Abrahams Gerechtigkeit aus Glauben 1Mose 15,1–6

Die folgende Predigt ist Teil einer Reihe, die unter der Überschrift steht „Gottes Bund mit Abraham“.1 Es geht also nicht nur darum, die Fakten aus Abrahams Leben zusammenzutragen. Wenn wir uns mit dem Bund Gottes mit Abraham beschäftigen, dann unter der Fragestellung: Wie hat sich der eine Bund während der Zeit Abrahams entwickelt, der ewige Gnadenbund Gottes mit seinem Volk, der Bund, in dem auch wir heute durch Jesus Christus stehen dürfen, und was lernen wir aus den Berichten des Alten Testaments über das Wesen dieses einen Bundes? Lesen Sie bitte vorher den Abschnitt in einer guten Übersetzung.

Einleitung

In unserer Reihe über Gottes Bund mit Abraham haben wir beim letzten Mal gesehen, wie Abraham in einen Krieg verwickelt wurde. Um seinen Neffen Lot zu retten, griff er in einen Krieg zwischen verschiedenen Königen ein, besiegte mit einer sehr kleinen Armee die mächtigen Eindringlinge und befreite Lot und alle gefangenen Bürger. Im Anschluss kam es zu einer bemerkenswerten Begegnung mit einem bemerkenswerten Mann, dem Priesterkönig Melchisedek, in dem Abraham einen Vorschatten des Christus erblickte und dem er den zehnten Teil der Beute gab. Auf der anderen Seite verzichtete er auf seinen Anteil, den ihm der König von Sodom angeboten hatte.
Der uns betreffende heutige Predigtabschnitt schließt nach seinen eigenen Worten an diese Ereignisse an, und wir müssen daher diese Ereignisse im Hinterkopf behalten, um das nun Folgende besser einordnen zu können. Das Kapitel 15 aus 1Mose stellt erneut einen Höhepunkt in Abrahams Lebenslauf dar. Und wenn wir von Abrahams Lebenslauf sprechen, meinen wir damit eigentlich die Ereignisse rund um die Entfaltung des Bundes Gottes mit Abraham. Abraham steht im Mittelpunkt der geschilderten historischen Ereignisse. Aber eigentlich sind die Ereignisse nur die Kulisse, vor der Gott uns etwas von seinem Gnadenbund offenbart. Konkret geht es diesmal um die Frage: Wie wird ein Mensch vor Gott gerecht? Unser kurzer Predigtabschnitt mit dem zentralen Vers 6 beantwortet die Frage, wie ein Mensch vor Gott gerecht wird, nämlich durch Glauben. Das wollen wir heute genauer anschauen. Unter dem Thema Abrahams Gerechtigkeit aus Glauben gliedert sich die Predigt in folgende drei Punkte:

