In Zeiten höchster Eitelkeiten: Die Aktualität von Luthers Auslegung des Buches Prediger (Teil 4)

Seit dem 31. Oktober 1517, dem Tag, der in die Geschichte als Reformationstag eingegangen ist, befand sich Martin Luther in unerbittlicher Auseinandersetzung mit dem römischen Papsttum und dessen Lehren. Diese Konfrontation spiegelt sich auch in seiner Vorlesung über das Buch Prediger wider, die der Reformator in der zweiten Hälfte des Jahres 1526 hielt.

Im Lauf der zurückliegenden anderthalb Jahrtausende hatten sich zahlreiche christliche Theologen mit diesem alttestamentlichen Buch beschäftigt. Aus ihnen wählte Luther die Auslegung des Hieronymus (347-419/20) aus und trat ihr entgegen.

Hieronymus hatte seinen Predigerkommentar (388/389) mit der Absicht verfasst, die „tugendhafte Jungfrau Blesila“ zu einem weltabgewandten Leben aufzurufen: Salomo lehre, dass das irdische Leben eitel und nichtig ist. Darum ist es am sinnvollsten, so Hieronymus, sich aus der Gemeinschaft der Menschen zurückzuziehen. Zwar ist diese Welt und alles, was in ihr ist, an sich gut, aber verglichen mit Gott ist alles wertlos. In Wahrheit ist alles, was die Menschen umgibt, ein Nichts. Wie unsinnig das Schätzesammeln auf Erden ist und ganz allgemein das Sich-Abmühen in dieser Welt, zeigt sich für ihn an Salomos Anstrengungen um seine eigenen Kinder: Man sieht ja, was dabei herausgekommen ist, also wie ergebnislos deren Erziehung verlaufen ist.1

Demgegenüber besteht Luther darauf, dass diese Welt schon deswegen nicht verachtet werden darf, weil sie Gottes Schöpfung ist: Was Gott geschaffen hat, ist im Prinzip gut. Der häufig im Buch Prediger vorkommende Begriff Eitelkeit [Nichtigkeit] bezieht sich nicht auf das, was man um sich herum wahrnimmt, sondern, so Luther, es geht darum, wie man es wahrnimmt. Der Mensch steht beim Anschauen der Welt in der Versuchung, sein Herz so an das zu hängen, was er erblickt, dass er darüber Gott vergisst.

Salomo, so Luther, ruft nicht dazu auf, aus dieser Welt auszusteigen. Vielmehr verhält es sich umgekehrt: Es geht darum, in dieser Welt sein Leben in der rechten Weise zu führen. Das heißt: vor dem Angesicht Gottes zu leben. In dieser von Nichtigkeit [Eitelkeit] durchzogenen Welt, die dem Tod verfallen ist, sind wir aufgerufen, dem Nächsten zu dienen.

Zu diesem allgemeinen Auftrag gehört der Dienst im politischen Bereich. Gerade die Wichtigkeit dieses Aspekts wurde dem Reformator aus dem Buch Prediger deutlich:2 Denn das Gemeinwesen, so der Reformator, ist von so herausragender Bedeutung, dass es Gottes Wille ist, dass Menschen in diesem Bereich mit Weisheit und Verstand handeln sollen.3

4. Luthers Predigerauslegung als Kritik an der Neuzeit

Im Zuge seiner Auslegung des Buches Prediger konfrontierte sich Luther nicht nur mit der bisherigen Deutung dieses Bibelbuches, sondern er setzte sich auch mit dem Programm auseinander, das in der Renaissance aufkam und dessen geistige Konsequenzen unser Denken und Handeln bis zum heutigen Tag bestimmen.

Als Gott die Reformation schenkte, war bereits seit mehr als hundert Jahren humanistisches Gedankengut aus den nord- und mittelitalienischen Städten über die Alpen gebracht worden. Kern dieser neuen Weltanschauung war: Jedermann soll sein Leben auf die eigenen Möglichkeiten gründen. Wenn er diese verwirklicht, ist er frei.

Eine entsprechende Vorstellung von Freiheit begegnete dem Reformator in den Thesen des Erasmus von Rotterdam. Wenige Monate vor Beginn seiner Auslegung des Buches Prediger hatte er dessen Auffassungen über den freien Willen scharf zurückgewiesen. Noch in seiner Predigerauslegung kam Luther immer wieder auf diese humanistische Eitelkeit zu sprechen.

Aber Freiheitsvorstellungen begegneten dem Reformator auch in den politischen Träumereien der Schwärmer. Deren Führer war in Wittenberg der Aufrührer Karlstadt. Außerdem hatte Luther noch mit den Ideen der Bauern zu ringen, die die Abschaffung ihrer Knechtschaft mit dem Evangelium zu begründen suchten, und erst wenige Monate zuvor in blutigen Schlachten niedergemetzelt worden waren. Nicht zuletzt erblickte der Reformator diese dem Geist der Renaissance entlehnten Gedanken auch in manchen Überlegungen und politischen Vorhaben einiger Landesfürsten, die ihm wohlgesonnen waren.

Freiheits- und Erkenntnisvorstellungen in der Neuzeit

Mit der Auseinandersetzung zwischen Luther und Erasmus über den (un-)freien Willen hatten wir uns bereits im ersten Teil dieser Artikelserie beschäftigt.4 Wenn wir in dieser Ausgabe die Aktualität der Predigerauslegung Luthers für die Neuzeit untersuchen, ist es unerlässlich, sich darüber im Klaren zu sein, dass die gesamte Neuzeit von derartigen Ideen, wie sie Erasmus vertrat, durchzogen ist. Dazu sei nur ein einziger Philosoph erwähnt, und zwar der wohl einflussreichste in der Neuzeit: Immanuel Kant (1724-1804). Dieser Mann vertrat allen Ernstes die Überzeugung, im Grunde gebe es nur ein Gutes, nur einen einzigen Wert, und zwar den guten Willen des Menschen.5

Ungefähr hundert Jahre nach der Auseinandersetzung zwischen Luther und Erasmus entwarf der englische Staatsmann, Rechtsgelehrte und Philosoph Francis Bacon (1561-1626) ein Gesellschaftsprogramm, das, wenn man seinem Grundriss Folge leisten werde, die Menschheit in eine Welt des Glücks und der Freiheit geleitet werde. Seine Zielvorgaben orientierten sich nicht am Reich Gottes, sondern ausdrücklich am Reich des Menschen (regnum hominis).

Francis Bacon erklärte, der Weg zur Verwirklichung dieses Zieles führe über das Erlernen technischer Fähigkeiten. Bacons Ausspruch, „Wissen ist Macht“, ist weltberühmt. Damit wollte er zum Ausdruck bringen, dass der Mensch sich Fertigkeiten aneignen müsse, die ihn in die Lage versetzen, die Natur zu bezähmen und zu überwinden. Bacon dachte hier strikt an auf Erfahrung beruhende Erkenntnis: Eine Erweiterung von empirisch-technischem Wissen ist für ein auf Fortschritt ausgerichtetes Gemeinwesen unverzichtbar. Alles andere Lernen wäre auch nicht Wissenschaft, sondern „Dogmatismus“. Es würde einem angemessenen Studieren (dignity of learning) widersprechen.6

Bezeichnenderweise nannte Bacon das zu errichtende Reich des Menschen auch Haus Salomos.7 Gelegentlich geht er auf Aussagen im Buch Prediger ein. Zum Beispiel erklärt er es als große Verirrung, wenn Leute ihre Studierunwilligkeit mit Versen aus dem Prediger Salomos zu begründen suchen, wie zum Beispiel: Und über dieses hinaus, lass dich warnen, mein Sohn! Des vielen Büchermachens ist kein Ende, und viel Studieren ermüdet den Leib (Pred. 12,12). Auch sei es nicht statthaft, eine solche Einstellung mit Hinweis auf Prediger 1,18 zu rechtfertigen: Wo viel Weisheit ist, da ist auch viel Enttäuschung, und wer sein Wissen mehrt, der mehrt seinen Schmerz. Leute, die so reden, sind in den Augen Bacons nur Hindernisse auf dem Weg zur Errichtung des Reiches des Menschen.

