Wortverkündigung zu 1Korinther 1,18

„Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren gehen, uns aber, die wir errettet werden, ist es Gotteskraft.“

1Korinther 1,18

Das Wort vom Kreuz

Dabei bin ich mir darüber im Klaren: Diese Aussage ist ein hartes Wort. Denn es zieht Grenzen, und Grenzen mögen wir heute nicht.

Unmittelbar vor diesem Satz hatte der Apostel Paulus mitgeteilt, dass es sein Auftrag ist, das Evangelium zu verkündigen, und das heißt das „Wort vom Kreuz“ in die Welt hinauszutragen. (1Kor. 1,17). Die Ausdrücke „Evangelium“ und „Wort vom Kreuz“ sind also austauschbar.

Der oben zitierte Vers beginnt mit dem unscheinbaren Wort „denn“. Er ist der Beginn einer längeren Ausführung, in der Paulus die Frage beantwortet, wer das Evangelium überhaupt empfangen kann. Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht ist es nämlich keineswegs so, dass das Wort vom Kreuz jedem zugänglich ist und schon gar nicht ohne weiteres.

Zunächst erläutert der Apostel, wer das Wort vom Kreuz nicht empfangen kann. Dazu weist er auf Menschen hin, deren Verlangen auf die Weisheit dieser Welt gerichtet ist. Diese Leute streben nach Gedankengebäuden, durch die sie ihr Spekulationsbedürfnis zu befriedigen suchen. Sie sind für das Evangelium nicht zugänglich (1Kor. 1,1921). Andere Menschen sind auf Zeichen aus. Ihnen geht es um Spektakuläres. Ihre Sinne wollen stimuliert werden, so dass „es“ ihnen unter die Haut geht. Auch solche Leute können das Wort vom Kreuz nicht erfassen (1Kor. 1,22).

Wer aber kann das Evangelium empfangen? Der Apostel gibt darauf folgende Antwort: Die Wahrheit des Evangeliums können nur diejenigen erkennen, die Gott erwählt (1Kor. 1,28) und berufen bzw. gerufen hat (1Kor. 1,24.26), so dass sie dem Evangelium glauben (1Kor. 1,21). Den anderen ist das Evangelium eine Torheit. Sie gehen verloren (1Kor. 1,18). Sie werden zunichte (1Kor. 1,28).

Das sind ungemein harte Aussagen, und zwar sowohl für die damaligen Christen in Korinth als auch für uns.

Die Torheit der Verkündigung des Kreuzes

Aber der Apostel ist noch längst nicht fertig. Er geht weiter: Es geht ihm nicht nur um das Ziehen von Scheidungslinien, sondern er besteht außerdem darauf, dass es ein einziges Mittel gibt, durch das Gott das in Christus geschaffene Heil in dieser Welt verbreiten will. Dieses unverzichtbare Mittel ist die Verkündigung des Evangeliums, also das Wort vom Kreuz.

Als der Apostel dieses durch den Heiligen Geist zu Papier brachte, dürfte er sich darüber im Klaren gewesen sein, dass auch diese Aussage provoziert und Widerspruch hervorruft: Wo bleiben da die schönen religiös aufgeblähten Gedankenkonstruktionen, in die man sich so gerne verliebt, um sich dann als seiner Umwelt überlegen zu betrachten? Wo bleiben die Programmpunkte, die den Gottesdienst auflockern und „aufpeppen“ sollen? Wo bleiben all die Elemente, die den Zweck verfolgen, die Sinne zu kitzeln?

Der Apostel denkt nicht daran, angesichts solcher Einwände auch nur einen einzigen Schritt zurückzuweichen. Vielmehr legt er nach: Wenn man dem Evangelium von Christus durch pfiffige Rhetorik, menschliche Überredungskünste oder sonstige Tricks nachhelfen möchte, dann heißt das nur, dass der Glaube auf Menschenweisheit beruhen würde. Das aber, so weiß der Apostel, trägt sowieso nicht. Ein Glaube, der nicht auf der Kraft Gottes beruht, ist kein wahrer Glaube (1Kor. 2,15).

Übrigens kann die „Weisheit dieser Welt“ durchaus in einem verführerisch frommen, religiösen Gewand daherkommen. Man kann zum Beispiel „Tiefgang“ in der Verkündigung suchen. Wenn diese Tiefe aber nicht in der „Tiefe Gottes“ (so 1Kor. 2,10) gefunden wird, und damit ist in diesem Kontext nichts anderes gemeint als das Werk Christi auf Golgatha, sondern wenn man diesen „Tiefgang“ in spirituell anmutenden oder religiösen Ideenkonstruktionen sucht, dann befindet man sich auf einem gefährlichen Irrweg.

Torheit – und doch Weisheit

“ … und doch verkündigen wir Weisheit“, so fügt Paulus hinzu (1Kor. 2,6). Gleich darauf erläutert er, was er meint: Es geht ihm nicht um die „Weisheit dieses Zeitlaufs“, sondern um eine viel gewaltigere. Es geht ihm um die „verborgene Weisheit, die Gott vor allen Zeiten zu unserer Herrlichkeit vorherbestimmt hat“ (1Kor. 2,6.7).

Es wäre ein großes Missverständnis zu denken, mit dem Ausdruck „Torheit der Predigt“ würde Paulus meinen, dass die Predigt möglichst kurz, flach, gehaltlos, langweilig und fade sein müsse, damit sie nur ja dem Kriterium der Torheit entspricht. Das will der Apostel wahrlich nicht sagen!

Im Gegenteil, die Wortverkündigung soll, sie muss, sie darf Inhalt haben! Dieser Inhalt ist in höchstem Maße spannend und überwältigend. Dieser Inhalt ist nichts anderes als Herrlichkeit für uns (1Kor. 2,7). Aber der Inhalt ist gerade deswegen herrlich, weil das Wort vom Kreuz nicht geistigspekulatives Blendwerk ist oder die Sinne stimulierende religiöse Unterhaltung. Die Botschaft, die wir verkündigen, so sagt Paulus, ist deswegen so unermesslich gehaltvoll, so unausforschlich reich, weil der Inhalt dieser Botschaft Christus ist. Es ist der, den Gott der Vater uns zur Weisheit gemacht hat, das heißt zur Gerechtigkeit, zur Heiligkeit und zur Erlösung (1Kor. 1,30). Weil es keinen anderen Weg gibt, um zu diesem in Christus erworbenen Heil zu gelangen als den durch das „Wort vom Kreuz“ gewirkten Glauben, gibt es wahrlich keinen Grund, von diesem Wort abzurücken oder es zugunsten von was auch immer auszutauschen.

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