen Menschen so viele Mühen auf sich, investieren viel Kraft und Zeit und Geduld und Geld in das Studium, die Ausbildung, den Betrieb einer solchen Einrichtung? Benötigt man das heutzutage überhaupt noch? Wozu brauchen wir Pastoren und Evangelisten? Gibt es nichts Besseres zu tun in unserer Gesellschaft, die gefühlt von einer hysterischen Krise in die nächste stürzt? Müsste man den Problemen des Hier und Heute nicht mit ganz konkreten Maßnahmen begegnen, mit praktischeren, wirksameren Mitteln als der Theologie und dem Evangelium?

Der Prophet Jesaja hat zu seiner Zeit sicher ähnliche Fragen zu hören bekommen: Jesaja, was willst du überhaupt hier? Was willst du mit deiner Arbeit eigentlich ausrichten? Sieh doch, unser Land wird von Feinden bedrängt, vom Nordreich und von Syrien. Wir benötigen jetzt politische Einheit, wir brauchen militärische Stärke, wir begehren Hilfe im befreundeten Ausland! Komme uns jetzt nicht mit dem Gott Israels! Du siehst doch, wohin er uns geführt hat. Wir haben auch auf geistlichem Gebiet Alternativen zu dir und deiner veralteten Botschaft gefunden: Wahrsager und Totenbeschwörer liegen jetzt im Trend. Davon versprechen wir uns etwas. Tritt zur Seite!

Die ersten Kapitel des Buches Jesaja führen uns das Bild einer Gesellschaft vor Augen, die auf dem Weg in den Abgrund ist, weltlich und geistlich. Es ist eine Gesellschaft, die sich von weltlichem Unheil umringt sieht, und die ihrerseits Zuflucht im geistlichen Unheil sucht. Da erstaunt es nicht, mit welchem Ernst und Nachdruck der Herr durch den Propheten Jesaja zu seinem Volk redet, praktisch vom ersten Vers des Buches an.

Die Liste seiner Anklagen gegen Jerusalem ist lang, die Schuld des Volkes groß, sein Urteil sehr schwer. Ephraim (das Nordreich) und Syrien belagern die Stadt, Assyrien lauert im Hintergrund. Umso lauter ertönt gerade in dieser Lage der Ruf zur Umkehr, der Befehl, Hilfe und Rettung nicht bei Menschen und irdischen und sonstigen obskuren Mächten zu suchen, sondern beim Herrn. Jesaja steht mitten in Jerusalem und ruft dem Volk zu: Siehe, ich und die Kinder, die mir der Herr gegeben hat, wir sind Zeichen und Wunder für Israel von dem Herrn der Heerscharen, der auf dem Berg Zion wohnt (Jes. 8,18).

Zeichen und Wunder für Israel. Israel soll hören, Israel soll sehen, und Israel soll glauben. Denn, Israel, der Herr der Heerscharen wohnt doch auf dem Berg Zion, in eurer Mitte. Wisst ihr das denn nicht? Glaubt ihr das nicht? Warum fürchtet ihr euch vor dem Nordreich und vor Syrien, warum sucht ihr ein Bündnis mit den Assyrern? Der Herr ist doch euer Fels und euer Zufluchtsort, und er ist hier, mitten unter euch! Das Licht, nach dem ihr sucht, ist doch so nahe.

Genau darum geht es in unserem Predigtabschnitt. Die Mahnung in Vers 20 ist deutlich: Zum Gesetz und zum Zeugnis! – wenn sie nicht so sprechen, gibt es für sie kein Morgenrot.

Wer auf das Morgenrot wartet, sitzt in der Finsternis. Es wäre sinnlos, etwa am Nachmittag zu sagen, man warte auf die Morgendämmerung. Dies sagt man in der Nacht. Und in einer solchen Nacht befindet sich Juda. Das Ende der Nacht wird durch die Morgendämmerung angekündigt. Aber der Weg zur Morgendämmerung führt über das Gesetz und das Zeugnis. Das sollen dann auch die drei Gliederungspunkte der Predigt über diesen Abschnitt sein:

  1. Die Finsternis
  2. Das Morgenrot
  3. Das Zeugnis

1. Die Finsternis

Das Wort Gottes bezeugt, dass das Volk Gottes von nächtlicher Finsternis umgeben ist: Die Verheißung, dass diejenigen, die sich zum Gesetz und Zeugnis wenden, das Morgenrot sehen werden, setzt voraus, dass es jetzt Nacht ist.

