Um Jesu willen, Amen! – Die Sünde von Nadab und Abihu

2. Die Erklärung des Gerichts

Warum tötete Gott die beiden Priester? Was war ihre Sünde? Warum wurden sie so hart bestraft? Welches Gebot übertraten sie? Welche wichtige Wahrheit über Gott ignorierten sie? Es gibt zwei Antworten auf diese Fragen, von denen die zweite die wichtigere ist, wie wir sehen werden.

Das zweite Gebot

Die erste Erklärung ist, dass Nadab und Abihu das zweite Gebot gebrochen hatten. Das zweite Gebot besagt zusammengefasst: Du sollst mich auf keine andere Art und Weise verehren, als ich es dir in meinem Wort geboten habe. So steht es natürlich nicht wörtlich in 2Mose 20,4-6, aber inhaltlich geht es genau darum. Das wird deutlich, wenn wir uns den Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Gebot klarmachen. Manche Kirchen und Gemeinden, wie beispielsweise die römisch-katholische Kirche haben aus diesen beiden Geboten ein einziges gemacht. Sie haben die Gebote: Du sollst keine anderen Götter haben (Götzen) und Du sollst dir kein Bildnis machen zu einem einzigen Gebot verschmolzen, bzw. das letztere faktisch unter den Tisch fallen lassen. Um dann doch auf 10 Gebote zu kommen, haben sie das zehnte Gebot relativ willkürlich in zwei Gebote aufgeteilt. (Das Begehren des Hauses deines Nächsten als neuntes Gebot und das Begehren der Frau etc. deines Nächsten als zehntes Gebot).

Aber die ersten beiden Gebote sollte man gut unterscheiden. Sie sollten auf keinen Fall verwechselt werden. Im ersten Gebot (keine anderen Götter zu haben) geht es um die Frage, wen wir anbeten sollen: nämlich ausschließlich Gott. Das zweite Gebot (kein Bildnis noch Gleichnis machen) beantwortet die Frage, wie wir Gott anbeten sollen: nicht durch irgendetwas konkret Gegenständliches. Wir sollen nicht etwas bauen, zeichnen, formen oder basteln, um auf diese Weise Gott anzubeten. Vielmehr sagt das zweite Gebot: Betet mich an, so wie ich es euch in meinem Wort angeordnet habe! Anders herum formuliert: Betet mich nicht auf irgendeine Weise an, die ich euch nicht befohlen habe.

Jetzt verstehen wir, warum unser Abschnitt am Ende von Vers 1 sagt: „Nadab und Abihu […] brachten fremdes Feuer dar vor dem Herrn, das er ihnen nicht geboten hatte.“

Weil Gott es ihnen nicht geboten hatte, das von ihnen dargebrachte Feuer auf den Räucheralter zu bringen, war es fremdes oder verkehrtes Feuer. Das Ende von Vers 1 lautet nicht: Sie opferten fremdes Feuer, welches Gott ihnen verboten hatte. Vielmehr handelt es sich um Feuer, das Gott ihnen nicht (ausdrücklich) geboten hatte.

Wenn wir jetzt fragen: Wie hätten Nadab und Abihu denn opfern sollen, ist die Antwort klar: In den ersten fünf Büchern Mose wird eindeutig gesagt, wie Gott angebetet werden will. Dafür ist das zweite Gebot unverzichtbar. Bilden wir uns nicht ein, dass wir Gott so verehren können, wie es uns gerade passt. Wir sollten noch nicht einmal denken, dass wir etwas tun dürfen, solange es das Wort Gottes nicht ausdrücklich verbietet. Stattdessen haben wir zu fragen: Was gebietet uns das Neue Testament in Bezug auf die Anbetung, entweder durch ein Gebot oder durch ein Beispiel?

Diese Frage geht uns alle an. Sind wir uns als neutestamentliche Christen wirklich im Klaren darüber, warum wir im Gottesdienst die Dinge tun, die wir tun? Finden wir wirklich einen Auftrag im Neuen Testament für all die Dinge, mit denen wir Gott verehren? Haben wir das in unseren Gemeinden durchdacht? In der Reformationszeit ging es nicht zuletzt um eine an der Bibel orientierte Reform des Gottesdienstes! Ist uns das bekannt? Haben wir darüber nachgedacht und unsere Gemeindeleitung gefragt, warum wir den Gottesdienst so feiern, wie wir ihn feiern?

Ich kann das an dieser Stelle nicht ausführen. Aber so viel will ich dazu sagen: Es ist nicht gut, wenn sich in einer Gemeinde eine Gruppe von Menschen zusammensetzt und überlegt, wie sie im nächsten Monat oder im nächsten halben Jahr die Gottesdienste „gestalten“ will. So etwas zeugt von Willkür.