Für seine eigene Wissenschaftsauffassung beruft Bacon sich ebenfalls auf das Buch Salomos. Mit Hinweis auf Prediger 1,8 (Alle Worte sind unzugänglich. Der Mensch kann es nicht in Worten ausdrücken. Das Auge sieht sich nicht satt und das Ohr hört nie genug) sucht er seinen strikt über die Sinneswahrnehmungen beruhenden Wirklichkeitszugang zu untermauern: Salomo lehre hier, dass der Mensch mit den zwei Sinnesorganen, dem Auge und dem Ohr, die Wirklichkeit erfasst.

Immerhin räumt er ein, Salomo mache an dieser Stelle auch deutlich, dass die menschlichen Sinne niemals mit dem Erforschen zu einem Ende gelangen.

Neben der zitierten Aussage aus Prediger 1,8 weist Bacon dafür auch hin auf Prediger 3,11: Gott hat alles vortrefflich gemacht zu seiner Zeit, auch die Ewigkeit hat er ihnen ins Herz gelegt – nur dass der Mensch das Werk, das Gott getan hat, nicht von Anfang bis zu Ende ergründen kann.

Von daher kann Bacon nicht völlig zurückweisen, dass der Mensch die Wirklichkeit niemals mit seinen Sinnen allein umfassend erkennen kann. Auch Prediger 8,16.17 weist ihn in diese Richtung: Als ich mein Herz darauf richtete, die Weisheit zu erlernen und das geschäftige Treiben zu betrachten, das sich auf Erden abspielt, sodass einer seinen Augen weder bei Tag noch bei Nacht Schlaf gönnt – da sah ich an dem ganzen Werk Gottes, dass der Mensch das Werk nicht ergründen kann, das geschieht unter der Sonne; obwohl der Mensch sich Mühe gibt, es zu erforschen, so kann er es nicht ergründen; und wenn auch der Weise behauptet, er verstehe es, so kann er es dennoch nicht ergründen.

Aber von seinem Erkenntnisideal, durch sinnliche Erfahrung die Wirklichkeit zu erfassen, ließ er sich nicht abbringen.

Tatsächlich hat Bacon entscheidend den Weg dafür geebnet, dass man bis zum heutigen Tag die Überzeugung vertritt, die Welt lasse sich allein durch Erfahrung sowie durch die Vernunft erkennen. Seit Bacon besteht das wissenschaftliche Erkenntnisideal darin, ohne Gottes Offenbarung, also ohne die Heilige Schrift, die Wirklichkeit erfassen zu können.

Es ist gerade erst etwas mehr als hundert Jahre her, dass ein deutscher Gelehrter die Ansicht vertrat, es seien zwar noch nicht alle Welträtsel gelöst, aber es sei nur noch eine Frage von wenigen Jahrzehnten bis dieses Ziel erreicht sei.8 Solche Erwartungen wurden von der intellektuellen Elite Deutschlands noch vor wenigen Jahrzehnten nicht nur begierig aufgenommen, sondern tatsächlich geglaubt.

Skeptizismus und Verzweiflung in der Neuzeit

In vieler Hinsicht steht heute, im Zeitalter der Postmoderne, der Glaube an einen durch Menschen gemachten Fortschritt unter einem radikalen Zweifel. Heutzutage erscheinen uns derartige optimistische Prognosen wie ein Märchen aus einer anderen Welt. Das, was man durch die Vernunft und durch die Sinne erfassen kann, kommt uns gegenwärtig vielfach fragwürdig vor. Nicht nur ist es völlig strittig geworden, was denn „Fortschritt“ eigentlich ist, sondern das, was wir jahrhundertelang ehrfurchtsvoll als „Wissenschaft“ bezeichnet haben, erscheint uns heute lediglich noch ein konstruktivistisches Sprachspiel (Habermas) zu sein. Es imponiert nur deswegen, weil sich immer noch so viele daran beteiligen.

Nun ist das Misstrauen gegenüber den Erkenntnismöglichkeiten der Wirklichkeit nicht wirklich neu. Tatsächlich ist bereits am Beginn der Neuzeit, und zwar parallel zu den Erwartungen, die Menschheit würde sich durch Wissenschaft und Technik in ein Paradies emporarbeiten, Skepsis gegenüber den menschlichen Erkenntnisfähigkeiten anzutreffen. So verhielt es sich bereits zur Zeit Luthers.

Niemand Geringerer als Erasmus von Rotterdam verfasste eine Schrift mit dem Titel Lob der Torheit (1509). Darin vertrat der Autor die Überzeugung, der Mensch täusche sich gewaltig über sein Wissensvermögen. Vor allem: Viel Wissen anzuhäufen, bringe gar nichts. Genau dies, so Erasmus, lehrt auch der Prediger Salomo: „Mit seinem Ausspruch Eitelkeit der Eitelkeiten, alles ist eitel, hat er [Salomo] gewiss nichts anderes sagen wollen, als wenn wir etwa sagen, das menschliche Leben sei nur eine Schaustellung der Torheit. [….] Damit bestätigt er doch klar, dass das Leben ohne Torheit keinen Genuss bietet. Dazu passt das Wort: Wer Wissen bringt, bringt Schmerz, und ein wacher Sinn bringt viel Ärger [Pred. 1,18]. Bezeugt der treffliche Prediger im 7. Kapitel [V. 5] nicht dasselbe: Im Herzen der Weisen wohnt Trauer, im Herzen der Toren Frohlocken. […] Sollte ich euch nicht glaubwürdig genug sein, hört die Worte dessen, der im 1. Kapitel schrieb: Ich habe mein Herz dahingegeben, um Klugheit und Wissen, Irrtümer und Torheit zu erfahren. Man muss wohl erkennen, wie er am Schluss hier der Torheit einen Vorzugsplatz gibt.“9

Dieser hier bereits ansatzweise zum Ausdruck kommende Erkenntnis- und Lebensskeptizismus fand in der Renaissance weite Verbreitung. Als Beispiel kann der sehr einflussreiche Schriftsteller Michel de Montaigne (1533-1592) dienen. Zeit seines Lebens beschäftigte er sich mit der Bedeutung der Weisheit für die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit sowie mit den Grenzen des Wissens und nicht zuletzt mit der Eitelkeit [Nichtigkeit] des Lebens.

In seinen Essays, die nicht selten von einem wehleidigen Selbstmitleid durchzogen sind, griff Montaigne immer wieder auf das Buch Prediger zurück:10 Vor ihm habe bereits Salomo erkannt, dass in viel Weisheit auch viel Enttäuschung steckt, und dass der, der sein Wissen mehrt, auch seinen Schmerz vergrößert (Pred. 1,18). Die Botschaft des Buches Prediger sieht er zusammengefasst in der Devise, die er sich als Lebensmotto zu eigen macht: Akzeptiere Tag für Tag alle Dinge so wie sie sich zeigen und wie sie schmecken. Der Rest ist jenseits der Grenzen unseres Erkennens.