Dieser Zustand wird als etwas eindeutig Negatives geschildert. Die Nacht hat etwas Unheimliches an sich. Die Finsternis beraubt uns unserer Sinne. Wir tappen blind umher, sind orientierungs- und hilflos. Das kleinste Geräusch lässt uns erschaudern, Angst und Unsicherheit machen sich breit.

Von einer solchen Nacht spricht Jesaja. Das war der Zustand Judas zu jener Zeit. Seit dem Einfall des Nordreichs und der mit ihm verbündeten Syrer und der Belagerung Jerusalems irrte das einst so stolze und selbstsichere Juda völlig orientierungslos umher. Sie erschraken vor kleinsten Gerüchten, flüsterten sich Verschwörungstheorien zu und tasteten nach allen möglichen Seiten, ob sie in den Wirren der Zeit nicht irgendwo Halt finden könnten. Und wonach tasteten sie? Wo suchten sie Halt und Hilfe? Von einigen ihrer Stützen hören wir in den vorangehenden Kapiteln. Wir lesen zum Beispiel in Jesaja 3,2.3 etwas über den Helden und den Kriegsmann, den Richter und den Propheten, den Wahrsager und den Ältesten, den Obersten über Fünfzig und den Hochangesehenen, den Ratgeber samt dem Meister in Künsten und den Zauberkundigen. Der Mensch und sein Intellekt und sein Vermögen und seine Werke – das war Stab und Stütze für Juda.

Angesichts der Bedrohung durch die fremden Mächte konzentrierte sich der hilfesuchende Blick schließlich auf Assyrien. Ja, Assyrien wird uns vor unseren Feinden retten! Aber als auch diese Hoffnung immer mehr im Schwinden begriffen war – nicht zuletzt auch durch die entlarvende Verkündigung Jesajas –, als also das Irdische keinen Halt mehr bot, da wandten sie sich dem Okkultismus zu: Sie befragten die Totenbeschwörer und Wahrsager, die flüstern und murmeln! (Jes. 8,19)

Wie tief kann das Volk Gottes noch sinken? Nicht nur, dass es seinem Gott den Rücken zukehrt und den Menschen vergöttert, nein, jetzt macht es sogar gemeinsame Sache mit den Dämonen! Die offizielle Kirche jener Zeit übte sich in Totenbeschwörung und Wahrsagerei!

Der Spruch „Früher war alles besser war schon immer ziemlich fragwürdig, denn im Grunde ist alles, worüber wir heute den Kopf schütteln, in der einen oder anderen Form schon immer dagewesen. Denn all diese Symptome haben eine gemeinsame Ursache, nämlich den hoffnungslos sündigen und verlorenen Zustand des Menschen. Daran hat sich seit Adams Tagen nichts geändert.

Auf irgendjemanden oder irgendetwas wird der natürliche, sündige Mensch sein Vertrauen setzen – auf alles außer auf den einen Gott natürlich. Von irgendwoher wird er Erlösung oder Hilfe oder Fortkommen erwarten; und wenn die eine Instanz versagt, wendet er sich eben an die nächste. Der Markt der selbstgemachten Religionen und Ideologien hält zahllose Angebote bereit; für jeden ist etwas dabei, es gibt keine Grenze, und die Übergänge sind fließend.

Das Wort Gottes spricht an vielen Stellen davon, dass der sündige Mensch in der Finsternis wandelt. Das meint eben die geistliche Finsternis. Der Geist des Menschen ist verfinstert. Er ist blind für die Dinge Gottes, und er tastet in seiner Finsternis umher auf der Suche nach irgendeinem Halt.

Aber neben der geistlichen Blindheit gibt es noch einen anderen Grund für die Finsternis, und das ist Gottes Zorn. Gott überlässt den Sünder nicht einfach seinem Weg, sondern er ist ihm sehr nahe – in seinem Zorn. Der Zorn Gottes ist und bleibt über dem Menschen, der ihm nicht glaubt, und er bleibt auf diesem Menschen über das Gericht hinaus, in welchem der Mensch in die, wie die Schrift es nennt, äußerste Finsternis geworfen wird, in der er nichts weiter vorfinden wird als den unendlichen Zorn des vollkommen gerechten Gottes.

