Wortverkündigung zu 5Mose 6,10-19

Erntedank

Wir feiern heute Erntedank. Erntedank, das Fest, an dem wir Gott in besonderer Weise für die Ernte danken. Die Ernte 2010 ist nach allem, was wir wissen, wieder sehr gut. Zwar werden dieses Jahr wohl nicht die Erträge von 2009 erreicht werden. Aber dennoch: Die Ernte ist gut! Wir leben im reinen Überfluss!

Aber Überfluss ist nicht immer ein Grund zu ungeteiltem Frohlocken. Das macht der vorliegende Predigtabschnitt klar. Es ist ein Auszug aus einer Rede des Mose. Er hielt sie kurz vor seinem Tod in der Ebene Moab, an der Grenze zum gelobten Land. Adressat dieser Rede war das Volk Israel. Genauer: Es waren die Nachkommen derer, die 40 Jahre zuvor unter Mose aus Ägypten fortgezogen waren. Sie hatten entweder selbst noch den Auszug aus der Knechtschaft in Ägypten mehr oder weniger bewusst als Kinder miterlebt, oder sie waren während der Wüstenwanderung geboren. Dazu kamen Josua und Kaleb.

Nun stand das Volk an der Grenze zum verheißenen Land. Viele von ihnen standen dort bereits zum zweiten Mal. Bald schon sollten sie unter Josuas Führung das Land erobern. Für Mose selbst hieß es Abschied zu nehmen. Er sollte nicht in das Land kommen.

Vor diesem Hintergrund wendet sich Mose noch einmal eindringlich an das Volk. Er spricht zum Herzen seines Volkes. Er bereitet es darauf vor, was die Menschen in Kanaan erwartet.

Die besondere Herausforderung, vor der Mose sein Volk stehen sieht, ist eine reiche Ernte. Hierin liegt die Verbindung zum heutigen Erntedankfest. Mose spricht von einer reichen Ernte. Oder genauer: von dem Überfluss an Gütern, der Israel bei der Eroberung des Landes zufallen wird. Sagen wir es noch einmal: In der reichen, überfließenden Ernte sieht der Mann Gottes für sein Volk eine besondere Bedrohung.

In unserem Abschnitt erwähnt Mose „große und schöne Städte“. Er spricht von „Häusern voller Besitz“, also Häuser, in denen Möbel stehen und die Schränke gefüllt sind. Weiter berichtet er von „Brunnen“, also von einer gesicherten Wasserversorgung. Er weist auf „Weinberge“ hin, also auf herrliche Trauben und guten Wein, auf „Olivenhaine“, also auf frische Oliven. Am Ende von 5Mose 6,11 bringt Mose das Ganze auf den Punkt. Es wird dem Volk gut gehen, und es wird sich satt essen können.

Mose sieht den Reichtum voraus, den ihnen der Einzug in das Land bringen wird. Es wird ein gewaltiger, nie gekannter Überfluss sein. Bedenken wir: Er spricht zu einer Generation, die nur Knechtschaft und Wüstenwanderung kannte. Ihnen war ein Reichtum, wie er ihnen nun bevorstand, fremd. Feste Häuser! Immer frisches Wasser! Wein! Oliven! Sie würden bei ihrem Einzug in das gelobte Land eine wahrhaft reiche Ernte einfahren!

Doch im Blick auf diese reichen Ernten gibt Mose ihnen zwei Botschaften mit. Der Prophet zeigt auf, wie sie mit dieser Ernte umgehen sollen, damit ihnen diese reiche Ernte nützt und nicht schadet.

Unverdiente Güte

Die erste Botschaft lesen wir in 5Mose 6,10.11. Mose macht klar: Dieser Überfluss entspringt der unverdienten Güte Gottes: Alles, was jetzt auf euch zukommen wird, basiert auf der unverdienten Gnade Gottes. Dies betrifft die Landnahme, aber auch alle Güter, die euch zufallen werden. Es sind Gunsterweisungen Gottes. Ihr habt sie nicht verdient. Das machen die hier von Mose gewählten Formulierungen überdeutlich. Mose spricht von:

  • Städten, die ihr nicht selbst gebaut habt,
  • Häusern voll von Besitz, den ihr nicht selbst erworben habt,
  • Brunnen, die ihr nicht gegraben habt,
  • Weinbergen und Olivenhainen, die ihr nicht angelegt habt.