Im 18. Jahrhundert, also in der Epoche, die als Aufklärung bezeichnet wird, existierte parallel zu dem grenzenlosen Vertrauen auf die menschliche Vernunft ebenfalls die Überzeugung, dass das menschliche Leben einer Odyssee gleichkommt. Angesichts dessen, dass man sein Leben als eine Irrfahrt erlebt, wird es gegen Ende des 18. Jahrhunderts geradezu Mode, bei dem Aussprechen des Wortes „Mensch“ in Tränen auszubrechen.

Auch in dieser Epoche zeigte sich Interesse an dem Buch Prediger. Typisch ist die Deutung dieses Buches durch den Zyniker Voltaire. Im Jahr 1756 richtete die einflussreiche Mätresse des französischen Königs Ludwig XV, Madame de Pompadour, an Voltaire den Wunsch, ihr eine Erläuterung zu den Psalmen zu verfassen. Voltaire schlug diese Bitte mit der ironischen Bemerkung ab, für die Psalmen sei er nicht der geeignete Mann. Stattdessen verfasste er wenig später unaufgefordert eine Erläuterung zu zwei anderen biblischen Büchern, und zwar zum Buch Prediger und zum Hohelied.11 Offensichtlich war er also der Meinung, mit den Inhalten dieser beiden Bibelbücher könne er mehr anfangen. Das Hohelied legte Voltaire im Sinn einer frivol-amourösen Liebschaft aus, also so ähnlich, wie man heutzutage bis hinein in evangelikale Kreise meint, dieses Buch aus dem Wort Gottes deuten zu müssen.

Das Buch Prediger, das Voltaire teilweise aus dem Hebräischen übersetzte, ordnete er nach von ihm festgelegten Themen. Unter anderem gehörten dazu das „Misstrauen gegenüber der menschlichen Erkenntnis“ sowie die „Vergänglichkeit“ und der „Tod“.12

Die weitere Geschichte der Interpretation des Buches Prediger in der Neuzeit zeigt, dass man in diesem Buch immer mehr eine Lebenseinstellung fand, die von Überdruss, Hoffnungslosigkeit bis hin zum Nihilismus getragen ist.

Beispielhaft dafür ist der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway (1899-1961). Er wuchs in einer Umgebung auf, in der ihn seine Mutter als Kind die Bibel lehrte. Aber dann wandte er sich vom christlichen Glauben ab. Er wurde Existentialist. Von dieser Lebenseinstellung war er so gefangen, dass er sein Leben im Alkohol zu ertränken suchte. Schlussendlich beging er Selbstmord. Zahlreiche seiner Novellen klingen bereits im Titel an Aussagen aus dem Buch Prediger an. 13

Zum Verständnis des Buches Prediger unter modernen Theologen

Die für die Neuzeit so charakteristische Widersprüchlichkeit zwischen einerseits einem nahezu unbändigen Optimismus gegenüber dem menschlichen Erkenntnisvermögen und andererseits einem tiefen Misstrauen gegenüber allen Bemühungen, durch die Methoden der neuzeitlichen Wissenschaft die Wirklichkeit adäquat zu erfassen, zeigt sich vollumfänglich auch in der modernen Theologie.

Illustrativ ist hierfür Ernest Renan (1823-1892). Dieser französische Theologe machte sich vor allem einen Namen durch sein sieben Bände umfassendes Werk zu den Anfängen des Christentums. Davon sind seine Ausführungen zum Leben Jesu der bekannteste und berüchtigtste Teil.14

Renan arbeitete historisch-kritisch. Das allein ist für das 19. Jahrhundert nicht wirklich überraschend. Was aber bei diesem Theologen erstaunt, ist die Hartnäckigkeit, mit der er die Überzeugung vertrat, die Art und Weise wie er argumentiere, sei das einzig mögliche Arbeiten, das es verdient, „wissenschaftlich“ genannt zu werden. Seine Schriften sind durchzogen von einem erstaunlich verblüffenden Triumphgefühl im Blick auf die Erwartungen, die kraft der „Wissenschaft“ bald in der Menschheit verwirklicht würden. Es überrascht nicht, dass es zu seinem Glaubensbekenntnis gehörte, dass „wir, die wir die Kunst, die Wissenschaft und die Philosophie besitzen, die Kirche nicht mehr benötigen“. Inzwischen sind eigentlich sämtliche seiner vertretenen „wissenschaftlichen“ Thesen widerlegt bzw. überholt.

Interessant ist, dass Renan auch einen Kommentar zum Buch Prediger verfasste. Auch in diesem Buch zeigt sich sein ungetrübtes Vertrauen in die historische Kritik als der einzig wahren Methode für wissenschaftliches Arbeiten.

Das Problem allerdings ist, dass Renan gerade im Buch Prediger inhaltlich immer wieder mit einer Einsicht konfrontiert wurde, die er selbst als „Skepsis“ bezeichnete. Ein Satz aus der Einleitung seines Kommentars macht das deutlich: „Das Buch Prediger zeigt, dass das Volk nach außen völlig beherrscht wurde durch die große Leidenschaft nach der Gerechtigkeit und dass es Gottes Ehre leidenschaftlich suchte, doch auch seine Stunden von Skepsis kannte.“15

In genau dieser Spannung sieht Renan das Thema des Predigerbuches. Seines Erachtens besteht die Absicht dieses Buches nicht unbedingt darin, dass sich der Mensch von seinen religiösen Bindungen lösen solle, aber er möge auf gar keinen Fall meinen, dass sich durch Glauben irgendetwas ändert. Auch die Hoffnung auf ein Leben nach diesem Leben ist, so interpretiert Renan das Buch Prediger, eine Illusion: Die menschliche Lebenszeit nimmt ihren Lauf, und am Ende steht der Tod, an dem sich alles ins Nichts auflöst. In der gesamten Weltliteratur, so Renan, gibt es kein Buch, das so nachdrücklich und so konsequent die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens mit allen seinen Werten und Idealen vor Augen führt: Über die menschlichen Erkenntnismöglichkeiten verkündigt dieses Buch, dass man allem, was behauptet wird, auch widersprechen kann. Es gibt also nichts Absolutes. Kurzum: Das Buch Prediger, so Renan, lehrt Relativismus, Zweifel und Erkenntnisskepsis.

Allerdings fällt Renan auf, dass das Buch Prediger irgendwie anders geschrieben ist, als ein Durchschnittszweifler heutzutage sprechen würde: Nirgends sei die Frivolität eines Voltaire zu erkennen oder die lässige Leichtfertigkeit eines Heinrich Heine. Hier spricht, so Renan, eine würdevolle, fürstliche Figur. Es ist der Angehörige eines Volkes, in dem es entscheidend um Gerechtigkeit geht. Aber im Unterschied zu den glutvollen Klagen der Propheten und den unerbittlichen Protesten der Zeloten ist bei dem Verfasser des Buches Prediger alles von Gleichmut getragen.16 Renan tut sich schwer damit, diese ihm rätselhaft vorkommende Lebenseinstellung zu erklären. Er stellt dies lediglich verwundert fest, ohne weiter zu fragen.