  1. Gott bestätigt seine Treue
  2. Gott bewirkt Gerechtigkeit
  3. Gott rechnet Abraham die Gerechtigkeit zu

Gott bestätigt seine Treue

Vergegenwärtigen wir uns zunächst, was Abraham bisher alles widerfahren war. Im Alter von 75 Jahren war er von Gott berufen worden und hatte eine Reihe von Verheißungen erhalten, die im Prinzip darauf hinausliefen, dass aus Abraham der Messias hervorgehen sollte, der seit den Tagen Adams verheißen worden war.
Abraham war gehorsam und war mit seiner Großfamilie in das Land Kanaan gezogen, in dem er sich als Fremdling aufhalten sollte. Kurz darauf ließ ihn eine Hungersnot geistlich umkippen und nach Ägypten fliehen, wo die Verheißungen fast zunichte gemacht worden wären, hätte Gott Abraham nicht herausgerettet. Im Anschluss daran kam es zur Trennung von seinem Neffen Lot, den es zu den Schätzen Sodoms hinzog. Das wiederum führte dazu, dass Lot in den Krieg der Könige hineingeriet und Abraham ihn in einem Feldzug rettete.
Dies alles war bisher geschehen, und sicher nicht innerhalb weniger Wochen, sondern im Verlauf von mehreren Jahren. Abraham war also zum jetzigen Zeitpunkt schon über 80 Jahre alt.
Wenn wir es recht überlegen, hatte sich seine Situation in all den Jahren nicht unbedingt verbessert. Zwar hatte er einen stattlichen Reichtum erworben, aber wie beständig war der schon?! Hatte er nicht die mächtigen Könige aus dem Osten geschlagen und damit gleichsam ihre Rache heraufbeschworen? Hatte er nicht den König von Sodom brüskiert und zum Zorn gereizt? Stand er nicht, abgesehen von ein paar freundlich gesinnten Nachbarn, allein im Land Kanaan als ein Fremdling, der durch sein ganzes Leben allen zu verstehen gab: ‚Ich gehöre nicht zu euch, ich suche ein anderes Vaterland‘? Und war es nicht so, dass von den Verheißungen noch keine einzige in Erfüllung gegangen war und dass insbesondere die Erfüllung der zentralen Verheißung, des Nachkommens, mit jedem Jahr, das verging, immer unwahrscheinlicher, ja unglaubwürdiger wurde?
Wir können verstehen, wie Abraham zumute war, als er an Gottes Wort dachte, aber dann die Wirklichkeit um sich herum betrachtete und von ihr zu Boden geschlagen wurde. Furcht befiel ihn, die Furcht, mit leeren Händen einer Welt von Feinden gegenüberzustehen. In dieser Situation kommt der Herr zu ihm, wie wir lesen „in einer Offenbarung“, das heißt in einer Vision: „Fürchte dich nicht, Abraham, ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn!“ (Vers 1).
Was sagt Gott hier anderes, als dass die Gefahren, die Abraham sieht, durchaus real sind! Der Herr vertröstet Abraham nicht: ‚Ach, du siehst Gespenster. Die Welt ist nicht so schlecht, wie du denkst.‘ Nein, er verhüllt die Wahrheit nicht. Abraham ist in Gefahr. Abraham ist allein. Abraham hat eine Welt von Feinden gegen sich. Der Grund für Abraham, sich nicht zu fürchten, ist nicht, dass es nichts zu fürchten gäbe, sondern dass der Herr sein Schild ist. Der Herr ist sein Schild. Was auch immer die Welt unternehmen wird, um Abraham vom Weg des Herrn abzudrängen, welche Waffen sie auch immer einsetzen wird, um ihn geistlich zu töten und sein Leben mit Gott zu beenden – sie werden an diesem Schild zerbrechen. Wohlgemerkt, der Herr verspricht Abraham kein angenehmes, sorgenfreies, gar materiell erfülltes Dasein auf Erden. Im Gegenteil, er bestätigt, dass all diese irdischen Dinge unbeständig und unzuverlässig sind. Zuverlässig darf Abraham nur eines wissen: ‚Gott wird nicht zulassen, dass irgendjemand seinen Bund zerstört und mich von diesem Gott wegreißt. Ich sehe die Gefahr, aber ich fürchte mich nicht, denn Gott ist mein Schild!‘