Diese Israeliten, die hier an der Grenze stehen, haben sich diesen Überfluss ganz offensichtlich nicht erarbeitet. Sie haben den Schweiß nicht vergossen, um die Brunnen zu graben! Sie haben die Mauern der Häuser nicht hochgezogen! Ihre Hand führte nicht das Messer, mit dem die Weinranken beschnitten wurden. Und dennoch werden sie es sein, die diese Gaben genießen. Sie fallen ihnen praktisch in den Schoß. Ganz und gar unverdient.

Aber wie verhält es sich mit dem Schwur, an den Mose in 5Mose 6,10 erinnert? Ist da nicht von einer Verpflichtung Gottes die Rede? Er sagt, dieses sei das Land, das er ihren Vorfahren Abraham, Isaak und Jakob zugeschworen habe. Heißt das nicht, dass Gott verpflichtet war, ihnen das Land zu geben? Stand es dem Volk damit nicht rechtmäßig zu?

Nein! Denn lesen wir einmal die Stelle, an der uns von dem Versprechen Gottes an Abraham berichtet wird: „Da sagte der HERR zu Abram: Geh hinaus aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde! Und ich will dich zu einem großen Volk machen und dich segnen und deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein.“ Dann weiter in Vers 7, als Abram in Kanaan angekommen war: „Dort erschien der HERR dem Abram und sagte zu ihm: Deinen Nachkommen will ich dieses Land geben! Da baute Abram dem HERRN einen Altar an der Stelle, wo er ihm erschienen war“ (1Mos. 12,1ff).

Wir hören nichts von einer rechtlichen Verpflichtung Gottes. Wir lesen hier lediglich von einer freiwilligen Gnadenzusage Gottes. Gott sagt dem Abram hier das Land zu. Die Verheißung erfolgt ganz unvermittelt, ja geradezu überraschend. Ganz plötzlich greift Gott in das Leben Abrahams ein und gibt ihm diese Verheißung.

Gott steht also keineswegs unter zwingenden Verpflichtungen. Er ist nicht genötigt, Israel das Land zu geben. Es ist allein seine Gnade, die Israel in dieses reiche Land bringt. Darauf legt Mose hier die Betonung. Er sagt: „Die reiche Ernte, die ihr in Kanaan einfahren werdet, die habt ihr nicht verdient! Denkt daran! Rechnet sie nicht euch zu! Sondern erkennt in dieser Ernte das freie Geschenk eures gütigen Gottes! Dankt ihm!“

Bei uns verhält es sich nicht anders! Wenn wir heute Erntedank feiern, gilt das Gleiche. Alles, was wir haben, ist Gnadengabe Gottes. Alles, wirklich alles! Also: Nahrung, Geld, Haus, Auto, Briefmarkensammlung, Mikrowelle, Freunde, Ehepartner, Kinder, Beruf, Ansehen, Macht, Stellung, usw. Alles, was wir haben und genießen, entspringt der väterlichen Güte unseres wunderbaren Gottes.

Es ist, wie es Martin Luther in seiner Erklärung zum ersten Artikel des Glaubensbekenntnisses im Kleinen Katechismus fasst: „Was heißt nun das, oder, was meinst du mit dem Wort: ‚Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erden?‘ Das meine und glaube ich, dass ich Gottes Geschöpf bin. Das heißt: Er hat mir gegeben und erhält mir ohne Unterlass Leib, Seele und Leben, kleine und große Gliedmaßen, alle Sinne, Vernunft und Verstand, usw. Essen und Trinken, Kleider, Nahrung, Weib und Kind, Gesinde, Haus und Hof usw. Dazu lässt er mir alles Geschaffene zu Nutz und Notdurft des Lebens dienen: Sonne, Mond und Sterne am Himmel, Tag und Nacht, Luft, Feuer, Wasser, Erde und alles, was diese trägt und hervorbringt, wie Vogel, Fisch und Tier, Getreide und Gewächs aller Art; ferner, was sonst noch leibliche und zeitliche Güter sind, wie gute Regierung, Frieden und Sicherheit. So soll man also aus diesem Artikel lernen, dass keiner von uns weder das Leben aus sich selbst hat noch irgendetwas von dem, was soeben aufgezählt wurde und noch so klein und geringfügig sein mag. Denn das ist alles in dem Wort ‚Schöpfer‘ eingeschlossen.“

Oder achten wir darauf, wie der Heidelberger Katechismus in Frage 27 über die Vorsehung Gottes schreibt: „Die allmächtige und gegenwärtige Kraft Gottes, durch die er Himmel und Erde mit allen Geschöpfen wie durch seine Hand noch erhält und also regiert, dass Laub und Gras, Regen und Dürre, fruchtbare und unfruchtbare Jahre, Essen und Trinken, Gesundheit und Krankheit, Reichtum und Armut und alles andere uns nicht durch Zufall, sondern aus seiner väterlichen Hand zukommt…

Die Katechismen haben es recht gefasst: Alles was wir haben und genießen können, kommt uns allein von Gott zu. Er hat es gegeben und erhält es uns ohne Unterlass. Das gilt natürlich auch im Hinblick auf unser Heil. Auch dieses ist unverdiente Güte Gottes. Von Gott allein gewirkt und durch ihn allein erhalten. Mögen wir dies erkennen, damit wir nicht in unserem aufgeblähten Hochmut zugrunde gehen!