Halten wir fest: Bei Renan ist im Kern derselbe Zugang zur Heiligen Schrift festzustellen, den Luther bereits bei Erasmus analysierte. Hier schreibt ein ambitionierter Gelehrter, und zwar als grammaticus und poeta.17 Das heißt, hier klopft jemand einen „Text“ unter ästhetisch-linguistischen Fragestellungen ab. Renan nähert sich diesem Buch aus dem Wort Gottes als Literaturwissenschaftler: Das Ziel seiner Tätigkeit besteht darin, ein Dokument aus einer lange zurückliegenden, verflossenen Zeit zu verstehen.

Natürlich blieb ihm durch diesen methodologischen Tunnelblick das Buch Prediger als Teil der von Gott gegebenen Offenbarung Gottes verschlossen. Anders gesagt: Dieser Theologe blieb blind und taub dafür, dass Gott den Menschen durch sein Wort beschenken will. Ein Heilsmittel, wie es das Wort Gottes bei den Reformatoren war, wurde die Bibel für ihn nicht. Durch seine Methodik wurde es unmöglich, dass er beim Lesen die Grenze zwischen Tod und Leben, zwischen Zeit und Ewigkeit überschreiten konnte.18

Im Kern ist genau das bis zum heutigen Tag das katastrophale Resultat der historisch-kritischen Zugangsweise zum Wort Gottes. Nicht nur haben die auf diese Weise gefundenen „wissenschaftlich gesicherten Forschungsergebnisse“ eine recht kurze Halbwertszeit. Sie besteht in der Regel nur solange, bis irgendein anderer literaturwissenschaftlich Arbeitender sie mit dem von ihm erstellten Bild austauscht. Außerdem sind bei Licht betrachtet diese „Resultate“ auch entsetzlich langweilig.

Aber halten wir fest: Mit seiner Interpretation des Buches Prediger legte der französische Theologe die Schienen, in der dieses Buch bis hinein in unsere Zeit von Theologen ausgelegt wird.19

Luther und die Skepsis bei E. Wölfel

Anstatt auf eine Vielzahl von entsprechenden neuzeitlichen Arbeiten einzugehen, sei nur auf eine einzige Arbeit hingewiesen. Diese beschäftigt sich ausdrücklich mit der Predigerauslegung Luthers. Es handelt sich um die in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts verfasste Dissertation von Eberhard Wölfel mit dem bezeichnenden Titel Luther und die Skepsis.20

Bevor Wölfel auf Luthers Auslegung eingeht, beginnt er mit einer eigenen Auslegung. Darin wird von vornherein ausgeblendet, dass der Prediger zu den Schriften gehört, die von Gott inspiriert worden sind. Dass Salomo der Verfasser dieses Buches sein soll, wird mit den üblichen Argumenten aus dem historisch-kritischen Arsenal bestritten. Stattdessen ordnet Wölfel das Buch Prediger in die Welt der nachexilischen jüdischen Weisheitsliteratur ein, natürlich so, wie er sich vor fast 60 Jahren das Judentum jener Epoche vorstellte.

Demnach herrschte anfangs die Überzeugung, ein Leben in Übereinstimmung mit der Weisheit, die aus dem Gesetz Gottes erwächst, führe zum Segen Gottes und bringe Lebenserfolg. Diese Einstellung, so Wölfel, wurde dem Verfasser des Predigerbuches zum Problem: Alle Anstrengungen, glücklich zu werden, stellen sich ihm als sinnlos dar. Alles Mühen, dem Leben einen Sinn zu verleihen, enden im Nichts. Wenn aber das Mühen um eine gute Lebensführung von Gott nicht prämiert wird, wenn also ein derartiges Leben überhaupt keinen greifbaren Vorteil bringt, dann ist daraus als einzig redliche Folgerung der Schluss zu ziehen, dass die traditionelle Weisheitslehre des Judentums irrig ist. Durch diese Erkenntnis, so Wölfel, ist dem Verfasser des Predigerbuches die Grundlage für Religiosität und für Sittlichkeit zerbrochen. Ihm ist das Fundament seines Lebens zerstört worden, sodass nun bei ihm alles unter einem radikalen Zweifel steht.

Wölfel will zwar nicht davon sprechen, dass im Buch Prediger eine Philosophie zu finden sei, aber er meint, aus diesem Buch lasse sich eine Weltanschauung ableiten. Diese dreht sich, so Wölfel, um den Begriff „Schicksal“, und zwar vorrangig verstanden als Todesschicksal. Immerhin sei in dem Predigerbuch zu lesen: Das Schicksal des Menschen ist gleich dem Schicksal der Tiere. Die einen sterben so wie die anderen, und sie haben einerlei Odem (Pred. 3,19). Der Unterschied zwischen Mensch und Tier bestehe demnach darin, dass der Mensch an diesem seinem unveränderlichen Todesschicksal leidet, das Tier nicht. Außerdem kränke es den menschlichen Geist, dass er das Leben in seiner Gesamtheit nicht zu durchschauen vermag (mit Hinweis auf Pred. 9,11).

Neben dem Begriff „Schicksal“ widmet Wölfel dem Aspekt der „Zeit“ Aufmerksamkeit: Dazu weist er hin auf Prediger 3: Alles hat seine festgesetzte Zeit, und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Zeit. Die Schlussfolgerung von Wölfel lautet: Sowohl durch sein „(Todes-)schicksal“ als auch durch die „Zeit“ erfährt der Mensch sein Geknechtetsein. Denn diese beiden Mächte bedeuten den Bankrott für jegliches menschliche Mühen und Streben.

In dieser Welt, so Wölfel, sei auch nirgendwo Gerechtigkeit zu finden. Wer in dieser Welt die Absicht habe, der Gerechtigkeit nachzujagen, jage einem eitlen Traumbild hinterher. In Wahrheit sei das Buch Prediger die Bankrotterklärung jeder Ethik, denn es gebe nun einmal keinerlei bleibende, unvergängliche, ewige Werte. Das einzige, was dem Menschen übrigbleibe, sei Opportunismus. Das Buch Prediger lehre reine Nützlichkeitsüberlegungen, mit Hilfe derer man sich irgendwie durchs Leben schlingert. Entscheidend dabei sei der Eigennutz. Denn es heiße: Alles Schuften, Mühen des Menschen ist für seinen Mund (Hinweis auf Pred. 6,7). Die angesichts des irdischen, vergänglichen und stofflichen Bestehens überall anzutreffenden Grenzerfahrungen verlangten geradezu eine ich-zentrierte Lebenseinstellung. Wenn man aus dem Buch Prediger ein Lebensmotto ableiten wollte, könne es nach Auffassung Wölfels nur lauten: Pflücke den Tag und genieße das, was zu genießen ist.

Von einem persönlichen Gott, der mit dem Menschen einen Bund geschlossen hat, ist, so Wölfel, im Buch Prediger nichts zu finden. Die Gottesvorstellung des Autors sei vielmehr von Fatalismus und Schicksalsglauben bestimmt: Vielleicht könne man irgendwie abstrakt die Behauptung aufstellen, der im Buch Prediger verkündigte Gott würde alles lenken. Aber in der konkreten Lebenserfahrung erscheine dieser Gott als ein willkürlicher, unberechenbarer, vielfach grausamer Despot. Im Buch Prediger sei Gott zu einer namenlosen, anonymen Macht geworden, von der der Mensch außerdem noch durch den Tod getrennt ist. Jeder, der sich im Gebet an diesen Gott wenden wolle, müsse sich darüber im Klaren sein, dass sein Klagen und Flehen in tödlichem Schweigen des Nichts verklingt.