Und Gott ist nicht nur Abrahams Schild, sondern auch sein sehr großer Lohn. Abraham braucht weder der Kriegsbeute nachzutrauern noch möglichen Allianzen mit den Königen, noch sich an sein verbliebenes Hab und Gut zu klammern. Gott selbst ist sein Lohn. Ein Leben in voller Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott ist Abrahams Lohn. Gottes Liebe, Gottes Frieden, Gottes Gerechtigkeit, Gottes Heiligkeit: All das wird Abraham verheißen. Fürwahr ein sehr großer Lohn, gegen den alle irdischen Schätze verblassen. Fürchte dich nicht, indem du dich an vergängliche Dinge klammerst, sondern blicke auf mich und erwarte alles von mir!
Nun wäre Abraham nur zu gern bereit, das alles anzunehmen. Aber etwas hindert ihn, nämlich das Wissen, dass all diese Dinge sich nicht aus dem Nichts erfüllen, sondern nur in dem und durch den verheißenen Nachkommen. Doch eben den gibt es nicht! Und so hören wir Abrahams Verzweiflung: „O Herr, Herr, was willst du mir geben, da ich doch kinderlos dahingehe?“ (Vers 2). Ohne den Sohn nützen deine Worte gar nichts! Wie willst du dein Wort an mir erfüllen, ohne dass du in dem Messias den Grund legst? So denkt Abraham – völlig zu Recht. Und dann fällt ihm Elieser von Damaskus ein, offenbar sein Großknecht oder Verwalter. Sollte die Verheißung etwa nicht wörtlich gemeint und in Wahrheit dieser Elieser der Erbe sein? Sollte vielleicht die Bundeslinie, also die Linie zum Messias über ihn laufen? Beinahe schlägt Abrahams Verzweiflung in Aktionismus um: Ja, Elieser könnte der Ausweg sein!
Aber in Gottes Plan ist kein Platz für Elieser: „Dieser soll nicht dein Erbe sein, sondern der aus deinem Leib hervorgehen wird, der soll dein Erbe sein!“ (Vers 4). Ein klares, deutliches Wort. Doch weil der Herr weiß, wie schwach und wankelmütig Abraham ist, belässt er es nicht dabei. Nein, er führt ihn hinaus und zeigt ihm den Sternenhimmel: „So soll dein Same sein!“ (Vers 5).
Geht der Herr nicht mit uns genauso um? Wir sind doch mindestens genauso schwach und anfechtbar, wie Abraham es war. Und darum kommt der Herr uns in ähnlicher Weise zu Hilfe. Zwar nicht in Visionen, aber in den Sakramenten. Zweifelt ihr am Wort? Habt ihr Mühe, es zu verstehen? Dann gebraucht die Sakramente! Blickt auf die Taufe: So sicher, wie Wasser den Schmutz vom Leib abwäscht, so sicher sind alle unsere Sünden durch das Blut Christi abgewaschen. Oder das Abendmahl: So sicher, wie wir das Brot brechen und essen und den Wein trinken, so sicher hat Christus seinen Leib und sein Blut zur Vergebung unserer Sünden dahingegeben. So bekräftigt und bestätigt uns der Herr sein Wort.
In ähnlicher Weise ist es auch hier bei Abraham. Gerade in den Nächten, gerade wenn er sich seiner Schwachheit und Unfähigkeit, den Nachkommen hervorzubringen, am intensivsten bewusst wird, kann er hinausgehen und angesichts der Unzahl von Sternen über sich Ruhe und Trost finden, so dass er nicht an Gottes Wahrhaftigkeit und Treue zu zweifeln braucht.