Das Volk zur Zeit Jesajas erlebte in all dem Schrecken und Terror, der über das Land gekommen war, nur einen ganz kleinen Vorgeschmack auf dieses unvorstellbare Elend. Aber immerhin: Sie hatten diesen Vorgeschmack, sie hatten das Wort des Propheten, sie sahen ihn als sichtbares Zeichen vor sich stehen. Und das alles zu dem einen Zweck: um ihnen den Weg durch die Nacht und aus der Nacht heraus in den Tag zu weisen.

2. Das Morgenrot

Damit kommen wir zum zweiten Teil der Predigt und zu der Frage nach der Bedeutung des Morgenrots. Jeder kennt die Redewendung, wonach sich zwei Dinge unterscheiden „wie Tag und Nacht“. Das will so viel heißen wie, dass die beiden nahezu nichts miteinander gemein haben. Diesen Gegensatz finden wir auch in der Bibel wieder, nicht nur in der bekannten rhetorischen Frage des Apostels Paulus an die Korinther: Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? (2Kor. 6,14). Bereits am ersten Schöpfungstag wurde dieser Gegensatz zementiert, an dem Gott das Licht schuf und es von der Finsternis trennte (1Mos. 1,3.4).

Wir haben es also mit einem Grundprinzip zu tun, das in der Schöpfung angelegt ist und anschließend immer wieder als Bild herangezogen wird. So auch in unserem Abschnitt. Das Morgenrot, das in Vers 20 erwähnt ist, bezeichnet ja gerade den Übergang von der Nacht zum Tag. Wenn die Morgendämmerung einsetzt, wenn das erste schwache Rot am Horizont aufleuchtet, dann wissen wir: Die Nacht geht zu Ende, der Tag bricht an. Dieses Naturgesetz ist unerbittlich: Auf das Morgenrot folgt nicht etwa neue Finsternis, sondern definitiv der helle Tag.

Natürlich gibt Jesaja hier keinen Naturkundeunterricht. Das ist uns bereits klargeworden, als wir uns mit der Nacht beschäftigten. Ebenso wie die Nacht bildhaft für den elenden, sündigen, verlorenen, hoffnungslosen Zustand des Volkes steht, so steht das Morgenrot bzw. der Tag bildhaft für dessen Gegenteil.

Zunächst haben wir hier an die unmittelbare Lage im Land zu denken. Ephraim und Syrien bedrohen immer noch Jerusalem, und Assyrien, der vermeintliche Bundesgenosse, wartet nur auf seine eigene Gelegenheit zum Zuschlagen. Angst und Ungewissheit bestimmen den Alltag des Volkes. Wer in dieser Situation das Morgenrot sieht, darf auf Befreiung von den Unterdrückern, auf Frieden, auf Erleichterung hoffen. Das ist die zeitliche, die unmittelbare, die auf der Hand liegende Umwälzung, die mit dem Tagesanbruch einhergeht.

Aber natürlich wissen wir, dass wir nicht bei diesen irdischen, zeitlich und räumlich begrenzten Erklärungen stehenbleiben dürfen. Wir hatten bereits die geistlichen Aspekte der Nacht in Juda betrachtet. Es geht im Grunde gar nicht um Kriege oder Belagerungen oder sonstige irdische Nöte. Das Problem sind nicht die feindlichen Könige, sondern die Sünde ist das Problem. Die Sünde des Volkes ist doch überhaupt erst der Anlass, dass der Herr in seinem gerechten Zorn die feindlichen Mächte als Gerichtswerkzeuge über sein Volk kommen lässt.