Vom Boden dieser Auslegung findet Wölfel natürlich keinerlei Zugang zu Luthers Kommentar des Buches Prediger. Dabei geht es nicht um Einzelkritik an Luther, etwa daran, dass Luther doch tatsächlich noch der Meinung gewesen sei, der König Salomo sei der Verfasser des Buches Prediger gewesen. Vielmehr begegnet er der gesamten „Verchristlichung des Alten Testamentes“ durch den Reformator mit Kopfschütteln.21 Leider, so Wölfel, habe Luther dadurch keinerlei Zugang zu der Skepsis in diesem Buch gefunden, sondern das Bibelbuch zu einem „Reservoir reformatorischer Einsichten” gemacht.

Wölfel steht mit seiner Auslegung natürlich vor dem Problem, dass Abschnitte sowie zentrale Aussagen des Buches Prediger kaum oder gar nicht mit der von ihm vertretenen Interpretation übereinstimmen, oder dass sie ihr sogar direkt widersprechen.

Am greifbarsten wird dies an den Schlussversen des Buches Prediger. In ihnen, so heißt es ausdrücklich, ist die Zusammenfassung der Lehre enthalten: Lasst uns die Summe aller Lehre hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das macht den ganzen Menschen aus. Denn Gott wird jedes Werk vor ein Gericht bringen, samt allem Verborgenen, es sei gut oder böse (Pred. 12,13.14).

Aber auf diesen Einwand hat der historisch-kritisch geschulte Wölfel sogleich eine Antwort parat: Diesen erbaulichen Schluss habe ein Redaktor später hinzugefügt, um die Botschaft des Buches Prediger zu glätten, damit der gute Name von Prediger als Weisheitslehrer nicht allzu sehr diskreditiert werde.

Es ist deutlich: Wölfel zwängt die Aussage dieses Bibelbuches in ein bereits vorher feststehendes Bild hinein. Alles, was da nicht hineinpasst, erklärt er zu einem späteren Zusatz. Von daher erübrigt es sich, sich im Einzelnen ernsthaft mit seiner Deutung auseinanderzusetzen.

Ein gottesfürchtiges Leben führen angesichts der Nichtigkeit des Lebens

Wesentlich lohnender ist es, im Anschluss an die Skizzierung, wie in der Neuzeit das Buch Prediger gedeutet wurde, zu Luthers Predigerkommentar zurückzukommen und im Licht seiner Auslegung die neuzeitlichen Interpretationen in den Blick zu nehmen.

Beginnen wir mit der Frage: Warum landete der Reformator bei seinen Bemühungen um das Verstehen des Buches Prediger nicht in Resignation, Lebensverzweiflung und Nihilismus? Gerade in diesen Monaten, namentlich ab dem Herbst 1526 und dann besonders im Jahr 1527 wurde Luther von heftigsten Schwermutattacken befallen.22 Hätte nicht gerade in dieser Situation die Botschaft, dass alles nichtig, trügerisch, irreführend, eben eitel und nichtig ist, ihm „Unterstützung“ in seinen Depressionsschüben bieten können?

In den zwölf Kapiteln des Predigerbuches kommt der Begriff eitel [nichtig] 38mal vor. Er ist also nicht zu übersehen. Salomo bezieht dieses Wort auf sämtliche Lebensentwürfe. Gleichgültig, ob man sein Leben mit intellektuellen Mühen ausfüllt (Pred. 1,17b.18), oder sich in Vergnügungen und Spaßerlebnisse stürzt (Pred. 2,1.2), oder ob man diese Welt mit tatkräftigem Wirken nach den eigenen Vorstellungen gestaltet (Pred. 2,11), das Endergebnis ist stets gleichlautend: Alles ist nichtig (Pred. 2,17). Hinzu kommen noch die Aussagen: Alles ist ein Haschen nach Wind (Pred. 1,14.17; 2,11.17.26; 4,4.6.16; 6,9). Warum stürzte eine solche Botschaft den angefochtenen Reformator nicht in Verzweiflung?

Während Luther das Buch Prediger kommentierte, verschloss er ganz sicher nicht vor diesen Aussagen die Augen. Luther war klar, aus dem Buch Prediger geht unzweideutig hervor, dass in dieser Welt alles menschliche Planen und Machen der Vergänglichkeit und dem Tod unterworfen ist. Nicht zuletzt die Entwürfe derjenigen, die auf die Möglichkeiten des Menschen bauen und mit ihren gesellschaftspolitischen Vorstellungen die Menschheit meinen beglücken zu sollen, gehören für ihn in das Reich der Eitelkeit [regnum vanitatis].

Aber das ist eben nicht alles, was Luther in diesem Buch aus der Heiligen Schrift erkennt. Für den Reformator ist es eine Selbstverständlichkeit, das Buch Prediger im Gesamtrahmen des Wortes Gottes auszulegen, also das zu machen, was Wölfel als „Verchristlichung des Alten Testamentes“ bezeichnet.

Von daher weiß der Reformator, dass es nicht nur das Reich unter der Sonne gibt, sondern auch das Reich über der Sonne. Neben der zeitlichen, geschichtlichen Welt gibt es den Himmel, die Ewigkeit.

Auch ist dem Reformator klar, dass die Todesverfallenheit dieser Welt nicht von Anfang an zur Schöpfung gehörte. Vielmehr trat der Tod erst durch die Sünde in die Welt (Röm. 5,12). Schließlich weiß er auch, dass die Nichtigkeit dieser Welt nicht das Letzte sein wird. In der Gegenwart ist zwar diese Welt der Nichtigkeit unterworfen, aber sie ist es auf Hoffnung hin (Röm. 8,20).

Mit anderen Worten: Am Anfang stand eine sehr gute Schöpfung, danach kam der Sündenfall, durch die diese Welt in Tod und Nichtigkeit gerissen wurde, und einmal wird eine Welt kommen, in der es keinen Tod und keine Tränen mehr geben wird.

Für Luther heißt dieser Bezugsrahmen: In den Unvollkommenheiten dieser Welt, nein, in den Schrecklichkeiten dieser Welt, sind wir aufgerufen, im Glauben und in der Hoffnung zu leben, das heißt, diese Welt zu überwinden und in ihr auszuharren (Röm. 8,39; 5,3).

Dadurch, dass Luther das Buch Prediger nicht von der Gesamtoffenbarung Gottes isoliert liest, ergibt sich für sein Verständnis des Buches Prediger eine völlig andere Perspektive. Dieses Buch hält dazu an, in dieser eitlen, nichtigen Welt in Gottesfurcht zu leben.

Genau das verkündet auch Salomo selbst als Zusammenfassung: Das letzte Wort über uns, auch über das Verborgene unseres Lebens, wird nicht die Geschichte sprechen, nicht das, was unter der Sonne passiert, sondern Gott (Pred. 12,13.14).

Das ist der Grund, warum der Gottesfürchtige in dieser Welt nicht resigniert, warum er nicht aussteigt, sondern seinen Nächsten liebt, und zwar auch dann, wenn er desillusioniert feststellen muss, dass seine Liebe nicht beantwortet wird. Obwohl also diese Welt der Nichtigkeit und der Eitelkeit unterworfen ist, obwohl alles in der Geschichte vergänglich ist und dem Tod entgegengeht, sieht Luther das Buch Prediger in dem Aufruf zusammengefasst: „Verlass die Schlachtreihen nicht!“23

Im Übrigen hat Gott in dieser gefallenen, dem Tode ausgelieferten Welt seine Ordnungen gegeben. Diese Ordnungen ermöglichen es, unter der Sonne ein lebenswertes Leben zu führen. Das ist ebenfalls ein Grund, warum der gottesfürchtige Mensch in dieser nichtigen, von Ungerechtigkeit durchsetzten Welt nicht verzweifelt und das Feld nicht den Gesetzlosen überlässt (Pred. 8,12.13).