Gott bewirkt Gerechtigkeit

„Und [Abraham] glaubte dem Herrn, und das rechnete Gott ihm als Gerechtigkeit an.“ (Vers 6). Das ist der letzte und zugleich der zentrale Vers in unserem heutigen Abschnitt. Auf diesen Vers baut unter anderem der Apostel Paulus in Römer 4 seine Argumentation von der Rechtfertigung aus Glauben auf. Wir haben also allen Grund, uns diesen Vers sehr genau anzusehen. Damit kommen wir zum zweiten Teil der Predigt.
Was ist Gerechtigkeit? In jüngster Zeit wird in unserer Gesellschaft das Wort „Gerechtigkeit“ geradezu inflationär gebraucht, und jeder scheint etwas anderes darunter zu verstehen. Was aber meint die Heilige Schrift, wenn sie von „Gerechtigkeit“ spricht? Denn nicht irgendein großes Sozialwörterbuch der Gegenwart, sondern das Wort Gottes selbst ist der Maßstab, den wir anlegen müssen, um biblische Begriffe zu erklären. Danach bedeutet Gerechtigkeit, im völligen Einklang mit Gottes Willen und Gesetz zu stehen. Insofern ist Gerechtigkeit in erster Linie eine Eigenschaft Gottes, denn er ist sich selbst treu und führt seinen Willen ohne Wenn und Aber aus. Und dies verlangt er auch vom Menschen. Wer Gottes Willen tut und in seinen Satzungen wandelt, gilt vor ihm als gerecht und wird leben. Wer jedoch gegen Gottes Willen handelt, ist ungerecht und steht unter dem Zorn Gottes. Daraus folgt, dass Gott selbst in dieser Frage der Richter ist. Er kennt den Maßstab, nämlich sich selbst, und so kann er den Menschen messen und für gerecht oder ungerecht erklären.
Das gilt für alle Menschen, auch für Abraham. Abraham ist nicht von Gottes hohen Ansprüchen ausgenommen. Auch für Abraham, den Träger so vieler Verheißungen, die ihm gerade noch einmal in so eindrucksvoller Weise verkündet und bestätigt wurden, gilt die Forderung, ganz und gar im Einklang mit Gottes Willen zu stehen. Denn sonst wäre er nicht gerecht, sondern ungerecht.
Hat Abraham denn Gottes Willen getan? Seien wir einmal großzügig und gestehen ihm zu, dass er ihn teilweise getan hat: Er gehorchte dem Ruf, ging nach Kanaan, lebte als Fremdling, gab Melchisedek den Zehnten … Was wollen wir noch aufzählen? Denn im gleichen Atemzug müssen wir viele Übertretungen des Willens Gottes feststellen: Sein vorauseilender Aktionismus, seine ständigen Zweifel an der Verlässlichkeit des Wortes Gottes, seine katastrophale Expedition nach Ägypten … Und dann reden wir gar nicht von den Jahrzehnten vor seiner Berufung! Wenn also die Werke Abrahams ihn gerechtfertigt hätten, dann sollten wir uns ernsthaft fragen, was wir hier überhaupt tun. Dann könnten wir nach Hause gehen und hier und da ein bisschen gehorsam sein, das würde zu unserer Gerechtigkeit genügen.
Aber so ist es nicht. Die Heilige Schrift sagt nicht: „Abraham tat gute Werke, und das rechnete Gott ihm als Gerechtigkeit an.“ Selbst wenn wir Abraham vieles zugute halten wollen, so war er doch wie jeder Mensch durch und durch Sünder. Und bereits eine einzige Sünde führt zu dem Urteilsspruch: Ungerecht!
Nicht die Werke rechtfertigten Abraham, sondern was lesen wir? „Und Abraham glaubte dem Herrn, und das rechnete Er ihm als Gerechtigkeit an.“
Abrahams Glaube führt zu seiner Rechtfertigung. Die Formulierung „Gott rechnete es ihm als Gerechtigkeit an“ meint völlige Gerechtigkeit. Es ist nicht gemeint, wie manche Übersetzungen möglicherweise suggerieren (zum Beispiel Schlachter 2000), dass hier nur ein gewisser Anteil angerechnet wird, so dass der Glaube eine Art „Selbstbeteiligung“ an der Rechtfertigung wäre. Abrahams Glaube ist nicht sein persönlicher Beitrag, seine Selbstbeteiligung, um gerecht zu werden. Nein, Abrahams Glaube bewirkt seine völlige Rechtfertigung. Nur so ist dieser Vers zu verstehen und nur in dieser Bedeutung wird er in späteren Stellen der Heiligen Schrift verwendet.
Und damit ist klar, dass nicht die Aktivität zu glauben als solche Abraham rechtfertigt. Wenn das der Fall wäre, dann wäre der Glaube auch nur ein Werk, das Abraham vollbringt. Aber ein Sünder kann kein gerechtes Werk vollbringen! Auch wird der untadelige Gott niemals etwas Ungerechtes aus einer guten Laune heraus für gerecht erklären. Gerecht heißt gerecht. Es muss also außerhalb von Abraham etwas geben, das seine völlige Rechtfertigung vor Gott bewirkt, indem Abraham es im Glauben erfasst. Dieses Etwas außerhalb von Abraham bringt objektiv und tatsächlich Abrahams Rechtfertigung zustande. Dieses Etwas ist das, worum sich unser ganzer Predigtabschnitt dreht, worum Abrahams Gedanken kreisen, woran er zweifelt und dessen er wiederum versichert wird. Dieses Etwas ist eine Person, die Person Jesus Christus.
Wer kann vor Gott bestehen? Nur einer, der ohne Sünde und vollkommen gerecht ist und der Gottes Willen von A bis Z ausführt. Das kann weder Abraham, das könnt weder ihr noch ich, das kann nur Christus. Nur seine Gerechtigkeit kann vor Gott bestehen. Er allein ist vollkommen gerecht. Und das nicht nur für sich selbst, sondern – und das ist das Entscheidende – auch als Stellvertreter für andere. Gott hat sich in seinem Sohn Jesus Christus ein Volk erwählt, und er hat seinem Sohn dieses Volk gegeben, damit er als Stellvertreter und Haupt dieses Volkes allen Gehorsam vollbringe, den Gottes Gerechtigkeit erfordert. Mit diesem Auftrag ist Christus in die Welt gekommen, mit diesem Auftrag hat er die volle Wucht des Zornes Gottes am Kreuz erlitten, mit diesem Auftrag hat er den Tod überwunden und sich im Himmel zur Rechten des Vaters gesetzt: alles als Stellvertreter seines erwählten Volkes.