Wenn aber in diese Finsternis der Sünde das Morgenrot hineinbricht, dann ist Erlösung nahe. Dann wird im ersten Licht des Tages der Felsen sichtbar, auf dem das Volk Zuflucht nehmen kann: Immanuel-Christus. Ja, es bleibt auch heute nicht aus, es ist immer wieder das Gleiche: Ohne Christus kommt keine Predigt aus, denn er ist der eigentliche Inhalt aller Verkündigung im Alten wie im Neuen Testament. Christus ist das Licht, das in der Finsternis leuchtet (Joh. 1,5), er ist die Sonne der Gerechtigkeit (Mal. 3,20 [4,2]), der Aufgang aus der Höhe (Luk. 1,78). Er kommt aus seiner Erhabenheit in das Elend seines Volkes herab, lädt ihre Sünden auf sich, bezahlt für all ihre Schuld und kauft sie so aus der Gewalt der Finsternis und von dem Zorn Gottes los. Das Morgenrot, das das Volk sehen soll, ist nichts anderes als Jesus Christus. Und die Finsternis mit all ihrem Schrecken verschwindet im Licht seines Heilswerks.

3. Das Zeugnis

Nun klingt das alles wunderbar. Aber sagt Jesaja hier im achten Kapitel nicht sehr deutlich, dass es für dieses Volk gerade kein Morgenrot geben wird? Es gibt für sie kein Morgenrot … es sei denn, sie folgen dem Ruf des Propheten zum Gesetz und zum Zeugnis (8,20). Damit kommen wir zum dritten Teil der Predigt.

Zum Gesetz und zum Zeugnis! Dahin muss das Volk Gottes zurückkehren. Was bedeuten die beiden Begriffe an dieser Stelle? Mit dem Gesetz sind nicht nur die Zehn Gebote gemeint. Im Hebräischen steht hier das Wort Thora. Die Thora umfasst bekanntlich alle Satzungen und Ordnungen, wie sie insbesondere in den fünf Büchern Moses aber auch in den anderen geschichtlichen Büchern des Alten Testaments herausgestellt werden. Das Zeugnis wiederum weist auf die Worte der Propheten hin, denn sie haben dem Volk gegenüber in ganz besonderer Weise Zeugnis von Gott gegeben. Gesetz und Zeugnis meint also alles, was damals als das verbindliche Wort Gottes bekannt war.

Das Volk, das in wirren Ängsten und Spekulationen lebte, das sich sogar dem Okkultismus hingegeben hatte, sollte zurückkehren zum Wort, zur Heiligen Schrift. Und das nicht, weil die Heilige Schrift auf dem Jahrmarkt der Weltreligionen noch das halbwegs Vernünftigste wäre, das man finden könnte, sondern weil dieses Wort wirklich der einzige Weg ist, der das Heil aufzeigt! Erinnern wir uns: Zum Gesetz und zum Zeugnis! – wenn sie nicht so sprechen, gibt es für sie kein Morgenrot. Ohne das Wort Gottes bleibt ihnen das Heil verborgen, und sie bleiben unter dem Gericht.

Es ist interessant, wie aktuell diese Prophetie nach mehr als 2700 Jahren noch immer ist, gerade in unserer sogenannten christlichen Gesellschaft und in der Kirche. Wenn die Begriffe Sünde und Erlösung dort überhaupt noch bekannt sind, wie geht man damit um? Wie meint man Erlösung zu erlangen? Immer wieder muss man feststellen, wie sehr der Blick von Gott und seinem Wort weg und auf den Menschen und sein Können und seine Vernunft gerichtet ist, genau wie damals in Juda. Und folglich muss allerlei unternommen werden, um den Menschen zu stimulieren, um seinen Blick auf sich selbst und seine Kraft zu schärfen. Gegebenenfalls erscheint dazu jedes Mittel recht, solange es nur nicht das Wort Gottes ist. Aber was lesen wir bereits im Heidelberger Katechismus bei der Erklärung des zweiten Gebots, wie Gott sein Volk unterwiesen haben will? Nicht durch stumme Götzen, nicht durch Bilder und Entertainment und Spektakel, nicht durch tränenreiche Appelle und säkulares Geschwätz, sondern wie? Durch die lebendige Predigt seines Wortes!

Woher wollen wir Gewissheit des Heils haben? Wie wollen wir zu Gott kommen, wenn wir ihn nicht in seinem Wort suchen? Jeder Umweg, jede Quelle außerhalb des Wortes Gottes ist in dieser Hinsicht nur unverständliches und nutzloses Flüstern und Murmeln – so verspottet Jesaja die Verkündigung der Wahrsager. Wer auf Offenbarungen und Visionen und Erlebnisse hofft und vertraut, bleibt in der Finsternis sitzen, denn er ist nicht den Weg zum Gesetz und zum Zeugnis gegangen.