So ist das Buch Prediger für Luther wahrlich keine Anleitung zu einer Lebensführung, die von Skepsis und Torheit bestimmt ist (Hinweis auf Pred. 9,16-18). Das Buch empfiehlt allerdings auch nicht ein eindimensionales, auf Vergnügen und Spaßhaben orientiertes Leben. Vielmehr ist es ein Buch, das dazu aufruft, in dieser Welt weise zu sein und angesichts der Ewigkeit ein Leben in Fröhlichkeit und Gelassenheit zu führen, sich nicht von allem, was uns hier zugefügt wird, unterkriegen zu lassen, sondern das irdische Leben im Glauben an Gott anzunehmen (Hinweis auf Pred. 3,11,14).

Darum dürfen wir in dieser gefallenen Welt das uns vom Schöpfer geschenkte Gute genießen, also unser Eigentum (Pred. 6,2.3 [5,18.19]) und – darauf legt Salomo mehrfach seinen Finger – genussvoll essen und trinken (Pred. 2,24.25; 3,12.13; 5,17 [5,18]).

Der Aufbau des Buches Prediger

Gehen wir einmal in Anlehnung an Luther die Gedankenführung des Buches Prediger skizzenhaft durch.

Trotz der einleitenden Aussage über die umfassende Nichtigkeit fällt dem Reformator auf, dass Salomo gleich darauf nicht auf die Düsternis des Nichts verweist. Stattdessen macht Salomo auf die Sonne aufmerksam.

Während in den Predigerkommentaren neuzeitlicher Theologen die Aussage, dass die Sonne auf und untergeht und sie an ihren Ort eilt, wo sie aufgehen soll (Pred. 1,5) als ein sinnleeres („kontingentes“) Naturphänomen interpretiert wird, gewissermaßen als eine tagaus, tagein erfolgende bedeutungslose „Fronarbeit“ der Sonne, sieht Luther in Salomos Hinweis auf den strahlenden Glanz der Sonne und ihr regelmäßiges Auf- und Untergehen ein Zeichen für Gottes Beständigkeit, für seine Zuverlässigkeit und für seine Treue zu dieser Schöpfung. Anders gesagt: In dem Hinweis auf die Sonne nimmt Luther einen Fingerzeig Gottes auf seine Schöpfungsordnungen wahr, die ein Leben in dieser Welt ermöglichen, und zwar obwohl diese Welt an sich nichtig ist.

Wenn Salomo davon spricht, so Luther, dass durch das Werk der Sonne die Flüsse, die ins Meer fließen, in der Gestalt von Wolken von dort wieder zu den Bergen gelangen, um dann als Regen auf die Erde herabzurieseln (Pred. 1,6.7), ist dieser durch die Sonne verursachte Wasserkreislauf ein Hinweis darauf, dass in dieser Welt nicht alles unberechenbar und willkürlich geschieht. Trotz der umfassenden Nichtigkeit dieser Welt hat der Schöpfer in ihr Ordnungen gegeben, sodass nicht alles regellos und zufällig verläuft. Wenn man so will: Gott hat unter der Sonne Feststehendes gegeben, Wahrheiten, die von uns unter keinen Umständen ignoriert oder verachtet werden dürfen.

Diese Doppelperspektive, einerseits die alles durchziehende Nichtigkeit dieser Welt und andererseits die von Gott gegebenen Ordnungen, ist für den Reformator das Thema des gesamten Buches.

Das heißt einerseits: Was auch immer der Mensch unter der Sonne sich für einen Lebensentwurf bastelt, er wird darin stets das Eine erkennen, nämlich dass alles nichtig [eitel] ist und ein Haschen nach Wind. Andererseits dokumentieren sowohl die regelmäßigen Abläufe innerhalb dieser Schöpfung, als auch die zeitliche Strukturierung der Wirklichkeit (siehe Pred. 3,1ff), dass in dieser Welt keineswegs alles beliebig und willkürlich abläuft. Vielmehr ist der Mensch dazu berufen, trotz Misserfolgen und Rückschlägen innerhalb der von Gott gesetzten Schöpfungsordnungen sein Leben zu führen im Angesicht der Ewigkeit (Pred. 1,4 – 3,15).

Im gesamten weiteren Verlauf des Buches vertieft Salomo diese Einsicht. Dazu trägt er in Form von knapp formulierten Denksprüchen Beobachtungen zusammen zu den unterschiedlichsten Feldern, namentlich zu den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft und Religion (Pred. 3,16 – 12,14).

Das heißt: In dieser nichtigen Welt sind soziale wie auch religiöse Beziehungen instabil und zerbrechlich. Sie sind auch keineswegs immer durchschaubar, sondern nicht selten mit Enttäuschungen verbunden. Aber gerade das darf nicht dazu führen, derartige Beziehungen für verzichtbar zu erklären und sich in eine Einsiedelei zurückzuziehen (Pred. 3,16 – 6,12).

Das, was in dieser Welt jeweils die richtige Entscheidung ist, also was jeweils das wahrhaft Gute und Weise ist, ist keineswegs immer unzweideutig auszumachen. Häufig ist das Gegenteil dessen richtig, was dem ersten Eindruck entspricht. Aber das heißt nicht, dass deswegen jedes Verhalten akzeptabel ist und dass es keinerlei Vorgaben dafür gibt, was richtig und was falsch ist (Pred. 7,1 – 8,15).

Auch verhält es sich so, dass in dieser Welt die Weisheit vielfach verkannt wird. Aber auch das darf nicht zu der Einstellung führen, dass jedes Verhalten gleich sinnvoll und gleich rechtmäßig sei (Pred. 8,16 – 10,20).

Vielmehr geht es darum, im Horizont dieser gefallenen und nichtigen Wirklichkeit in den Ordnungen des Schöpfers sein Tagwerk zu verrichten und die Kinder so zu erziehen, dass sie auf ein Leben vor Gott in dieser Welt vorbereitet werden (Pred. 11,1 – 12,12).

Diese Gesamtbotschaft, die sich aus vielen scheinbar unzusammenhängenden Beobachtungen ergibt, bringt Salomo abschließend mit Prediger 12,13.14 auf den Punkt.

Wider den Wahn, in dieser Welt ein Paradies schaffen zu wollen

Der Versuch, hier auf dieser Erde ein paradiesisches Reich des Menschen zu errichten, scheitert im Licht der Predigerauslegung Luthers nicht nur an der Vergänglichkeit und Todesverfallenheit alles Irdischen. Vielmehr hat Gott nach dem Sündenfall diese Welt bewusst krumm gemacht (Pred. 1,15). Demnach wäre es vermessen, wenn ausgerechnet diejenigen, die in Adam an dem nichtigen Zustand dieser Welt die Schuld tragen, sich einbilden würden, sie wären in der Lage, diese Welt „gerade“ zu machen: „Daher siehst du, dass Fürsten, die alles aufs Beste reformieren und zurechtbringen wollen, oft sehr viel schaden. Es kann in menschlichen Angelegenheiten nicht so wohl gehandelt werden, dass alles in rechter Weise geschieht und nicht sehr viel Übelstände bleiben. Das Richtige ist daher, dass man wandelt im Glauben, der Gott regieren lässt, und betet, dass das Reich Gottes komme, unterdessen alles Übel dulde und leide, es aber dem befehle, der da recht richtet […].“24

Wer die Geschichte als eine von Menschen zu schaffende Heilsgeschichte deuten möchte und meint, er könne sich von Gott emanzipieren und sich über die von ihm gegebenen Ordnungen dieser Schöpfung hinwegsetzen, bezeugt damit nur seine Gottfeindschaft. Gerade denjenigen, die so etwas im Schilde führen, wird Gott immer wieder zeigen, dass die Geschichte nicht ein von Menschen angetriebener Strom ist, der ins Paradies einmündet, Vielmehr werden solche Bemühungen immer wieder in der Katastrophe enden.

