Was Gottes Werk ausmacht

3. Das Werk Gottes vollzieht sich durch die Verkündigung der Wahrheit

„Aus jener Stadt aber glaubten viele von den Samaritern an ihn um des Wortes der Frau willen, die bezeugte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe. Als nun die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage.“ (4,39.40).

Die Frau berichtete ihnen von Jesu Allwissenheit und bezeugte, dass die Wahrheit sie frei gemacht hatte. Dieses erstaunliche Ereignis lässt die Leute nicht nur aufmerken, sondern es kamen sogar viele zum Glauben. Das war für andere wiederum der Anlass, sich aufzumachen, um vor die Stadt zu Jesus zu gehen. Sie luden ihn zu sich ein. Das war eine erstaunliche, ja eine denkwürdige Situation. Die Samariter luden einen jüdischen Rabbiner zu sich ein, und er blieb dort zwei Tage. Wir sehen, dass das Werk Gottes noch weiter geht. Gott hatte sein Volk in dieser Stadt.

„Und noch mehr Leute glaubten um seines Wortes willen; und sie sagten zu der Frau: Wir glauben nicht mehr um deines Redens willen, denn wir selbst haben gehört und wissen, dass dieser wahrhaftig der Retter der Welt ist.“ (4,41.42).

Auf den ersten Blick könnte man meinen, es liege ein Widerspruch vor zwischen der Verkündigung der Frau und den Worten Jesu. Denn die Menschen erklärten, nun würden sie nicht mehr glauben aufgrund der Worte der Frau, sondern wegen der Worte Jesu. Aber dem ist nicht so. Das machen die folgenden Verse deutlich. Es wird unmissverständlich bezeugt, dass zumindest einige an Jesus glaubten wegen der Verkündigung der Frau.

Sie können also nicht meinen, dass sich die Worte der Frau und die Worte Jesu widersprachen. Es ist das eine Wort der Wahrheit. Vielmehr werden wir hier auf die Notwendigkeit hingewiesen, dass sich unsere Botschaft vollkommen mit der Botschaft Jesu decken muss. Es ist die unverfälschte Wahrheit des Evangeliums, die Menschen frei macht.

Die Schwachheit der Verkündigung

Viele Leute glaubten an Christus um der Worte der Frau willen. Ja, Gott konnte die Verkündigung dieser scheinbar so unbrauchbaren Frau nutzen, um einige Menschen wirksam zu berufen. Sie war eine Frau, die möglicherweise einen eher beschränkten Intellekt und kein großes Wissen von der Heiligen Schrift hatte. Sie war eine Frau, die von ihrem eigenen sozialen Umfeld verstoßen worden war und von den Juden verachtet wurde.

Wenn die Bürger der Stadt nun also sagten, dass sie nicht mehr um ihres Redens willen glaubten, wollten sie damit zum Ausdruck bringen, dass sie nun selbst zu dem gekommen waren, der die Quelle der Wahrheit ist. Sie glaubten nicht ihr, sondern der Wahrheit, die sie verkündigte. Sie waren nun selbst zu der Wahrheit gelangt, zu der Wahrheit, die die Frau frei gemacht hatte. Und noch mehr Leute glaubten an ihn, um seines Wortes willen. Denn er ist der Sohn Gottes, und er ist die Wahrheit.

Aus der Verkündigung der Wahrheit kam nun der Glaube, der uns durch die Bürger bezeugt wird: „… denn wir selbst haben gehört und wissen, dass dieser der Retter der Welt ist.“ (4,42).

Sie hörten nun alle die Worte Jesu. Aus dem Hören auf die Verkündigung Jesu wächst der Glaube. So formuliert es auch der Heidelberger Katechismus: Der Glaube ist nicht allein eine gewisse Erkenntnis, dadurch ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart, sondern auch ein herzliches Vertrauen, welches der Heilige Geist
durch das Evangelium in mir wirkt.
(Frage 21).

Es wuchs eine tiefe Gewissheit, dass das, was sie erst von der Frau vernommen hatten und nun durch ihr Hören auf den Christus bestätigt wurde, die eine frei machende Wahrheit ist.

Rettender Glaube kommt aus dem Hören auf die Wahrheit des Evangeliums. Es ist ein festes Vertrauen auf die Gnade Gottes, die mir im Evangelium offenbart wird. Aus dem Hören auf die Wahrheit erwächst das bahnbrechende Wissen, dass Jesus „der Retter der Welt“ ist, also nicht nur der Juden, sondern auch der Heiden!

Es ist ein anderes Wissen als das des Nikodemus (Joh. 3,2). Sein Wissen beruhte auf seinen eigenen Erkenntnissen und Erfahrungen. Das Wissen, dass Jesus der Christus ist, kam aus dem Hören auf das Wort Gottes: Christus ist der Retter der Welt. Darum geht es in diesem Kapitel.

Nikodemus hatte Jesus als großen Lehrer verstanden. Die Menge in Jerusalem glaubte an ihn wegen der Zeichen, die Jesus vollbrachte. Die samaritische Frau hielt ihn zu Beginn des Gesprächs für einen ganz normalen Juden. Nun vollzog Gott sein heilsames Werk in dieser Stadt. Er sammelte sein Volk. Dies ist allein sein Werk.

Christus hat sein Werk vollbracht

Unser Herr Jesus Christus kam, um den Willen des Vaters zu tun und das Werk zu vollbringen, und zwar zur Verherrlichung des Vaters. So betete er: „Ich habe dich verherrlicht auf der Erde; das Werk habe ich vollbracht, das du mir gegeben hast, dass ich es tun sollte.“ (Joh. 17,4). Dieses Werk ist in dem herrlichen Evangelium offenbart, das uns zur heilsbringenden Botschaft geworden ist. Gottes Werk ist in seiner wunderbaren Vorsehung verankert, so dass uns allen klar wird, dass es allein sein Werk ist.

Es war die größte Freude des Sohnes, dieses Werk zur Erfüllung zu bringen. Dieses Werk besteht in unserer Erlösung zur Ehre Gottes. Wir dürfen auch heute an dieser Freude teilhaben. Denn Gottes Werk vollzieht sich durch die Verkündigung der einen frei machenden Wahrheit, die es auch heute zu verkündigen gilt.

Wenn wir sehen, was Gottes Werk ausmacht, beginnen wir neu zu staunen über die Weisheit, die Macht und die Gnade Gottes: Weisheit, weil Gott alle Dinge lenkt, so dass nichts seinen Händen entgleitet; Macht, weil er es ist, der wirkt, bereitet und handelt; Gnade, weil wir, die wir selbst seine neue Schöpfung sind, teilhaben dürfen an seinem Werk und so auch an seiner Freude.

Ihm allein sei Lob und Dank dafür!

Amen.

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