Gott rechnet Abraham die Gerechtigkeit zu

Wer in Christus war und ist – und nur der –, ist vor Gott gerecht. Und wie ist man in Christus? Wie erhält man Anteil an ihm und seiner Gerechtigkeit? Durch Glauben! Der Glaube ist das Band, das uns mit Christus vereint, so dass alles, was er uns erworben hat, tatsächlich unser eigen wird. Und indem die vollkommene Gerechtigkeit Christi durch Glauben unsere wird, kann Gott uns selbstverständlich für gerecht erklären. Diesen Glauben hatte Abraham, und das rechnete Gott ihm als Gerechtigkeit an.
Wenn wir nun einwenden, dass Christus damals doch noch gar nicht gekommen war, um die Gerechtigkeit zu erwerben, so lautet die Antwort: Das macht nichts. Auch wenn der Heilsplan historisch noch nicht verwirklicht war, so war er doch in Gottes Ratschluss schon vor Grundlegung der Welt Realität. Und so verkündigt er Abraham und allen Heiligen des Alten Bundes das Gleiche, das er uns heute verkündigen lässt: Euer Heil ist nicht in euch selbst, nicht in eurer Herkunft, nicht in euren Werken, nicht in euren Gefühlen, nicht einmal in eurem Glauben als solchem. Euer Heil ist einzig und allein in Jesus Christus. Ob noch Zukunft oder schon Vergangenheit: Blickt weg von euch, schaut aufs Kreuz, erkennt und vertraut, dass Christus dort eure Gerechtigkeit geworden ist!
Daran erkennen wir, dass die Menschen im Alten Bund auf dieselbe Weise gerettet worden sind wie wir im Neuen Bund. Der Blickwinkel hat sich zwar verschoben: Sie blickten voraus, wir blicken zurück. Aber wir alle blicken im Glauben auf ein und dieselbe Tatsache: auf Christus am Kreuz, das einzige Fundament unserer Rechtfertigung. Keine verschiedenen Wege zum Heil, keine Sonderfahrpläne, sondern vom Anfang bis zum Ende: Christus!
Sicher fällt es uns heute leichter, dies alles zu verstehen, als Abraham damals. Dass der Christus kommen würde, war ihm klar, aber das Wann und Wie blieb ihm im wahrsten Sinne des Wortes schleierhaft. Und so tappt er immer wieder in selbst gelegte Fallstricke, will Gott zuvorkommen, bevor es vermeintlich zu spät ist. Wir hatten das schon bei der Episode in Ägypten festgestellt, und werden es noch deutlicher im weiteren Verlauf der Geschichte anhand von Hagar und Ismael sehen. Immer wieder lebt in Abraham die Furcht auf, Gottes Plan könne durch seine eigenen Unzulänglichkeiten zunichte werden.
Gerade diese Schwäche wird Abraham in diesem Abschnitt vor Augen geführt. Wenn er auf sich selbst und die ihn umgebenden Umstände blickt, braucht er nichts zu erwarten. Aber blickt er auf den Sternenhimmel, erkennt er, dass Gott zu seinem Ziel kommt.
Gott wird zu seinem Christus kommen, und er wird Abraham an Christus Anteil haben lassen – ohne Werke, allein aus Gnade durch Glauben. Darum ist Gottes Bund, in dem Abraham durch Christus stehen darf und in dem auch wir durch Christus stehen dürfen, durch und durch ein Gnadenbund, in dem Gott der ist, der handelt. Dessen wird Abraham im zweiten Teil des Kapitels versichert, mit dem wir uns heute aber nicht befassen wollen.
Für heute nehmen wir mit Abraham die Gewissheit mit, dass Gott seinem Volk in allen Zeiten ein verlässlicher Schild und ein großer Lohn ist. Und wir nehmen einmal mehr die Erkenntnis mit, dass wir einzig und allein in Christus vor Gott bestehen können, indem wir nämlich die Gerechtigkeit, die er uns erworben hat, im Glauben erfassen. – Amen


1) Die Predigtreihe nahm ihren Anfang mit der Berufung Abrahams in 1Mose 12. Die hier abgedruckte Predigt ist bereits die fünfte in der Reihe. Zum besseren Verständnis kann es hilfreich sein, einen Blick in die vorherigen Predigten zu werfen. Diese können insgesamt abgerufen werden unter:
http://www.berggiessen.de/predigtarchiv