Beziehen wir einmal das, was Luther aus dem Buch Prediger erkannte, auf unsere Gegenwart: Wenn man heutzutage Ehe und Familie als menschliche (kulturell-soziologische) Konstruktionen versteht, und die staatliche Ordnung auf dem Konstrukt der Menschenrechte aufbauen will, errichtet man alle diese Institutionen auf einem geistigen Vakuum. Denn in Wahrheit kann kein Mensch verbindlich erklären, was eine Ehe ist und was nicht, und was zu den Menschenrechten gehört und was nicht, also was Recht und was Unrecht ist. Ist die Kinderehe erlaubt? Ehe für alle? Ist Abtreibung ein Menschenrecht? Euthanasie? Bekanntlich wird all das mittlerweile behauptet und entsprechend gefordert.

Auf welcher objektiven Rechtsgrundlage will der Liberalismus (auf die Dauer) zum Beispiel Polygamie oder Kinderehen (Mohammed war neben anderen mit einem Kind verheiratet) untersagen? Wenn in einem Gemeinwesen alle Religionen gleichberechtigt sind: Mit welchem Recht will man die im spiritistischen Voodoo-Glauben akzeptierten sexuellen Perversionen mit Tieren verbieten?

Verirrungen, wie sie bereits heute im Namen eines Sexualkundeunterrichts in den öffentlichen Schulen unseren Kindern und Enkeln beigebracht werden – denken wir an den Genderwahn oder die allgemeine Verschwulung – wären unter dieser Perspektive nur der Anfang eines gesellschaftlichen Selbstzerstörungsprozesses. Was im Namen der freimaurerischen Eine-Welt-Ordnung (One-Wold Order) beginnt, wird im Chaos enden.

Kurzum: Anstatt die Geschichte als einen durch Menschen zu veranstaltenden Befreiungsprozess zu begreifen, vermittelt das Buch Salomos, so Luther, einen völlig anderen Blick auf die Geschichte: Seit dem Sündenfall ist die Geschichte der Menschen ein all ihr Bemühen in die Tiefe saugender Morast, in dem jeder menschliche Traum zerplatzt und schmählich verdampft. Das Kennzeichen des Lebens unter der Sonne ist die Gebrochenheit, und zwar bis zu dem Tag, an dem Christus sein Reich in Macht und Herrlichkeit aufrichtet.

Trost durch das Buch Prediger

Eine Frage, die im Blick auf die Reformation des 16. Jahrhunderts immer wieder aufgeworfen wurde, lautet: Was war eigentlich der Grund dafür, dass sich die Einsichten der Reformation so rasend schnell in Deutschland und weiten Teilen Europas verbreiteten? Gewiss, es gab seit einigen Jahrzehnten brauchbare Druckerpressen, aber das erklärt ja noch lange nicht, warum die Schriften Luthers auch gelesen wurden.

Eine der annehmbaren Antworten darauf lautet: Luthers Verkündigung war die Antwort auf die Ängste, von denen die Menschen in jener Epoche drangsaliert waren.25  Es herrschte Angst vor der Hölle und dem Fegefeuer; es herrschte Angst vor dem herannahenden Gerichtstag; es herrschte Angst vor der Inquisition mit ihren Hexenprozessen, Angst vor Seuchen wie der Pest, vor Naturkatastrophen, Missernten, Hungersnöten, Kriegen, dem bereits damals sich anscheinend unaufhaltsam heranwälzenden Islam und nicht zuletzt Angst angesichts all der Unsicherheiten, die der Zusammenbruch der christlichen Welt (corpus christianum) mit all den Päpsten und Gegenpäpsten verursacht hatte.

Die Gemälde von zeitgenössischen Malern, wie Hieronymus Bosch oder Pieter Breughel oder auch die apokalyptischen Zeichnungen und Holzschnitzereien eines Albrecht Dürer sind mit ihren Schrecken erregenden Darstellungen gar nicht zu verstehen, wenn man sich nicht über die bei den Menschen allgemein verbreiteten Ängste im Klaren ist. Denen sah sich der normale Mensch auf der Straße schutz- und wehrlos ausgeliefert. Weder das römische Papsttum mit seinem hohlen Ablasssystem noch ein Kaiser, dem die Landesfürsten immer wieder seine Grenzen aufzeigten, vermochten den Menschen Sicherheit oder Schutz zu gewähren.

Alle diese Schrecken wurden noch durch den in der Renaissance aufgekommenen Glauben an die menschliche Machbarkeit der Geschichte verstärkt. Denn auf diese Weise wurde die Geschichte zu einem Baustoff gemacht, mit dem der Mensch meinte, seine perfekte Zukunft (oder das, was er dafür hielt) in die eigenen Hände zu nehmen. Auf dem Weg zu diesem Ziel ist es denjenigen, die an den Schalthebeln der Macht sitzen, natürlich nicht möglich, dem gewöhnlichen Menschen Beachtung zu schenken. Bestenfalls fungiert er in dieser Geschichtsdynamik als eine Art Dünger, über den man auf dem Weg hin zu dem zu schaffenden Paradies hinwegschreiten muss.

Auf diese Lebensängste traf Luthers Verkündigung des Evangeliums. Angesichts der Zerbrechlichkeit des eigenen Lebens und angesichts der entfesselten Geschichtsmächte fand der Mensch durch die Wiederentdeckung des Evangeliums Trost. Dieser Trost zieht sich durch die gesamte Heilige Schrift.

Als zur Zeit Jesajas die Assyrer das Nordreich (Israel) in die Gefangenschaft verschleppten und auch das Südreich bis auf Jerusalem niederwalzten, musste Jesaja verkündigen, dass das keineswegs das Ende des Schreckens ist. Vielmehr würden die Babylonier erneut kommen, und das Gericht würde noch schrecklicher werden (Jes. 39,5-7). Und so werde es in der Geschichte immer weitergehen.

Aber in diese grauenhafte Perspektive verkündete Jesaja gleich darauf: Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott, sprich zum Herzen Jerusalems und ruft ihr zu…“ (Jes. 40,1.2). Wenig später fügt er hinzu: Warum sprichst du denn, Jakob, und sagst du, Israel: Mein Weg ist verborgen vor dem Herrn, und mein Recht entgeht meinem Gott? Weißt du es denn nicht, hast du es denn nicht gehört? Der ewige Gott, der Herr, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt; sein Verstand ist unerschöpflich! Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Knaben werden müde und matt, und junge Männer straucheln und fallen. Aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden (Jes. 40,27-31). Dieser Trost, so verkündet Jesaja weiter, wird in dem kommenden Knecht des Herrn in wunderbarster Weise in Erfüllung gehen.

Ähnlich verhielt es sich zur Zeit des Neuen Testaments. Die Apostel verkündeten in dem Jahrhundert, in dem dann im Jahr 70 der Tempel in Jerusalem in Flammen aufging: Euer Trost, euer Heil liegt nicht in eurer bisherigen auf dieses steinerne Gebäude orientierten Religiosität, sondern in dem wahren Tempel, in Christus.