Die Generation um Mose hatte es dabei wahrscheinlich leichter als wir. Bei ihnen war es offensichtlich, dass sie diese Gaben nicht verdient hatten! Wir tun uns darin vermutlich schwerer. Leben wir doch in einer so genannten Leistungsgesellschaft, in der das Motto gilt: Ein jeder ist seines Glückes Schmied! Wir sind Wachstum gewohnt. Beständige Wohlstandszunahme. Und dadurch kann es dazu kommen, dass wir unsere Abhängigkeit von Gott verkennen, dass wir dem Wahn erliegen, wir hätten die Dinge geschaffen, dass unsere Leistung, unser Fleiß, unsere Intelligenz uns satt gemacht hätten. Oder: Wir würden unser Familienleben unserer Weisheit und unserer Sozialkompetenz verdanken.

Wenn es so um uns steht, dass wir auf uns selbst vertrauen, ist es gut, wenn wir einmal wachgerüttelt werden. Wenn wir uns neu vor Augen führen lassen, dass wir alles der Güte Gottes verdanken. Das kann uns übrigens auch von einem Leistungsdruck befreien. Denn wir dürfen erkennen: Es hängt letztlich nicht von mir ab. Wenn ich meine Aufgaben gewissenhaft erledigt habe, kann ich getrost sein. Ich kann alle Dinge der Fürsorge meines himmlischen Vaters anbefehlen.

So lasst auch uns heute Gott wieder neu für seine Güte danken. Danken wir ihm für seine umfassende väterliche Güte. Alles, was wir sind und haben, verdanken wir ihm allein!

Vergiss nicht den Geber der Gaben!

Erntedank hat eine doppelte Botschaft. Die erste Botschaft haben wir gerade vernommen: Die Botschaft von der unverdienten Güte Gottes. Von der zweiten Botschaft lesen wir in den 5Mose 6,12-19.

Sich die Segnungen Gottes selbst zuzuschreiben, ist das Eine. Das ist schlimm. Macht es uns doch undankbar und raubt es Gott die ihm zustehende Ehre. Schlimmer aber ist es, wenn wir über den Gaben den Geber selbst vergessen. Ja, wenn der Überfluss an Gaben dazu führt, dass sich unsere Herzen von Gott abwenden.

Nichts Geringeres als diese Gefahr sieht Mose hier auf sein Volk zukommen. „Gebt acht!“, so schärft er es ihnen ein (5Mos. 6,12). „Passt auf! Ihr steht in der Gefahr angesichts des Reichtums an Gaben, den HERRN selbst zu vergessen!“ „Nehmt Gott ernst!“ (5Mos. 6,13). „Lasst euch nicht mit anderen Göttern ein!“ (5Mos. 6,14). „Versucht Gott nicht!“ (5Mos. 5,16). „Haltet seine Gebote!“ (5Mos. 6,17). „Verleugnet Gott nicht, dass er euch nicht wieder aus dem Land hinaustreibt!“ (5Mos. 6,18.19).

Bedenken wir: Vierzig lange Jahre hatte Gott sie durch die Wüste geführt. Vierzig schwere Jahre, ja. Aber in gewisser Weise auch vierzig gesegnete Jahre. Vierzig Jahre der unmittelbaren Abhängigkeit von Gott. Vierzig Jahre der Erziehung.

Mose beschreibt diese Zeit in Kapitel 8 näher. Dort heißt es: „Vergesst nicht, wie der HERR, euer Gott, euch vierzig Jahre lang in der Wüste umherziehen ließ! Das tat er, um euch vor Augen zu führen, dass ihr ganz auf ihn angewiesen seid, aber auch um euch auf die Probe zu stellen und zu sehen, ob ihr seinen Weisungen folgen würdet oder nicht. Er ließ euch hungern, damit ihr lernt, dass ihr ohne ihn nicht leben könnt. Und er gab euch das Manna zu essen, von dem ihr bis dahin nichts gewusst hattet, so wenig, wie eure Vorfahren; denn er wollte euch zeigen: der Mensch lebt nicht nur vom Brot, sondern er lebt zuerst und zuletzt von dem Wort, jedem einzelnen Wort, das aus dem Mund des Herrn kommt!“ (5Mos. 8,2.3).