Hierin finden wir dann auch die Aufgabe der Kirche – damals wie heute. Die Gemeinde des Herrn hat in dieser Welt den Auftrag: Geht hin in alle Welt und verkündigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! Warum? Darum: Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden (Mk. 16,15.16). Im Evangelium erkennen wir Gott und uns selbst. Im Evangelium wird uns Christus mit seinem Heilswerk vor Augen gestellt. Durch das Evangelium, und nur durch das Evangelium wirkt der Heilige Geist den Glauben, der uns mit Christus vereint und uns somit Anteil an seinem Heil gibt. Der Apostel Paulus schildert in Römer 1,15.16 den Antrieb für eine solche Verkündigung: Darum bin ich bereit, soviel an mir liegt, auch euch in Rom das Evangelium zu verkündigen. Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht; denn es ist Gottes Kraft zur Errettung für jeden, der glaubt… Das Evangelium, das Wort Gottes, ist Gottes Kraft zur Errettung. Im Evangelium erscheint uns das Morgenrot, und wir erkennen Christus, der uns aus unserer Finsternis herausführt in sein herrliches Licht.

Warum verachten so viele Kirchen diese wunderbare Kraft? Warum stellen sie das Evangelium hintenan und widmen sich lieber den sogenannten brennenden Fragen des Alltags? Letztere haben nur am Rande etwas mit der Kirche zu tun. Die Gemeinde hat das Wort Gottes zu verkündigen, sie hat die wunderbare Berufung, verlorene Menschen zu Christus zu bringen und bei ihm zu halten.

Darum ist auch – um auf die Frage am Anfang zurückzukommen – die Ausbildung an der Akademie für Reformatorische Theologie nötig, damit die künftigen Verkündiger des Evangeliums das nötige Rüstzeug für ihren Dienst erhalten.

Zum Gesetz und zum Zeugnis! Das ist kein einmaliger Ruf an Juda. Das ist ein Ruf, den das Volk Gottes beständig hören und dem es ständig folgen muss. Zurück zum Wort Gottes! Sola Scriptura – Allein die Schrift! Das war eine Losung der Reformation, und die gilt noch immer. Ebenso Ecclesia reformata semper reformanda – die reformierte Gemeinde ist eine sich ständig reformierende Gemeinde. Und reformieren heißt nicht wie in der Politik, ständig irgendetwas Neues zu erfinden, sondern wörtlich meint es zurückformen zum ursprünglichen Zustand.

Gerade an einer wissenschaftlichen Einrichtung wie der Akademie für Reformatorische Theologie müssen wir beständig auf der Hut sein und uns die Frage stellen, ob wir noch das Evangelium und gemäß dem Evangelium lehren oder ob wir immer nur dem neuesten akademisch-theologischen Trend hinterherlaufen.

Das gleiche gilt für unsere Gemeinden. Sind unsere Gottesdienste – nein, nicht zeitgemäß, sondern schriftgemäß? Und wie sieht es in unserem Alltag aus, im Beruf, in der Schule, in der Freizeit? Fragen wir auch dort nach dem Wort Gottes? Prägt uns Gottes Wort in unserem Leben? Wachsen wir in der Liebe zu Gott und seinem Wort? Sind wir auch für andere ein Zeugnis? Wir alle wissen, dass das nicht immer so ist. Aber doch gehört das alles dazu, wenn man den Weg zurück zum Gesetz und zum Zeugnis geht.

Zurück zum Wort Gottes, zum ganzen Wort Gottes, und zum Wort Gottes allein, ohne etwas wegzulassen oder hinzuzufügen! Denn in diesem Evangelium, und nur dort, erkennen wir Jesus Christus. Ohne Christus hätten wir nur uns selbst, und das heißt Finsternis und Tod. Christus ist unser Licht und unser Leben, er ist der Weg zum Vater und in die neue Stadt Jerusalem: Und es wird dort keine Nacht mehr sein, und sie bedürfen nicht eines Leuchters, noch des Lichtes der Sonne, denn Gott der Herr erleuchtet sie; und sie werden herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit (Offb. 22,5).

Amen.