Entsprechend brachte Luther in seiner von Weltuntergangsängsten bestimmten Zeit nicht die Botschaft: Es ist alles halb so schlimm! Stellt euch nicht so an! Ihr müsst eure Leiden dialektisch sehen! Was jetzt mit euch geschieht, sind alles Bewährungen und Herausforderungen, die auf dem Weg zur universalen Menschheitsbeglückung ausgehalten werden müssen! Vielmehr verkündete er, dass das volle, ewige Heil, das von außerhalb dieser Welt gekommen ist, in dieser angstvollen Welt Trost und Glaubensmut schenkt. Es war das Evangelium dessen, der spricht: Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz erschrecke nicht und verzage nicht (Joh. 14,27).

Als Luther seinen Kommentar zu Salomos Prediger verfasste, lag seine gewaltige Erkenntnis, was die Gerechtigkeit Gottes ist, bereits rund 10 Jahre zurück. Damals hatte er erkannt, dass Gott vom Sünder nicht seine Gerechtigkeit fordert, sondern sie ihm frei, aus Gnaden schenkt, und zwar dem, der ihm und dem Werk Christi auf Golgatha vertraut.

Nun, im Jahr 1526 wurde ihm auch das Buch Prediger zu einem Licht im Dunkel. Es wurde ihm ein Trost, den er in den chaotischen Wirren anderen weitergeben konnte: „Dieses Buch nun, den Prediger, könnten wir richtiger das Buch Salomos von weltlichem Regiment (Politica) oder von der Haushaltung (Oeconomia) nennen, freilich nicht, als ob es Gesetze gebe oder ordne, wie man einen Staat oder eine Familie regieren solle […], sondern dass es einem Mann, der im weltlichen Regiment oder im Hauswesen zu schaffen hat, Rat gibt in Fällen der Trübsal, und das Herz unterweist und stärkt zur Geduld im Leiden von allerlei Unglück. Denn da kommen unzählige Unfälle vor […] Wer diese Kunst nicht kennt, der wird endlich müde, weich und fällt dahin, und tut einen großen Fall […].“26

In dieser Weise ist das Buch Prediger für Luther ein Trost geworden, gerade in Zeiten höchster Eitelkeiten.


1) So Hieronymus in seiner Auslegung zu Prediger 2,18.19.
2) Seine Auslegung des Buches Prediger, die im Jahr 1532 im Druck erschien, widmete Luther einem Politiker, dem Landgrafen Philipp von Hessen (1504-1567).
3) Siehe dazu besonders Luthers Auslegung zu Prediger 9,14-16.18; 10,17.18.
4) Siehe dazu Bekennende Kirche, Dezember 2015, Nr. 63, S. 31-38.
5) Mit dieser These beginnt Kant seine Fundamentalethik: I. Kant, Metaphysik der Sitten. Erster Abschnitt: Übergang von der gemeinen sittlichen Vernunfterkenntnis zur philosophischen. Darmstadt [Wissenschaftliche Buchgesellschaft] Band VI, S. 18.
6) Siehe dazu ausführlich: Francis Bacon, Of the Proficience and Advancement of Learning, Divine and Human. 1605. Siehe ferner sein Hauptwerk: Novum Organon. 1620.
7) Siehe dazu seine Schrift: Neu-Atlantis. 1624.
8) So Ernst Haeckel, Die Welträthsel. Bonn [Emil Strauß] 1899.
9) Erasmus von Rotterdam, Das Lob der Torheit. [Encomium Moriae]. Stuttgart [Reclam] 1973, S. 96.
10) Siehe dazu bereits: Michel de Montaigne, Apologie für Raimundus Sabundus [Apologie de Raimond Sebond, 1569], 2,12.
11) Précis de l’Ècclésiaste et Précis du Cantique des cantiques. Diese Werke erschienen zum ersten Mal im Journal encyclopédique, 15. Juli 1759. Voltaire widmete seine Auslegung des Buches Prediger dem preußischen König Friedrich II. dem Großen (1740-1786). Die beiden hatten sich nach einem über Jahre währenden Zerwürfnis gerade wieder halbwegs versöhnt. Doch schon kurz darauf gerieten sie erneut persönlich aneinander.
12) Siehe dazu ausführlich Eric S. Christianson. Voltaire’s Précis of Ecclesiastes: A Case Study in the Bible’s Afterlife. Department of Theology and Religious Studies, University of Chester, Parkgate Road, Chester CH1 4BJ.
13) Exemplarisch sei hier an den Titel von Hemingways bekannter Novelle erinnert: The Sun also rises. Vergleiche dazu Pred. 1,5.
14) Siehe dazu den ersten Band von Ernest Renan, Histoire des origines du christianisme. 7 Bände. Paris 1863-1883.
15) Ernest Renan, L’Ecclésiaste: traduit de l’hébreu avec une étude sur l’âge et le caractère du livre. [F.V. Editions] 1882, S. 15.
16) Ernest Renan, L’Ecclésiastea.a.O. passim, besonders, S. 39.40.101.
17) Siehe dazu Bekennende Kirche, Nr. 63, S. 32-38.
18) ebd.
19) Zur Untermauerung dieser Aussage seien folgende vier Arbeiten rigoros herausgegriffen: E.J. Dillon, The Sceptics of the Old Testament. London [Ibister and Company] 1895, S. 113ff. J. Paterson, The Intimate Journal of an Old-Time Humanist. In Religion in Life 1950. 19.2: S. 245-254. Aarre Lauha, Kohelet. In: Biblischer Kommentar Altes Testament. Neukirchen-Vluyn [Neukirchener Verlag] 1978. Paul Flesher, The Wisdom of the Sages. Rabbinic Rewriting of Qohelet. Conference paper, Society of Biblical Literature Annual Meeting. [Abstract available in AAR/SBL Abstracts, 390. Atlanta: Scholars Press, 1990.]
20) Wölfel, Eberhard, Luther und die Skepsis. Eine Studie zur Kohelet-Exegese Luthers. München [Chr. Kaiser Verlag] 1958.
21) Dieses Urteil macht schlaglichtartig deutlich, wie tief Wölfel in den Denkbahnen der Moderne argumentiert. Seine Bemerkung erinnert an Nietzsches höhnischen Spott über „jenes unerhörte, philologische Possenspiel um das Alte Testament“. Siehe: F. Nietzsche, Morgenröte, Gedanken über die moralischen Vorurteile. 1. Buch, § 84.
22) Siehe dazu Bekennende Kirche, Nr. 64, S. 36.37.
23) Luther, Martin, Kommentar zu Prediger 7,1.
24) Luther, Martin, Kommentar zu Prediger 1,14.15.
25) Diese These vertritt der französische Kulturphilosoph Jean Delumeau und untermauert sie mit einer beeindruckenden Materialfülle. Siehe Jean Delumeau, La peur en occident. 1978. Deutsche Übersetzung: Angst im Abendland. Die Geschichte kollektiver Ängste im Europa des 14. bis 18. Jahrhunderts. Berlin [Rowohlt] 1998.
26) Luther, Martin, Kommentar zu Prediger, Vorrede.

Bedauerlicherweise war es uns nicht möglich, den Predigerkommentar Luthers zur letzten Ausgabe der Bekennenden Kirche ins Netz zu stellen. Aber inzwischen ist dies erfolgt und kann von dort heruntergeladen werden, und zwar unter: www.bekennende-kirche.de.