Die Wüstenjahre waren Jahre unmittelbarer Abhängigkeit von Gott. Es waren Jahre, in denen der Zusammenhang zwischen Geber und Gabe offensichtlich war. Mehr als einmal erlebte das Volk Mangel und sah, wie Gott Abhilfe schaffte: Als die Menschen Durst hatten, gab Gott ihnen Wasser aus dem Felsen. Als sie Heißhunger auf Fleisch verspürten, ließ Gott Massen von Wachteln kommen. Gott ließ sie eine Tagesreise weit rings um das Lager fallen. Die Vögel lagen fast einen Meter hoch. Die Israeliten brauchten sie nur aufzuheben. Er gab ihnen das Manna! Jeden Morgen, außer am Sabbat, konnten sie es einsammeln.

Für jeden Israeliten dieser Wüstengeneration war es offensichtlich: Alles was wir haben, alle guten Gaben, sind, o Herr, von Dir. Diese Tatsache stand ihnen täglich vor Augen. Der Mangel hatte insoweit etwas Gutes. Er verdeutlichte ihnen ihre völlige Abhängigkeit von Gott. Und merken wir, welch weitreichendes Erziehungsziel Gott nennt: „Er (also Gott) wollte euch zeigen, dass der Mensch nicht nur vom Brot lebt, sondern er lebt zuerst und zuletzt von dem Wort, jedem einzelnen Wort, das aus dem Mund des Herrn kommt“ (5Mos. 8,3).

Das heißt: Gott wollte ihnen nicht nur zeigen, dass sie ihn bei den natürlichen Gaben benötigen, also: um satt zu werden, um den Durst zu löschen, um das Bedürfnis nach Sicherheit zu stillen. Nein, Gott wies mit seinen Gnadenerweisungen darüber hinaus. Er offenbarte ihnen ihren Bedarf an Heil. Er wollte ihnen zeigen: Ihr braucht nicht nur meine Gaben. Ihr benötigt nicht weniger als mich selbst! Ihr lebt von mir und durch mich! Ihr seid auf mich hin angelegt! Nur ich kann euren Lebenshunger stillen! Wahres Leben findet ihr nur in mir, nicht in den Gaben! Nur in mir findet ihr volles Genüge!

Denken wir an den Heilandsruf: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken! Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen! Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ (Mt. 11,28).

Oder denken wir an das Wort Jesu aus dem Hohenpriesterlichen Gebet: „Du hast ihm ja die Macht über alle Menschen gegeben, damit er denen, die du ihm anvertraut hast, ewiges Leben schenkt. Und das ewige Leben besteht darin, dich zu erkennen, den einzig wahren Gott, und den, den du gesandt hast, Jesus Christus.“ (Joh. 17, 2.3).

Der Mensch hat einen Hunger nach Leben, nach wirklichem Leben. Und dieser Hunger wird durch die geschöpflichen Gaben, so gut diese auch sind, nicht befriedigt: nicht durch den Ehepartner, nicht durch die Kinder, nicht durch die Freunde, nicht durch den Beruf, nicht durch den Erfolg. Dieser Hunger findet allein in Gott selbst seine Erfüllung. In ihm allein! Ja mehr noch: Die Gaben können sogar zur Gefahr werden. Dann nämlich, wenn sie den Platz im Leben beanspruchen, der allein Gott zusteht.

Denken wir an die Feststellung Jeremias: „Mich, die Quelle frischen Wassers, hat mein Volk verlassen und statt dessen gräbt es sich Löcher für Regenwasser, die auch noch rissig sind und das Wasser nicht halten!“ (Jer. 2,13).

Gottes Gaben sind gut. Wenn wir uns aber auf sie fixieren, läuft etwas falsch. Wenn diese Gaben den Platz Gottes in unserem Leben beanspruchen, ist Gefahr im Verzug. Dann gilt es, sich von diesen Gaben zu distanzieren.

Jesus sagt einmal: „Wer mir folgen will, muss sich und seine Wünsche aufgeben (Gaben !), sein Kreuz auf sich nehmen und auf meinem Weg hinter mir hergehen. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Aber wer sein Leben wegen mir und wegen des Evangeliums verliert, wird es retten. Was hat ein Mensch davon, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber zuletzt sein Leben verliert? Womit will er es dann zurückkaufen?“ (Mk. 8,34-36).