Die Frage lautet nicht: Was finden wir gut? Was spricht uns an? Vielmehr geht es um die Frage: Was will Gott von uns, wenn wir uns als Gemeinde zum öffentlichen Gottesdienst versammeln? Das Wort Gottes sagt nirgendwo: Schwingt im Gottesdienst Fahnen oder Ähnliches! Die Bibel ruft uns nicht zu liturgischen Tänzen, Sketchen oder Dialogen auf. Die Heilige Schrift sagt auch nicht: Übernehmt verschiedene Dinge von den alttestamentlichen Gottesdienstformen! Stattdessen sind wir im Neuen Testament dazu aufgerufen zu predigen, zu beten, zu singen, unsere Gaben einzusetzen und die Taufe sowie das Abendmahl zu praktizieren.

Dabei ist es nicht wichtig, wie so ein Gottesdienst auf uns wirkt. Er kann wunderschön aussehen, sogar die Herzenseinstellung der Gottesdienstgestalter mag vorbildlich sein. Vielmehr wollen wir uns besinnen auf Nadab und Abihu. Was war ihr Fehler? Sie hatten die richtigen Roben an, sie gingen zum richtigen Altar und zwar mit Feuer. Und Gott tötete sie trotzdem.

Der Grund: Anbetung ist keine Angelegenheit des äußeren Scheins oder unserer guten Absichten. Es ist eine Sache des Gehorsams gegenüber dem Wort Gottes. Es geht um die Beantwortung der Frage: Was will Gott, dass wir tun?

Diese Antwort aus dem zweiten Gebot ist gut und zutreffend. Aber damit ist noch nicht der Kern der Sünde dieser beiden Priester erfasst.

Die Zurückweisung von Jesus Christus

Das Entscheidende an der Sünde von Nadab und Abihu war, dass sie Jesus Christus zurückwiesen. Sie kamen in die Gegenwart Gottes ohne das Feuer, das das Schlachtopfer verzehrt hatte. Das heißt: Sie kamen ohne das, was auch für sie zur Sühnung dargebracht worden war. Sie gingen einfach an dem Feuer des Zornes Gottes, der das Opfer zerstört hatte, vorbei. Sie sagten sich: Gott wird unsere Gebete mit unserem eigenen Feuer anzünden. Mit anderen Worten erklärten sie: Wir werden in Gottes Gegenwart kommen kraft unserer eigenen Frömmigkeit und Hingabe. Wir bereiten uns selbst darauf vor, Gott so zu begegnen, wie es uns angemessen erscheint. Unsere Gebete werden schon für Gott ein angenehmer Geruch sein, auch ohne das Opfer.

Was sie taten, war nichts anderes als den Herrn Jesus und sein Opfer zu übergehen. Von ihm ist ja das dritte Buch Mose die Abschattung. Das ist sehr wichtig für uns heute.

Wenn wir die Symbolik des dritten Buches Mose nicht beachten würden, würden wir damit auch den christlichen Glauben für nichtig erklären. Wenn wir Gottesdienst feiern, begegnen wir Gott, indem wir in seine Gegenwart treten. Im Alten Testament betrat der Hohepriester einmal im Jahr das Allerheiligste als Vertreter des Volkes. Heute treten wir täglich in die Gegenwart Gottes. Aber niemand vermag in diese Gegenwart zu kommen, ohne an Jesus Christus und sein dargebrachtes Sühnopfer auf Golgatha zu glauben.

Es ist keine schlechte Übung, jedes Mal, wenn wir den Gottesdienstraum betreten, uns die Frage vorzulegen: Welches Recht habe ich, in die Gegenwart Gottes zu kommen? Ich habe dazu keinerlei Recht außer durch das Opfer Jesu Christi. Wenn Christus sich nicht selbst gegeben hätte und, bildlich gesprochen, durch das Feuer des Zornes Gottes verzehrt worden wäre, würde jeder einzelne von uns beim Versuch, vor Gott zu treten, in seinem Zorn verglühen.

Um Jesu willen, Amen!

Wir bitten Gott um viele Dinge: um seinen Segen, um die Vergebung unserer Sünden, um seine Hilfe beim Halten der Gebote. Wir bitten darum, dass er uns liebt und unsere Herzen tröstet, dass er uns die Angst nimmt und uns alles gibt, was wir benötigen.

Aber warum sollte uns Gott segnen? Um Jesu willen! Er tröstet uns – um Jesu willen! Er stärkt uns – um Jesu willen. Und all das tut er, weil Jesus für uns bezahlt hat, indem er durch Gottes Zorn zerstört wurde. Eigentlich hättest du zerstört werden müssen. Aber Jesus bekam Gottes Zorn für dich ab.

Wir könnten sogar einmal darüber nachdenken, unsere Gebete mit diesen Worten beginnen zu lassen. Wie wäre es, wenn wir mit folgendem Gedanken im Kopf beten würden: Herr Gott, segne mich, nicht wegen mir, sondern wegen Jesus. Herr Gott, vergib mir meine Sünden, nicht weil ich gut bin, sondern weil Jesus gut ist. Um Jesu willen! Herr Gott, schenke mir die Hoffnung auf den Himmel, nicht weil ich es verdiene in den Himmel zu kommen, sondern weil Jesus es verdient hat. Um Jesu willen!

Jede Bitte, die wir äußern, und auch alles Lob, das wir Gott darbringen, ist um Jesu willen. Möge niemand beten, ohne von dieser Einsicht erfasst zu sein. Wir sollten niemals unsere Gebete enden lassen, ohne an Jesus zu denken. Ob wir diese Worte verwenden oder nicht: Jedes Gebet sollte in der Erkenntnis gebetet werden: um Jesu willen.

Deswegen ist es so wichtig, dass wir den Buddhisten, den Hindus und den Moslems sagen, dass es keine Rettung außerhalb von Jesus gibt. Wir haben ihnen zu bezeugen, dass sie die Ewigkeit nicht in der Gemeinschaft mit Gott verbringen werden, wenn sie nicht auf Jesus ihr Vertrauen setzen. Vielleicht begegnen wir netten Männern und Frauen, anständigen Familien. Vielleicht sind es gute Bürger, die sich an die Gesetze ihres Landes halten. Vielleicht sind sie nett und zuvorkommend im Umgang mit uns und anderen. Aber wir werden ihnen um Jesu willen sagen, dass sie verloren gehen, wenn sie nicht auf Jesus Christus vertrauen.

Es gab auch keine Errettung für Kain. Auch er war faktisch am Opfer Jesu Christi vorbeigegangen, als er anstelle eines blutigen Tieropfers sein eigenes Gemüse darbrachte.

Aus diesem Grund ist es eine Katastrophe, dass immer mehr Vertreter christlicher Kirchen und Gemeinden in einen ökumenischen Dialog mit anderen Religionen treten, ohne unmissverständlich zu bezeugen, dass es außerhalb von Jesus Christus keinen Weg zu Gott gibt.

Es ist keineswegs liebevoll, mit einem Moslem zu sprechen, ohne ihn zum Glauben an Jesus Christus zu rufen. Vielmehr ist es barmherzig und liebevoll zu sagen: „Vertraue dem Herrn Jesus Christus, andernfalls wirst du verloren gehen.“ Das ist das Evangelium, von dem wir in der Heiligen Schrift lesen.

Es ist noch nicht lange her, da stellte ein bekannter Pastor einer großen Gemeinde in den Vereinigten Staaten die Existenz der Hölle in Frage. Es wäre liebevoll, ihm und denen, die so denken wie er, zu sagen: Die Hölle ist real, und die Feuer der Hölle stammen aus dem Himmel, aus der Heiligkeit und der Gerechtigkeit Gottes. Am Tag des Gerichts, wenn Jesus wiederkommen wird, wird das Feuer erneut von Gott ausgehen und über alle kommen, die ihre Zuflucht nicht im Kreuz Christi gefunden haben. Es gibt eine Hölle, und sie ist real, mit Feuer und mit Qual. Unser Abschnitt vermittelt uns auch einen Eindruck von dem unglaublichen Schmerz, den das Gericht Gottes über Sünder bringen wird.

Unter dem Einfluss von Alkohol

Bemerkenswert ist der Einschub in den Versen 8-11. Dort vernehmen wir das Verbot an die Priester, Alkohol zu trinken, während sie in der Stiftshütte Dienst tun. Was, so könnte man fragen, hat das mit unserer Begebenheit zu tun, deren Bericht sich dann in Vers 12 fortsetzt. Auf den ersten Blick scheinen diese Verse ein Fremdkörper innerhalb der Schilderung des Gerichts über Nadab und Abihu zu sein.

Es war wohl so – das scheint mir die naheliegendste Erklärung zu sein, dass die beiden jungen Männer zu ihrer Tat des Darbringens fremden Feuers schritten, weil sie unter dem Einfluss von Alkohol standen. Sie hatten etwas getan, das sie wohl kaum zu tun gewagt hätten, wenn sie nicht durch Alkoholkonsum in einen Rauschzustand versetzt worden wären.

Obwohl es unter anderen Umständen legitim ist, Alkohol zu trinken, lehrt Gott, dass es Dienern, die aktiv im Haus Gottes tätig sind, bei Todesstrafe verboten ist, sich in einen Rauschzustand zu versetzen. Denn dann wäre die Hemmschwelle gegenüber dem heiligen Gott so niedrig, dass man gar nicht mehr in der Lage ist, den Kindern Israels die Gebote Gottes vorzuhalten. Aber genau das war damals die Aufgabe der Priester, wie es heute die Aufgabe der Pastoren und Ältesten ist, die Gemeinde zu lehren.

Wenn jemand nicht verantwortungsvoll mit Alkohol umgehen kann, kann er nicht Diener in der Gemeinde Gottes sein. Da wir aber alle zu Priestern berufen sind – bekanntlich haben die Reformatoren die Wahrheit vom allgemeinen Priestertum wiederentdeckt –, erhalten hier alle Christen eine Lektion. Missbrauch von Alkohol oder auch von anderen Rauschmitteln haben Konsequenzen für unseren priesterlichen Auftrag, zum Beispiel wenn wir im Gebet vor Gott treten. Es kann geschehen, dass dann unsere Beziehung zu Gott massiv beeinträchtigt wird.

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