An anderer Stelle lehrt unser Herr: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist es nicht wert, zu mir zu gehören! Wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist es nicht wert, zu mir zu gehören! Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir auf meinem Weg folgt, ist es nicht wert, zu mir zu gehören!“ (Mt. 10,37).

Mose wusste um diese Gefahren, deshalb diese ernste Warnung.

Daran lasst auch uns heute am Erntedanktag denken! Erntedank enthält auch die Botschaft, dass Gott selbst wichtiger ist als alle Gaben. Auch wir stehen in der Gefahr, in den Gaben selbst aufzugehen und dadurch Gott zu vergessen.

Wir dürfen, können und sollen Gottes gute Gaben gebrauchen und genießen. Aber: Wir haben darauf zu achten, dass diese uns nicht beherrschen. Sie dürfen uns nicht fesseln. Sie dürfen sich nicht zwischen uns und Christus drängen! Auch nicht die Freunde! Auch nicht der Ehepartner und auch nicht die Kinder! Dann würden sie zu Götzen werden. Insofern müssen wir zu diesen Gaben eine gewisse Distanz wahren.

Denken wir in diesem Zusammenhang an 1Korinther 7,29-31. Dort sagt der Apostel Paulus: „…Wer verheiratet ist, muss innerlich so frei sein, als wäre er unverheiratet. Wer traurig ist, lasse sich nicht von seiner Trauer gefangen nehmen, und wer fröhlich ist, nicht von seiner Freude. Kauft ein, als ob ihr das Gekaufte nicht behalten würdet, und geht so mit der Welt um, dass ihr nicht darin aufgeht!“

Auch Mose lebte selbst so: „Er zog es vor, mit dem Volk Gottes misshandelt zu werden, anstatt für kurze Zeit gut zu leben und dabei Schuld auf sich zu laden. Er war sicher, dass alle Schätze Ägyptens nicht so viel wert waren wie die Schande, die wir zusammen mit Christus ertragen. Denn er blickte auf die künftige Belohnung.“ (Hebr. 11,27). Mose ging nicht in dieser Welt auf. Er war mit den geschöpflichen Gaben nicht zufrieden. Er suchte Gott selbst. Mit weniger wollte er sich nicht zufrieden geben.

Das ist auch die Botschaft für uns! Christus ist die Freude unseres Lebens. Er ist unser höchstes Glück. Er ist die Liebe, für die wir alles drangeben: unseren Besitz, unseren Beruf, unseren Ruf, unsere Freundschaften, selbst unsere Verwandtschaft. Es wird nicht immer nötig sein, dieses umzusetzen. Aber dann, wenn diese an sich guten Gaben uns von Christus wegzuziehen drohen, dann muss sich zeigen, dass Christus unsere höchste Freude ist. Hier ist jeder aufgerufen, sich selbst zu prüfen.

Aber was tun, wenn wir merken: Christus ist nicht meine höchste Freude? Hilfe, ich gehe in dieser Welt und in ihren Gaben auf! Dann hilft nur eines: Zurück zu Christus! Dann gilt es, ihn zu suchen. Das heißt: Zurück zu seinem Wort! Zurück zum Gebet! Zurück zur geistlichen Gemeinschaft! Und das kann auch bedeuten: Reduziere den Einfluss der Welt! Schalte die Glotze ab! Lass dich nicht den ganzen Tag über beschallen! Ja, es kann bedeuten, sich für eine Zeit gewisser Dinge zu enthalten, um das, was Mose hier sagt, wieder neu zu lernen: Ich lebe nicht vom Brot allein. Ja, vielleicht einmal eine Zeit zu fasten. Dann geht es darum, die Prioritäten neu zu setzen.

Ich komme zum Schluss.

„Das Wort sie sollen lassen stahn und kein` Dank dazu haben; er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben. Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib; lass fahren dahin, sie habens kein‘ Gewinn, das Reich muss uns doch bleiben.“ Danken wir Gott heute für alles, was er uns geschenkt hat! Danken wir ihm von Herzen für seine Gaben!

Aber beherzigen wir Moses Rat. Bleiben wir nicht bei den geschöpflichen Gaben stehen, so wunderbar diese auch sind. Machen wir sie nicht zum Lebensinhalt. Sondern suchen wir Christus! Bitten wir ihn, dass er sich über uns erbarme. Dass er selbst in uns ein wahrhaftes Verlangen nach ihm schenkt, und dass er es stille. Schon jetzt, aber erst recht dann im Himmel!

Ihm sei alle Ehre!

Amen.